{"id":325348,"date":"2026-08-10T08:10:11","date_gmt":"2026-08-10T08:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/325348\/"},"modified":"2026-08-10T08:10:11","modified_gmt":"2026-08-10T08:10:11","slug":"ueber-140-tote-in-ceuta-europa-verraet-seine-menschlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/325348\/","title":{"rendered":"\u00dcber 140 Tote in Ceuta: Europa verr\u00e4t seine Menschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p>    <img width=\"820\" height=\"615\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1280px-Valla_de_Ceuta-820x615.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/> (Bild von Xemenendura, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons)<\/p>\n<p>In den letzten Julitagen kamen zehntausende Menschen von Marokko aus schwimmend oder \u00fcber die Landgrenze in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. \u00dcber 140 Menschen starben. Eine menschliche Trag\u00f6die. Doch f\u00fcr Trauer ist kaum Raum, stattdessen \u00fcberbieten sich EU-Politiker*innen in ihrem Ruf nach noch mehr Abschottung.<\/p>\n<p>Es waren beispiellose Stunden in Ceuta, der spanischen Exklave in Nordafrika, Ende Juli 2026. Innerhalb kurzer Zeit schaffte es eine gro\u00dfe Zahl von Menschen, Spanien spricht nun von <a href=\"https:\/\/www.interior.gob.es\/opencms\/es\/detalle\/articulo\/Grande-Marlaska-agradece-el-reconocimiento-y-el-apoyo-de-sus-homologos-europeos-a-la-respuesta-de-Espana-ante-la-crisis-de-Ceuta\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">72.000 Menschen<\/a>, in die kleine Stadt. Bei dem Versuch, Ceuta schwimmend zu erreichen, starben <a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/desalambre\/141-personas-han-muerto-entrada-ceuta-ong-caminando-fronteras_1_13429422.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nach aktuellem Stand<\/a> zwischen dem 30. Juli und dem 4. August \u00fcber 140 Menschen, darunter Kinder und Minderj\u00e4hrige. Viele sind noch vermisst, so dass zu erwarten ist, dass weitere Tote in den kommenden Tagen und Wochen geborgen werden.<\/p>\n<p>Die Bilder derer, die es lebend nach Ceuta geschafft haben, schlagen ein. Zu sehen sind vor allem junge Marokkaner*innen, die zwar ersch\u00f6pft und nass, aber dennoch zun\u00e4chst hoffnungsvoll in der europ\u00e4ischen Stadt ankommen. Europa ist und bleibt in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, Armut und Perspektivlosigkeit ein Ort der Hoffnung, f\u00fcr den das eigene Leben riskiert wird. Jedoch: Viele der Menschen, die \u00fcber die Grenze kamen, haben die Exklave nach wenigen Tagen bereits wieder in Richtung Marokko verlassen (m\u00fcssen).<\/p>\n<p>In Europa geraten Spitzenpolitiker*innen angesichts der Ereignisse in Streit, zu wichtig ist das ungebrochene Bild der H\u00e4rte. Doch rasch findet man wieder Einigkeit in einer gemeinsamen Antwort: Versch\u00e4rfte Abschottung. H\u00f6here Mauern, h\u00e4rtere Gesetze und das Ende jeglicher Liberalit\u00e4t. Buchst\u00e4blich wird \u00fcber Leichen gegangen, denn sie finden kaum Erw\u00e4hnung. Vergessen geht auch, dass Europa mit der Einf\u00fchrung des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems (GEAS), dem Beschluss sogenannter Return Hubs au\u00dferhalb der EU und weiteren Versch\u00e4rfungen im Asylbereich ohnehin gerade erst massive Versch\u00e4rfungen vorgenommen\u00a0hat.<\/p>\n<p>In Ceuta wird deutlich: Europa hat seinen menschenrechtlichen Kompass verloren. Ein neuerlicher besch\u00e4mender Tiefpunkt. Wenn sich zudem Georgia Meloni, JD Vance, Neigel Farage oder Alice Weidel <a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/ideas\/2026\/08\/ceuta-spain-far-right\/688154\/?gift=hVZeG3M9DnxL4CekrWGK3wipE_bl_f9oPIM6O7b0BPo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in Stellung bringen<\/a>, geht es nicht um die Menschen und die faktischen Herausforderungen in Ceuta, sondern um die Profilbildung am rechten\u00a0Rand.