{"id":315873,"date":"2026-08-05T10:59:18","date_gmt":"2026-08-05T10:59:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/315873\/"},"modified":"2026-08-05T10:59:18","modified_gmt":"2026-08-05T10:59:18","slug":"tu-graz-testet-kuehlende-keramikwand-gegen-stadthitze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/315873\/","title":{"rendered":"TU Graz testet k\u00fchlende Keramikwand gegen Stadthitze"},"content":{"rendered":"<p>        <a href=\"https:\/\/www.inside-graz.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/keramik-kuehlwand.jpg\" data-caption=\"Eine k\u00fchlende Wand aus den 3D-gedruckten W\u00fcrfeln steht am Campus Neue Technik der TU Graz. Foto Lunghammer \/ TU Graz \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" width=\"640\" height=\"427\" class=\"entry-thumb td-modal-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/keramik-kuehlwand-640x427.jpg\"   alt=\"Keramik K\u00fchlwand\" title=\"Keramik K\u00fchlwand\"\/><\/a>Eine k\u00fchlende Wand aus den 3D-gedruckten W\u00fcrfeln steht am Campus Neue Technik der TU Graz. Foto Lunghammer \/ TU Graz <\/p>\n<p>Eine neu entwickelte Keramikwand soll aufgeheizte Innenr\u00e4ume und \u00f6ffentliche Bereiche auf nat\u00fcrliche Weise k\u00fchlen. Forschende der TU Graz kombinieren daf\u00fcr Verdunstungsk\u00fchlung mit 3D-Druck. Einen ersten Prototyp k\u00f6nnen Interessierte bereits in Graz besichtigen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Entwicklung stehen por\u00f6se Keramikw\u00fcrfel mit einer Kantenl\u00e4nge von rund 23 Zentimetern. Das Team entwirft ihre Struktur digital und fertigt sie anschlie\u00dfend mit einem 3D-Drucker aus einer speziellen Tonmischung.<\/p>\n<p>Die W\u00fcrfel speichern Wasser in zahlreichen feinen Poren. Verdunstet die Fl\u00fcssigkeit, entzieht sie der Umgebung W\u00e4rme. Dadurch sinkt die Temperatur in unmittelbarer N\u00e4he der Keramikelemente.<\/p>\n<p>Altes K\u00fchlprinzip trifft moderne Fertigung<\/p>\n<p>Die sogenannte Verdunstungsk\u00fchlung kommt seit Jahrhunderten zum Einsatz. Tonkr\u00fcge halten Wasser k\u00fchl, w\u00e4hrend traditionelle Windt\u00fcrme in hei\u00dfen Regionen Luftstr\u00f6me und Verdunstung zur Temperatursenkung nutzen.<\/p>\n<p>Die Forschenden der TU Graz \u00fcbertragen dieses Prinzip auf moderne Bauteile. Der 3D-Druck erm\u00f6glicht dabei Formen, die sich mit herk\u00f6mmlichen Produktionsmethoden kaum herstellen lassen.<\/p>\n<p>\u201eDas funktioniert schon seit Jahrhunderten bei Tonkr\u00fcgen ebenso wie in traditionellen Windt\u00fcrmen\u201c, erkl\u00e4rt Milena Stavric von der TU Graz. \u201eDer entscheidende technologische Fortschritt liegt hier im Einsatz des 3D-Drucks, mit dem wir hochkomplexe, por\u00f6se und funktionsoptimierte Geometrien aus Tongemischen herstellen. Diese speziellen Strukturen speichern Wasser besonders effizient und schaffen bei geringem Volumen eine enorme Verdunstungsoberfl\u00e4che.\u201c<\/p>\n<p>Por\u00f6se Struktur verteilt Wasser im gesamten W\u00fcrfel<\/p>\n<p>Das Team verwendet eine geometrische Struktur mit besonders gro\u00dfer Oberfl\u00e4che. Gleichzeitig ben\u00f6tigt sie vergleichsweise wenig Material. Fachleute bezeichnen diese Form als dreifach periodische Minimalfl\u00e4che, kurz TPMS.<\/p>\n<p>Nach dem Druck brennen die Forschenden die Tonw\u00fcrfel bei relativ niedrigen Temperaturen. Dadurch bleibt das Material stark por\u00f6s. Die Keramik nimmt Wasser \u00fcber Kapillarkr\u00e4fte auf und verteilt es durch die gesamte Struktur.<\/p>\n<p>An der gro\u00dfen Oberfl\u00e4che kann das Wasser anschlie\u00dfend gleichm\u00e4\u00dfig verdunsten. Dieser Vorgang entzieht der vorbeistr\u00f6menden Luft W\u00e4rme und erzeugt den gew\u00fcnschten K\u00fchleffekt.<\/p>\n<p>Pilzgeflecht erzeugt zus\u00e4tzliche Poren<\/p>\n<p>Im sogenannten Shape Lab der TU Graz untersucht das Team weitere Materialvarianten. Dabei orientieren sich die Forschenden auch an Strukturen aus der Natur.<\/p>\n<p>Sie mischen unter anderem Pilzkulturen und Holzsp\u00e4ne in den Ton. Das Pilzmyzel w\u00e4chst vor dem Brennvorgang durch das Material und bildet ein feines Geflecht.<\/p>\n<p>Beim Brennen verbrennen das Myzel und die Holzbestandteile. Zur\u00fcck bleibt ein System aus unterschiedlich gro\u00dfen Poren. Diese Hohlr\u00e4ume verbessern die Wasserverteilung im Inneren und k\u00f6nnen dadurch die Verdunstung unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Test zeigt Temperaturunterschied von fast sieben Grad<\/p>\n<p>Einen ersten Praxistest f\u00fchrte das Team in einem stark aufgeheizten Dachgeschoss der TU Graz durch. Die Forschenden bef\u00fcllten einen W\u00fcrfel mit Wasser und ma\u00dfen die Temperatur in seiner direkten Umgebung.