{"id":321206,"date":"2026-08-07T23:03:14","date_gmt":"2026-08-07T23:03:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/321206\/"},"modified":"2026-08-07T23:03:14","modified_gmt":"2026-08-07T23:03:14","slug":"videokunst-im-theater-mara-wild-erweitert-mit-projektionen-den-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/321206\/","title":{"rendered":"Videokunst im Theater: Mara Wild erweitert mit Projektionen den Raum"},"content":{"rendered":"<p>\n        Wenn Video die B\u00fchne betritt: Mara Wild ist als Videok\u00fcnstlerin bei den Salzburger Festspielen im Einsatz. In der semiszenischen Auff\u00fchrung von Mozarts \u201eLucio Silla\u201c  setzt sie Video gezielt ein, um dem Publikum den historischen Stoff besser zug\u00e4nglich zu machen und um gro\u00dfen Emotionen zus\u00e4tzlich  Ausdruck zu verleihen.\n      <\/p>\n<p>\n        08. 08. 2026,  00:01\u00a0Uhr<br \/>\n        Lesedauer:        4 Minuten<\/p>\n<p>Videokunst im Theater ist heute weit mehr als \u201enur\u201c projizierter Hintergrund oder dekorative Erg\u00e4nzung und hat sich in den letzten Jahren zunehmend als eigenst\u00e4ndiges dramaturgisches Mittel weiterentwickelt.<\/p>\n<p>\u201eTheater ist ein Ort, an dem Film- oder Zeichenwelten ihre zweidimensionale Beschr\u00e4nkung hinter sich lassen und in den Raum treten k\u00f6nnen. Dort interagieren die immateriellen Artefakte mit materiellen \u2013 sei es die Projektionsfl\u00e4che oder die K\u00f6rper, mit denen sie sich die B\u00fchne teilen. Dadurch vermischen sich die Ebenen und die Wahrnehmung von Welt; es entstehen ganz neue, eigenst\u00e4ndige Zug\u00e4nge\u201c, erkl\u00e4rt die Videok\u00fcnstlerin Mara Wild. \u00a0Genau das mache f\u00fcr sie die besondere Faszination von Video auf der B\u00fchne aus.<\/p>\n<p>Faszinierende Vielseitigkeit von Video<\/p>\n<p>\u201eVideo kann so viel\u201c, ist Wild \u00fcberzeugt. Und gerade diese Vielseitigkeit sei immer wieder aufs Neue spannend. Auf der B\u00fchne changiere das Medium stets \u201ezwischen Szenografie und Akteurin\u201c, k\u00f6nne \u201eganz konkret, fast dokumentarisch\u201c sein und zugleich \u201eabstrakt emotionale Zust\u00e4nde verst\u00e4rken\u201c. Es \u00f6ffne den Raum \u00fcber das materiell Anwesende hinaus, k\u00f6nne erkl\u00e4ren, st\u00f6ren, das B\u00fchnenbild zum Leben erwecken oder gar den Spielenden Konkurrenz machen. Und wenn Video tats\u00e4chlich selbst zum Akteur werde \u2013 wie etwa bei einer ehemaligen Produktion, bei der die Videok\u00fcnstlerin und ein Darsteller live am Beamer miteinander improvisierten \u2013, dann sei es \u201emanchmal auch einfach ein bisschen Zauberei\u201c, meint sie \u00a0schmunzelnd. Dabei versteht die geb\u00fcrtige Hamburgerin Video jedoch nie als Selbstzweck. \u201eAuf Video als reines Beiwerk, nur weil es mittlerweile als vermeintlicher Standard dazugeh\u00f6rt, w\u00fcrde ich immer verzichten.\u201c Gerade weil bewegte Bilder den Blick des Publikums unmittelbar auf sich z\u00f6gen, m\u00fcsse ihr Einsatz immer einen klaren Zweck erf\u00fcllen \u2013 und dementsprechend auch sehr gezielt verwendet werden.<\/p>\n<p>Einen sehr besonderen Zweck k\u00f6nne \u00a0der Videoeinsatz laut Mara Wild \u00a0 zum Beispiel in semiszenischen Opernproduktionen erf\u00fcllen, einer szenisch reduzierten Auff\u00fchrungsform, die heuer auch f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.sn.at\/festspiele\/salzburger-festspiele\/kritik-lucio-silla-salzburger-mozart-aus-salzburger-haenden-art-665490\" title=\"Kritik \u201eLucio Silla\u201c: Salzburger Mozart aus Salzburger H\u00e4nden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Festspielproduktion \u201eLucio Silla\u201c unter dem Dirigat von Adam Fischer<\/a>\u00a0gew\u00e4hlt wurde. Denn die Opera seria des 18. Jahrhunderts, zu der auch diese fr\u00fche Oper von Mozart z\u00e4hlt, zeichne sich durch gro\u00dfe Arien aus, in denen die Handlung inneh\u00e4lt und sich ganz auf den Ausdruck einer Emotion konzentriert. \u201eDie Oper wird f\u00fcr den Augenblick zum Konzert\u201c, erkl\u00e4rt Wild. Und genau \u00a0diese angehaltene Zeit er\u00f6ffne besondere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Videokunst. \u201eVideo ist f\u00fcr mich hier ein Mittel, genau diesem Gef\u00fchl zus\u00e4tzlich Ausdruck zu verleihen \u2013 es durch Form oder Bewegung zu unterstreichen.