{"id":317290,"date":"2026-08-06T04:19:13","date_gmt":"2026-08-06T04:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317290\/"},"modified":"2026-08-06T04:19:13","modified_gmt":"2026-08-06T04:19:13","slug":"hitzeschutz-fuer-risikogruppen-pflegeheime-gefordert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317290\/","title":{"rendered":"Hitzeschutz f\u00fcr Risikogruppen &#8211; Pflegeheime gefordert"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Hitze ist unsichtbar, ihre Folgen sind es nicht. Die hei\u00dfe Luft dringt in Wohnungen, Arbeitspl\u00e4tze und Pflegeheime ein, bleibt oft \u00fcber Nacht und kann Menschen \u00fcber Tage oder Wochen belasten. Besonders gro\u00df ist die Belastung in Pflegeeinrichtungen: Dort treffen \u00e4ltere, chronisch kranke und eingeschr\u00e4nkt mobile Menschen auf Besch\u00e4ftigte, die bei hohen Temperaturen k\u00f6rperlich arbeiten und zus\u00e4tzliche Betreuungsaufgaben \u00fcbernehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">&#8222;Eine Hitzewelle ist kein sch\u00f6nes Wetter, sondern ein Extremwetterereignis &#8211; genauso wie ein Hochwasser&#8220;, sagte Gabriel Bachner vom Wegener Center der Universit\u00e4t Graz im Gespr\u00e4ch mit der APA. Wie gef\u00e4hrlich Hitze wird, h\u00e4ngt nicht nur von der Temperatur ab. Gesundheit, Einkommen, Wohnsituation, Beruf und soziale Kontakte entscheiden mit dar\u00fcber, wie gut sich jemand sch\u00fctzen kann. Wer besonders gef\u00e4hrdet ist und zu sogenannten vulnerablen Gruppen geh\u00f6rt, l\u00e4sst sich nicht an einer einzigen Eigenschaft festmachen. Eine r\u00fcstige \u00e4ltere Frau, die im Erdgeschoss in einer begr\u00fcnten Umgebung wohnt, gut in ein soziales Netzwerk eingebunden ist und wei\u00df, wie sie sich bei Hitze verhalten soll, k\u00f6nne weniger gef\u00e4hrdet sein als eine j\u00fcngere Person, die allein und psychisch erkrankt in einer schlecht ged\u00e4mmten Dachgeschosswohnung lebt. &#8222;Es ist nicht immer nur dieser eine Faktor, der z\u00e4hlt, sondern eine \u00dcberlappung von Faktoren&#8220;, sagte Bachner.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Er leitete das Forschungsprojekt &#8222;DISCC-AT&#8220;, das die Verteilung von Klimarisiken in \u00d6sterreich untersuchte. Das Team kombinierte Interviews mit Sozial- und Pflegeorganisationen mit kleinr\u00e4umigen Daten zu Einkommen, Alter, Beruf und Klima. Daraus entstanden verschiedene Hitzerisikoprofile. Dazu z\u00e4hlen etwa armutsbetroffene Menschen in schlecht ausgestatteten Mietwohnungen, Alleinerziehende mit wenig Geld und Zeit, Menschen mit k\u00f6rperlich belastenden Berufen im Freien, chronisch kranke Menschen sowie \u00e4ltere Personen mit geringem finanziellen Spielraum. Wer etwa wenig verdient, kann sich m\u00f6glicherweise keine Klimaanlage leisten und auch nicht regelm\u00e4\u00dfig Eintritt f\u00fcr ein Schwimmbad bezahlen. Die Profile sollen greifbar machen, warum zwei Menschen am selben Ort sehr unterschiedlich von Hitze betroffen sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Wie mehrere Risikofaktoren zusammenwirken, zeigt sich in Pflegeheimen. Dort treffen hohes Alter, chronische Erkrankungen, eingeschr\u00e4nkte Mobilit\u00e4t und komplexe Medikamenteneinnahme auf Geb\u00e4ude, die h\u00e4ufig nicht f\u00fcr wochenlange Hitzeperioden ausgelegt sind. Das von der \u00d6sterreichischen Forschungsf\u00f6rderungsgesellschaft FFG gef\u00f6rderte Projekt &#8222;multiSENSE&#8220; hat k\u00fcrzlich die Hitzebelastung in acht