{"id":323099,"date":"2026-08-09T02:02:20","date_gmt":"2026-08-09T02:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/323099\/"},"modified":"2026-08-09T02:02:20","modified_gmt":"2026-08-09T02:02:20","slug":"warum-in-ceuta-jetzt-kinder-zur-verhandlungsmasse-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/323099\/","title":{"rendered":"Warum in Ceuta jetzt Kinder zur Verhandlungsmasse werden"},"content":{"rendered":"<p>\nNach Ansturm auf Ceuta\n<\/p>\n<p>Aktualisiert am 08.08.2026, 16:05 Uhr\n<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.gmx.at\/image\/758\/42591758,pd=2.jpg\" data-brain-zone=\".42591746.content.lead.1\" data-component-path=\"content.lead.1\" data-component-name=\"article-image\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/42591758,pd=2,f=responsive169-w950.jpg\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p><\/a> <\/p>\n<p>\nEin zw\u00f6lfj\u00e4hriger unbegleiteter Minderj\u00e4hriger, der nach Spanien eingereist war, wird von einem spanischen Soldaten zur spanisch-marokkanischen Grenze begleitet, w\u00e4hrend das Kind darum fleht, nicht aus der spanischen Enklave Ceuta nach Marokko zur\u00fcckgeschickt zu werden.<br \/>\n\u00a9\u00a0picture alliance\/dpa\/AP\/Bernat Armangue\n<\/p>\n<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Zehntausende Migranten kamen nach Ceuta. Die meisten haben die spanische Exklave inzwischen verlassen, doch \u00fcber 1.000 minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge harren dort unter prek\u00e4ren Bedingungen aus. Ihr weiteres Schicksal ist zum Politikum geworden. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Nach dem Massenansturm von 72.000 Migranten auf <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42591746.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/reise\/thema\/spanien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spaniens<\/a> Nordafrika-Exklave Ceuta ist das Schicksal von Minderj\u00e4hrigen weiter ungewiss. Die erwachsenen Migranten wurden fast alle schnell zur\u00fcckgeschickt, aber bei Minderj\u00e4hrigen ist das faktisch verboten. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Ein engmaschiges Netz aus nationalen spanischen Gesetzen und internationalen Abkommen untersagen unmittelbare Abschiebungen (sogenannte Pushbacks) Minderj\u00e4hriger, da das Kindeswohl obenan steht. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Dennoch sind die \u00fcberwiegend aus <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42591746.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/reise\/thema\/marokko\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko<\/a> stammenden Kinder und Jugendlichen zur politischen Verhandlungsmasse im Streit um die Migrationspolitik geworden. Die wichtigsten Fragen und Antworten. <\/p>\n<p>Wie viele Minderj\u00e4hrige sind in Ceuta?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Zahlen variieren stark. Anfang der Woche nannte die Verwaltung von Ceuta eine Zahl von 1.017 unbegleiteten minderj\u00e4hrigen Migranten, zwei Tage sp\u00e4ter von rund 1.200. Davon seien 750 schon vor dem Massenansturm vom 30. und 31. Juli in die Exklave gekommen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Auch die Hilfsorganisation Save the Children sch\u00e4tzt ihre Zahl auf gute tausend. Jugendministerin Sira Rego nannte am Freitag bei einem Besuch in Ceuta dann die Zahl von 1.342 bereits registrierten Minderj\u00e4hrigen, um die sich gek\u00fcmmert werde. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Da das regul\u00e4re, prim\u00e4re Aufnahmezentrum der Stadt jedoch f\u00fcr nur 29 Pl\u00e4tze ausgelegt ist, lief das System schon vor dem Massenansturm im totalen Notbetrieb. Kinder und Jugendliche waren auf Notunterk\u00fcnfte und improvisierte Zivilschutzeinrichtungen verteilt. Inzwischen sind auch Schulen und eine alte Fabrikhalle ge\u00f6ffnet und Wohncontainer bereitgestellt worden. