{"id":316482,"date":"2026-08-05T16:51:07","date_gmt":"2026-08-05T16:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/316482\/"},"modified":"2026-08-05T16:51:07","modified_gmt":"2026-08-05T16:51:07","slug":"schnarcher-erkranken-seltener-an-demenz-als-nichtschnarcher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/316482\/","title":{"rendered":"Schnarcher erkranken seltener an Demenz als Nichtschnarcher"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/schnarcher-erkranken-seltener-an-demenz-als-nichtschnarcher.jpg\"   alt=\"Schnarcher erkranken seltener an Demenz als Nichtschnarcher\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Lautes, dauerhaftes Schnarchen gilt als Leitsymptom der obstruktiven Schlafapnoe, bei der die Atmung im Schlaf immer wieder aussetzt. Neuere Messungen verbinden den Schweregrad dieser Atemaussetzer mit Alzheimer-Markern im Blut. Eine Auswertung von mehr als 450.000 Datens\u00e4tzen der UK Biobank dreht die Blickrichtung jedoch um und zeigt, dass gerade der R\u00fcckgang des Schnarchens im h\u00f6heren Alter aufmerksam machen sollte. Die Ursache liegt dabei nicht im Ger\u00e4usch selbst.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Paare ist lautes Schnarchen vor allem eine n\u00e4chtliche Zumutung. Genau dieses Ger\u00e4usch ist jedoch das Leitsymptom wiederholter Atemaussetzer, deren Schweregrad messbar mit Eiwei\u00dfmarkern der Alzheimer-Krankheit zusammenh\u00e4ngt. Eine Auswertung von 451.250 Datens\u00e4tzen dreht die Blickrichtung dann allerdings um. Entscheidend ist offenbar weniger das Ger\u00e4usch selbst als das, was im K\u00f6rper dahinter passiert, und im h\u00f6heren Alter kehrt sich das Warnsignal sogar um.<\/p>\n<p>Beim Schnarchen vibriert erschlafftes Gewebe im Rachen, weil die oberen Atemwege im Schlaf enger werden. Kollabieren sie vollst\u00e4ndig, entsteht eine Apnoe. In der Schlafmedizin gilt eine Apnoe als vollst\u00e4ndiger Ausfall des Atemflusses \u00fcber mehr als zehn Sekunden, eine Hypopnoe als Verringerung des Atemflusses um mehr als 30 Prozent mit einem gleichzeitigen Abfall der Sauerstoffs\u00e4ttigung um mehr als vier Prozentpunkte. Gez\u00e4hlt werden diese Ereignisse im Apnoe-Hypopnoe-Index, kurz AHI. F\u00fcnf bis 15 Ereignisse pro Stunde gelten als leichte, 15 bis 30 als mittelschwere und ab 30 als schwere obstruktive Schlafapnoe. Jeder dieser Vorf\u00e4lle endet mit einer kurzen Weckreaktion, die der Schlafende meist nicht bemerkt, die aber Herzfrequenz und Blutdruck kurzzeitig nach oben treibt. Das Muster wiederholt sich in schweren F\u00e4llen mehrere hundert Mal pro Nacht.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Gehirn sind dabei zwei Folgen bedeutsam. Erstens die wiederkehrende Unterversorgung mit Sauerstoff, die als intermittierende Hypoxie bezeichnet wird und in Laborversuchen die Bildung von Beta-Amyloid beg\u00fcnstigt. Zweitens die Zerst\u00fcckelung des Schlafs, die vor allem den Tiefschlaf verk\u00fcrzt. Genau in dieser Phase arbeitet das glymphatische System besonders aktiv, ein Sp\u00fclmechanismus, der Stoffwechselprodukte aus dem Hirngewebe abtransportiert. Fehlt dieser Abschnitt, sammeln sich Eiwei\u00dfe, die im \u00dcberma\u00df verklumpen und als Plaques sichtbar werden. Hinzu kommen Entz\u00fcndungsprozesse und die Belastung der Gef\u00e4\u00dfe durch n\u00e4chtliche Blutdruckspitzen, \u00e4hnlich wie bei anderen Reizen, die den Kreislauf wiederholt beanspruchen und deren Wirkung sich messtechnisch erstaunlich klar abbilden l\u00e4sst, etwa bei der Frage, wie <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/kaffee-und-energydrink-wirken-voellig-verschieden-aufs-herz-133711949\" title=\"Kaffee und Energydrink wirken v\u00f6llig verschieden aufs Herz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kaffee und Energydrinks auf das Herz wirken<\/a>.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas schweres Schnarchen im Blut hinterl\u00e4sst<\/p>\n<p>Wie eng diese Verbindung ist, hat eine Arbeitsgruppe des Alzheimer-Forschungszentrums der New York University untersucht und im Fachjournal Alzheimer&#8217;s and Dementia ver\u00f6ffentlicht. Die Teilnehmer durchliefen eine Schlafuntersuchung, anschlie\u00dfend wurden Marker im Blut und im Nervenwasser bestimmt. Der Apnoe-Hypopnoe-Index hing dabei messbar mit den Amyloidwerten im Plasma zusammen, f\u00fcr Beta-Amyloid 40 lag der Korrelationskoeffizient bei 0,21, f\u00fcr Beta-Amyloid 42 bei 0,23 und f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis beider Werte bei 0,20. Der Zusammenhang mit dem Tau-Protein im Blut verfehlte dagegen die statistische Signifikanz. Die Autoren betonen in <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/alz-journals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/alz.71270\" title=\"Untersuchung zu Schlafapnoe-Schweregrad und Alzheimer-Markern im Fachjournal Alzheimer&#039;s and Dementia\">ihrer Auswertung zur Schwere der Schlafapnoe<\/a>, dass Hypoxie, Sauerstoffmangel im Wechsel mit Kohlendioxid-Anstiegen und Bluthochdruck zus\u00e4tzlich Nervenzellen sch\u00e4digen k\u00f6nnen, also unabh\u00e4ngig von der Amyloidablagerung wirken.