{"id":317808,"date":"2026-08-06T09:55:16","date_gmt":"2026-08-06T09:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317808\/"},"modified":"2026-08-06T09:55:16","modified_gmt":"2026-08-06T09:55:16","slug":"hike-statt-hangover-was-hinter-dem-wandertrend-steckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/317808\/","title":{"rendered":"Hike statt Hangover: Was hinter dem Wandertrend steckt"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleMain__altText\">\n                        \u00a9 Pexels\/ Gianluca Grisentig\n                    <\/p>\n<p>Fr\u00fcher bedeutete Wochenende f\u00fcr viele junge Leute: laute Musik, zu viele Drinks und zu wenig Schlaf. Heute klingelt um f\u00fcnf Uhr morgens der Wecker \u2013 freiwillig. Nicht f\u00fcr den Flug nach Ibiza, sondern f\u00fcr den Aufstieg zum Gipfel. Es ist einer von vielen Clips, die derzeit nach einem \u00e4hnlichen Muster durch Instagram-Feeds laufen: Sonnenaufgang am Berg, ein Zelt mitten in der menschenleeren Natur und Kaffee aus der Thermoskanne. Alles wirkt m\u00fchelos und reduziert, als w\u00e4re innere Ruhe nur eine Wanderung entfernt.<\/p>\n<p>Genau dieser Trend wirft Fragen auf: Warum zieht es so viele junge Menschen pl\u00f6tzlich aus der Stadt in die Berge? Wie viel von diesem \u00e4sthetischen Natur-Lifestyle entspricht tats\u00e4chlich der Realit\u00e4t? Und warum wird das Offline-Sein dann online gestellt?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"772\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2608_W_Wanderhype-3-1024x772.png\" alt=\"Foto von Content Creatorin Emma Strasser in der Natur\" class=\"wp-image-39895\"  \/>\u00a9 Emma Strasser<\/p>\n<p>Wandern, aber bitte \u00e4sthetisch<\/p>\n<p>Noch vor wenigen Jahren galten Wanderurlaube als etwas, das man mit den Eltern machte. Heute geh\u00f6ren Bergtouren, Trekkingschuhe und Outdoorjacken zum Lifestyle einer Generation, die das Wandern neu f\u00fcr sich entdeckt hat. Statt Strandfotos und Festivalb\u00e4ndchen landen nun H\u00fcttentouren und <a href=\"https:\/\/wienerin.at\/lifestyle\/nearcation-im-trend\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Bergseen <\/a>im Feed \u2013 ein erfrischender Anblick im sonst oft so konsumorientierten Algorithmus. Und dennoch: Selbst dort, wo eigentlich nichts mehr sein sollte au\u00dfer Natur, spielt pl\u00f6tzlich wieder das richtige Outfit eine Rolle: Arc\u2019teryx M\u00fctze und schnelle Brille sind die neuen Must-haves. Der Weg auf den Berg ist zum Erlebnis geworden \u2013 und manchmal auch zur Inszenierung.<\/p>\n<p>Emma Strasser, die auf Social Media Wander-Content teilt, beobachtet eine zunehmende Romantisierung des Wanderns. Die Videos w\u00fcrden oftmals nur einen kleinen Ausschnitt der Realit\u00e4t zeigen und anspruchsvolle Bergtouren deutlich einfacher wirken lassen. Au\u00dferdem: Obwohl in den Videos teilweise kein Mensch zu sehen ist, steht man in der Realit\u00e4t oft Schlange.<\/p>\n<p>Denn die \u201eGeheimtipps\u201c sind schon lange mehr Tipps als geheim. Ausgebuchte Bergh\u00fctten und \u00fcberf\u00fcllte Wege k\u00f6nnen bei Wander-Hotspots \u2013 wie beispielsweise in den Dolomiten \u2013 durchaus vorkommen. \u201eOftmals sind es genau solche Beitr\u00e4ge, die viral gehen und dann auch Zielgruppen anziehen, die vielleicht nicht so umweltbewusst und naturliebend sind\u201c, so Emma Strasser.<\/p>\n<p>Outdoor-Bloggerin Kathrin Heckmann beobachtet jedoch eine Online-Bewegung weg vom Hochglanz-Content und hin zu mehr Authentizit\u00e4t. Auch das sogenannte \u201eGeotagging\u201c \u2013 das Preisgeben exakter Locations \u2013 wird mittlerweile kritisch betrachtet. Ihr gro\u00dfer Appell: \u201eBesch\u00e4ftigt euch mit den 7 Prinzipien von \u201aLeave No Trace\u2018.