{"id":317682,"date":"2026-08-06T08:37:08","date_gmt":"2026-08-06T08:37:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317682\/"},"modified":"2026-08-06T08:37:08","modified_gmt":"2026-08-06T08:37:08","slug":"internet-phaenomen-backrooms-und-liminal-spaces","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317682\/","title":{"rendered":"Internet-Ph\u00e4nomen \u201eBackrooms\u201c und Liminal Spaces"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Die H\u00f6lle ist eine scheinbar nie endende, menschenleere Ansammlung von R\u00e4umen mit gelbem Teppichboden, begleitet von dem unaufh\u00f6rlichen Surren von Neonr\u00f6hren. Das ist die fiktive Welt der \u201eBackrooms\u201c. <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/kultur\/backrooms-so-gut-ist-der-kinofilm-zum-internet-hype_aid-149598583\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Den gleichnamigen Horrorfilm haben bereits mehr als 20 Millionen Menschen gesehen.<\/a> Protagonist Clark (gespielt von Chiwetel Ejiofor) ist ein ungl\u00fccklicher M\u00f6belverk\u00e4ufer mit gescheiterter Ehe, der in seinem Laden \u00fcbernachtet, als er eines Nachts ein flackerndes Licht bemerkt. Er geht dem Flackern im Keller nach und landet durch eine Wand in den \u201eBackrooms\u201c, die nach und nach ihren ganz eigenen Schrecken entfalten. So weit, so kurios.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Film geht zur\u00fcck auf ein Internet-Ph\u00e4nomen. Kane Parsons, der auch Regie f\u00fchrte, hat auf YouTube eine ganze Serie rund um die \u201eBackrooms\u201c erschaffen. Die Urspr\u00fcnge des Ph\u00e4nomens liegen aber noch weiter zur\u00fcck. 2019 tauchte in einem Internetforum ein Foto eines fensterlosen Raumes mit gelbem Teppichboden auf. Ein Nutzer erfand eine Geschichte zu dem Bild: Wer an den falschen Stellen in der Realit\u00e4t durch W\u00e4nde gehe, lande in den \u201eBackrooms\u201c \u2013 jener alptraumhaften, gelben Endloswelt.<\/p>\n<p>Die \u00c4sthetik der Liminal Spaces      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die \u201eBackrooms\u201c geh\u00f6ren zur \u00c4sthetik der sogenannten Liminal Spaces. Damit sind Durchgangs- beziehungsweise Zwischenorte gemeint, denen wir im Alltag h\u00e4ufig wenig Beachtung schenken. \u201eParkh\u00e4user, Wartezonen, Hotelflure, Unterf\u00fchrungen und Sicherheitsbereiche sind solche R\u00e4ume\u201c, erkl\u00e4rt Erika Mierow, architektur- und wohnpsychologische Beraterin. \u201eSie werden von uns Menschen physisch genutzt und wir durchqueren sie, aber sie laden nicht zum Aufenthalt ein.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Diese R\u00e4ume seien rein funktional; eine pers\u00f6nliche, emotionale oder soziale Beziehung entstehe nicht. \u201eSie werden nicht als identit\u00e4tsstiftend oder aneignungsf\u00e4hig erlebt\u201c, sagt Mierow. Die Bed\u00fcrfnisse nach r\u00e4umlicher Kontrolle und \u00dcberschaubarkeit w\u00fcrden nicht erf\u00fcllt und machen unsicher und f\u00fchlen sich \u201afremd\u2018 an. \u201eEs sind Zwischenr\u00e4ume ohne pers\u00f6nliche, soziale Bindung.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Begriff \u201eLiminal\u201c leitet sich vom lateinischen Wort \u201elimen\u201c ab, was \u201eSchwelle\u201c bedeutet. Ein liminaler Raum ist also ein Zwischenraum an der Grenze von dem, was vorher war, und dem, was noch nicht eingetreten ist. Das Konzept der Liminalit\u00e4t geht auf den Ethnologen Arnold van Gennep zur\u00fcck. Im Jahr 1909 ver\u00f6ffentlichte van Gennep \u201eLes rites de passage\u201c, eine Studie dar\u00fcber, wie Gesellschaften \u00dcberg\u00e4nge strukturieren. Er beschrieb einen dreiteiligen Prozess