<\/p>\n<p>Erst Streit, dann\u00a0H\u00e4rte<\/p>\n<p>Als die ersten Bilder die europ\u00e4ische Presse erreichen, und noch bevor Ursachen und Hintergr\u00fcnde bekannt und analysiert wurden, gehen die Wogen in Europas Regierungssitzen hoch \u2013 von Rom, \u00fcber Berlin bis nach Kopenhagen. Italien setzte kurzerhand das <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ceuta-eu-reaktionen-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schengen-Abkommen mit Spanien au\u00dfer Kraft<\/a>. Ministerpr\u00e4sidentin Georgia Meloni begr\u00fcndet dies damit, verhindern zu wollen, dass Menschen aus Ceuta nach Italien kommen. Wohlwissend, dass eine Weiterreise aufs spanische Festland f\u00fcr Migrant*innen fast unm\u00f6glich ist. Auch der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt k\u00fcndigte mit Blick auf Ceuta an, die europarechtswidrigen deutschen Grenzkontrollen \u00fcber September hinaus verl\u00e4ngern zu wollen.<\/p>\n<p>In Europa geraten Spitzenpolitiker*innen angesichts der Ereignisse in Streit. Doch rasch findet man wieder Einigkeit in einer gemeinsamen Antwort: Versch\u00e4rfte Abschottung.<\/p>\n<p>Mit einem scharfen Brief wandten sich <a href=\"https:\/\/www.governo.it\/it\/articolo\/italia-e-danimarca-promuovono-lettera-vertici-ue-firmano-22-leader\/32445\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">22 Regierungschef*innen<\/a>, darunter auch Kanzler Friedrich Merz, an den Europ\u00e4ischen Rat und die EU-Kommission: \u00bbWir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass unkontrollierte Massen\u00fcbertritte, die Instrumentalisierung der Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, eine illegale Einreise in die Europ\u00e4ische Union sei m\u00f6glich. Dass sich die illegale Einreise eines Migranten in einen legalen Aufenthalt verwandeln kann.\u00ab Zwischen den Zeilen gehen sie damit die spanische <a href=\"https:\/\/taz.de\/Liberale-Einwanderung\/!6164573\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Legalisierungskampagne<\/a>, die seit April 2026 l\u00e4uft, als vermeintlichen Pull-Faktor an. Dabei sind die Regelungen restriktiv: Nur bereits l\u00e4nger im Land lebende illegalisierte Menschen k\u00f6nnen unter klar erbrachten Integrationsleistungen und strengen Vorgaben einen geregelten Aufenthalt erlangen.<\/p>\n<p>Die in dem Brief verwendeten Formulierungen wie \u00bbInstrumentalisierung von Migration\u00ab und \u00bbhybriden Bedrohungen\u00ab stehen f\u00fcr Narrative, die immer wieder genutzt werden, um Menschenrechtsverletzungen zu legitimieren, das Asylrecht weiter auszuh\u00f6hlen und Gerichtsursteile anzugreifen. Im Brief wird folglich auch auf die <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/pressemitteilung\/pro-asyl-kritisiert-europarats-erklaerung-zu-flucht-und-migration\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erkl\u00e4rung von Chi\u015fin\u0103u<\/a> verwiesen \u2013 einem Vorsto\u00df im Europarat, der darauf abzielt, die Rechtsprechung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte restriktiv zu beeinflussen \u2013, und deren rasche Implementierung gefordert. Der <a href=\"https:\/\/images.euronews.com\/articles\/stories\/09\/85\/86\/00\/750x422_cmsv2_b6a092c0-3924-5437-b293-a519fbf0d8fd-9858600.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">spanische Ministerpr\u00e4sident<\/a> Pedro S\u00e1nchez reagierte mit erheblicher Irritation auf das harsche Schreiben seiner europ\u00e4ischen Partner.<\/p>\n<p>Zugleich brachte sich auch die extreme Rechte Spaniens \u2013 und auch Organisationen aus anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, nicht zuletzt \u00d6sterreich und Deutschland \u2013 in Stellung und versuchte die Situation f\u00fcr sich zu nutzen. Kurzerhand reisten Prominente der Bewegung nach Ceuta, um vor Ort und online Hass zu verbreiten. Unter der lokalen Bev\u00f6lkerung formiert sich dagegen <a href=\"https:\/\/www.eldiario.es\/desalambre\/ciudadanos-ceuties-plantan-cara-alvise-vito-quiles-aprovechais-situacion-sembrar-odio_1_13423142.