{"id":335913,"date":"2026-08-15T15:20:14","date_gmt":"2026-08-15T15:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/335913\/"},"modified":"2026-08-15T15:20:14","modified_gmt":"2026-08-15T15:20:14","slug":"living-museum-wenn-kunst-das-audrueckt-was-man-nicht-sagen-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/335913\/","title":{"rendered":"Living Museum: Wenn Kunst das audr\u00fcckt, was man nicht sagen will"},"content":{"rendered":"<p>Im Dezember er\u00f6ffnete in Graz ein Living Museum. Im gesch\u00fctzten Raum bietet Kunst einen Ausdruck f\u00fcr Menschen, denen alles zu viel geworden ist.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">\u201eManchmal hab ich das Gef\u00fchl, ich bin f\u00fcr nichts mehr gut\u201c, sagt Sylvia Sommer mehr zu sich selbst als zu den Menschen um sie herum. Ihr Werk liegt vor ihr auf dem Boden der ehemaligen Anstaltsmeierei. Die hohen W\u00e4nde sind voll behangen mit Bildern. Auf Regalen stapeln sich Skulpturen und Plastiken. \u00dcberall stehen Pinsel, Farben und Leinw\u00e4nde. Sie sei kein Mensch f\u00fcr zu Hause, meint Sommer. In diesen Raum kann sie kommen und etwas tun. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_13.jpg\" alt=\"Eine Frau steht zwischen Farben, Pinseln und Leinw\u00e4nden. Sie h\u00e4lt einen roten Regenschirm \u00fcber ihrem Kopf\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanSylvia Sommer kommt regelm\u00e4\u00dfig in das Living Museum, um sich dort k\u00fcnstlerisch auszudr\u00fccken<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Sommer kommt regelm\u00e4\u00dfig ins Living Museum am Gel\u00e4nde des LKH Graz II. Solche Museen sind offene Ateliers. Jeder kann dort kreativ werden. Der Ort soll Menschen Besch\u00e4ftigung, Gemeinschaft und eine neue Identit\u00e4t als K\u00fcnstler geben. In einem Raum frei von Anspr\u00fcchen und Leistungsgedanken k\u00f6nnen sie ihren k\u00fcnstlerischen Ausdruck finden.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">\u201eIch habe so viel geredet in meinem Leben, ich will nicht mehr. Wenn ich male, geht es mir besser&#8220;, meint Sommer. Fr\u00fcher war sie in Gespr\u00e4chstherapie. Das habe ihr kaum geholfen, meint sie. \u201eIch wollte alles aufschreiben, aber dann kamen die Panikattacken\u201c, meint Sommer. Mit Bildern kann sie ausdr\u00fccken, was mit Worten zu weh tut. <\/p>\n<p>Der K\u00f6rper wei\u00df es besser<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Fr\u00fcher war Sylvia Sommer Schlossermeisterin. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie ein Unternehmen auf. \u201eIch habe meine T\u00f6chter bekommen und war ein Monat sp\u00e4ter zur\u00fcck in der Werkstatt\u201c, erinnert sie sich. Zeitgleich mit ihrer Ehe geht auch das gemeinsame Unternehmen in die Br\u00fcche. Als kurz darauf ihr zweiter Mann unerwartet stirbt, rutscht sie in ein Burnout. \u201eIch habe versucht weiterzumachen, aber mein K\u00f6rper konnte nicht mehr. Manchmal wei\u00df es der K\u00f6rper besser als der Kopf\u201c, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_10.jpg\" alt=\"Eine Frau steht zwischen Farben, Pinseln und Leinw\u00e4nden. Sie zeigt einen bemalten Stuhl in Richtung Kamera\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanNicht nur die Leinw\u00e4nde, sondern auch die M\u00f6bel werden im Living Museum bemalt<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Wie den meisten Menschen, die hier sind, ist Sylvia Sommer irgendwann im Leben alles zu viel geworden. Dennoch ist sie nicht als Patientin hier. \u201eMan begegnet sich hier als Mensch\u201c, erkl\u00e4rt Karin Schagerl, Leiterin des Ateliers. Im Unterschied zur Kunsttherapie will ein Living Museum Menschen einen offenen und gleichzeitig gesch\u00fctzten Raum bieten, in dem sie eine Gemeinschaft bilden k\u00f6nnen. Um mitzumachen ist aber keine Diagnose oder \u00e4hnliches n\u00f6tig. <\/p>\n<p>Vom Patienten zum K\u00fcnstler<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Die Idee des Living Museums stammt aus den USA. In der ehemaligen Anstaltsk\u00fcche der psychiatrischen Klinik Creedmoor in New York sind Klientinnen und Klienten kreativ aktiv. Sie legen ihr Selbstverst\u00e4ndnis als Patienten ab und st\u00e4rken im k\u00fcnstlerischen Ausdruck ihre Pers\u00f6nlichkeit. \u201eHier wandelt sich die Identit\u00e4t vom Patienten hin zum K\u00fcnstler. Dieser Prozess ist zutiefst heilend&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/steiermark\/graz\/20369335\/graz-begruesst-internationales-living-museum-konzept-am-lkh-ii\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">erkl\u00e4rt Initiatorin Alexandra Plettenberg bei der Er\u00f6ffnung im Dezember.