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Zeitung &#8222;El Pa\u00eds&#8220; berichtete, B\u00fcrgerwehren w\u00fcrden zum Teil gewaltsam gegen Migranten vorgehen. Besonders prek\u00e4r ist die Lage nach Angaben von Hilfsorganisationen f\u00fcr die ganz jungen Migranten, die teilweise erst zehn Jahre alt seien. M\u00e4dchen seien wegen sexueller \u00dcbergriffe gef\u00e4hrdet. <\/p>\n<p>Was sind die n\u00e4chsten Schritte f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Nach der formellen Registrierung und medizinischen Alterspr\u00fcfung schreibt das Ausl\u00e4ndergesetz in Artikel 35 bei einer \u00dcberschreitung der Aufnahmekapazit\u00e4t einer Region wie nun in Ceuta einen Transfer der Minderj\u00e4hrigen auf das spanische Festland innerhalb von maximal 15 Tagen vor. Aufgrund der \u00dcberlastung der B\u00fcrokratie verz\u00f6gert sich dieser Prozess in der Realit\u00e4t jedoch leicht um Wochen und Monate. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Verteilung auf die autonomen Gemeinschaften erfolgt \u00fcber einen festen Schl\u00fcssel, der sich nach Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe und Wirtschaftskraft richtet. Seitdem dieser Verteilungsschl\u00fcssel im August 2025 eingef\u00fchrt wurde, kamen vor dem Massenansturm auf Ceuta bereits insgesamt etwa 1.750 minderj\u00e4hrige Migranten aus Ceuta, Melilla und von den Kanarischen Inseln auf das spanische Festland und zu den Balearen.<\/p>\n<p>Welche Vorgaben gibt es in Spanien f\u00fcr den Umgang mit ihnen?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Unbegleitete minderj\u00e4hrige Migranten unterliegen in den autonomen Gemeinschaften nach dem Ausl\u00e4ndergesetz der Schulpflicht und erhalten eine regul\u00e4re Aufenthaltserlaubnis und ab dem 16. Lebensjahr automatisch auch eine vollwertige Arbeitserlaubnis. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Mit dem Erreichen des 18. Geburtstags endet zwar die staatliche Vormundschaft, doch die Jugendlichen behalten ihre Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung als Erwachsene bei. Die Verl\u00e4ngerung der Papiere ist an relativ niedrige finanzielle H\u00fcrden gekoppelt, sodass bereits ein geringes Einkommen aus Ausbildung, Arbeit oder anderen Beihilfen f\u00fcr den legalen Status ausreicht. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Viele Regionen bieten zudem freiwillige Nachbetreuungsprogramme in betreuten Wohngruppen bis zum 21. Lebensjahr an, um den Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. <\/p>\n<p>K\u00f6nnten die Minderj\u00e4hrigen auf andere L\u00e4nder verteilt werden?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Eine Verteilung der unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen aus Ceuta auf andere europ\u00e4ische L\u00e4nder ist rechtlich zul\u00e4ssig und organisatorisch machbar; sie scheitert in der Praxis jedoch am mangelnden politischen Willen der \u00fcbrigen EU-Mitgliedstaaten, diese Jugendlichen freiwillig aufzunehmen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Spanien darf die Minderj\u00e4hrigen auch nicht in andere EU-L\u00e4nder abschieben, da es gesetzliche Vormundschaft f\u00fcr die Jugendlichen \u00fcbernommen hat. Zudem existiert auf EU-Ebene kein verpflichtender Verteilungsmechanismus, und andere Mitgliedstaaten w\u00fcrden aufgrund der hohen Betreuungskosten eine freiwillige \u00dcbernahme vermutlich verweigern.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die in Spanien ausgestellten Aufenthaltsdokumente berechtigen die Jugendlichen auch nicht zur legalen \u00dcbersiedlung oder zum dauerhaften Aufenthalt in einem anderen EU-Staat. Reisen Jugendliche eigenm\u00e4chtig weiter und werden in einem anderen EU-Land aufgegriffen, w\u00e4ren die dortigen Beh\u00f6rden aber im Sinne des Kindeswohls verpflichtet, die Minderj\u00e4hrigen in Schutz zu nehmen und ein Vormundschaftsverfahren einzuleiten.<\/p>\n<p>Empfohlenes Video<\/p>\n<p>Grenzstreit versch\u00e4rft sich: Spanien kontrolliert jetzt Italien-Reisende<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/42590888,pd=2,f=responsive169-w950.jpg\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\u00a9 Buzzwoo<\/p>\n<p>Wie ist die politische Debatte in Spanien?