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Protest<\/a>. Auch wenn sich unter ihnen viele von der akuten Situation \u00fcberfordert zeigen, wollen sie Ceuta als eine Stadt verteidigen, in der verschiedene Religionen und Menschen friedlich zusammenleben.<\/p>\n<p>Als sich zwischen den europ\u00e4ischen Regierungschef*innen die Wogen nach dem ad hoc einberufenem Videotreffen der EU-Innenminister*innen gl\u00e4tteten, betonten sie in einer harmonisch klingenden <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/meetings\/jha\/2026\/08\/04\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Presseerkl\u00e4rung<\/a> am 4. August ihre gemeinsamen Pl\u00e4ne zur Abschottung: \u00bbEs herrschte Einigkeit dar\u00fcber, unerm\u00fcdlich den Kampf gegen Schleusernetzwerke fortzusetzen, die R\u00fcckf\u00fchrung voranzutreiben, die EU-Grenzen zu st\u00e4rken, enge Partnerschaften mit Drittl\u00e4ndern aufzubauen und die Vorausschau zu verbessern.\u00ab Zudem solle die Kommunikation besser koordiniert werden, \u00bbinsbesondere, um b\u00f6swilligen externen Akteuren entgegenzuwirken, die sich an ausl\u00e4ndischer Informationsmanipulation und Einmischung beteiligen\u00ab. Wer diese b\u00f6swilligen externen Akteur*innen genau sind, wird nicht benannt.<\/p>\n<p>Leid vor Ort \u2013 Hintergr\u00fcnde unklar<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen bleibt die Lage vor Ort herausfordernd. Zwar ist der Gro\u00dfteil der Menschen wieder \u00fcber die Grenze nach Marokko zur\u00fcckgekehrt, doch f\u00fcr die Zur\u00fcckgebliebenen ist die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/migrationskrise-in-ceuta-sie-schwammen-ueber-leichen-und-wollen-es-wieder-versuchen-a-24bdf72d-6fee-4dd3-b8b0-532f82745794\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Versorgungslage \u00e4u\u00dferst prek\u00e4r<\/a> und von Hunger gepr\u00e4gt. Nach Sch\u00e4tzungen der lokalen Beh\u00f6rden sind noch zwischen 3.000 und 5.000 Personen in der Stadt, darunter mindestens <a href=\"https:\/\/www.msn.com\/de-de\/nachrichten\/other\/ceuta-hunderte-minderj%C3%A4hrige-sitzen-in-ceuta-ohne-ihre-eltern-fest\/ar-AA29lBBs?ocid=entnewsntp&amp;pc=LCTS&amp;cvid=6a719a959a874e16bc1ec97853e4afd9&amp;ei=11\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">860 unbegleitete Minderj\u00e4hrige<\/a>. Die Menschen, die beim \u00dcberschwimmen der Grenze vielfach mit dem Tod konfrontiert waren, werden alleine gelassen. Humanit\u00e4re Hilfe gibt es laut Medienberichten nur sp\u00e4rlich.<\/p>\n<p>Wie genau die R\u00fcckkehr der vielen Tausend Menschen organisiert wurde und ob Asylgesuche gestellt werden konnten, dar\u00fcber gibt es wenige Informationen. Die in Ceuta aktive <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DbnKrxft03D\/?igsh=ZW9wNXl6MGN2Ynpz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Organisation No Name Kitchen<\/a> berichtet, dass Betroffenen Schl\u00e4ge angedroht wurden. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/podcast-nachrichten-auf-den-punkt-spanien-marokko-ceuta-migration-krise-li.3525348\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Journalist*innen<\/a> beobachteten gewaltsames Vorgehen seitens der spanischen Polizei, um die Menschen aus Ceuta zu treiben. Auch d\u00fcrfte die desolate Versorgungslage eine gewichtige Rolle gespielt haben.<\/p>\n<p>Was genau die Dynamik zu der f\u00fcr die Menschen risikoreichen Migrationsbewegung ausgel\u00f6st hat, ist bislang noch unklar. Beispiellos sind die Ereignisse jedoch nicht, was Spekulationen befeuert: Bereits 2021 hatte Marokko schon einmal die Grenzkontrollen rund um Ceuta reduziert und so den Weg f\u00fcr rund 8.000 Personen in die Stadt freigemacht \u2013 damals als Reaktion auf einen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ceuta-migranten-eu-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">politischen Konflikt<\/a> mit Spanien \u00fcber den Status der Westsahara.