{"id":336560,"date":"2026-08-16T01:43:13","date_gmt":"2026-08-16T01:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336560\/"},"modified":"2026-08-16T01:43:13","modified_gmt":"2026-08-16T01:43:13","slug":"suesser-fund-im-all-wie-zucker-auf-eiskalten-staubkoernern-entsteht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336560\/","title":{"rendered":"S\u00fc\u00dfer Fund im All: Wie Zucker auf eiskalten Staubk\u00f6rnern entsteht"},"content":{"rendered":"<p>Einem internationalen Team von Forscher:innen ist erstmals der direkte Nachweis eines komplexen Zuckers im interstellaren Raum gelungen. Wie in einer im Wissenschaftsmagazin <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02905-7\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nature Astronomy<\/a> ver\u00f6ffentlichten Studie zu lesen ist, sp\u00fcrten die Wissenschaftler:innen das Molek\u00fcl Erythrulose in einer riesigen Gas- und Staubwolke auf.<\/p>\n<p>Diese Wolke mit der exakten Bezeichnung G+0.693\u20130.027 befindet sich in der N\u00e4he des galaktischen Zentrums unserer Milchstra\u00dfe und ist rund 26.700 Lichtjahre von uns entfernt. Bislang gingen Astronom:innen lediglich aufgrund von Analysen abgest\u00fcrzter Meteoriten davon aus, dass derartige Bausteine des Lebens frei im Weltraum existieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\n                Datenauswertung als Schl\u00fcssel zum Erfolg\n            <\/p>\n<p>Die Entdeckung geht ma\u00dfgeblich auf die langj\u00e4hrige Arbeit der spanischen Astronomin Izaskun Jim\u00e9nez-Serra und ihres Teams am Zentrum f\u00fcr Astrobiologie im spanischen Torrej\u00f3n de Ardoz zur\u00fcck. Sie nutzten f\u00fcr ihre hochpr\u00e4zisen Beobachtungen zwei der leistungsf\u00e4higsten europ\u00e4ischen Empfangsanlagen, namentlich das Yebes-Radioteleskop in der spanischen Provinz Guadalajara sowie das IRAM-Teleskop im s\u00fcdspanischen Granada.<\/p>\n<p>Das reine Erfassen der schwachen Mikrowellenstrahlung aus dem fernen Kosmos war dabei jedoch nur der erste Schritt dieses aufwendigen Projekts. Die eigentliche wissenschaftliche Leistung bestand in diesem konkreten Fall in der anschlie\u00dfenden, stark softwaregest\u00fctzten Datenanalyse eines massiven Frequenzspektrums.<\/p>\n<p>Um die Signale im Weltraum zu erkennen, ben\u00f6tigen Forscher:innen einen exakten Referenzwert aus dem Labor, quasi den molekularen Fingerabdruck des Zuckers. Daf\u00fcr muss er in ein Gas verwandelt werden, was technisch extrem schwierig ist: Zucker zieht massiv Wasser aus der Umgebung an und zerf\u00e4llt bei Hitze, anstatt sauber zu verdampfen.<\/p>\n<p class=\"c-card__headline\">\n                Empfohlene redaktionelle Inhalte\n            <\/p>\n<p>            Hier findest du externe Inhalte von TargetVideo GmbH,<br \/>\n            die unser redaktionelles Angebot auf t3n.de erg\u00e4nzen.<br \/>\n            Mit dem Klick auf &#8222;Inhalte anzeigen&#8220; erkl\u00e4rst du dich einverstanden,<br \/>\n            dass wir dir jetzt und in Zukunft Inhalte von TargetVideo GmbH auf unseren Seiten anzeigen d\u00fcrfen.<br \/>\n            Dabei k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Plattformen von Drittanbietern \u00fcbermittelt werden.<br \/>\n            <br \/>\n            Inhalte anzeigen<\/p>\n<p class=\"u-text-small\">\n                <a href=\"https:\/\/t3n.de\/datenschutz\/\" target=\"_blank\" title=\"Die externe Seite im neuen Tab\/Fenster \u00f6ffnen\" rel=\"noopener nofollow\"><br \/>\n                    Hinweis zum Datenschutz<br \/>\n                <\/a>\n            <\/p>\n<p class=\"c-card__headline\">\n                Leider ist etwas schief gelaufen&#8230;\n            <\/p>\n<p>            An dieser Stelle findest du normalerweise externe Inhalte von TargetVideo GmbH,<br \/>\n            jedoch konnten wir deine Consent-Einstellungen nicht abrufen.