{"id":317244,"date":"2026-08-06T03:37:11","date_gmt":"2026-08-06T03:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317244\/"},"modified":"2026-08-06T03:37:11","modified_gmt":"2026-08-06T03:37:11","slug":"analyst-marokko-soll-fuer-europa-den-gendarm-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317244\/","title":{"rendered":"Analyst: &#8222;Marokko soll f\u00fcr Europa den Gendarm spielen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">&#8222;Die Grenze nach Spanien ist offen. Wenn du es schaffst, ein paar Kilometer weit zu schwimmen, wirst du Europ\u00e4er.&#8220; Diese Falschmeldung las der Politikanalyst Mohamed Chtatou zu Beginn der Ceuta-Krise im Internet. Kurz darauf war die Website verschwunden. &#8222;F\u00fcr junge, abenteuerlustige und leichtsinnige Menschen war das eine starke Botschaft&#8220;, sagt er im APA-Gespr\u00e4ch. Chtatou hat als Professor f\u00fcr Erziehungswissenschaften an der Universit\u00e4t Rabat viel mit Marokkos Jugend zu tun.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Hinter Falschmeldungen, die den Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta am 29. und 30. Juli befeuerten, vermutet der Analyst Schleppernetzwerke. Auch eine russische Desinformationskampagne schlie\u00dft er nicht aus. &#8222;Auf Arabisch nennen wir Menschen, die solche Meldungen verbreiten, &#8222;elektronische Fliegen&#8220; (dhubab al-elektroni). Hast du schon mal versucht, eine Fliege zu fangen? Sie sind schwer fassbar, man kann sie nicht ausrotten.&#8220; Solche Personen oder Bots w\u00fcrden online Desinformation verbreiten und dann spurlos verschwinden. Sie h\u00e4tten eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichtshofs von Mitte Juni instrumentalisiert.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Spaniens Oberster Gerichtshof hatte Mitte Juni entschieden, dass Migranten, die auf dem Seeweg in die Exklaven Ceuta oder Melilla abgefangen werden, nicht umgehend wieder zur\u00fcckgeschickt werden d\u00fcrfen. &#8222;Das war eine l\u00e4cherliche Entscheidung&#8220;, kritisiert Chtatou. &#8222;Das verst\u00f6\u00dft gegen die Sicherheitsabkommen, die Europa mit L\u00e4ndern in Nordafrika an den Grenzen geschlossen hat.&#8220; Anhand solcher Abkommen habe Europa aus Sicht des Politikanalysten die Sicherung der EU-Au\u00dfengrenzen ausgelagert. &#8222;Marokko soll f\u00fcr Europa den Gendarm spielen&#8220;, sagt der Professor.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Vor diesem Hintergrund wirft er europ\u00e4ischen Regierungen und der EU Doppelstandards vor. &#8222;Wenn ich von Doppelmoral spreche, meine ich damit, dass sie einerseits behaupten, sie seien an Menschenrechten interessiert &#8211; etwa in Bezug auf Menschen, die nach Ceuta gelangen.&#8220; Andererseits w\u00fcrde Europa Druck auf Regierungen in Nordafrika aus\u00fcben, um Migration nach Europa zu stoppen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">In Marokko sei die Best\u00fcrzung \u00fcber die mehr als 70 Toten gro\u00df. &#8222;Das Gef\u00fchl ist eigentlich Emp\u00f6rung. Totale Emp\u00f6rung&#8220;, betont Chtatou. Von der Fluchtbewegung nach Ceuta seien die marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte seiner Meinung nach schlichtweg \u00fcberfordert gewesen. &#8222;Wenn man es mit 60.000 Jugendlichen zu tun hat, kann man sie nicht einfach aufhalten. Es ist unm\u00f6glich, sie unter Kontrolle zu bringen. Man m\u00fcsste auf sie schie\u00dfen, und das kann man ja nicht tun, oder?&#8220; Viele Menschen seien auch w\u00fctend, dass Marokko f\u00fcr die Krise verantwortlich gemacht werde.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">So bezeichnete etwa Ceutas Regionalpr\u00e4sident Juan Jes\u00fas Vivas die Grenz\u00fcbertritte in Ceuta als &#8222;wenn nicht von Marokko inszeniert, so doch zumindest von Marokko gef\u00f6rdert oder geduldet&#8220;. Auch internationale Medien berichteten \u00fcber eine Beteiligung marokkanischer Beh\u00f6rden an der Fluchtbewegung. Der &#8222;Guardian&#8220; zitierte etwa einen 28-j\u00e4hrigen Marokkaner, der nach eigenen Angaben nach Ceuta geschwommen war: &#8222;Die marokkanische Polizei dr\u00e4ngte uns ins Wasser und rief uns zu: &#8218;Schwimmt, schwimmt!'&#8220; Eine derartige Ermutigung vonseiten der marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte kann Chtatou sich nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Auch &#8222;Politico&#8220; verwies auf Berichte der spanischen Nationalgarde, laut denen marokkanische Gendarmen, die die Grenze normalerweise sichern, ihre Posten zu Beginn des Massenandrangs &#8222;unerkl\u00e4rlicherweise&#8220; verlassen h\u00e4tten. Laut AFP erkl\u00e4rte ein marokkanischer Regierungsvertreter die Abwesenheit der Gendarmen damit, dass die Zahl der Migranten derart angeschwollen sei, dass die Sicherheitskr\u00e4fte &#8222;an einem bestimmten Punkt&#8220; den Menschen nicht mehr h\u00e4tten entgegentreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Viele Menschen in Marokko w\u00fcrden sich Europa als eine Art &#8222;Eldorado&#8220; vorstellen, wo das Leben ungemein besser sei. Laut Chtatou sei dieser Eldorado-Mythos nicht neu, sondern historisch und kulturell in Marokko verankert. &#8222;Nach Europa zu gehen, war schon immer der Traum vieler Gemeinschaften im Norden Marokkos&#8220;. Europa habe sich den Mythos selbst zu eigen gemacht, um nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeitskr\u00e4fte aus Marokko anzuwerben.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Zugleich sei der Mythos auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Der Politikanalyst weist darauf hin, dass das durchschnittliche Einkommen in Europa nach wie vor h\u00f6her als in Marokko ist. Solche Ungleichheiten w\u00fcrden die Sehnsucht nach einem europ\u00e4ischen Eldorado verst\u00e4rken und Schleppernetzwerken T\u00fcr und Tor \u00f6ffnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">(Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Pia Hecher\/APA)<\/p>\n<p>shareArtikel teilenhomeZur Startseite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Die Grenze nach Spanien ist offen. 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