{"id":321993,"date":"2026-08-08T10:47:10","date_gmt":"2026-08-08T10:47:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/321993\/"},"modified":"2026-08-08T10:47:10","modified_gmt":"2026-08-08T10:47:10","slug":"georgina-rodriguez-warum-influencerinnen-ueber-boese-kommentare-nicht-jammern-duerfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/321993\/","title":{"rendered":"Georgina Rodriguez: Warum Influencerinnen \u00fcber b\u00f6se Kommentare nicht jammern d\u00fcrfen"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00c4ra von Achtsamkeit, Diversit\u00e4t und Bodypositivity hat zur Verleugnung von Realit\u00e4t gef\u00fchrt. Das nimmt bizarre Z\u00fcge an. Wenn etwa Influencerinnen, die ihre K\u00f6rper gezielt einsetzen, mit Kritik an ihm nicht umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Verlobte von Cristiano Ronaldo hei\u00dft Georgina Rodriguez, und es ist nur auf den ersten Blick gemein, noch vor dem Namen die Eigenschaft zu nennen, unter der die 32-J\u00e4hrige aus Buenos Aires vor allem bekannt ist. Seit 2016, dem Jahr, als die Argentinierin nach Madrid zog, ist Rodriguez die Frau an der Seite eines der bekanntesten Fu\u00dfballprofis der Welt. Sie habe Cristiano Ronaldo als Verk\u00e4uferin im dortigen Gucci-Store kennengelernt, hei\u00dft es. <\/p>\n<p>Mittlerweile hat das Paar f\u00fcnf Kinder, zwei davon sind leibliche (der \u00e4lteste Sohn Cristiano jr. ist aus einer fr\u00fcheren Beziehung von ihm, zudem gibt es Zwillinge von einer Leihmutter). Das Paar soll nach Informationen der britischen \u201eSun\u201c an diesem Samstag, dem 8. August, um 15 Uhr in Funchal auf der Insel Madeira, Ronaldos Heimat, (endlich) heiraten.  <\/p>\n<p>Mehr Schlagzeilen machte in dieser Woche allerdings, dass sich Frau Rodriguez bei ihren 77 Millionen Instagram-Followern \u00fcber Paparazzi-Bilder beklagte, die sie im Bikini im Urlaub zeigten und zu Kommentaren \u00fcber ihren K\u00f6rper gef\u00fchrt h\u00e4tten, einige davon nicht besonders nett. \u201eIch sprach mit Cris dar\u00fcber und sagte zu ihm: \u201aIch mache mir Sorgen, dass sie mich jetzt fett nennen, weil ich mit meinem Aussehen meinen Lebensunterhalt verdiene\u2018\u201c, schreibt sie auf ihrem Insta-Account und zeigt dazu Fotos von ihrem Yacht-Urlaub, Paparazzi-Fotos und eigene, von sich im Bikini, von der Yacht, vom Privatjet. <\/p>\n<p>Und auch wenn ihr zuk\u00fcnftiger Gatte nat\u00fcrlich, wie es sich geh\u00f6rt, ihr beisprang, ebenso eine Kohorte an Influencerinnen und Followerinnen, die ihr versicherte, wie sch\u00f6n sie sei. Der Punkt, den sie unfreiwillig macht: Sie verdient mit ihrem K\u00f6rper ihr Geld. Ihr Account ist voll von Bildern von sich im Bikini, von Anzeigen mit ihr als \u201eCurvy Model\u201c in Unterw\u00e4sche-Werbung etwa der Marke Calzedonia, in Sport-BHs und Yogahosen ihres eigenen Labels namens Mimoa. <\/p>\n<p>Sie hat sich also durch ihre Selbstdarstellung (und durch ihre Beziehung zu Ronaldo, wenn sie ehrlich ist) ihre Millionen Follower und ihre Gesch\u00e4ftsgrundlage aufgebaut auf einer Plattform (Instagram), die auf Optik basiert. Auf der viele gut aussehende Menschen Geld verdienen, in dem sie sich beim Sch\u00f6nsein und Selbstoptimieren (Beauty, Sport, Essen) zeigen, dabei \u201eTipps\u201c geben (Werbung machen) und so ihre Attraktivit\u00e4t monetarisieren.<\/p>\n<p>Der n\u00fcchtern-zielgerichtete, professionelle Umgang mit dem eigenen K\u00f6rperkapital clasht jedoch auch in diesem Fall mit einem (geheuchelt) achtsam-divers-kuscheligen Piep-Piep-Piep-Weltbild, welches wie ein \u00fcbergro\u00dfes Souffl\u00e9 in den 2010er Jahren in gewissen Kreisen aufsch\u00e4umte \u2013 und seit Kurzem in sich zusammensackt. In diesem Weltbild haben sich bitte alle ganz doll lieb\u00a0\u2013 und sich auch bitte lieb zu verhalten. Da darf niemand \u201egejudgt\u201c (beurteilt) werden, schon gar nicht f\u00fcr seinen K\u00f6rper. <\/p>\n<p>Dass beides nicht zusammenpasst \u2013 den eigenen K\u00f6rper auszustellen, zu nutzen und damit Geld verdienen zu wollen. Und die Emp\u00f6rung, wenn die Leute, denen der K\u00f6rper buchst\u00e4blich vor die Nase gehalten wird, diesen beurteilen (jenseits von Herzchen und Flammen-Emojis und Kommentaren wie \u201eDu Sch\u00f6ne!