\u201c Denn durch die reduzierte Form einer halbszenischen Auff\u00fchrung trete Video hier nicht in Konkurrenz zur restlichen Szenerie, sondern gehe \u201esehr gut Hand in Hand\u201c mit der Musik und der Inszenierung.<\/p>\n<p>Buchbinderei, Illustration, Videokunst<\/p>\n<p>Bei aller Faszination f\u00fcr die Medien Bewegtbild und Theater war der Weg von Mara Wild zur Videok\u00fcnstlerin \u00a0auf der B\u00fchne keineswegs geplant. Urspr\u00fcnglich absolvierte sie eine Lehre als Buchbinderin, bevor sie Illustration an der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften Hamburg studierte. Dort lernte Wild die Illustration von Anfang an als weit gefasstes Feld kennen, das weit \u00fcber das klassische analoge Buch hinausreicht und ebenso Trickfilm, Comic, Computerspiele und andere digitale Medien umfasst. Der Schritt auf die B\u00fchne ergab sich \u00a0schlie\u00dflich eher zuf\u00e4llig. Eine ehemalige Mitbewohnerin, die Kost\u00fcmbild und Regie studierte, suchte f\u00fcr ein Projekt jemanden, der sich im Bereich Video auskannte. \u201eDa dachte ich mir: Moment mal \u2013 das kann doch ich\u201c, erz\u00e4hlt Wild schmunzelnd.<\/p>\n<p>Ob Buchbinderei oder \u00a0Illustration \u2013 beide Bereiche ihrer Ausbildung pr\u00e4gen bis heute die Herangehensweise von Wild bei ihren verschiedenen Projekten der Videokunst. Und bis heute ist sie stets \u00a0an vielen verschiedenen Schnittstellen unterwegs, sei es analog oder digital, auf jeden Fall aber \u00a0immer mit dem Ziel, einen eigenst\u00e4ndigen Beitrag zu einem Gesamtwerk zu schaffen und keine blo\u00dfe Dekoration. Mal arbeitet sie daf\u00fcr direkt auf der B\u00fchne mit Livezeichnungen am Lichttisch, mal gestaltet sie aufwendige Papierbauten, wieder ein andermal abstrakte Grafiken im VR-Raum. Entscheidend sei f\u00fcr sie immer, f\u00fcr den jeweiligen Einsatz die passende Form zu finden. Die Besch\u00e4ftigung mit unterschiedlichen Stoffen, das Erarbeiten eigenst\u00e4ndiger Bildsprachen und die Einbettung in ein dramaturgisches Gesamtbild \u2013 \u201edas ist es letztlich auch, was mich als Videok\u00fcnstlerin reizt\u201c, betont Wild.\u00a0<\/p>\n<p>\u00dcbertitel im Fokus von \u201eLucio Silla\u201c<\/p>\n<p>Das ganzheitliche Verst\u00e4ndnis ihrer Arbeit pr\u00e4gt auch die Zusammenarbeit mit Regisseurin Birgit Kajtna-W\u00f6nig und Dirigent Adam Fischer. Nach der erfolgreichen semiszenischen Produktion von \u201eMitridate, re di Ponto\u201c bei den Salzburger Festspielen 2025 setzt dasselbe Team \u00a0seine Besch\u00e4ftigung mit Mozarts fr\u00fchen Opera-seria-Werken heuer also mit \u201eLucio Silla\u201c fort. Mara Wild ist dabei von Beginn an in die Konzeption der Auff\u00fchrung eingebunden. Gemeinsam mit der Regisseurin erarbeite sie, wo Schwerpunkte \u00a0l\u00e4gen, was wiederkehrende Motive sein k\u00f6nnten und welche inhaltliche Ebene das Video an welcher Stelle \u00a0\u00fcbernimmt. \u201eDabei bin ich sehr frei mit meinen Ideen und kann eigene dramaturgische Schwerpunkte setzen\u201c, erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin. Und: \u201eIch habe das Gl\u00fcck, mit einer Regisseurin zusammenzuarbeiten, die die Produktion von Anfang an sehr ganzheitlich denkt.