{"id":326919,"date":"2026-08-11T06:22:11","date_gmt":"2026-08-11T06:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/326919\/"},"modified":"2026-08-11T06:22:11","modified_gmt":"2026-08-11T06:22:11","slug":"jeder-dritte-jugendliche-wird-gegenueber-den-eltern-koerperlich-aggressiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/326919\/","title":{"rendered":"Jede:r dritte Jugendliche wird gegen\u00fcber den Eltern k\u00f6rperlich aggressiv"},"content":{"rendered":"<p>Eine Z\u00fcrcher Langzeitstudie zeigt: K\u00f6rperliche Aggressionen von 11- bis 24-J\u00e4hrigen gegen ihre Eltern sind nicht selten \u2013 am h\u00e4ufigsten im Alter von 13 Jahren. Rund f\u00fcnf Prozent der Befragten zeigen ein solches Verhalten auch noch im Erwachsenenalter.<\/p>\n<p>K\u00f6rperliche Aggressionen von jungen Menschen gegen\u00fcber ihren Eltern geschehen recht h\u00e4ufig \u2013 und sind trotzdem ein Tabu. Betroffene sch\u00e4men sich oft und suchen keine Hilfe und wollen ihre Kinder vor Konsequenzen sch\u00fctzen. Nun zeigt eine Langzeitstudie der Universit\u00e4t Z\u00fcrich (UZH) erstmals, wie sich dieses Verhalten von der fr\u00fchen Jugend bis ins junge Erwachsenenalter entwickelt \u2013 und welche Faktoren das Risiko erh\u00f6hen oder senken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Untersuchung basiert auf dem Z\u00fcrcher Projekt zur sozialen Entwicklung von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter (z-proso), das von Manuel Eisner, Denis Ribeaud und Lilly\u202fShanahan am \u00abJacobs Center for Productive Youth Development\u00bb der UZH geleitet wird. In der Studie wurden \u00fcber 1500 junge Menschen von der fr\u00fchen Adoleszenz bis ins junge Erwachsenenalter begleitet.<\/p>\n<p>Ein Drittel ist mindestens einmal k\u00f6rperlich aggressiv<\/p>\n<p>32,5 Prozent der Teilnehmenden gaben an, ihre Eltern mindestens einmal zwischen dem 11. und 24. Lebensjahr k\u00f6rperlich angegriffen zu haben \u2013 etwa durch Schlagen, Treten oder das Werfen von Gegenst\u00e4nden. Am h\u00e4ufigsten geschah dies bei den 13-J\u00e4hrigen. In diesem Alter zeigten rund 15 Prozent der Befragten ein solches Verhalten. Danach nahm die H\u00e4ufigkeit ab und stabilisierte sich im jungen Erwachsenenalter bei etwa 5 Prozent.<\/p>\n<p>\u00abDass ein Drittel der Jugendlichen im Laufe der Adoleszenz aggressiv gegen\u00fcber den Eltern wird, mag auf den ersten Blick \u00fcberraschen\u00bb, sagt Lilly Shanahan. \u00abDoch meist handelt es sich um einzelne Vorf\u00e4lle \u2013 wohl h\u00e4ufig im Kontext eskalierender Eltern-Kind-Konflikte w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t. \u00a0Es betrifft also nicht systematische Gewalt und auch nicht ein individuelles Versagen\u00bb, unterstreicht die Letztautorin. Dennoch sei besorgniserregend, dass zwei von f\u00fcnf der Betroffenen dieses aggressive Verhalten zu mehreren Zeitpunkten zeigen.<\/p>\n<p>Elterliche Konflikte und ADHS st\u00e4rken das Risiko<\/p>\n<p>Was f\u00fchrt dazu, dass Jugendliche gegen\u00fcber ihren Eltern t\u00e4tlich werden? Das Bildungsniveau oder der sozio\u00f6konomische Status der Familie scheinen keinen signifikanten Einfluss zu haben. \u00abKind-Eltern-Aggressionen betreffen alle Gesellschaftsschichten gleichermassen\u00bb, betont Erstautorin und Postdoktorandin Laura Bechtiger. \u00abEs ist kein Problem bestimmter sozialer Milieus oder eines einzelnen Geschlechts.\u00bb<\/p>\n<p>Dennoch bestehen mehrere Risikofaktoren unabh\u00e4ngig von einer generellen Aggressionsneigung der Kinder: K\u00f6rperliche Bestrafung und verbale Aggression durch die Eltern erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit, dass ein \u00abKreislauf der Gewalt\u00bb innerhalb der Familie entsteht und aggressive Verhaltensweisen vorgelebt werden. Auch h\u00e4ufige elterliche Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten tragen dazu bei, dass die eigenen Kinder \u00e4hnliche Konfliktmuster \u00fcbernehmen. Weiterhin haben Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivit\u00e4tssymptomen (ADHS) eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, da sie h\u00e4ufig Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle haben und von ihren Eltern vielleicht ungeduldiger behandelt werden.