{"id":324910,"date":"2026-08-10T01:46:14","date_gmt":"2026-08-10T01:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/324910\/"},"modified":"2026-08-10T01:46:14","modified_gmt":"2026-08-10T01:46:14","slug":"erzbischof-bentz-christliche-identitaet-nicht-identitaer-verengen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/324910\/","title":{"rendered":"Erzbischof Bentz: Christliche Identit\u00e4t nicht identit\u00e4r verengen"},"content":{"rendered":"<p>                                                                                                Salzburg, 09.08.2026 (KAP) Vor einem zu engen Verst\u00e4ndnis christlicher Identit\u00e4t hat der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz gewarnt. &#8222;Meine Identit\u00e4t als Christ ist nicht starr und fest umrissen, sondern in gewisser Weise liquide &#8211; mit einem hoffentlich festen inneren Kern&#8220;, sagte Bentz bei einem Vortrag am Sonntag in Salzburg. Insofern k\u00f6nne man christliche Identit\u00e4t als &#8222;in ihrem innersten Kern relational, aber nicht relativistisch&#8220; begreifen. Eckpunkte dieses Beziehungsgeschehens seien Christus, die Kirche und ihre Tradition, die je eigenen biografischen und kulturellen Pr\u00e4gungen und die Zuschreibungen durch andere, &#8222;die mich als Christen identifizieren&#8220;. Kirchlich finde diese relationale Identit\u00e4t ihre Entsprechung im Begriff der Synodalit\u00e4t, f\u00fchrte der Erzbischof aus. <\/p>\n<p>Bentz \u00e4u\u00dferte sich im Rahmen des Akademischen Festaktes, mit dem am Sonntagvormittag die heurigen &#8222;Salzburger Hochschulwochen&#8220; zu Ende gegangen sind. Sie standen vom 3. bis 9. August unter dem Generalthema &#8222;Wer wir sind und sein wollen. Identit\u00e4t: Superkraft und Problemzone&#8220;. Gru\u00dfworte sprachen dabei neben dem Obmann der Hochschulwochen, Prof. Martin D\u00fcrnberger, u. a. die Vizerektorin der Universit\u00e4t Salzburg, Prof. Michaela R\u00fcckl, sowie Landtagspr\u00e4sidentin Brigitta Pallauf. <\/p>\n<p>Unter den Teilnehmenden waren zudem der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der emeritierte Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, Abt Theodor Hausmann (Abtei St. Stephan), Abt Johannes Perkmann (Abtei Michaelbeuern), Erzabt Jakob Auer (Erzabtei St. Peter), der fr\u00fchere Erzabt von St. Peter, Korbinian Birnbacher, der Rektor des Kollegs St. Benedikt, P. Otto Grillmeier, und der Salzburger Landtagsabgeordnete Josef Sch\u00f6chl. Den musikalischen Rahmen boten die beiden Pianisten Johann Zhao und Karim Zech, die St\u00fccke von Joseph Woelfl, Erwin Schulhoff und Franz Liszt spielten. <\/p>\n<p>Christliche Identit\u00e4t als &#8222;empfangene, erz\u00e4hlte und gelebte Christusbeziehung&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Relationale Identit\u00e4t&#8220; kenne bereits die Bibel, zeigte Bentz auf. &#8222;Israel lebt als wanderndes, abh\u00e4ngiges und von Gottes Treue getragenes Volk &#8211; aus Verhei\u00dfung und Erinnerung, aus Beziehung statt aus Selbstbesitz.&#8220; Das Neue Testament entwickle diesen Gedanken weiter, insofern Christus zum &#8222;Referenzpunkt der Identit\u00e4t derer [wird], die ihm nachfolgen&#8220; und von ihm erz\u00e4hlen. Christliche Identit\u00e4t m\u00fcsse man daher &#8222;als empfangene, erz\u00e4hlte und gelebte Christusbeziehung&#8220; verstehen, f\u00fchrte der Paderborner Erzbischof aus.<\/p>\n<p>Damit wandte sich Bentz zugleich gegen alle Versuche, unter dem S\u00e4kularisierungsdruck Identit\u00e4t verst\u00e4rkt in Abgrenzung, Abschottung des vermeintlich Eigenen, in Besitzstandsdenken zu suchen: &#8222;Eine solche, sich als abgrenzend verstehende kirchliche Identit\u00e4t findet Resonanz und Inspiration in politisch identit\u00e4ren Bewegungen&#8220;. Es bereite ihm daher auch Sorgen, so Bentz, &#8222;dass die Seelenverwandtschaft zwischen solchen politischen, identit\u00e4ren und autorit\u00e4ren Str\u00f6mungen und gewissen Gruppen und Dynamiken in der katholischen Kirche nicht mehr nur ein exotisches Randthema ist, sondern eine toxische Melange bildet&#8220;. <\/p>\n<p>Ein Identit\u00e4tsverst\u00e4ndnis, das geschichtliche Dynamik relativiere oder auf einen bestimmten Moment hin &#8222;festfriert&#8220;, entspreche daher auch nicht dem Verst\u00e4ndnis, &#8222;zu dem sich die Erz\u00e4hlgemeinschaft Kirche auf dem letzten Konzil und in den Folgejahren positioniert hat&#8220;, so Bentz. In einer pluralen Gesellschaft bedeute christliche Identit\u00e4t daher: &#8222;pr\u00e4sent sein, ohne zu vereinnahmen. Zeugnis geben ohne zu zwingen. Die eigene Hoffnung bekennen, ohne die Freiheit anderer zu bedrohen. Sprechen, ohne andere zu \u00fcbert\u00f6nen. Widersprechen, ohne zu zerst\u00f6ren. Einladen, ohne zu vereinnahmen.