<\/p>\n<p>Es gibt Vermutungen, dass dieser Konflikt auch dieses Mal eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnten, denn nur wenige Tage vor den aktuellen Geschehnissen war der spanische Ministerpr\u00e4sident in Algerien, um die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden L\u00e4ndern zu verbessern. Algerien erkennt, zum Missfallen Marokkos, die Unabh\u00e4ngigkeit der Westsahara an. Aber, selbst wenn sich diese Vermutungen erh\u00e4rten sollten: Marokko ist f\u00fcr das europ\u00e4ische Grenzregime vermutlich zu wichtig, als dass Europa hier einen Konflikt forcieren\u00a0w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Gesichert ist, dass sich in den Tagen vor dem massenhaften Ankommen in Ceuta in den <a href=\"https:\/\/taz.de\/Migration-nach-Ceuta\/!6201332\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sozialen Medien Beitr\u00e4ge h\u00e4uften<\/a>, die suggerierten, dass der Weg nach Europa offen st\u00fcnde. Im Zentrum der Posts stand eine Entscheidung des h\u00f6chsten spanischen Gerichtes, dass im Meer aufgegriffene schwimmende Menschen nicht direkt zur\u00fcckgeschoben werden d\u00fcrfen. Mittlerweile sind viele der Posts und Accounts, so wird berichtet, <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/migrationskrise-in-ceuta-sie-schwammen-ueber-leichen-und-wollen-es-wieder-versuchen-a-24bdf72d-6fee-4dd3-b8b0-532f82745794\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wieder verschwunden<\/a>. Augenzeug*innen schildern zudem, dass vor Ort Grenzz\u00e4une tats\u00e4chlich offen waren und dass marokkanische Polizisten, die Menschen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/migrationskrise-in-ceuta-sie-schwammen-ueber-leichen-und-wollen-es-wieder-versuchen-a-24bdf72d-6fee-4dd3-b8b0-532f82745794\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zum Grenz\u00fcbertritt gedr\u00e4ngt<\/a> h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Spanische Praxis der \u00bbhot returns\u00ab<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge waren offensichtlich irref\u00fchrend und standen in scharfem Kontrast zu der faktisch harten spanischen Grenzpolitik. Die Grenze zwischen Marokko und dem spanischen Ceuta ist auch abseits der aktuellen Aufmerksamkeit eine t\u00f6dliche Zone: <a href=\"https:\/\/caminandofronteras.org\/ceuta-ciudad-frontera-principio-y-fin-de-muchas-vidas\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Allein 2026 wurden bis Mai 18 Tote<\/a> gez\u00e4hlt. Seit vielen Jahren schon schickt Spanien Menschen, die ohne Visum nach Ceuta oder in die zweite Exklave Melilla auf nordafrikanischem Boden gelangt sind, ohne Pr\u00fcfung direkt zur\u00fcck. Diese Praxis wird als \u00bbhot returns\u00ab bezeichnet, im spanischen Recht wird sie offiziell als Grenzzur\u00fcckweisung benannt, faktisch sind es jedoch Pushbacks.<\/p>\n<p>Seit 2015 gibt es im spanischen Recht eine <a href=\"https:\/\/www.democrata.es\/en\/courts\/the-fine-print-of-hot-returns-what-the-immigration-law-allows-and-what-the-supreme-court-limits\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spezialregelung<\/a> zu den beiden Exklaven, die direkte Zur\u00fcckweisungen von Personen erlauben, die die Grenzanlagen von Ceuta oder Melilla unerlaubt \u00fcberwunden haben. Dies solle im Einklang mit internationalen Menschenrechten passieren, was allerdings h\u00f6chst <a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/hot-returns-bleiben-in-der-praxis-emrk-widrig\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">umstritten<\/a> ist. Schlie\u00dflich sieht unter anderem die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention (EMRK) vor, dass vor einer Abschiebung beziehungsweise Zur\u00fcckweisung bei entsprechenden Hinweisen (wie einem Asylantrag) gepr\u00fcft werden muss, ob Verst\u00f6\u00dfe gegen das Verbot von Folter drohen.