{"id":318510,"date":"2026-08-06T16:55:12","date_gmt":"2026-08-06T16:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/318510\/"},"modified":"2026-08-06T16:55:12","modified_gmt":"2026-08-06T16:55:12","slug":"ravensburgerin-kritischer-dokumentarfilm-ueber-das-rutenfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/318510\/","title":{"rendered":"Ravensburgerin: Kritischer Dokumentarfilm \u00fcber das Rutenfest"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die einen bedeutet das Rutenfest vor allem eines: Tradition, Feiern und Gemeinsamkeit. Eine Ravensburgerin setzt sich mit ihrem Dokumentarfilm \u201eVaterstadt\u201c nun aber kritisch mit dem Rutenfest auseinander. Gegen\u00fcber dem Wochenblatt verr\u00e4t die Filmemacherin Anna Schubert bereits erste Details, worum es in ihrem Dokumentarfilm geht, der im Herbst seine Premiere feiern soll.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ravensburger Rutenfest lockt j\u00e4hrlich \u00fcber 100.000 Besucher in die Stadt der T\u00fcrme. Wie lange das Fest bereits besteht, ist unklar. Ein erster Beleg stammt aus dem Jahr 1645. \u00dcber viele Generationen wurde das Rutenfest weitergetragen und als Tradition bewahrt. In den Jahren 2019 bis 2022 wurde die Kritik an der Benachteiligung von Frauen in den Trommlergruppen am Rutenfest immer gr\u00f6\u00dfer. In den traditionellen Trommlergruppen der Gymnasien und Realschulen in Ravensburg sind M\u00e4dchen und junge Frauen nicht zugelassen. Mit der Premiere der Trommlergruppe \u201eTurmfalken\u201c nahmen 2022 erstmals auch M\u00e4dchen und junge Frauen in einer eigenen Gruppe am Rutenfest teil. Der SPIEGEL sprach damals von einer \u201eoberschw\u00e4bischen Revolution\u201c. Seit 1992 nehmen jedoch die Rutentrommler als einzige der traditionellen Ravensburger Trommlerkorps Jungen und M\u00e4dchen gleichberechtigt auf.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 32-j\u00e4hrige Anna Schubert kommt aus Ravensburg und ist mit dem Rutenfest aufgewachsen. In ihrem Dokumentarfilm \u201eVaterstadt\u201c setzt sich die Ravensburgerin nach eigenen Angaben mit ihrer Wahrnehmung von Machtverh\u00e4ltnissen, \u201edem wei\u00dfen Patriarchat\u201c und Gewalt am Rutenfest auseinander (Anm. d. Red.: Die Formulierungen stammen aus einem Zitat der Filmemacherin). Hinter dem Filmtitel \u201eVaterstadt\u201c stecken mehrere Bedeutungen laut Schubert. Sie erinnert an die Metapher des \u201eVater Staates\u201c, der f\u00fcr Recht und Ordnung sorge und dessen Bedeutung sie auf die Stadtverwaltung \u00fcbertr\u00e4gt. Weiter sei der Titel auch an den Begriff \u201eVaterland\u201c angelehnt, mit dem man sich zu seiner Heimat und Herkunft bekenne, gleichzeitig habe man laut Schubert in Ravensburg einen Ort, an dem Fragen von Zugeh\u00f6rigkeit, Identit\u00e4t und Tradition verhandelt w\u00fcrden. \u201eInsgesamt ruft der Titel Assoziationen zu B\u00fcrgerlichkeit, deutscher Geschichte und Kultur, nationaler Identit\u00e4t, famili\u00e4ren Generationenfolgen und Patriotismus hervor. All diese Themen werden, so meine Auffassung, im Rutenfest besonders sichtbar gemacht, inszeniert und fortgeschrieben\u201c, sagt Schubert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee f\u00fcr den Titel des Films sei durch einen Fund im Stadtarchiv Ravensburg entstanden. Dort sei Schubert auf eine Bildersammlung des Ravensburger Buchdruckers Josef Zittrell gesto\u00dfen, der den Titel \u201eMeine Vaterstadt Ravensburg in Bildern\u201c getragen habe.