{"id":327742,"date":"2026-08-11T14:38:09","date_gmt":"2026-08-11T14:38:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/327742\/"},"modified":"2026-08-11T14:38:09","modified_gmt":"2026-08-11T14:38:09","slug":"mangelernaehrung-und-dehydratation-bei-aelteren-menschen-mit-diabetes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/327742\/","title":{"rendered":"Mangelern\u00e4hrung und Dehydratation bei \u00e4lteren Menschen mit Diabetes"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu 50 Prozent geriatrischer Patientinnen und Patienten sind von Mangelern\u00e4hrung betroffen \u2013 bei gleichzeitig bestehendem Diabetes kann das fatale Folgen f\u00fcr die Therapiesicherheit haben. Worauf Behandelnde im Praxisalltag achten sollten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4ltere Menschen mit Diabetes stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar: Ihre Therapieziele unterscheiden sich grundlegend von denen j\u00fcngerer Betroffener, und ern\u00e4hrungsbedingte Komplikationen wie Mangelern\u00e4hrung und Dehydratation werden im klinischen Alltag h\u00e4ufig zu sp\u00e4t erkannt. Dabei k\u00f6nnen beide Zust\u00e4nde die Diabetestherapie erheblich destabilisieren \u2013 mit erh\u00f6htem Hypoglyk\u00e4mierisiko, Nierenproblemen und eingeschr\u00e4nkter Lebensqualit\u00e4t als m\u00f6glichen Folgen. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) hat nun aktuelle Handlungsempfehlungen formuliert, die Behandelnde, Pflegefachkr\u00e4fte und Angeh\u00f6rige gleicherma\u00dfen adressieren.<\/p>\n<p>Mangelern\u00e4hrung ist mehr als Untergewicht<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis in der Praxis: Mangelern\u00e4hrung setzt kein Untergewicht voraus. Auch normal- oder \u00fcbergewichtige \u00e4ltere Menschen k\u00f6nnen einen kritischen Mangel an Eiwei\u00df, Energie, Vitaminen oder Mineralstoffen aufweisen. Laut VDBD sind bis zu 50 Prozent der geriatrischen Patientinnen und Patienten betroffen \u2013 ein Anteil, der im diabetologischen Kontext besondere Aufmerksamkeit verdient.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konsequenz f\u00fcr die Diabetestherapie ist direkt: Nehmen Betroffene deutlich weniger Nahrung auf, w\u00e4hrend Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente unver\u00e4ndert weiterlaufen, steigt das Hypoglyk\u00e4mierisiko erheblich. Die aktuellen DDG-Praxisempfehlungen (Zeyfang, Wernecke, Bahrmann 2025) betonen, dass f\u00fcr geriatrische Menschen mit Diabetes die Vermeidung von Hypoglyk\u00e4mien und der Erhalt der Lebensqualit\u00e4t vorrangige Therapieziele sind \u2013 noch vor einer engen glyk\u00e4mischen Kontrolle. Der empfohlene HbA1c-Zielbereich liegt bei geriatrischen Patientinnen und Patienten mit Multimorbidit\u00e4t bei 7\u20138 % (53\u201364 mmol\/mol). <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Behandelnde sollten daher bei jeder Konsultation gezielt nach Ver\u00e4nderungen im Essverhalten, ungewolltem Gewichtsverlust und reduzierten Mahlzeiten fragen \u2013 und Medikation sowie Insulindosierungen entsprechend anpassen.<\/p>\n<p>Fr\u00fchzeichen erkennen \u2013 im Praxisalltag und in der Pflege<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erste Warnzeichen zeigen sich oft im Alltag und werden von Angeh\u00f6rigen oder Pflegefachkr\u00e4ften bemerkt, bevor sie in der Praxis sichtbar werden: Kleidung sitzt pl\u00f6tzlich weiter, Wangen wirken eingefallen, Mahlzeiten bleiben teilweise oder ganz unangetastet, Trinkgef\u00e4\u00dfe stehen unber\u00fchrt. Ungewollter Gewichtsverlust ist ein zuverl\u00e4ssiges Alarmsignal.