{"id":323621,"date":"2026-08-09T08:53:13","date_gmt":"2026-08-09T08:53:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/323621\/"},"modified":"2026-08-09T08:53:13","modified_gmt":"2026-08-09T08:53:13","slug":"leander-khil-im-interview-mich-hat-es-schon-als-kind-erwischt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/323621\/","title":{"rendered":"Leander Khil im Interview: \u201eMich hat es schon als Kind erwischt\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Herr Khil, Sie sind den ganzen Sommer \u00fcber nicht in Graz. Wo erwischen wir Sie gerade? <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich bin auf den Galapagosinseln und arbeite hier bei einem Forschungs- und Naturschutzprojekt der Charles Darwin Foundation mit, bei dem es um die ber\u00fchmten Darwinfinken geht. Wir haben als Familie beschlossen, dass wir mit unserem jetzt dreij\u00e4hrigen Kind das Erlebnis teilen wollen, eine Zeitlang hier zu leben. Galapagos ist ein epischer Naturraum, wie es ihn kein zweites Mal auf der Erde gibt. Man hat hier Begegnungen mit Tieren, die in Mitteleuropa undenkbar sind. Dass man baden geht und dabei \u00fcber eine Meeresschildkr\u00f6te oder einen Seel\u00f6wen stolpert, ist ganz normal. Es ist ein sehr naturverbundenes Leben.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Drehen Sie auf Galapagos auch wieder eine neue Universum-Naturdoku? <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Es gibt aktuell kein Galapagos-Projekt. Aber f\u00fcr die Zukunft will ich es nicht ausschlie\u00dfen. Was die Filmprojekte betrifft, arbeiten wir derzeit gerade an der Fertigstellung der Guatemala-Doku.  <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Was k\u00f6nnen Sie \u00fcber die Guatemala-Doku bereits verraten? <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich war viele Jahre f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in Guatemala. Die Forschung und die Recherche war die Basis f\u00fcr den Film. Gedreht haben wir dann zwischen 2024 und 2026. Die Universum-Doku \u201eGuatemala \u2013 Die heiligen Tiere der Maya\u201c wird dann voraussichtlich am 1. Dezember im ORF zu sehen sein. Im Mittelpunkt stehen Tiere, die schon die Maya kannten und die es heute noch in Guatemala gibt \u2013 allen voran der Quetzal, ein gr\u00fcnschillernder Vogel, der sogar im Wappen des Landes und auf den Geldscheinen vorkommt.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Sie sind Biologe, Fotograf, Filmemacher. Was ist bei den Drehs der Universum-Tierdokus eigentlich der Part, f\u00fcr den Sie zust\u00e4ndig sind?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich mache das Konzept, schreibe das Drehbuch und bin daf\u00fcr verantwortlich, die Tiere vor die Kamera oder, besser, die Kamera zu den Tieren zu bringen. Mario Kreuzer aus Klagenfurt ist unser Produzent und Kameramann. Und dann braucht es noch ein gro\u00dfes Team an Spezialisten, vom Ton bis zum Schnitt, und Experten vor Ort.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Gab es bei den Dreharbeiten ein Erlebnis, das Sie trotz jahrelanger Erfahrung besonders bezaubert hat? <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Wir hatten das Gl\u00fcck, im Nebelwald in Guatemala eine Wei\u00dfwedelhirschkuh mit Drillingen aufzusp\u00fcren. Das ist an und f\u00fcr sich schon etwas Besonderes. Als wir ein Jahr sp\u00e4ter f\u00fcr weitere Dreharbeiten an den Ort zur\u00fcckkehrten, sind wir wieder auf die Familie gesto\u00dfen. Alle drei jungen Hirsche hatten \u00fcberlebt und schon ein kleines Geweih. Erkannt haben wir sie an der Mutter, die im Ohr eine Verletzung von einer Begegnung mit einer Gro\u00dfkatze trug. Das war ein wunderbares Wiedersehen.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Gibt es Zukunftsprojekte, die sich ank\u00fcndigen?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich sitze gerade an der \u00dcberarbeitung meines Buchs \u201eV\u00f6gel \u00d6sterreichs\u201c. Da wird die dritte Auflage demn\u00e4chst erscheinen. F\u00fcr weitere Filmprojekte und B\u00fccher gibt es Konzepte, aber sie sind noch nicht spruchreif. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">F\u00fcr Biologen bieten sich Spezialgebiete von Alpenveilchen bis Zebra an. Warum sind es bei Ihnen gerade die V\u00f6gel geworden?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich war schon als Kind von Tieren begeistert. Und V\u00f6gel unterscheidet etwas Wesentliches von anderen Tiergruppen. Sie sind extrem zug\u00e4nglich und omnipr\u00e4sent. Viele V\u00f6gel sind tagaktiv, man h\u00f6rt sie, man sieht sie, man hat st\u00e4ndig etwas zu beobachten. Wenn man ein hohes Begeisterungspotenzial f\u00fcr das Studium der Tierwelt hat, liegt es ziemlich nahe, dass es einem die V\u00f6gel besonders antun. Mich hat es da schon als Kind erwischt. Auch das Fotografieren hat mich schon in jungen Jahren begeistert. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Sie sind seit 20 Jahren Ornithologe. Was ist die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung in der heimischen Vogelwelt, die Sie in dieser Zeit beobachtet haben?