<br \/>\n            Lade die Seite neu oder passe deine Consent-Einstellungen manuell an.<\/p>\n<p>                Datenschutzeinstellungen verwalten<\/p>\n<p>Daher fehlten der Astronomie lange Zeit die exakten Frequenzdaten f\u00fcr einen solchen Abgleich. Aus diesem Grund verliefen vergleichbare astronomische Suchen nach solch komplexen Molek\u00fclen in der Vergangenheit immer wieder erfolglos im galaktischen Sande.<\/p>\n<p>Erst durch den Einsatz spezieller Analysesoftware konnten die Forscher:innen die astronomischen Messdaten mit v\u00f6llig neuartigen Rotationsspektren vergleichen. Diese molekularen Referenzdaten waren zuvor mit Hilfe ultraschneller Laserverdampfung unter extremen Bedingungen im irdischen Labor erstellt worden.<\/p>\n<p>Bei diesem komplexen Abgleich gelang es den Astronom:innen schlie\u00dflich, insgesamt zw\u00f6lf exakt \u00fcbereinstimmende Signalmuster in den Emissionen der Wolke zu isolieren. In der physikalischen Fachwelt gilt eine derartige Menge an klaren Treffern als statistisch extrem belastbarer Nachweis f\u00fcr das tats\u00e4chliche Vorhandensein von Erythrulose.<\/p>\n<p>\n                Eiskalte Staubk\u00f6rner als kosmische Fabriken\n            <\/p>\n<p>Bei der nun gemessenen Substanz handelt es sich um eine sogenannte Ketose, also einen Zucker, der aus exakt vier Kohlenstoffatomen besteht. Auf unserem Heimatplaneten spielt diese Verbindung unter anderem im Energiestoffwechsel und beim Aufbau wichtiger biologischer Strukturen eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Die detaillierte Ausarbeitung der Astronomin Jim\u00e9nez-Serra zeigt nun auf, dass sich diese relativ gro\u00dfen Molek\u00fcle im All erstaunlich effizient bilden k\u00f6nnen. Den ver\u00f6ffentlichten Modellen zufolge entstehen sie aus weitaus simpler aufgebauten chemischen Vorl\u00e4ufern, wie etwa Glycolaldehyd und Ethylenglykol.<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass diese pr\u00e4biotischen chemischen Reaktionen vorrangig auf den unregelm\u00e4\u00dfigen Oberfl\u00e4chen von amorphem Wassereis ablaufen. Dieser Vorgang vollzieht sich auf den winzigen interstellaren Staubk\u00f6rnern, lange bevor die riesige Wolke \u00fcberhaupt zu rotieren beginnt oder sich neue Sternensysteme formen.<\/p>\n<p>Umfangreiche quantenchemische Modelle und komplexe kinetische Monte-Carlo-Simulationen st\u00fctzen diese These der spontanen Molek\u00fclentstehung in der absolut eiskalten Umgebung des Alls. Die Rechnungen zeigen zudem auf, dass Erythrulose in der untersuchten Wolke mindestens achtmal h\u00e4ufiger vorkommen muss als weitaus simplere Zucker mit lediglich drei Kohlenstoffatomen.<\/p>\n<p>Diese vergleichsweise kleinen Zuckermolek\u00fcle, wie beispielsweise Glycerinaldehyd, konnten bei den aktuellen Beobachtungen nicht einmal in Spuren detektiert werden. Die Wissenschaftler:innen vermuten stark, dass diese simpleren Varianten durch energiereiche kosmische Strahlung im Weltraum schlichtweg wesentlich schneller zerst\u00f6rt werden als die robusteren C4-Molek\u00fcle.<\/p>\n<p>\n                Einordnung f\u00fcr die pr\u00e4biotische Chemie\n            <\/p>\n<p>Der Nachweis solch hochkomplexer Verbindungen tief im interstellaren Medium gilt als weiteres starkes Indiz f\u00fcr die etablierte Theorie der exogenen Lebensentstehung. Das Konzept besagt, dass entscheidende biologische Bausteine nicht erst auf der fr\u00fchen Erde geformt wurden, sondern bereits als fertiges Material aus dem All auf unseren Planeten gelangten.