bei kulturellen \u00dcbergangsriten: Die liminale Phase beschreibt die Zeit, in der jemand seinen alten Status verliert und darauf wartet, einen neuen Status zu bekommen. In dieser mittleren Phase des Rituals, der Schwelle, manifestiert sich die Liminalit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Charakteristisch f\u00fcr Liminal Spaces ist die Abwesenheit von Menschen. Das macht sie auch so unheimlich. \u201eEs ist wie die Abwesenheit wichtiger menschlicher Bed\u00fcrfnisse nach Wohlgef\u00fchl, Geborgenheit und Vertrauen. Menschen m\u00f6chten Zeit an Orten verbringen, an denen sie sich wohl und mit einer Gemeinschaft oder Nachbarschaft verbunden f\u00fchlen\u201c, erkl\u00e4rt Mierow. Dagegen seien diese Zwischen-R\u00e4ume nicht f\u00f6rdernd f\u00fcr K\u00f6rper und Geist. \u201eVisuell ansprechend w\u00e4ren m\u00f6gliche unterschiedliche Details, Texturen, Formen, Muster und Farben, die der Orientierung und der \u00dcberschaubarkeit dienen.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Kinofilmen haben liminale R\u00e4ume eine gewisse Tradition: etwa im menschenleeren, endlos wirkenden Hotelflur in Stanley Kubricks Horror-Klassiker \u201eShining\u201c oder in der k\u00fcnstlichen Welt der \u201eTruman Show\u201c. <\/p>\n<p>Der eigentliche Horror der \u201eBackrooms\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Solche verlassenen Zwischenr\u00e4ume rufen Unwohlsein hervor. \u201eDiese Orte werden zu einer wahrgenommenen Bedrohung und f\u00fchren zu Vermeidungsverhalten\u201c, sagt Mierow. Es entstehe ein Gef\u00fchl der \u201egest\u00f6rten \u00f6ffentlichen Ordnung\u201c, was zur Folge habe, dass Gesetze und Regeln au\u00dfer Kraft gesetzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eF\u00fcr den Film \u201aBackrooms\u2018 hat der Regisseur die Stresssituation auf die Spitze getrieben und mit den \u00c4ngsten gespielt, die durch die fehlende Ber\u00fccksichtigung menschlicher Bed\u00fcrfnisse entstehen\u201c, so Mierow. Dabei werde die Monotonie der R\u00e4ume, die fehlende \u00dcbersichtlichkeit und die fehlende Kontrolle (Sind hier noch andere Menschen?) besonders betont.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">G\u00e4nzlich verlassen sind die \u201eBackrooms\u201c allerdings nicht. In Kane Parsons Film tauchen irgendwann Monster auf. Logisch, es ist ja immer noch ein Horrorfilm. Doch die Monster sind nicht das Unheimliche. Der eigentliche Horror entfaltet sich, wenn Clark durch die schier endlose Welt aus gelben W\u00e4nden irrt. Verloren in seinen eigenen Gedanken und voller Angst, welche Gefahren sich hinter der n\u00e4chsten Ecke verbergen k\u00f6nnten. Allein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die H\u00f6lle ist eine scheinbar nie endende, menschenleere Ansammlung von R\u00e4umen mit gelbem Teppichboden, begleitet von dem unaufh\u00f6rlichen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":317683,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[23],"tags":[46,42,62696,151,147,7631,152,150,44,148],"class_list":["post-317682","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kino","tag-at","tag-austria","tag-backrooms","tag-cinema","tag-entertainment","tag-horror","tag-kino","tag-movie","tag-oesterreich","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117047659465834625","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317682"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317682\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/317683"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=317682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=317682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}