\u201c So positiv die beiden Content-Creatorinnen die zunehmende Beliebtheit des Wanderns bei jungen Menschen bewerten, so bewusst sind sie sich auch ihrer Verantwortung beim Teilen solcher Inhalte. Denn zwischen den perfekt inszenierten Momenten und der Realit\u00e4t am Berg liegt eine L\u00fccke, die oft untersch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p>Wandern ist nicht nur ein Social Media Trend, sondern vor allem ein realer Trend \u2013 und das ist auch gut so.<\/p>\n<p>Dr.in Simone Radl, Landesleiterstellvertreterin der Bergrettung Nieder\u00f6sterreich\/Wien<\/p>\n<p>Realit\u00e4t am Berg<\/p>\n<p>Dass viele junge Menschen vermehrt ihren Platz in der Natur finden, ist ein inspirierender Gegenentwurf zum digitalen Zeitalter. Nichtsdestotrotz sehen vor allem jene Personen, die im Ernstfall vor Ort sind, die Folgen des Trends. Die Bergrettung Nieder\u00f6sterreich\/Wien berichtet von einem Anstieg der Eins\u00e4tze um knapp drei\u00dfig Prozent in den vergangenen zehn Jahren; 2025 war mit \u00fcber 800 Eins\u00e4tzen ein Rekordjahr. Die h\u00e4ufigsten Ursachen: schlechte Vorbereitung, fehlende Ausr\u00fcstung, Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>\u201eGerade Social Media vermittelt h\u00e4ufig den Eindruck, dass alpine Touren spontan und ohne Vorbereitung machbar sind. Das ist gef\u00e4hrlich, und daher appellieren wir von der Bergrettung auch an die Eigenverantwortung\u201c, so Dr.in Simone Radl, Landesleiterstellvertreterin der Bergrettung Nieder\u00f6sterreich\/Wien. Gute Vorbereitung und Selbsteinsch\u00e4tzung seien dabei die beste Unfallpr\u00e4vention.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"772\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2608_W_Wanderhype-2-1024x772.png\" alt=\"Outdoor-Bloggerin Kathrin Heckmann (Fr\u00e4ulein Drau\u00dfen) beim Wandern\" class=\"wp-image-39896\"  \/>\u00a9 Kathrin Heckmann<\/p>\n<p>Generation Offline?<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Bildschirmzeiten steigen und Nachrichten im Minutentakt aufscheinen, suchen viele junge Menschen genau dort Zuflucht, wo das Handy oft keinen Empfang mehr hat. Das scheint auf den ersten Blick zwar widerspr\u00fcchlich, tats\u00e4chlich passt dieses Ph\u00e4nomen jedoch gut zur Gegenwart.<\/p>\n<p>Junge Menschen sind in ihrem Alltag einer st\u00e4ndigen Informationsflut ausgesetzt. Gleichzeitig gewinnen Themen wie mentale Gesundheit, Achtsamkeit und Selbstf\u00fcrsorge zunehmend an Bedeutung. Wandern vereint vieles davon: Bewegung, Natur, <a href=\"https:\/\/wienerin.at\/lifestyle\/soft-life-statt-hustle-culture-darfs-ein-bisschen-langsamer-sein\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Entschleunigung <\/a>und Abstand von der permanenten Erreichbarkeit \u2013 ein Gegenentwurf zum digitalen Alltag.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sieht Emma Strasser einen Zusammenhang mit dem generellen <a href=\"https:\/\/wienerin.at\/lifestyle\/digital-detox\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Digital-Detox-Trend<\/a> und dem ruhigen Leben abseits des Stadtstresses. Wom\u00f6glich hat sich aber auch die Vorstellung von Freizeit und Erholung ver\u00e4ndert. Vielleicht bedeutet Abschalten mittlerweile nicht mehr eine Clubnacht, sondern eine Bergwanderung.<\/p>\n<p>Die Rolle der sozialen Medien darf dabei dennoch nicht untersch\u00e4tzt werden, denn schlussendlich ist Wandern aktuell ein Trend. Und wie das bei Trends eben so ist: Man wird dazu inspiriert, sie selbst auszuprobieren, man m\u00f6chte dazugeh\u00f6ren. \u201eIch denke, dass der aktuelle Hiking-Trend neben dem Wunsch, Stress zu entfliehen, stark mit dem Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit zusammenh\u00e4ngt. Junge Leute suchen vielleicht nach einem Hobby, das herausfordernd ist und gleichzeitig erdet\u201c, so Emma Strasser.