Pflegeheimen untersucht. Ein Team rund um die Gesundheitspsychologen Andreas Schwerdtfeger und Katja \u010ceplak hat unter anderem Raumklima, Vitalzeichen &#8211; etwa mit einer EKG-Studie &#8211; und die Wahrnehmung der Bewohner erhoben. Hinzu kamen Interviews mit Besch\u00e4ftigten und Heimleitungen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die umfassende Auswertung steht noch aus. Was sich aber schon erkennen l\u00e4sst, so Projektmitarbeiterin Katja \u010ceplak: &#8222;Hitze in Pflegeheimen ist ein Problem und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Wenn die Hitze einmal im Heim ist, bleibt sie auch dort \u00fcber den Sommer&#8220;, sagte sie. Fr\u00fcher seien hohe Temperaturen oft nur einige Tage lang ein Problem gewesen, inzwischen z\u00f6gen sich Hitzeperioden teilweise \u00fcber Wochen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">In den untersuchten Einrichtungen wurden wiederholt 28 bis 30 Grad gemessen. Neben den Bewohnern sei auch das Personal belastet. Gleichzeitig entst\u00fcnden zus\u00e4tzliche Aufgaben: Besch\u00e4ftigte m\u00fcssten Getr\u00e4nke anbieten, Kleidung wechseln, \u00f6fter duschen, l\u00fcften und R\u00e4ume abdunkeln. Besch\u00e4ftigte h\u00e4tten in den Interviews davon gesprochen, w\u00e4hrend des Sommers &#8222;zehn zus\u00e4tzliche H\u00e4nde&#8220; zu ben\u00f6tigen, berichtete \u010ceplak. W\u00e4hrend sie auf die Bewohner achteten, k\u00e4men sie selbst kaum zu Pausen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">&#8222;Die Pflegeheime machen alles, was sie k\u00f6nnen, aber sie kommen wirklich an ihre Grenzen&#8220;, betonte \u010ceplak. Manche stellten Becken zur K\u00fchlung der F\u00fc\u00dfe auf, schafften Pflanzen an oder ver\u00e4nderten den Speiseplan. Bei langen Hitzewellen und Geb\u00e4uden, die nicht f\u00fcr die heutigen Temperaturen errichtet worden seien, reichten diese Ma\u00dfnahmen jedoch irgendwann nicht mehr aus. Hitze belaste Bewohner k\u00f6rperlich und psychisch. \u00c4ltere und chronisch kranke Menschen k\u00f6nnten ihre K\u00f6rpertemperatur h\u00e4ufig schlechter regulieren. Manche Bewohner n\u00e4hmen die Hitze und die damit verbundene Gefahr zudem nur eingeschr\u00e4nkt wahr.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die Einrichtungen w\u00fcnschten sich vor allem au\u00dfen liegende Jalousien, Beschattung und Begr\u00fcnung, bessere L\u00fcftung, Klimaanlagen, k\u00fchlere Pausenr\u00e4ume und leichtere Arbeitskleidung. Selbst einfache Ma\u00dfnahmen scheiterten jedoch oft am Budget. N\u00f6tig seien auf Geb\u00e4ude, Umgebung und Bewohner abgestimmte, ganzheitliche Konzepte. &#8222;Es hilft kein k\u00fchler Waschlappen im Nacken mehr, wenn eine Hitzewelle drei Wochen dauert&#8220;, sagte \u010ceplak. Es gebe nicht eine einzige L\u00f6sung, sagte Schwerdtfeger. &#8222;Es braucht vielmehr individuelle L\u00f6sungen.&#8220;<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Das Projekt &#8222;multiSENSE&#8220; soll bis Ende dieses Jahres zeigen, wie Hitze Bewohner und Besch\u00e4ftigte auf k\u00f6rperlicher, psychischer und sozialer Ebene belastet. Langfristig sollen die unterschiedlichen Daten in ein Informationssystem einflie\u00dfen. Mithilfe K\u00fcnstlicher Intelligenz k\u00f6nnten etwa Raumklima, Vitaldaten, Bewegungsdaten und subjektive Wahrnehmungen verbunden werden. Das System k\u00f6nnte k\u00fcnftig Belastungen fr\u00fchzeitig erkennen und entsprechende Warnungen oder Empfehlungen liefern.