<\/p>\n<p>Kompetente Konfliktbew\u00e4ltigung und gutes Umfeld sch\u00fctzen<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Bestimmte Faktoren k\u00f6nnen das Risiko deutlich senken, dass Jugendliche gegen\u00fcber ihren Eltern k\u00f6rperlich aggressiv werden: Kinder, die gelernt haben, mit negativen Emotionen und Konflikten konstruktiv umzugehen, zeigen eine geringere Tendenz zur Gewaltbereitschaft. Ein unterst\u00fctzendes Erziehungsumfeld \u2013 also Eltern, die sich aktiv am Leben ihrer Kinder beteiligen, Interesse zeigen und emotionale Unterst\u00fctzung bieten \u2013 reduziert ebenfalls die Bereitschaft. Auch fr\u00fche Pr\u00e4vention k\u00f6nnte gem\u00e4ss den Forschenden die Wahrscheinlichkeit von Gewaltausbr\u00fcchen senken.<\/p>\n<p>\u00abKonflikte zwischen Eltern und Jugendlichen sind normal und sogar wichtig f\u00fcr die Entwicklung\u00bb, erkl\u00e4rt Denis Ribeaud, Ko-Direktor von z-proso. \u00abEinzelne kleinere Ausraster in der Pubert\u00e4t sollte man reflektieren, sie sind aber nicht unbedingt Grund zur Sorge \u2013 ein Muster hingegen schon: Wiederholte k\u00f6rperliche Aggression und deren steigende Intensit\u00e4t sind ebenso Warnsignale wie mangelnde Reue oder aggressives Verhalten auch ausserhalb der Familie.\u00bb<\/p>\n<p>Fr\u00fche Pr\u00e4vention ist wichtig<\/p>\n<p>Bei den 24-J\u00e4hrigen zeigen mit rund f\u00fcnf Prozent verh\u00e4ltnism\u00e4ssig wenige Befragte ein k\u00f6rperlich aggressives Verhalten, dennoch ist der Anteil bemerkenswert. Wiederholen sich solche t\u00e4tlichen Angriffe bis ins junge Erwachsenenalter, steigt das Risiko, dass diese auch sp\u00e4ter fortgef\u00fchrt werden \u2013 mit entsprechenden psychosozialen Folgen.<\/p>\n<p>\u00abPr\u00e4ventionsmassnahmen sollten fr\u00fch ansetzen: sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern\u00bb, sagt der Soziologe Manuel Eisner. \u00abEltern m\u00fcssen lernen, weniger auf k\u00f6rperliche Bestrafung zu setzen und ein unterst\u00fctzendes, konstruktives Familienklima zu schaffen. Und Kinder sollten dabei unterst\u00fctzt werden, sich idealerweise bereits im (Vor)schulalter Strategien zur Regulierung ihrer Emotionen und konstruktiven Konfliktl\u00f6sungen anzueignen.\u00bb<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>Bechtiger, L., B\u00fcrgin, D., Ferolla Vasconcelos, G., Ribeaud, D., Eisner, M., &amp; Shanahan, L. (2026). Physical aggression toward parents from ages 11 to 24: prevalence trajectory and risk and protective factors. European Child &amp; Adolescent Psychiatry. 19. January 2026. Doi:\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00787-025-02953-w\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00787-025-02953-w<\/a><\/p>\n<p>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.news.uzh.ch\/de\/articles\/media\/2026\/Aggressive-Jugendliche.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/www.news.uzh.ch\/de\/articles\/media\/2026\/Aggressive-Jugendliche.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Z\u00fcrcher Langzeitstudie zeigt: K\u00f6rperliche Aggressionen von 11- bis 24-J\u00e4hrigen gegen ihre Eltern sind nicht selten \u2013 am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":326920,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[24820,46,42,24821,24822,124,123,16958,24823,24824,24825,44,24826,632,24827,3431,24693,24828,24829,8419,24830,24831],"class_list":["post-326919","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-arbeitspsychologie","tag-at","tag-austria","tag-betriebspsychologie","tag-forensik","tag-gesundheit","tag-health","tag-lebenshilfe","tag-medienpsychologie","tag-medizinische-psychologie","tag-organisationspsychologie","tag-oesterreich","tag-psychoanalyse","tag-psychologie","tag-psychosomatik","tag-psychotherapie","tag-rehabilitation","tag-sozialpsychologie","tag-sozialwissenschaften","tag-sucht","tag-verhaltenstherapie","tag-wirtschaftspsychologie"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=326919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/326919\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/326920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=326919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=326919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=326919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}