<\/p>\n<p>So sehr der Hiking-Trend mit Digital Detox verbunden wird, ganz ohne Smartphone kommt er selten aus. Routen werden gefilmt, Bilder geschossen, Reels gepostet. Die Berge sind dabei Teil einer interessanten Ambivalenz: Sie dienen als R\u00fcckzugsort aus der digitalen Welt und gleichzeitig als Kulisse f\u00fcr sie. Das Offline-Sein wird online sichtbar gemacht. Dass junge Menschen wieder einen Zugang zur Natur finden, bewertet auch Kathrin Heckmann grunds\u00e4tzlich als positiv. Wichtig sei jedoch, dies nicht f\u00fcr ein sch\u00f6nes Bild zu tun, sondern f\u00fcr sich selbst. Um den kleinen Dingen in dieser schnelllebigen Welt Beachtung zu schenken und das echte Leben abseits einer Welt voller Social-Media-Beitr\u00e4ge wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Die Natur soll nicht noch ein Ort werden, an dem man sich vergleicht, konkurriert oder Druck macht.<\/p>\n<p>Emma Strasser, Content-Creatorin<\/p>\n<p>Keep it simple<\/p>\n<p>Auf Social Media sieht man h\u00e4ufig anspruchsvolle Mehrtagestouren \u2013 ob in den Dolomiten, den Lofoten oder an der K\u00fcste Portugals. Doch man muss nicht weit reisen, um Abstand zum Alltag zu gewinnen. Gerade in \u00d6sterreich, wo die Berge vor der T\u00fcr stehen, kann schon ein Tagesausflug den Energiespeicher auff\u00fcllen. Vielleicht ist der Hausberg zwar nicht der beste Fotospot, doch was eigentlich z\u00e4hlt, liefert er dennoch: Auszeit.<\/p>\n<p>Wandern kann und darf auch einfach gestaltet werden, genau das ist doch eigentlich das Sch\u00f6ne daran: eine niederschwellige und nachhaltige Alternative f\u00fcr Kurzurlaube, die in ihrer Einfachheit Mehrwert gibt.<\/p>\n<p>\u201eWhen thoughts get too big<\/p>\n<p>\u2026 go somewhere you feel small\u201c steht in unz\u00e4hligen Wandervideos geschrieben. Ein Satz, der vielleicht die Antwort auf die Frage liefert, warum junge Menschen pl\u00f6tzlich so gerne wandern. Der Wunsch nach Natur ist keine Modeerscheinung. Er ist ein Symptom der heutigen Zeit und Ausdruck einer Generation, die mit digitalen Technologien aufgewachsen ist.<\/p>\n<p>In einer Welt, die immer lauter und schnelllebiger wird, scheint die Stille pl\u00f6tzlich wieder etwas Besonderes zu sein. Vielleicht geht es beim Wandern gar nicht um die Aussicht, sondern vielmehr um etwas, das in einer Welt voller Benachrichtigungen selten geworden ist: einen Ort, an dem niemand etwas von einem will. Einen Ort, der gr\u00f6\u00dfer ist als die Gedanken im Kopf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a9 Pexels\/ Gianluca Grisentig Fr\u00fcher bedeutete Wochenende f\u00fcr viele junge Leute: laute Musik, zu viele Drinks und zu&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":317809,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[22],"tags":[46,42,147,5032,44,10149,148,7556],"class_list":["post-317808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unterhaltung","tag-at","tag-austria","tag-entertainment","tag-lifestyle","tag-oesterreich","tag-trend","tag-unterhaltung","tag-wandern"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117047966749112205","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=317808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/317808\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/317809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=317808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=317808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=317808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}