{"id":332848,"date":"2026-08-14T04:10:20","date_gmt":"2026-08-14T04:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/332848\/"},"modified":"2026-08-14T04:10:20","modified_gmt":"2026-08-14T04:10:20","slug":"zum-70-todestag-von-bertolt-brecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/332848\/","title":{"rendered":"Zum 70. Todestag von Bertolt Brecht"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleDate\">13. August 2026, 15:10<\/p>\n<p>    Sendungen h\u00f6ren<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/programm\/20260725\/838740\/Mackie-Messers-Anmut-Zur-Person-Bertolt-Brecht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diagonal<\/a> | 25 07 26<br \/><a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/programm\/20260813\/841346\/Hier-ruht-BB-Rein-sachlich-boese\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radiogeschichten<\/a> | 13 08 26<br \/><a href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/programm\/20260815\/841457\/Zum-70-Todestag-von-Bertolt-Brecht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spielr\u00e4ume Spezial<\/a> | 15 08 26<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich wollte der Augsburger B\u00fcrgersohn, der Klavier- und Violinunterricht genoss und sich f\u00fcr Bach und Wagner begeisterte, Musikkritiker werden. Gleichzeitig inspirierten den jungen Brecht B\u00e4nkels\u00e4nger und Moritaten aller Art, die er selbst an der Gitarre zum Besten gab. Bei Karl Valentin tritt er als &#8222;Klarinettist&#8220; auf. Schon der Dichter Baal, Protagonist des gleichnamigen St\u00fccks, schl\u00e4gt den kaltschn\u00e4uzigen Ton, der zu Brechts Markenzeichen wird: &#8222;Und fragst du mich, was mit der Liebe sei? \/ So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.&#8220; Mit dem St\u00fcck &#8222;Trommeln in der Nacht&#8220; \u00fcber Ersten Weltkrieg und Revolution ver\u00e4ndert der Vierundzwanzigj\u00e4hrige 1922 laut Kritik das dichterische Antlitz Deutschlands.<\/p>\n<p>&#8222;Das Erhabene w\u00e4lzt sich im Staub, die Sinnlosigkeit wird als Befreierin begr\u00fc\u00dft.&#8220;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f25be25555391ba9f4492907cad1859cf2337416.jpg\" alt=\"Bertolt Brecht, 1935\" title=\"APA-IMAGES\/DPA PICTURE ALLIANCE\/FRED STEIN\"\/><\/p>\n<p class=\"imageCopyright\">APA-IMAGES\/DPA PICTURE ALLIANCE\/FRED STEIN<\/p>\n<p>&#8222;Glotzt nicht so romantisch!&#8220; fordert der deklariert linke Theaterdichter sein Publikum heraus und verf\u00fchrt es zugleich mit Songs \u00fcber Bettler, Huren und Diebe, die bald zu Gassenhauern werden. Das reicht vom urspr\u00fcnglich in der Sammlung &#8222;Hauspostille&#8220; publizierten &#8222;Alabama Song&#8220;, den Kurt Weill 1927 f\u00fcr die Oper &#8222;Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny&#8220; adaptiert, bis zur &#8222;Moritat von Mackie Messer&#8220;, die als Herzst\u00fcck der &#8222;Dreigroschenoper&#8220; rasch auch zum internationalen Erfolg wird.<\/p>\n<p>Der Widerspruch von Popularit\u00e4t und revolution\u00e4rem Gestus ist nur dialektisch aufzul\u00f6sen: &#8222;Die Sch\u00f6nheit etabliert sich auf Wracks, die Fetzen werden delikat. Das Erhabene w\u00e4lzt sich im Staub, die Sinnlosigkeit wird als Befreierin begr\u00fc\u00dft.&#8220; Ab Ende der 1920er Jahre folgt Brechts intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hanns Eisler im Rahmen der Arbeitermusikbewegung. Das vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise entstandene &#8222;Solidarit\u00e4tslied&#8220; wird von einem Chor aus dreitausend Stimmen aufgef\u00fchrt. Zugleich interessiert sich Brecht f\u00fcr die neuen Medien Film und Radio: Radio m\u00fcsse von Schriftstellern und Komponisten zu einer &#8222;wirklich demokratischen Sache&#8220; gemacht werden.<\/p>\n<p>&#8222;Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo \/ Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist \/ Weil es ein Schweigen \u00fcber so viele Untaten einschlie\u00dft!&#8220;<\/p>\n<p>Unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung und dem Brand des Berliner Reichstag verl\u00e4sst Brecht 1933 Deutschland. Sieben L\u00e4nder des Exils folgen: Zuerst \u00d6sterreich, Schweiz und D\u00e4nemark, wo &#8222;An die Nachgeborenen&#8220;, eines seiner ber\u00fchmtesten Gedichte, entsteht: &#8222;Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo \/ Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist \/ Weil es ein Schweigen \u00fcber so viele Untaten einschlie\u00dft!&#8220; Auf der Flucht schreibt er in Kollaboration mit Margarete Steffin die szenische Collage &#8222;Furcht und Elend des Dritten Reiches&#8220;.<\/p>\n<p>\u00dcber Schweden, Finnland und die Sowjetunion erreicht er am 21. Juni 1941 in Los Angeles. Am selben Tag beginnt Hitlers Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion. In seinem Arbeitstagebuch notiert Brecht: &#8222;Literatur und Kunst sehen beschissen aus, die politische Theorie ist am Ende.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;W\u00e4re es da nicht doch einfacher, \/ die Regierung l\u00f6ste das Volk auf \/ und w\u00e4hlte ein anderes?&#8220;<\/p>\n<p>In den sieben Jahren des Exils in den USA ist Brecht an unz\u00e4hligen, meist unvollendeten Projekten beteiligt. Ausnahme ist die Mitarbeit am Drehbuch f\u00fcr Fritz Langs Film \u00fcber den tschechoslowakischen Widerstand &#8222;Auch Henker sterben&#8220; (1942). Unmittelbar nach dem Verh\u00f6r durch den &#8222;Ausschuss f\u00fcr unamerikanische Umtriebe&#8220; verl\u00e4sst Bert Brecht 1947 die USA. Der dort erhobene Vorwurf der kommunistischen Propaganda setzt sich in Westdeutschland (Einreiseverbot) und in \u00d6sterreich fort.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit seiner Frau Helene Weigel begibt sich Brecht nach Ostberlin, wo die Inszenierung von &#8222;Mutter Courage&#8220; zum ewigen Klassiker erstarrt. Auf den Volksaufstand vom Juni 1953 reagiert er &#8211; wie h\u00e4tte es anders sein k\u00f6nnen &#8211; in Gedichtform &#8222;Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. \/ W\u00e4re es da nicht doch einfacher, \/ die Regierung l\u00f6ste das Volk auf \/ und w\u00e4hlte ein anderes?&#8220;<\/p>\n<p>Gestaltung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"13. 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