{"id":318378,"date":"2026-08-06T15:38:13","date_gmt":"2026-08-06T15:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/318378\/"},"modified":"2026-08-06T15:38:13","modified_gmt":"2026-08-06T15:38:13","slug":"wacken-kann-auch-ohne-schlamm-ueberzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/318378\/","title":{"rendered":"Wacken kann auch ohne Schlamm \u00fcberzeugen"},"content":{"rendered":"<p>Das Motto des gr\u00f6\u00dften Heavy-Metal-Festivals lautet \u201eRain or Shine\u201c. Jetzt hat Wacken bewiesen, dass es auch ohne Dauerregen funktioniert. Dabei hatte man sich so gut darauf vorbereitet.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">F\u00fcr denjenigen, der neu ist in Wacken, mag die Er\u00f6ffnung des gr\u00f6\u00dften Heavy-Metal-Festivals der Welt ein wenig unwirklich daherkommen. Da steht kein t\u00e4towierter Langhaariger mit seiner Band zur Begr\u00fc\u00dfung auf der B\u00fchne und l\u00e4sst es nach eins, zwei, drei, vier ordentlich dr\u00f6hnen, sondern ein ganzes Orchester. Bl\u00e4ser, Streicher, und was sonst noch dazu geh\u00f6rt. Der Dirigent allerdings ist mehr Frontmann, er br\u00fcllt der Menge zu: \u201eWacken, Wacken\u201c \u2013 und die Zuschauer rufen lauthals zur\u00fcck: \u201eFeuerwehr!\u201c<\/p>\n<p>Seit dem Jahr 2000 er\u00f6ffnen die \u201eWacken Firefighters\u201c die rockigen Tage im 2085-Seelen-Ort in Deutschlands Norden. 53 Musiker der freiwilligen Feuerwehr, deren Vorvorvorg\u00e4nger sich vor 125 Jahren zusammengetan haben, um f\u00fcr musikalische Unterhaltung zu sorgen. Sie ahnten ganz sicher nicht, wohin das f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dirigent ist Stefan Bumann, kein fairer Name f\u00fcr einen so sympathischen Typen, der hauptberuflich auch noch Gerichtsvollzieher ist. Nebenbei ist er stellvertretender Wehrf\u00fchrer der freiwilligen Feuerwehr, spielt in einer Partyband Trompete und ist seit 2014 musikalischer Leiter der Firefighters. Er ist ein echter Einheizer, und man sieht ihm an, wie viel Freude er daran hat.<\/p>\n<p>Dreimal treten Bumann und seine Firefighters w\u00e4hrend der wilden Tage in Wacken auf. Sie er\u00f6ffnen das Festival (Montag), sie beenden es (Sonntag), und sie spielen ein eigenes Konzert mitten im Wackinger-Dorf am Mittwoch. Bei ihnen klingen Songs von Metallica, Scorpions und Black Sabbath ein bisschen anders, aber die Metalheads lieben das so, und Bumann ruft ihnen zu: \u201eKeine Band hat schwereres Metal dabei als wir!\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Wacken-Gr\u00fcnder Thomas Jensen war es keine Frage, dass sich \u201eauch dieser Teil des Dorflebens im Festival wiederfinden\u201c muss. Und Bumann berichtet davon, wie viel Spa\u00df es macht, \u201ewenn Zehntausende auf meine Kommandos h\u00f6ren\u201c. Herzensgute Menschen seien das, \u201eauch wenn manche ein bisschen rau aussehen\u201c.<\/p>\n<p>85.000 sind auch 2026 wiedergekommen, und das war nicht selbstverst\u00e4ndlich. Im Vorjahr war Wacken regelrecht abgesoffen. Fans, Campingwagen und das \u00fcbliche Festivalleben blieben gr\u00f6\u00dftenteils im Schlamm stecken. Worauf Gunnar Schroeder, S\u00e4nger der Deutschpunkband \u201eDritte Wahl\u201c bei seinem Auftritt am sonnigen Samstag sagte: \u201eErstaunlich, was mit KI heutzutage schon alles geht. Wir wissen doch genau, dass es in Wirklichkeit in Str\u00f6men regnet, wir sind schlie\u00dflich in Wacken. Aber die KI gaukelt uns vor, der Himmel sei blau und die Sonne w\u00fcrde scheinen. Faszinierend.