<\/p>\n<p>Derartige organische Makromolek\u00fcle k\u00f6nnten demnach schon in der protoplanetaren Scheibe unseres Sonnensystems existiert haben, lange bevor die junge Erde eine feste Kruste bildete. Sp\u00e4ter wurden sie dann mutma\u00dflich w\u00e4hrend des sogenannten sp\u00e4ten schweren Bombardements durch andauernde Einschl\u00e4ge von Kometen und Asteroiden auf der Erdoberfl\u00e4che abgeliefert.<\/p>\n<p>Dennoch mahnt die Publikation in Nature Astronomy bei aller wissenschaftlichen Relevanz zu einer sehr differenzierten Einordnung der radioteleskopischen Messdaten. Die blo\u00dfe Existenz von Zuckermolek\u00fclen in einer galaktischen Staubwolke bedeutet keinesfalls, dass in jener Region auch nur die primitivste Vorstufe von biologischem Leben existiert.<\/p>\n<p>Letztlich belegt der Fund prim\u00e4r die erstaunliche F\u00e4higkeit des physikalischen Universums zur abiotischen Synthese organischer Verbindungen unter extrem feindlichen Rahmenbedingungen. Weiterhin beruhen die Annahmen zur exakten Konzentration des Zuckers auf den galaktischen Eisoberfl\u00e4chen stark auf theoretischen Modellen, die aufgrund unbekannter Variablen mit handfesten Unsicherheiten behaftet bleiben.<\/p>\n<p>Top-Artikel<\/p>\n<p>        ${content}<\/p>\n<p>\n                    ${custom_anzeige-badge}<br \/>\n                    ${custom_tr-badge}<br \/>\n                    ${section}\n                <\/p>\n<p>                <a class=\"c-suggestNews-title\" href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/zucker-weltall-erythrulose-interstellar-milchstrasse-astrobiologie-1752663\/${url}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">${title}<\/a><\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/zucker-weltall-erythrulose-interstellar-milchstrasse-astrobiologie-1752663\/${url}\" class=\"c-suggestNews-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/zucker-weltall-erythrulose-interstellar-milchstrasse-astrobiologie-1752663\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>            <\/a><\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/zucker-weltall-erythrulose-interstellar-milchstrasse-astrobiologie-1752663\/${url}\" class=\"c-suggestNews-image\" title=\"${title}\" data-upscore-url=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/t3n.de\/news\/zucker-weltall-erythrulose-interstellar-milchstrasse-astrobiologie-1752663\/${image}\" width=\"88\" height=\"88\"\/><\/p>\n<p>            <\/a><\/p>\n<p>Allen statistischen Einschr\u00e4nkungen zum Trotz markiert die Beobachtung einen wichtigen technologischen und inhaltlichen Meilenstein in der modernen Astronomie. Mit insgesamt 14 Atomen ist Erythrulose das weitaus gr\u00f6\u00dfte nicht-zyklische Molek\u00fcl, das bis zum heutigen Tag im freien interstellaren Raum verifiziert werden konnte.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftige astronomische Gro\u00dfprojekte werden nun mit noch h\u00f6herer Pr\u00e4zision pr\u00fcfen m\u00fcssen, ob sich abseits dieses Molek\u00fcls noch weitere Bestandteile von Ribonukleins\u00e4uren in fernen Galaxien aufsp\u00fcren lassen. Bis wir das vollst\u00e4ndige chemische Rezept des Lebens zweifelsfrei entschl\u00fcsselt haben, bleibt die Forschung jedoch ein fortw\u00e4hrendes Puzzle aus winzigen Datens\u00e4tzen im Radiofrequenzbereich.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dieser Artikel wurde urspr\u00fcnglich am 13.07.2026 ver\u00f6ffentlicht, interessiert jedoch immer noch sehr viele unserer Leser:innen. Deshalb haben wir ihn aktualisiert und hier nochmals zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"vgWortPixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/0476b1ca881e498ca3597d1e395beae9.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einem internationalen Team von Forscher:innen ist erstmals der direkte Nachweis eines komplexen Zuckers im interstellaren Raum gelungen. 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