<\/p>\n<p>Darum geht es in \u201eVaterstadt\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Film geht es laut Schubert vor allem darum, \u201einwiefern subjektive Geschichten oder Wahrnehmungen zu Wahrheiten werden und wie wir innerhalb dieser Geschichten Identit\u00e4t leben, inszenieren und Macht aushandeln\u201c, sagt sie. Nach eigenen Worten m\u00f6chte sie mit dem Film erreichen, dass man am Rutenfest anderen Perspektiven mit mehr Verst\u00e4ndnis und Empathie begegnen solle, statt diese als Bedrohung f\u00fcr seine Identit\u00e4t wahrzunehmen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/screenshot-graf-960.jpg\" width=\"960\" height=\"614\" alt=\"Auch der Vorsitzende der Rutenfestkommission Dieter Graf wurde im Rahmen des Dokumentarfilms interviewt. \" loading=\"lazy\"\/>Auch der Vorsitzende der Rutenfestkommission Dieter Graf wurde im Rahmen des Dokumentarfilms interviewt. (Bild: Screenshot Instagram @vaterstadt)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ansicht Schuberts stellen Frauenhass und Homophobie tiefgreifende gesellschaftliche Probleme dar und w\u00fcrden in vielen Bereichen als \u201enormal\u201c wahrgenommen. \u201eIch m\u00f6chte die Verletzungen sichtbar machen, die durch das wei\u00dfe Patriarchat entstehen, und Menschen verdeutlichen, dass sie nicht auf die Essenz ihrer Identit\u00e4ten festgelegt sind. Dass sie sich von diesem Gedanken befreien k\u00f6nnen\u201c, sagt Schubert. Im gesellschaftlichen Kontext m\u00f6chte sie mit dem Film Anst\u00f6\u00dfe geben, das Normale zu hinterfragen, anderen Raum zu geben und Gewalt zu erkennen und zu unterlassen.<\/p>\n<p>Rund vier Jahre Arbeit<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2022 habe Anna Schubert angefangen, sich wieder st\u00e4rker mit dem Rutenfest auseinanderzusetzen. Anfang 2024 ging sie dann in die Planung und Konzeption des Films \u201eVaterstadt\u201c. Unter den Protagonisten sind der Vorsitzende der Rutenfestkommission, Dieter Graf, sowie Mitglieder der Trommlergruppe Turmfalken und weitere Personen, die Schubert f\u00fcr den Film interviewt hat.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dem Film beteiligt waren neben Anna Schubert auch Claudio Brauchle, Rebecca Emmler und Maxi Schellhaase. In der Nachbearbeitung unterst\u00fctzten sie rund acht Personen. Finanziert wurde die Produktion laut eigenen Angaben ausschlie\u00dflich durch eigene Mittel der Filmemacherin und Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<p>Bewerbung auf Filmfestivals<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Biberach, Ravensburg, Kassel, Mainz, Leipzig und Berlin habe Anna Schubert ihren Film bei Filmfestivals eingereicht. Ihr Wunsch w\u00e4re, dass \u201eVaterstadt\u201c auf einer entsprechenden Veranstaltung seine Premiere feiern kann. Noch im Herbst und Winter dieses Jahres wolle Schubert dann erste Vorf\u00fchrungen in Kinos der Region und deutschlandweit zeigen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie die Reaktionen auf ihren Dokumentarfilm \u201eVaterstadt\u201c ausfallen werden, k\u00f6nne sie nur schwer einsch\u00e4tzen. \u201eRegional, insbesondere in Ravensburg, wird das Thema sicherlich f\u00fcr Diskussionen sorgen, an denen ich mich sehr gerne beteiligen werde\u201c, sagt die 32-j\u00e4hrige Ravensburgerin.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinweis der Redaktion: In einer fr\u00fcheren Version dieses Artikels hie\u00df es, dass M\u00e4dchen und Frauen erst seit 2022 an den Trommlergruppen des Rutenfests teilnehmen d\u00fcrfen. Diese Darstellung war unzutreffend. Tats\u00e4chlich nehmen die Rutentrommler als einziges Ravensburger Trommlerkorps seit 1992 M\u00e4dchen und Jungen gleichberechtigt auf. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr die einen bedeutet das Rutenfest vor allem eines: Tradition, Feiern und Gemeinsamkeit. 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