&#8220;<\/p>\n<p>Lackner: Glaube braucht Element &#8222;signifikanter Andersheit&#8220;<\/p>\n<p>Dem Festakt vorausgegangen war ein Festgottesdienst im Salzburger Dom. In seiner Predigt warnte auch Erzbischof Franz Lackner vor einer zu raschen, zu geschlossenen Identit\u00e4tslogik. &#8222;Braucht unser Glaube, gerade weil zumeist sch\u00f6n gef\u00fcgt und festgezurrt, nicht ebenso ein signifikant anderes Element?&#8220;, fragte er vor dem Hintergrund der Vortr\u00e4ge der Hochschulwoche und Lesungen des Sonntags. <\/p>\n<p>Auch Jesus habe Zeichen dieser &#8222;Andersheit&#8220; vorgelebt, etwa indem er sich in die Einsamkeit zur\u00fcckzog, um zu beten. Auch die Glaubensgeschichte kenne immer wieder Erfahrungen, in denen das Sich-Entziehen zugleich zu einem Moment tiefster Nachfolge werde. Lackner: &#8222;Man kann &#8211; man darf &#8211; Glauben sich nicht einfach aneignen. Glaube &#8211; urspr\u00fcnglich errungen &#8211; enth\u00e4lt immer ein Element der \u00dcberraschung.&#8220;<\/p>\n<p>Hochschulwoche 2027 zur &#8222;Kunst des Neubeginns&#8220;<\/p>\n<p>Den Abschluss des Festaktes bildete die Verk\u00fcndung des n\u00e4chstj\u00e4hrigen Themas der &#8222;Salzburger Hochschulwochen&#8220; durch Erzbischof Lackner. Diese werden demnach vom 2. bis 8. August unter dem Titel &#8222;Alles auf Anfang?! Die Kunst des Neubeginns&#8220; stattfinden. Tats\u00e4chlich sei die Sehnsucht nach einem Neuanfang bei vielen Menschen tief verankert: &#8222;reset, restart, relaunch ist ein ph\u00f6nixhaft reizvoller Gedanke &#8211; allem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne&#8220;, hei\u00dft es dazu im erl\u00e4uternden Text auf der Hochschulwochen-Website. <\/p>\n<p>Zugleich sei ein Neubeginn schwer und von Ungewissheit gepr\u00e4gt. Dies gelte im pers\u00f6nlichen Kontext, aber ebenso auch kirchlich, gesellschaftlich und politisch: &#8222;Wie lassen sich demokratische Prozesse und sozialstaatliche Institutionen reformieren, wie gesellschaftliches Miteinander oder kirchliches Leben auf neue Beine stellen? Und wie funktioniert Kreativit\u00e4t oder die Poesie eines frischen Blicks auf die Welt?&#8220; Diesen Fragen wolle man sich im kommenden Jahr bei der &#8222;smarten Sommerfrische&#8220; &#8211; der \u00e4ltesten Sommeruniversit\u00e4t im deutschen Sprachraum &#8211; stellen. <\/p>\n<p>Die Hochschulwoche 2027 wird au\u00dferdem die letzte unter der Obmannschaft von Martin D\u00fcrnberger sein, dessen dritte Amtszeit im kommenden Jahr endet. (Infos: <a href=\"http:\/\/www.salzburger-hochschulwochen.at\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.salzburger-hochschulwochen.at<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Salzburg, 09.08.2026 (KAP) Vor einem zu engen Verst\u00e4ndnis christlicher Identit\u00e4t hat der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz gewarnt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":324911,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[46,42,44,43,45],"class_list":["post-324910","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-oesterreich","tag-at","tag-austria","tag-oesterreich","tag-republic-of-austria","tag-republik-oesterreich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117068692428725144","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324910","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=324910"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/324910\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/324911"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=324910"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=324910"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=324910"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}