<\/p>\n<p>Das Urteil, das nun bei den j\u00fcngsten Ereignissen in den sozialen Medien viral ging, war eins vom <a href=\"https:\/\/www.poderjudicial.es\/search\/DeActualidad\/TS\/Contencioso\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Obersten Gericht Spaniens<\/a> Ende Juni zu einem Fall der direkten Zur\u00fcckweisungen. Verhandelt wurde, ob \u00bbhot returns\u00ab nach spanischem Recht erlaubt sind, wenn die Person schwimmend nach Ceuta gelangt. Wie schon die vorherigen Instanzen verneinten die Richter*innen dies, da das Meer keine Grenzanlage darstelle, die \u00fcberwunden worden w\u00e4re. So seien die normalen Regelungen f\u00fcr R\u00fcckf\u00fchrungen einzuhalten und \u00bbhot returns\u00ab nicht legal. Laut <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/08\/01\/ceuta-spanien-migranten-bojen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Medienberichten<\/a> hat die spanische Marine mittlerweile um Ceuta eine schwimmende Barriere im Meer errichtet, um so die rechtliche L\u00fccke zu schlie\u00dfen. Die Festung Europa wird weiter ausgebaut.<\/p>\n<p>Ceuta und Melilla \u2013 geographische und rechtliche Besonderheiten<\/p>\n<p>Immer wieder stehen Ceuta und Melilla im Fokus von migrationspolitischen Debatten und dramatischen Ereignissen. Dies hat mir ihrer besonderen Lage zu tun: Beide St\u00e4dte geh\u00f6ren zwar zu Spanien, liegen aber in Nordafrika am Mittelmeer und sind fast vollst\u00e4ndig von marokkanischem Staatsgebiet umgeben. Sie werden deswegen auch als Exklaven bezeichnet \u2013 also als Teile eines Staatsgebiets (hier Spanien), das aber von diesem r\u00e4umlich getrennt ist und nur \u00fcber fremdes Gebiet (hier Marokko beziehungsweise das Mittelmeer) zu erreichen\u00a0ist.<\/p>\n<p>Achselzuckend wird hingenommen, dass das EU-Grenzregime Menschenleben kostet.<\/p>\n<p>Damit wer\u00adden bei\u00adden St\u00e4d\u00adte oft als Tor zu Euro\u00adpa auf dem afri\u00adka\u00adni\u00adschen Kon\u00adti\u00adnent gese\u00adhen. Recht\u00adlich gese\u00adhen stimmt dies aber nicht. Denn eine Ein\u00adrei\u00adse in die Exkla\u00adven berech\u00adtigt weder zur Wei\u00adter\u00adfahrt aufs spa\u00adni\u00adsche Fest\u00adland noch in ande\u00adre EU-L\u00e4n\u00adder. Dies ergibt sich aus <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:02016R0399-20251012\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Arti\u00adkel 41 des Schen\u00adge\u00adner Grenz\u00adko\u00addex<\/a>, der f\u00fcr Ceu\u00adta und Mel\u00adil\u00adla Son\u00adder\u00adre\u00adge\u00adlun\u00adgen vor\u00adsieht. W\u00e4h\u00adrend nor\u00adma\u00adler\u00adwei\u00adse im Schen\u00adgen-Raum das Rei\u00adsen ohne Grenz\u00adkon\u00adtrol\u00adlen m\u00f6g\u00adlich ist, wer\u00adden bei der Abrei\u00adse aus den Exkla\u00adven stets Iden\u00adti\u00adt\u00e4ts- und Doku\u00admen\u00adten\u00adkon\u00adtrol\u00adlen durch\u00adge\u00adf\u00fchrt. Nichts\u00addes\u00adto\u00adtrotz ver\u00adsu\u00adchen immer wie\u00adder Schutz\u00adsu\u00adchen\u00adde und Migrant*innen nach Ceu\u00adta und Mel\u00adil\u00adla zu kom\u00admen, um dort einen Asyl\u00adan\u00adtrag zu stel\u00adlen oder auf dem spa\u00adni\u00adschen Fest\u00adland zu arbeiten.<\/p>\n<p>In den ver\u00adgan\u00adge\u00adnen Jah\u00adren wur\u00adden die Grenz\u00adan\u00adla\u00adgen in der Regi\u00adon stark aus\u00adge\u00adbaut und Abkom\u00admen mit Marok\u00adko geschlos\u00adsen, die die Siche\u00adrung der spa\u00adni\u00adschen Exkla\u00adven von sei\u00adnem Staats\u00adge\u00adbiet aus garan\u00adtie\u00adren sol\u00adlen, teils mit bru\u00adta\u00adler Gewalt. Im Juni 2022 star\u00adben beim soge\u00adnann\u00adten <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/melilla-nador-verantwortung-marokkanischer-und-spanischer-behoerden-fuer-gewaltexzess\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mas\u00adsa\u00adker