\u201c<\/p>\n<p>Konkret steht bei \u201eLucio Silla\u201c ausgerechnet jenes Element im Fokus, das bei Opernproduktionen oft str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt wird: die \u00dcbertitel. \u201eDabei sind sie f\u00fcr viele Zuschauende der Schl\u00fcssel, um das B\u00fchnengeschehen nachvollziehbar zu machen \u2013 gerade bei historischen Stoffen wie dem Silla\u201c, erkl\u00e4rt Wild. Also werden die \u00dcbertitel bewusst in das Gesamtbild der semiszenischen Auff\u00fchrung eingebaut und so \u201eTeil des Geschehens\u201c. Die Schrift d\u00fcrfe bei dem, was hier erz\u00e4hlt wird, dramaturgisch mitspielen, sei es durch eigens erstellte Schriftarten, durch besonders gro\u00dfe Schrift bei besonders wichtigen Passagen oder gar durch bewegte Schrift, die gezielt starke Emotionen aufnehmen und betonen soll. \u00a0\u201eTats\u00e4chlich ist es so, dass die Gestaltung von Text ja durchaus etwas macht mit dem, was transportiert wird\u201c, erkl\u00e4rt Wild.<\/p>\n<p>Felsenreitschule als Inspirationsquelle<\/p>\n<p>Um dem Publikum die Handlung von \u201eLucio Silla\u201c noch weiter zug\u00e4nglich zu machen, beschr\u00e4nkt sich die Arbeit der Videok\u00fcnstlerin aber nicht nur auf den Text allein.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend entwickelt Wild abstrakte Projektionen, die innere Zust\u00e4nde und gesellschaftliche Spannungen sichtbar machen sollen. Au\u00dferdem erarbeitet sie f\u00fcr die Ouvert\u00fcre eine Zusammenfassung \u00a0der wichtigsten Figuren und ihrer Konstellation zueinander sowie einen Umriss der Situationen, in denen die Handlung einsetzt. Aufgrund der knappen Probenzeit produziere sie das Videomaterial \u00fcberwiegend im Vorfeld, die endg\u00fcltige Komposition der einzelnen Elemente erfolge dann aber in der Felsenreitschule selbst. Erst dort k\u00f6nne sie \u00fcberpr\u00fcfen, \u201eob die Wirkung so passt, wie ich mir das vorgestellt habe\u201c.<\/p>\n<p>Der au\u00dfergew\u00f6hnliche Spielort stelle dabei \u00fcbrigens Herausforderung und Inspiration zugleich dar. \u201eDie Felsenreitschule ist ein wahnsinnig spannender Ort, bei dem es mir schon beim ersten Besuch in den Fingern gekribbelt hat\u201c, erz\u00e4hlt Wild. Da sie in ihren Videos gern die gegebenen Formen aufgreife, w\u00fcrden sie besonders die Arkaden reizen und dazu die \u00dcberlegung, welche Funktionen man ihnen geben k\u00f6nnte. Gleichzeitig k\u00f6nnten auf dem rauen Stein jedoch Details verloren gehen, man m\u00fcsse bei der Gestaltung der Schrift also besonders auf die gute Lesbarkeit achten.<\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet, kommt die Videokunst in \u201eLucio Silla\u201c also nicht als spektakul\u00e4rer Effekt daher, sondern als pr\u00e4zise eingesetztes Mittel, um die Erz\u00e4hlebene des St\u00fccks zu erweitern. Dabei schafft sie Orientierung f\u00fcrs Publikum, macht emotionale Zust\u00e4nde der Protagonisten besser sichtbar und wird durch ihre Verbindung mit dem Raum und den Akteuren \u00a0zu einem eigenst\u00e4ndigen Akteur inmitten des B\u00fchnengeschehens.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1136017_default-vorschau_1G33AI_vEX1lT.jpg\" alt=\"Leben\" width=\"320\" height=\"180\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1150884_default-vorschau_1GlP6W_QpSTNn.png\" alt=\"Anzeigen\" width=\"320\" height=\"180\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1147801_default-vorschau_1GhzXu_mfIW1U.jpg\" alt=\"Leben\" width=\"320\" height=\"180\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1147823_default-vorschau_1GhAiu_MvU7qQ.jpg\" alt=\"Leben\" width=\"320\" height=\"180\"\/> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn Video die B\u00fchne betritt: Mara Wild ist als Videok\u00fcnstlerin bei den Salzburger Festspielen im Einsatz. 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