{"id":336680,"date":"2026-08-16T04:13:15","date_gmt":"2026-08-16T04:13:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336680\/"},"modified":"2026-08-16T04:13:15","modified_gmt":"2026-08-16T04:13:15","slug":"salzburger-menschenfeind-hip-hop-und-alexandriner-verse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336680\/","title":{"rendered":"Salzburger &#8222;Menschenfeind&#8220;: Hip-Hop und Alexandriner-Verse"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Es beginnt mit einem feinen Hip-Hop-Konzert und endet mit einer betulichen Predigt f\u00fcr Toleranz und Emanzipation: Der Bogen, den Jette Steckel mit ihrer Neuinszenierung von Moli\u00e8res &#8222;Der Menschenfeind&#8220; spannt, ist erstaunlich weit. Bei der Festspiel-Premiere dieses \u00fcber weite Strecken intelligenten und unterhaltsamen Abends, der ab 18. September am koproduzierenden Thalia Theater Hamburg zu sehen ist, gab es am Samstag im Salzburger Landestheater viele Bravos und wenige Buhs.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Steckel, 1982 geborene Berlinerin, die 2009 beim Young Directors Project ihr Festspiel-Deb\u00fct gab und ihr jetziges Engagement wohl dem Wirken der jetzigen Intendantin Karin Bergmann als erfolgreiche Schauspiel-Einfl\u00fcsterin des sp\u00e4ter geschassten Markus Hinterh\u00e4user verdankt, hatte ein Triptychon aus Musik, Video und Schauspiel versprochen. Am Ende dominierte gl\u00fccklicherweise doch das Theater und h\u00e4tte man &#8211; Hand aufs Herz! &#8211; auf eine rund f\u00fcnfmin\u00fctige Light-and-Sound-Show mit Lichtk\u00e4stchen und Emojis als Zwischenspiel gut verzichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Der am linken B\u00fchnenrand positionierte famose Komponist und Live-Musiker Matthias Jakisic hatte auch so viel zu tun. Vor allem Steckels Ansatz, Rap quasi als heutige Weiterf\u00fchrung der klassischen Alexandriner-Verse zu verwenden, erwies sich als so witzig wie passend.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Das Publikum, das nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch auf einer auf der B\u00fchne aufgebauten Trib\u00fcne Platz nahm, wurde von einem Konzert in Empfang genommen, bei dem mit Textzeilen wie &#8222;Kunst ist in der Krise \/ und der Keller Deine Wiese&#8220; oder &#8222;Wir wollen eine Welt ohne Routine \/ F\u00fcr uns spielt keine Violine&#8220; gleich einmal Ansagen gemacht wurden. Die Premierenbesucher wurden zu ein wenig Stehgymnastik animiert, mit dem Song &#8222;Check in Check out&#8220; ein wenig revolution\u00e4re Partystimmung verbreitet. Das Engagement des Deichkind-Texters Uwe Hartmann hat sich ausgezahlt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Schon bald nach diesem Auftakt war klar: Das Vorspiel war auch die Intro. Der S\u00e4nger erwies sich als Oronte (Ole Lagerpusch), der kurze Zeit sp\u00e4ter auch in seiner ber\u00fchmten Bitte um eine ehrliche Beurteilung seine Ballade durch Alceste in den gleichen Rhythmus verfallen sollte. Und sein rosa R\u00fcschen-Outfit war nur der Vorbote zum strengen, knallbunten Kost\u00fcmkonzept von Pauline H\u00fcners, die die fantasievollen Outfits der Figuren jeweils in genau einer Farbe gefertigt hatte &#8211; von grellrot (\u00c9liante) bis knallgelb (Clitandre). Im Verein mit dem leuchtenden B\u00fchnen-Portal von Florian L\u00f6sche ergab das eine ziemlich farbenfrohe Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Jette Steckel vertraute der Vers-\u00dcbersetzung ihres Vaters, des Regisseurs Frank-Patrick Steckel, und das funktionierte auch ohne Hip-Hop-Rhythmus in der Regel gut. Vor allem in den mit geschliffener Sprach-Klinge gef\u00fchrten Duellen: Der schwelgerische Schwulst Orontes war gegen die verletzende Sch\u00e4rfe von Andr\u00e9 Szymanskis Alceste auf verlorenem Posten (die Kritik am Gedicht landet dann bekanntlich vor Gericht), der in gezischten gegenseitigen &#8222;Bitch&#8220;-Vorw\u00fcrfen endende Battle zwischen Maja Sch\u00f6ne als C\u00e9lim\u00e8ne und Lisa Hagmeister als Arsinoe ein Genuss. W\u00e4hrend Cino Djavid als Acaste und Camill Jammal als Clitandre ein wenig an die beiden Vettern des &#8222;Jedermann&#8220; erinnerten, boten Barbara N\u00fcsse als Philinte und Cath\u00e9rine Seifert als \u00c9liante sch\u00f6ne, ber\u00fchrende Momente der Wahrhaftigkeit.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die Erkenntnis, dass das 360 Jahre alte St\u00fcck mit seinen Themen, in denen es neben Wahrhaftigkeit und Verlogenheit der Kommunikation um die M\u00f6glichkeiten der Liebe und des menschlichen Miteinanders geht, noch immer unheimlich aktuell ist, scheint das Team allerdings so \u00fcberrascht zu haben, dass am Ende Witz und Leichtigkeit verloren gingen. Die Strafpredigt, die der eifers\u00fcchtige Alceste von seiner angebeteten C\u00e9lim\u00e8ne erh\u00e4lt, die von niemandem &#8222;besessen&#8220; werden, sondern &#8222;vom Leben alles&#8220; will, wirkt zum Schluss ziemlich moralinsauer. So endet der Abend nach 140 Minuten deutlich schwerf\u00e4lliger als er begonnen hat. Das ist schade &#8211; und l\u00e4sst sich zumindest f\u00fcr Hamburg wohl noch beheben.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">(Von Wolfgang Huber-Lang\/APA)<\/p>\n<p>shareArtikel teilenhomeZur Startseite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es beginnt mit einem feinen Hip-Hop-Konzert und endet mit einer betulichen Predigt f\u00fcr Toleranz und Emanzipation: Der Bogen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":336681,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[22],"tags":[46,42,147,75,1434,44,192,1169,148],"class_list":["post-336680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unterhaltung","tag-at","tag-austria","tag-entertainment","tag-europa","tag-newsticker","tag-oesterreich","tag-salzburg","tag-theater","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117103244572920139","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=336680"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/336680\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/336681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=336680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=336680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=336680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}