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Mehrere von der konservativen Volkspartei (PP) mit der rechtspopulistischen Vox als Koalitionspartner regierte Regionen hatten zun\u00e4chst Widerstand gegen die automatischen Zuweisungen angek\u00fcndigt. Nach einigem Z\u00f6gern betonten sie dann zwar, sie w\u00fcrden die spanische Gesetzgebung achten. Zugleich aber fordern sie l\u00fcckenlose Altersnachweise und es stehen Drohungen mit juristischen Klagen gegen Transferanordnungen im Raum. PP und Vox geben der linken Zentralregierung von Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez die Schuld an dem Massenansturm auf Ceuta.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Regionalpr\u00e4sidentin von Madrid, Isabel D\u00edaz Ayuso (PP), machte sich daf\u00fcr stark, die Jugendlichen direkt in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckzuf\u00fchren. Rechtspopulistische Parteien nicht nur in Spanien nutzen die Bilder aus Ceuta, um <a data-brain-zone=\".42591746.content.textlink_3\" data-component-path=\"content.textlink_3\" data-component-name=\"link.editorial\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/politik\/videos\/videos\/grenzkrise-ceuta-rechte-madrid-strasse-42566982\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angst vor Ausl\u00e4ndern zu sch\u00fcren<\/a>.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Minderj\u00e4hrigen selbst haben Medienberichten zufolge ganz unterschiedliche W\u00fcnsche. Einige m\u00f6chten zu ihren Eltern zur\u00fcck, andere hoffen auf eine bessere Zukunft in Spanien, um von dort sp\u00e4ter Geld an die Familie in Marokko schicken zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt sich Marokko?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Rabat hat offiziell die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Spanien bei der R\u00fcckf\u00fchrung Minderj\u00e4hriger angek\u00fcndigt. Spanischen Medienberichten zufolge haben <a data-brain-zone=\".42591746.content.textlink_4\" data-component-path=\"content.textlink_4\" data-component-name=\"link.editorial\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/politik\/videos\/ceuta-marokko-weist-verantwortung-42578492\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die marokkanischen Beh\u00f6rden<\/a> aber in der Vergangenheit oft Identit\u00e4tsanfragen spanischer Stellen unbeantwortet gelassen, womit eine Abschiebung nach spanischem Recht unm\u00f6glich wurde. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">In spanischen Medien wird spekuliert, Rabat habe den Massenansturm auf Ceuta wohl zugelassen, um Spanien und Europa zu demonstrieren, welchen Hebel das Land als T\u00fcrsteher in Hinblick auf Migration an der spanischen S\u00fcdgrenze in der Hand hat. <\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Zudem betrachtet Marokko Ceuta und Madrids zweite Nordafrika-Exklave Melilla als &#8222;besetzte&#8220; Gebiete. Medien verweisen auch auf den hohen inneren Druck in Marokko aufgrund fehlender Chancen gerade f\u00fcr junge Leute. Migration sei da aus Sicht Rabats ein willkommenes Ventil. (Jan-Uwe Ronneburger, dpa\/bearbeitet von thp)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach Ansturm auf Ceuta Aktualisiert am 08.08.2026, 16:05 Uhr Ein zw\u00f6lfj\u00e4hriger unbegleiteter Minderj\u00e4hriger, der nach Spanien eingereist war,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":323100,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[12],"tags":[79674,80039,2366,40,41,30637,39,935,66,65,64],"class_list":["post-323099","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-ceuta","tag-exklave","tag-marokko","tag-nachrichten","tag-news","tag-politikum","tag-schlagzeilen","tag-spanien","tag-welt","tag-world","tag-world-news"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117063093604188931","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=323099"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323099\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/323100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=323099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=323099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=323099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}