\u201c <\/p>\n<p>Hoch Olaf schickte tats\u00e4chlich sogar nach Wacken feinstes Sommerwetter, was selbst den Veranstalter \u00fcberraschte: Er blieb n\u00e4mlich in seinem XXL-Merchandising-Store ausgerechnet auf den 22 Euro teuren original WOA-Gummistiefeln sitzen. Obwohl das Motto \u201eWacken \u2013 Rain or Shine\u201c auch als eine Art Absicherung f\u00fcr alle F\u00e4lle herhalten k\u00f6nnte, besserten die Veranstalter nach der Schlammschlacht von 2025 kr\u00e4ftig nach. 100.000 Quadratmeter Bodenplatten wurden verlegt. Kernst\u00fcck ist ein 850 Meter langer fester Rettungs- und Evakuierungsweg, sowie eine neue Br\u00fccke an der t\u00fcckischsten Stelle. Und so war die Feuerwehr diesmal erfreulicherweise damit besch\u00e4ftigt, einen Rehbock einzufangen, der sich aufs Festivalgel\u00e4nde verirrt hatte, und nicht mit dem Abpumpen von Wasser.<\/p>\n<p>Musikalisch war auch die 35. Auflage mit mehr als 200 Acts auf neun B\u00fchnen breit und interessant aufgestellt. Die Nu-Metal-Christen von P.O.D. aus San Diego r\u00e4umten m\u00e4chtig ab, w\u00e4hrend Puhdys-S\u00e4nger Dieter \u201eMaschine\u201c Birr mit seinem Auftritt f\u00fcr einen emotionalen H\u00f6hepunkt sorgte. S\u00e4nger Joe Elliot war nach seinem Wacken-Deb\u00fct mit Def Leppard sichtlich angetan: \u201eWir haben wirklich vieles erlebt, aber das hier ist einmalig.\u201c<\/p>\n<p>Alteingesessene Rocker feierten Abschied von Gr\u00f6\u00dfen wie Judas Priest, Running Wild oder Sepultura, die zum letzten Mal nach Wacken kamen, wobei vor allem Saxon zu gefallen wussten. Vor Begeisterung warfen die Fans ihre \u201eKutten\u201c, das sind \u00e4rmellose Westen, die mit zahlreichen Band-Aufn\u00e4hern liebevoll bestickt sind, auf die B\u00fchne. S\u00e4nger Biff Byford zog einige davon \u00fcber, sammelte den Rest zu einem bemerkenswerten Haufen.  <\/p>\n<p>J\u00fcngere Metalheads feierten aufstrebende Bands wie Powerwolf, Sabaton und Any Given Day, w\u00e4hrend die Allerj\u00fcngsten schon Samstagfr\u00fch bei den Heavysaurus auf ihre Kosten kamen. Die in Dinosaurier-Kost\u00fcmen auftretenden Musiker verpacken echten Heavy Metal in kinderfreundliche Texte. Der Rock-Kindergarten bekam vor der B\u00fchne einen eigenen abgesperrten Bereich, und die Lautst\u00e4rke wurde auf 85 Dezibel abgesenkt. Etwa 40.000 Erwachsene krabbelten fr\u00fcher als sonst \u00fcblich aus ihren Zelten, um bei diesem Spektakel dabei zu sein.<\/p>\n<p>Dass Heavy Metal keine Nachwuchssorgen hat, das bewies die \u201eMetal Battle\u201c. Mehr als 100.000 junge Bands aus 102 L\u00e4ndern hatten sich in mehreren Landes- und Kontinentalentscheiden daf\u00fcr beworben. Die 31 besten wurden zum Finale nach Wacken geladen. Dort setzte sich das chilenische Trio Force durch und gewann mit einem spritzigen 80er-Jahre-Sound sowohl den Jurypreis (dotiert mit 5000 Euro), als auch das Voting des Publikums (2500 Euro). S\u00e4nger und Gitarrist Laureano Starboy (25) erinnert ungemein an den jungen Vince Neil, Frontmann der Glamourband M\u00f6tley Cr\u00fce. Gemeinsam mit Schlagzeugerin Camila Sulwacker und Bassmann Hans Beyer hat er erst vor wenigen Monaten sein Deb\u00fctalbum auf den Markt gebracht. Jetzt d\u00fcrfen sich die drei aus Santiago auf einen eigenen Auftritt in Wacken 2027 freuen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das kommende Jahr haben die Veranstalter bereits einige Hochkar\u00e4ter verpflichtet. So stehen mit den US-Rockern Five Finger Death Punch und den deutschen Power-Metal-Heroen Helloween bereits zwei Headliner f\u00fcr 2027 fest.<\/p>\n<p>Da passt es, dass die \u201eWacken Firefighters\u201c inzwischen \u201eFinal Countdown\u201c anstimmen, den gro\u00dfen Hit von Europe. Die Schweden traten einen Tag zuvor auf der Hauptb\u00fchne auf, und Dirigent Bumann sagt selbstbewusst: \u201eEs gab eine andere Band, die dieses Lied hier auch gespielt hat. Ihr k\u00f6nnt ja mal abstimmen, wer es besser gemacht hat.\u201c Dann spielen es seine Firefighters deutlich schneller als das Original, der jubelnden Menge gef\u00e4llt das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Motto des gr\u00f6\u00dften Heavy-Metal-Festivals lautet \u201eRain or Shine\u201c. 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