<\/p>\n<p>Dabei registrierten sie einen R\u00fcckgang um knapp sieben Grad Celsius. Der gemessene Wert gilt allerdings f\u00fcr den kontrollierten Versuchsaufbau unmittelbar am Keramikelement. Die tats\u00e4chliche K\u00fchlung gr\u00f6\u00dferer R\u00e4ume h\u00e4ngt unter anderem von Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Raumgr\u00f6\u00dfe und Wassermenge ab.<\/p>\n<p>\u201eIm gesamten Raum war die K\u00fchlwirkung deutlich sp\u00fcrbar\u201c, sagt Kristijan Ristoski. Er verband die einzelnen Keramikw\u00fcrfel im Rahmen seiner Masterarbeit mit einem steuerbaren Wasserkreislauf und entwickelte daraus die vorgestellte K\u00fchlwand.<\/p>\n<p>Seeschlamm k\u00f6nnte als Baustoff dienen<\/p>\n<p>Neben klassischen Tonmischungen pr\u00fcft das Forschungsteam auch alternative Rohstoffe. Dazu z\u00e4hlt Schlamm aus dem Neusiedler See.<\/p>\n<p>Dort entfernen Fachleute regelm\u00e4\u00dfig Sedimente, um die fortschreitende Verlandung des flachen Sees zu begrenzen. Bislang findet das ausgebaggerte Material nur wenig Verwendung.<\/p>\n<p>Die Forschenden untersuchen deshalb, ob sich Teile des Schlamms f\u00fcr keramische Bauteile aus dem 3D-Drucker eignen. Gel\u00e4nge dieser Ansatz, k\u00f6nnte ein bisher kaum genutzter Reststoff in neue Bauprodukte einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Keramikwand soll Klimaanlagen erg\u00e4nzen<\/p>\n<p>Die Technologie soll vor allem dort helfen, wo B\u00e4ume, Beschattung oder bauliche Ver\u00e4nderungen nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich sind. Denkbare Einsatzorte sind Schulen, B\u00fcros, Wohngeb\u00e4ude, Haltestellen, Innenh\u00f6fe oder \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die Keramikelemente ben\u00f6tigen f\u00fcr den eigentlichen K\u00fchlprozess keine strombetriebene K\u00e4ltemaschine. Pumpen und Wasserkreisl\u00e4ufe k\u00f6nnen je nach Ausf\u00fchrung dennoch Energie verbrauchen. Zudem funktioniert Verdunstungsk\u00fchlung bei trockener Luft besser als bei hoher Luftfeuchtigkeit.<\/p>\n<p>Die Wand ersetzt daher nicht automatisch eine <a href=\"https:\/\/www.inside-graz.at\/wohnen\/midea-portasplit-test-lohnt-kauf.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimaanlage<\/a>. Sie k\u00f6nnte jedoch bestehende K\u00fchlkonzepte erg\u00e4nzen und den Energiebedarf in geeigneten Situationen reduzieren.<\/p>\n<p>\u201eUnser Ziel ist es, K\u00fchlung dort bereitzustellen, wo Menschen besonders <a href=\"https:\/\/www.inside-graz.at\/wohnen\/hitze-stadt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unter Hitze leiden \u2013 etwa in St\u00e4dten<\/a>, wo K\u00fchlung durch B\u00e4ume teilweise kaum m\u00f6glich ist. Daf\u00fcr setzen wir auf nat\u00fcrliche K\u00fchlprinzipien statt auf energieintensive Klimatechnik\u201c, sagt Milena Stavric.<\/p>\n<p>Demonstrationswand steht am Campus der TU Graz<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.inside-graz.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/keramik-kuehlwand-team.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-28426\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Projektteam k\u00fchlende Keramikwand\" width=\"640\" height=\"427\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/keramik-kuehlwand-team-1024x683.jpg\"\/><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-28426\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/keramik-kuehlwand-team-1024x683.jpg\" alt=\"Projektteam k\u00fchlende Keramikwand\" width=\"640\" height=\"427\"  \/><\/a>Projektteam k\u00fchlende Keramikwand:<br \/>V.l.: Julian Jauk, Milena Stavric und Kristijan Ristoski vom Institut f\u00fcr Architekur und Medien der TU Graz.<br \/>Fotograf: Helmut Lunghammer \/ TU Graz<\/p>\n<p>Die TU Graz hat am Campus Neue Technik in der Stremayrgasse eine freistehende Demonstrationswand errichtet. Die Konstruktion misst etwa zwei mal zwei Meter und besteht aus den entwickelten Tonelementen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnen Interessierte die Technologie im Museum der Wahrnehmung in Graz kennenlernen. Dort zeigt das Projektteam ebenfalls, wie die por\u00f6sen Keramikelemente Wasser speichern und ihre Umgebung durch Verdunstung abk\u00fchlen.<\/p>\n<p>Die Forschenden suchen nun den Austausch mit Planungsb\u00fcros und Unternehmen. Dadurch k\u00f6nnten aus den bisherigen Prototypen k\u00fcnftig Bauteile f\u00fcr Geb\u00e4ude und \u00f6ffentliche R\u00e4ume entstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine k\u00fchlende Wand aus den 3D-gedruckten W\u00fcrfeln steht am Campus Neue Technik der TU Graz. 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