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflegefachkr\u00e4fte nehmen eine Schl\u00fcsselrolle ein: Sie beobachten, ob Portionen kleiner werden, Teller halb voll zur\u00fcckgehen oder Unterst\u00fctzung beim Essen ben\u00f6tigt wird. Auch einfache Ma\u00dfnahmen wie das F\u00fchren eines Ess- und Trinkprotokolls \u00fcber wenige Tage k\u00f6nnen helfen, Ver\u00e4nderungen zu objektivieren und in die Therapieplanung einzubeziehen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die AWMF-S3-Leitlinie \u201eKlinische Ern\u00e4hrung und Hydrierung im Alter\u201c (2025) benennt Mangelern\u00e4hrung, hypertone Dehydratation, Sarkopenie und Adipositas als weit verbreitete ern\u00e4hrungsbedingte Gesundheitsprobleme bei \u00e4lteren Menschen mit weitreichenden negativen Folgen. Ziel ist eine evidenzbasierte Pr\u00e4vention und Behandlung \u2013 was regelm\u00e4\u00dfiges Screening und eine interprofessionelle Zusammenarbeit voraussetzt. <\/p>\n<p>Vorsicht bei Di\u00e4tvorgaben im hohen Lebensalter<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im h\u00f6heren Alter verschieben sich die Therapieziele. Kraft, Selbstst\u00e4ndigkeit und Lebensqualit\u00e4t r\u00fccken in den Vordergrund \u2013 strikte Ern\u00e4hrungsregeln k\u00f6nnen dagegen mehr schaden als n\u00fctzen. VDBD-Vorsitzende Kathrin Boehm weist ausdr\u00fccklich darauf hin, dass Light-Produkte im hohen Lebensalter eher gemieden werden sollten und dass Essen und Trinken weit mehr als N\u00e4hrstofflieferanten sind: Sie strukturieren den Tag, kn\u00fcpfen an Gewohnheiten an und besitzen soziale Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diabetologischer Sicht bedeutet das konkret: Ern\u00e4hrungsempfehlungen m\u00fcssen individualisiert und realistisch sein. Ern\u00e4hrungstherapeutische Ma\u00dfnahmen sollten gemeinsam mit Ern\u00e4hrungsfachkr\u00e4ften, der Diabetespraxis und \u2013 wenn vorhanden \u2013 dem Pflegeteam abgestimmt werden. Di\u00e4t\u00e4nderungen ohne \u00e4rztliche Begleitung bergen im Alter erhebliche Risiken.<\/p>\n<p>Dehydratation und Diabetes: ein gef\u00e4hrlicher Kreislauf<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa ein Drittel \u00e4lterer Menschen leidet an Fl\u00fcssigkeitsmangel \u2013 bei Diabetes potenziert sich dieses Risiko. Erh\u00f6hte Blutzuckerwerte f\u00fchren zu osmotischer Diurese: Der K\u00f6rper scheidet Glukose \u00fcber den Urin aus und verliert dabei zus\u00e4tzlich Wasser. Zu wenig Trinken und erh\u00f6hte Glukosespiegel verst\u00e4rken sich gegenseitig \u2013 ein Teufelskreis, der klinisch durch M\u00fcdigkeit, Verwirrtheit, Kreislaufbelastung und Nierensch\u00e4den manifest werden kann.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erschwerend kommt hinzu, dass bestimmte Substanzklassen das Durstgef\u00fchl beeinflussen k\u00f6nnen: GLP-1-Rezeptoragonisten etwa k\u00f6nnen das Hunger- und Durstgef\u00fchl abschw\u00e4chen, sodass Betroffene eine drohende Dehydratation nicht wahrnehmen. Behandelnde sollten diese pharmakologische Besonderheit im Blick behalten und aktiv nach dem Trinkverhalten fragen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Praktische Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Fl\u00fcssigkeitszufuhr umfassen laut VDBD: feste Trinkzeiten, gut sichtbar platzierte Getr\u00e4nke, kleine Gl\u00e4ser, Suppen, wasserreiches Obst und unges\u00fc\u00dfte Tees. Bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen muss die Trinkmenge \u00e4rztlich individuell abgestimmt werden.<\/p>\n<p>Therapieanpassung als Daueraufgabe<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mangelern\u00e4hrung und Dehydratation sind keine Einmalereignisse, sondern dynamische Zust\u00e4nde \u2013 besonders nach Infekten, Krankenhausaufenthalten oder einschneidenden Lebensereignissen. Behandelnde sollten deshalb nach diesen Ereignissen aktiv nachfragen und Medikation sowie Insulindosierungen \u00fcberpr\u00fcfen. Eine enge Abstimmung zwischen Diabetesteam, Pflegefachkr\u00e4ften und Angeh\u00f6rigen ist dabei unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das von der DDG-Arbeitsgemeinschaft Geriatrie und Pflege entwickelte Schulungsprogramm \u201eFit bleiben und \u00e4lter werden mit Diabetes\u201c (SGS) bietet hierf\u00fcr eine strukturierte Grundlage f\u00fcr eine altersgerechte Patientenschulung. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle:\u00a0Pressemitteilung\u00a0des Verbands der Diabetes-Beratungs- &amp; Schulungsberufe in Deutschland e.V. vom 11.08.2026<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Literatur:\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">AWMF. S3-Leitlinie Klinische Ern\u00e4hrung und Hydrierung im Alter, Version 2.1, Stand 03.02.2025. [<a href=\"https:\/\/register.awmf.org\/de\/leitlinien\/detail\/073-019\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Link<\/a>]<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Skurk T, et al. Empfehlungen zur Ern\u00e4hrungstherapie bei Typ-2-Diabetes. Diabetol Stoffwechs. 2024;19(S 02):S251\u2013S269.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bahrmann A. Diabetes mellitus im Alter. Geriatr Rep. 2021;16(2):9\u201313. doi: 10.1007\/s42090-021-1246-3. [<a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC8122194\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Paper<\/a>] <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeyfang A, Wernecke J, Bahrmann A. Diabetes mellitus im Alter. DDG-Praxisempfehlungen 2025. Diabetol Stoffwechs. 2025;20:S234\u2013S243.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbraucherzentrale NRW. Mangelern\u00e4hrung \u2013 fr\u00fchzeitig erkennen und handeln. 2025. [<a href=\"https:\/\/www.verbraucherzentrale.nrw\/lebensmittel\/mangelernaehrung-fruehzeitig-erkennen-und-handeln-75173\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Link<\/a>] <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">diabinfo. Konsequenzen von Fl\u00fcssigkeitsmangel bei Diabetes. 2022. [<a href=\"https:\/\/www.diabinfo.de\/nachrichten\/article\/konsequenzen-von-fluessigkeitsmangel-bei-diabetes.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Link<\/a>] <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DNQP. Expertenstandard Ern\u00e4hrungsmanagement zur Sicherung und F\u00f6rderung der oralen Ern\u00e4hrung in der Pflege. [<a href=\"https:\/\/www.dnqp.de\/fileadmin\/HSOS\/Homepages\/DNQP\/Dateien\/Expertenstandards\/Ernaehrungsmanagement\/Ernaehrung_Akt_Auszug.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Link<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis zu 50 Prozent geriatrischer Patientinnen und Patienten sind von Mangelern\u00e4hrung betroffen \u2013 bei gleichzeitig bestehendem Diabetes kann&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":327743,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[84650,46,42,84651,84652,46521,84653,70586,84654,84655,124,46522,123,46523,10565,44,52983,84656,46528],"class_list":["post-327742","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-aeltere-menschen-mit-diabetes","tag-at","tag-austria","tag-dehydratation","tag-diabetes-im-alter","tag-diabetesberatung","tag-diabetestherapie","tag-ernaehrungstherapie","tag-fluessigkeitsmangel","tag-geriatrischer-diabetes","tag-gesundheit","tag-glp-1-rezeptoragonisten","tag-health","tag-hypoglykaemie","tag-mangelernaehrung","tag-oesterreich","tag-pflegeheim","tag-s3-leitlinie-ernaehrung","tag-vdbd"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117077390353367569","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327742","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=327742"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/327742\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/327743"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=327742"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=327742"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=327742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}