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Es gibt sch\u00f6ne und positive Entwicklungen, die auch \u00fcberraschend schnell gegangen sind. Die R\u00fcckkehr vieler Greifvogelarten und Falken ist so eine. Das darf aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass vor allem im Ackerland ein schleichender Artenschwund und eine Verarmung der Vogelwelt vonstattengeht. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Gibt es eine Art, um die Sie sich besonders gro\u00dfe Sorgen machen?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Ich bin dem Seewinkel im Burgenland sehr verbunden und habe dort viel Zeit verbracht. Der Zustand der Sodalacken hat sich dramatisch verschlechtert und die extremen Trockenphasen und Hitzeperioden setzen den Feuchtgebieten weiter zu. Um seltene Vogelarten, die dort br\u00fcten, wie den Seeregenpfeifer oder die Uferschnepfe, muss man sich wirklich Sorgen machen. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Sie haben in Graz ein Artenschutzprojekt initiiert und eine Nistnische f\u00fcr Wanderfalken am Turm der Herz-Jesu-Kirche eingerichtet.\u00a0Seit 2021 gibt es jedes Jahr Nachwuchs. Haben die Jungen heuer schon das Nest verlassen?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Die vier Jungv\u00f6gel sind heuer ohne Zwischenf\u00e4lle fl\u00fcgge geworden. Es war eine sehr erfreuliche Brutsaison. Die Nestbesuche der Jungv\u00f6gel werden jetzt immer seltener. Bald wird das Revier wieder den beiden Altv\u00f6geln geh\u00f6ren. Es handelt sich ja heuer um ein neues Paar. Davor hat mit Inge und Ivica f\u00fcnf Jahre lang dasselbe Paar im Turm gebr\u00fctet. Die Jungen bewegen sich in den kommenden Jahren als sogenannte \u201eFloater\u201c in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern ohne festes Revier. Die, die \u00fcberleben, beziehen dann selbst irgendwo einen Brutplatz, wenn sie einen finden. Dank vieler Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer konnten wir letztes Jahr einige neue Nistgelegenheiten schaffen. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Von Graz hat sich das Projekt auf die s\u00fcdliche Steiermark ausgeweitet. Wie steht es da?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Drei weitere Paare haben heuer bereits gebr\u00fctet. Die M\u00e4nnchen sind jeweils Nachkommen von Inge und Ivica. In der S\u00fcdh\u00e4lfte der Steiermark sind heuer insgesamt 15 Wanderfalken auf Geb\u00e4uden geschl\u00fcpft. Z\u00e4hlt man Kinder und Enkelkinder zusammen, haben Inge und Ivica bereits 41 Nachkommen. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Wie kommt es, dass Wanderfalken Brutpl\u00e4tze mitten in der Stadt so gut annehmen?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Dass Wanderfalken nicht nur in Felsw\u00e4nden, sondern auch auf Geb\u00e4uden br\u00fcten, ist eine Entwicklung, die in<br \/>\nWesteuropa schon fr\u00fcher stattgefunden hat als bei uns. Erst seit ein paar Jahren beobachten wir das auch in \u00d6sterreich. Felsw\u00e4nde und Kircht\u00fcrme oder T\u00fcrme von Industrieanlagen haben etwas gemeinsam. Sie k\u00f6nnen gesch\u00fctzte, ungest\u00f6rte Brutpl\u00e4tze bieten, zu denen Fressfeinde schlecht dazukommen. Sie sind au\u00dferdem ein guter Standort, um von dort im Sturzflug zu jagen. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-question !font-semibold !my-0\">Wenn ich in Graz V\u00f6gel beobachten m\u00f6chte, wo gehe ich da am besten hin?<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-interview-answer !my-0\">Wenn man schon alle V\u00f6gel im eigenen Garten kennt, dann ist der gesamte Lauf der Mur interessant. Dort gibt es Wasservogelarten wie G\u00e4nses\u00e4ger, Mittelmeerm\u00f6wen oder Gebirgsstelzen. Sogar die Wasseramsel oder den Eisvogel kann man dort entdecken. Die Ufervegetation ist Lebensraum f\u00fcr viele Singvogelarten. Die Parks und W\u00e4lder der Stadt mit altem Baumbestand sind ebenfalls wertvolle Vogellebensr\u00e4ume. Dort kann man zum Beispiel den Halsbandschn\u00e4pper oder den Grauspecht entdecken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Khil, Sie sind den ganzen Sommer \u00fcber nicht in Graz. Wo erwischen wir Sie gerade? Ich bin&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":323622,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[29],"tags":[46,42,26648,183,83652,83653,44,16252,83654],"class_list":["post-323621","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-graz","tag-at","tag-austria","tag-filmemacher","tag-graz","tag-leander-khil","tag-ornithologe","tag-oesterreich","tag-universum","tag-wanderfalke"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117064709149639642","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=323621"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/323621\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/323622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=323621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=323621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=323621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}