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Au\u00dferhalb von Pflegeeinrichtungen brauche es ebenfalls gezielte L\u00f6sungen, betonte Bachner von der Uni Graz. Ein Beispiel seien sogenannte Hitzek\u00fcmmerer. Angeh\u00f6rige oder gef\u00e4hrdete Personen k\u00f6nnten sich freiwillig registrieren und w\u00fcrden w\u00e4hrend einer Hitzewelle regelm\u00e4\u00dfig kontaktiert oder besucht. Denkbar seien zudem mehr frei zug\u00e4ngliche, barrierefreie K\u00fchlr\u00e4ume in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden. Informationen \u00fcber Hitzewarnungen m\u00fcssten verschiedene Bev\u00f6lkerungsgruppen tats\u00e4chlich erreichen. Pflegedienste und Sozialorganisationen br\u00e4uchten mehr Ressourcen. Bei der Stadtplanung wiederum helfen B\u00e4ume, beschattete Pl\u00e4tze, entsiegelte Fl\u00e4chen und begr\u00fcnte Geb\u00e4ude. Bachner warnte aber davor, Hitze nur als st\u00e4dtisches Problem zu sehen. Auch in l\u00e4ndlichen Gebieten k\u00f6nnten Wohnungen und Arbeitspl\u00e4tze stark \u00fcberhitzen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Welche Ma\u00dfnahmen besonders dringend sind, sollte laut Bachner m\u00f6glichst auf lokaler Ebene entschieden werden. Gemeinden w\u00fcssten, wo sich Hitzeinseln befinden, welche Schulen kaum beschattet sind, wie Pflegeheime ausgestattet sind und in welchen Ortsteilen besonders belastete Menschen leben. &#8222;Das lokale Wissen sollte man anzapfen&#8220;, sagte der Forscher. Bund und L\u00e4nder m\u00fcssten daf\u00fcr geeignete rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen schaffen. Dazu geh\u00f6rten klimataugliche Baunormen, einfachere Genehmigungsverfahren f\u00fcr Beschattung oder K\u00fchlung sowie ausreichend Geld f\u00fcr Gemeinden und Sozialeinrichtungen. Ma\u00dfnahmen d\u00fcrften nicht nach dem Gie\u00dfkannenprinzip verteilt werden, sondern sollten dort ansetzen, wo Menschen besonders belastet sind und \u00fcber geringe eigene Anpassungsm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es falsch, bei der Klimawandelanpassung zu sparen, sagte Bachner. Investitionen k\u00f6nnten sp\u00e4tere Gesundheitskosten, fehlende Produktivit\u00e4t, Krankenst\u00e4nde und Sch\u00e4den &#8211; etwa in der Infrastruktur oder im Energiesystem &#8211; verringern. Bachner zufolge zeigen wirtschaftliche Analysen, dass jeder in Klimawandelanpassung investierte Euro mehr als einen Euro an sp\u00e4teren Sch\u00e4den vermeiden k\u00f6nne. Das notwendige Wissen und viele Technologien seien bereits vorhanden. H\u00e4ufig fehle es jedoch an einer dauerhaften Finanzierung.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Ohne ausreichende Anpassung k\u00f6nnte Hitze k\u00fcnftig einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Bev\u00f6lkerung betreffen. In besonders ung\u00fcnstigen Klima- und Bev\u00f6lkerungsszenarien k\u00f6nnten den Berechnungen des Projekts zufolge bis zu zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung in eines der untersuchten Hochrisikoprofile fallen, warnte Bachner. Hitze w\u00e4re damit endg\u00fcltig kein Problem einzelner Randgruppen mehr. Gleichzeitig d\u00fcrfe Anpassung nicht gegen Klimaschutz im Sinne von Emissionsreduktionen ausgespielt werden: Auch die beste K\u00fchlung und Begr\u00fcnung sto\u00dfe bei weiter steigenden Temperaturen an Grenzen.<\/p>\n<p>shareArtikel teilenhomeZur Startseite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hitze ist unsichtbar, ihre Folgen sind es nicht. 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