<\/a><\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">In einer Ecke der alten Meierei beugt sich Thomas Eder \u00fcber eine Figur aus Gips. \u201eMeine Puppe war zuerst eine Sch\u00fcssel\u201c, erz\u00e4hlt Eder. Seine H\u00e4nde sind wei\u00df vom Gips. Er wirkt konzentriert. Gerade bringt er einen Schuh am rechten Bein an. Eder verhandelt in der Kunst einen weiteren Aspekt von sich selbst. Zuerst war die Puppe als Mann gedacht, mittlerweile ist sie eine Frau. \u201eIch bin mir mit meiner sexuellen Identit\u00e4t nicht ganz sicher. Die Puppe kehrt etwas von mir nach au\u00dfen. Mit der Zeit ist sie mir immer wichtiger geworden\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_28.jpg\" alt=\"Ein Mann bringt einen Schuh an einer Puppe aus Gips an. Im Hintergrund h\u00e4ngen Bilder an der Wand\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanK\u00fcnstler Thomas Eder bei der Arbeit<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Thomas Eder und Sylvia Sommer sind zwei von rund 40 Besuchern des Grazer Living-Museums. Der Standort ist nach Linz der zweite in \u00d6sterreich. Dass es ihn gibt, liegt ma\u00dfgeblich am Engagement von Alexandra Plettenberg. 20 Jahre arbeitete sie selbst im Living Museum in New York mit und brachte die Idee in die Steiermark. Bis zur Er\u00f6ffnung im vergangenen Dezember dauerte es sieben Jahre. Mittlerweile gibt es mehr als 60 Einrichtungen nach diesem Vorbild weltweit. <\/p>\n<p>Sich zueinander malen<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Neben dem Stiften von Sinn, Besch\u00e4ftigung und kreativem Ausdruck ist die Gemeinschaft eine wesentliche S\u00e4ule im Konzept des Living-Museums. Menschen kommen aus der ganzen Steiermark nach Stra\u00dfgang, um gemeinsam Kunst zu schaffen. Eine von ihnen ist Elke Ysopp. Mit dem Zug reist sie einmal im Monat aus Judenburg an, um im Living Museum zu malen und zu zeichnen. \u201eDas brauche ich f\u00fcr meine seelische Hygiene\u201c, meint sie. Den weiten Weg nach Graz macht Ysopp f\u00fcr die Gemeinschaft. \u201eIch k\u00f6nnte auch zu Hause malen, aber ich mag die Menschen. Hier kann man sich gut zueinander malen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_31.jpg\" alt=\"Eine Frau pr\u00e4sentiert ihr Kunstwerk lachend der Kamera. Sie h\u00e4lt es hoch \u00fcber dem Kopf.\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanElke Ysopp reist extra mit dem zug aus Judenburg an, um hier zu sein<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Neben ihr arbeitet Erich Maier an einem Bild. \u201eSeit mehreren Wochen schon&#8220;, meint er. Im M\u00e4rz besucht der pensionierte Innenarchitekt das Living Museum zum ersten Mal auf Anraten einer Sozialp\u00e4dagogin. \u201eDu merkst gleich, ob du dich wohlf\u00fchlst\u201c, meint Maier, \u201eIch habe einen v\u00f6llig neuen Zugang und eine k\u00fcnstlerische Linie gefunden.\u201c Das Living Museum bietet  ihm einen Raum f\u00fcr Spontanit\u00e4t. \u201eHier kann ich mich so ausleben, wie ich will\u201c, sagt er.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_15.jpg\" alt=\"Ein Mann beugt sich \u00fcber einen Tisch und studiert konzentriert die Bilder, die darauf ausgebreitet sind.\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanK\u00fcnstler Erich Maier hat im Living Museum f\u00fcr sich einen neuen Stil gefundenDas lebendige Museum<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Seit acht Monaten ist das Living-Museum in Betrieb. Bis zu 30 Menschen schaffen hier gleichzeitig. Die W\u00e4nde des hohen Raumes sind bis oben hin behangen mit Bildern. Auf Regalen stapeln sich Plastiken und Figuren. \u201eHier entsteht so viel, dass wir die Werke immer wieder wechseln\u201c, erkl\u00e4rt Leiterin Schagerl. \u201eAuch daher kommt der Name \u201aLiving Museum\u2018. Das Atelier ver\u00e4ndert sich stetig\u201c. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Living_Museum_Pajman_1.jpg\" alt=\"Eine Frau steht in der Mitte des Raumes und h\u00e4lt ein gro\u00dfes Gem\u00e4lde. Sie ist umgeben von Leinw\u00e4nden, Arbeitstischen, Pflanzen und Bildern.\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/> \u00a9 Klz \/ Stefan PajmanKarin Schagerl ist stolz auf die Kunstwerke der Teilnehmenden<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">In Zukunft plane man auch Ausstellungen, um die Werke einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen. Das sei aber zweitrangig, meint Schagerl. In erster Linie gehe es um den Raum und die Gemeinschaft &#8211; oder wie es Sylvia Sommer formuliert: \u201eManchmal habe ich das Gef\u00fchl, ich bin f\u00fcr nichts mehr gut, aber in der Kunst bin ich noch besch\u00e4ftigt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Dezember er\u00f6ffnete in Graz ein Living Museum. 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