\u201c). Das passt in Influencer- und \u201eCreator\u201c-Kreisen einfach nicht ins (verengte) Weltbild.  Nat\u00fcrlich ist es nicht nett, wenn man lesen muss, dass man \u201efett\u201c sei oder \u201eganz sch\u00f6n zugenommen\u201c habe. Aber man muss es aushalten (k\u00f6nnen).<\/p>\n<p>Noch besorgniserregender allerdings ist, dass in den achso-fortschrittlichen Kuschelkreisen nicht einmal mehr echte Sorge ausgedr\u00fcckt werden darf. Von manchen wird das quasi zur K\u00f6rperverletzung erkl\u00e4rt. Das zeigt der Fall Ariana Grande. <\/p>\n<p>Die S\u00e4ngerin und Schauspielerin (\u201eWicked\u201c) sagte gerade ihr ab dem September geplantes Musicalprojekt in London ab und k\u00fcndigte stattdessen eine \u201ewohlverdiente Pause\u201c an. Der Hintergrund: Vor einer Woche stellte Grande ihr Video zur neuen Single \u201ePetal\u201c vor, welches nicht etwa musikalisch Wellen schlug, sondern \u00e4sthetische. \u00dcbergro\u00df war das allgemeine Erschrecken, wie mager die immer schon schmale S\u00e4ngerin darin aussieht. Interessanterweise handelt das Video von einer Frau, die vor einem Tribunal von \u00e4lteren M\u00e4nnern einfach nichts richtig machen kann, sich so lange optimiert und in neue Rollen schl\u00fcpft, bis sie am Ende entnervt zur Kettens\u00e4ge greift und der Erniedrigung ein blutiges Ende setzt\u00a0\u2026 <\/p>\n<p>Was auf die Ver\u00f6ffentlichung folgte, war keine Diskussion \u00fcber Selbstbestimmung und -justiz oder die Grenzen des Wunsches einer jungen Frau, man selbst sein zu d\u00fcrfen. Stattdessen kreisten die Kommentare vor allem um die Knochen im Brustbereich, die in der Splatterszene \u00fcberdeutlich sichtbar sind. Viele Ferndiagnosen folgten mit meist einem einzigen Bulletin (Magersucht), vor allem aber mit echter Sorge. Ariana Grande hat 363 Millionen (!) Fans allein auf Instagram. Da stellte sich rasch die Frage: D\u00fcrfen die das? <\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen, obwohl man die inhaltlich trennen muss, finde ich: Ja, \u201edie\u201c d\u00fcrfen das. Selbst wenn die Kritik nicht immer nett und die Sorge nicht zwangsl\u00e4ufig echt ist. \u201eDie\u201c (Follower) d\u00fcrfen den K\u00f6rper einer Person kritisieren (solange das Gesagte von der Meinungsfreiheit gedeckt ist), wenn der K\u00f6rper sozusagen die Gesch\u00e4ftsgrundlage bildet, die immer wieder ins (digitale) Zentrum ger\u00fcckt wird. Und sie d\u00fcrfen erst recht ihre Sorge ausdr\u00fccken, wenn offensichtlich ein Sch\u00f6nheits- und K\u00f6rperbild ausgestellt wird, das eindeutig nicht gesund ist. <\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass Jugendliche automatisch Essst\u00f6rungen bekommen, wenn ihre \u201eRole Models\u201c ein leptosomes K\u00f6rperideal vorleben. Aber die Gefahr nimmt gerade bei M\u00e4dchen und jungen Frauen erwiesenerma\u00dfen erheblich zu, wie gerade die Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann der \u201edpa\u201c sagte. Viele Studien belegten dies, betont die fr\u00fchere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen. <\/p>\n<p>Der K\u00f6rper ist in beiden hier geschilderten F\u00e4llen nicht (mehr) privat. Wer sich entschieden hat, einen Teil seines Lebens in der \u00d6ffentlichkeit zu verbringen \u2013 und vor allem optische Kan\u00e4le zur Verbreitung seiner Botschaft, seines Contents, seines Gesch\u00e4fts nutzt, der muss Kritik aushalten. Auch wenn Urteile hart bis unfair sind. Fragen Sie mal weniger prominente Models, die bei den Fashion Weeks in Mailand, London oder Paris ein Laufsteg-Casting nach dem anderen abklappern, was die an Ablehnung aushalten m\u00fcssen. Und wer seinen Fans N\u00e4he auf einer Plattform suggeriert, der muss auch aushalten, dass sich diese Fans Sorgen machen. Selbst wenn einen die Ferndiagnosen und Ratschl\u00e4ge nerven.<\/p>\n<p>Denn auch 2026, trotz des Versuchs der \u201eHyggisierung\u201c der Welt, gilt der alte Harry S. Truman-Spruch: \u201eWer Hitze nicht aush\u00e4lt, der hat in der K\u00fcche nichts zu suchen.\u201c Das ist auch gut so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die \u00c4ra von Achtsamkeit, Diversit\u00e4t und Bodypositivity hat zur Verleugnung von Realit\u00e4t gef\u00fchrt. 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