<\/p>\n<p>Warum nachlassendes Schnarchen ein Warnzeichen sein kann<\/p>\n<p>Deutlich \u00fcberraschender f\u00e4llt der Blick auf die Bev\u00f6lkerungsebene aus. Ein Team um Yaqing Gao wertete Daten von 451.250 Teilnehmern der UK Biobank aus, die zu Beginn Angaben zu ihrem Schnarchen gemacht hatten und im Mittel 13,6 Jahre begleitet wurden. In dieser Zeit erkrankten rund 8.000 Menschen an einer Demenz. Schnarcher hatten dabei ein um acht Prozent geringeres Demenzrisiko, der Wert lag bei einem Hazard Ratio von 0,92. Auff\u00e4llig ist der zeitliche Verlauf: Bei einer Nachbeobachtung von bis zu f\u00fcnf Jahren betrug das Verh\u00e4ltnis 0,83, zwischen f\u00fcnf und zehn Jahren 0,88, und nach mehr als zehn Jahren verschwand der Effekt mit 0,98 vollst\u00e4ndig. Genau dieses Muster spricht daf\u00fcr, dass hier keine Schutzwirkung sichtbar wird, sondern eine bereits beginnende Erkrankung.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas die genetische Analyse tats\u00e4chlich zeigt<\/p>\n<p>Um Ursache und Wirkung zu trennen, nutzten die Forscher eine Mendelsche Randomisierung, bei der genetische Varianten als nat\u00fcrliches Experiment dienen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus und ist in der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/academic.oup.com\/sleep\/article\/48\/1\/zsae149\/7701513\" title=\"Kohortenstudie und Mendelsche Randomisierung zu Schnarchen und Demenzrisiko im Fachjournal Sleep\">Ver\u00f6ffentlichung im Fachjournal Sleep<\/a> nachzulesen: Vom Schnarchen selbst geht kein kausaler Effekt auf die Alzheimer-Krankheit aus. Umgekehrt zeigte sich, dass eine genetische Veranlagung f\u00fcr Alzheimer mit weniger Schnarchen einhergeht, und zwar vermittelt \u00fcber einen niedrigeren K\u00f6rpermasseindex. Der Grund daf\u00fcr ist bekannt: In der Vorphase einer Alzheimer-Demenz verlieren viele Betroffene \u00fcber Jahre unbemerkt an Gewicht, weil Appetit und Stoffwechselregulation gest\u00f6rt sind. Weniger Gewebe im Rachenraum bedeutet weniger Vibration, und damit wird es im Schlafzimmer stiller. Besonders ausgepr\u00e4gt war der Zusammenhang bei \u00c4lteren und bei Tr\u00e4gern der Risikovariante APOE Epsilon 4.<\/p>\n<p>Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist<\/p>\n<p>F\u00fcr den Alltag ergibt sich daraus eine doppelte Botschaft. Wer im mittleren Alter laut und regelm\u00e4\u00dfig schnarcht, dazu nachts nach Luft schnappt, morgens mit Kopfschmerzen aufwacht oder tags\u00fcber ausgepr\u00e4gt m\u00fcde ist, sollte die Atemaussetzer abkl\u00e4ren lassen. H\u00e4ufig f\u00e4llt das dem Bettnachbarn deutlich fr\u00fcher auf als dem Betroffenen selbst, weil dieser die kurzen Weckreaktionen gar nicht erinnert. Die Diagnose erfolgt \u00fcber eine ambulante Messung oder eine Nacht im Schlaflabor, behandelt wird meist mit einer n\u00e4chtlichen \u00dcberdruckbeatmung per CPAP-Ger\u00e4t, das die Atemwege offen h\u00e4lt und die Sauerstoffs\u00e4ttigung stabilisiert. \u00c4ltere Arbeiten zur Alzheimer-Kohorte ADNI zeigten, dass leichte kognitive St\u00f6rungen bei gest\u00f6rter n\u00e4chtlicher Atmung im Mittel deutlich fr\u00fcher auftraten und dass eine CPAP-Behandlung diesen Zeitpunkt nach hinten verschob. Wird ein \u00e4lterer Mensch dagegen ohne erkennbaren Grund leiser und verliert dabei an Gewicht, ist das kein Anlass zur Erleichterung.<\/p>\n<p>Alzheimer&#8217;s and Dementia, Obstructive sleep apnea severity, Alzheimer&#8217;s disease plasma markers, and CSF brain amyloidosis and tau pathology; doi:10.1002\/alz.71270<br \/>Sleep, Snoring and risk of dementia: a prospective cohort and Mendelian randomization study; doi:10.1093\/sleep\/zsae149<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Lautes, dauerhaftes Schnarchen gilt als Leitsymptom der obstruktiven Schlafapnoe, bei der die Atmung im Schlaf immer wieder&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":316483,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,20344,42,59063,52345,1765,124,123,44,81061,20341,82174,17594],"class_list":["post-316482","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-atemaussetzer","tag-austria","tag-beta-amyloid","tag-cpap","tag-demenz","tag-gesundheit","tag-health","tag-oesterreich","tag-sauerstoffsaettigung","tag-schlafapnoe","tag-schnarchen","tag-uk-biobank"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117043939822961017","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=316482"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/316482\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/316483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=316482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=316482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=316482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}