von Mel\u00adil\u00adla<\/a> min\u00addes\u00adtens 27 Men\u00adschen durch Schl\u00e4\u00adge und ande\u00adre Miss\u00adhand\u00adlun\u00adgen durch marok\u00adka\u00adni\u00adsche und spa\u00adni\u00adsche Grenzbeamt*innen, wei\u00adte\u00adre 70 Men\u00adschen wer\u00adden seit\u00addem ver\u00admisst \u2013 ihr Schick\u00adsal ist bis heu\u00adte nicht auf\u00adge\u00adkl\u00e4rt. Die Orga\u00adni\u00adsa\u00adti\u00adon bor\u00adder foren\u00adsics hat die Gescheh\u00adnis\u00adse <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/melilla-nador-verantwortung-marokkanischer-und-spanischer-behoerden-fuer-gewaltexzess\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aus\u00adf\u00fchr\u00adlich ana\u00adly\u00adsiert<\/a> und die Ver\u00adant\u00adwor\u00adtung der spa\u00adni\u00adschen und marok\u00adka\u00adni\u00adschen Beh\u00f6r\u00adden klar benannt.<\/p>\n<p>Todesf\u00e4lle bleiben Randnotiz<\/p>\n<p>Auf die Hoff\u00adnung auf Zugang zu Euro\u00adpa, Arbeit und Sicher\u00adheit ant\u00adwor\u00adtet die Euro\u00adp\u00e4i\u00adsche Uni\u00adon wie\u00adder mit H\u00e4r\u00adte und schafft damit bru\u00adta\u00adles Leid. Das zen\u00adtra\u00adle Pro\u00adblem geht sie dabei nicht an: Es fehlt an lega\u00adlen Wegen f\u00fcr Flucht und Migra\u00adti\u00adon \u2013 und solan\u00adge dies der Fall ist, wer\u00adden immer wie\u00adder Men\u00adschen ihr Leben an Euro\u00adpas Gren\u00adzen ver\u00adlie\u00adren und die EU und ihre Mit\u00adglied\u00adstaa\u00adten sich von Dritt\u00adl\u00e4n\u00addern abh\u00e4n\u00adgig machen, die wirk\u00adsa\u00admen Grenz\u00adschutz garan\u00adtie\u00adren sol\u00adlen. Das mit GEAS f\u00fcr Kri\u00adsen\u00adsi\u00adtua\u00adtio\u00adnen in Aus\u00adsicht gestell\u00adte soli\u00adda\u00adri\u00adsche Mit\u00adein\u00adan\u00adder zer\u00adfiel schon in der ers\u00adten Her\u00adaus\u00adfor\u00adde\u00adrung zum wei\u00adte\u00adren Schrei nach Abschot\u00adtung. Beson\u00adders scho\u00adckie\u00adrend an der gegen\u00adw\u00e4r\u00adti\u00adgen \u00f6ffent\u00adli\u00adchen Debat\u00adte ist, dass die \u00fcber 140 Todes\u00adop\u00adfer eine Rand\u00adno\u00adtiz blei\u00adben. Ach\u00adsel\u00adzu\u00adckend wird hin\u00adge\u00adnom\u00admen, dass das EU-Grenz\u00adre\u00adgime Men\u00adschen\u00adle\u00adben kos\u00adtet. Im Mit\u00adtel\u00admeer, auf der Bal\u00adkan\u00adrou\u00adte, aber eben auch an den spa\u00adni\u00adschen Exkla\u00adven kom\u00admen jedes Jahr Tau\u00adsen\u00adde ums Leben und Euro\u00adpa nimmt es\u00a0hin.<\/p>\n<p>(wj, dm)<\/p>\n<p class=\"partnersite\"><a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/ueber-140-tote-in-ceuta-europa-verraet-seine-menschlichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der Originalartikel kann hier besucht werden<\/a><\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Bild von Xemenendura, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons) In den letzten Julitagen kamen zehntausende Menschen von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":325349,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[3470,79674,76,75,74,12400,2366,12675,4579,935],"class_list":["post-325348","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-asyl","tag-ceuta","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-flucht","tag-marokko","tag-mittelmeer","tag-solidaritaet","tag-spanien"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117070203006472933","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/325348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=325348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/325348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/325349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=325348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=325348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=325348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}