{"id":336904,"date":"2026-08-16T07:04:12","date_gmt":"2026-08-16T07:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336904\/"},"modified":"2026-08-16T07:04:12","modified_gmt":"2026-08-16T07:04:12","slug":"friedliches-inferno-50-000-metal-fans-beim-summer-breeze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/336904\/","title":{"rendered":"Friedliches Inferno \u2013 50.000 Metal-Fans beim Summer Breeze"},"content":{"rendered":"<p>Infernalisch. Brutal. Eine Grenzerfahrung. Das war das Fazit von Musikern, die in den vergangenen Tagen beim Summer Breeze Festival vor den Toren von Dinkelsb\u00fchl auf der B\u00fchne standen. Temperaturen von teils deutlich mehr als 30 Grad machten die Auftritte zu einer k\u00f6rperlichen Herausforderung. Es ist n\u00e4mlich alles andere als leicht, mit verschwitzten H\u00e4nden Schlagzeug, Bass oder Gitarre zu spielen, gerade im Heavy Metal, wo es in der Regel auf Pr\u00e4zision auch bei H\u00f6chstgeschwindigkeit ankommt. Umso lauter und begeisterter feierte das Publikum jeden Act, der trotz der Hitze eine unbeirrte Energieleistung zeigte.<\/p>\n<p>Zum Beispiel Airbourne, die am Mittwoch als einer der ersten Headliner auf der Hauptb\u00fchne Ma\u00dfst\u00e4be setzten: Die australische Band, die derzeit in Europa f\u00fcr ein in K\u00fcrze erscheinendes neues Album wirbt, wetzte knapp 80 Minuten lang \u00fcber die B\u00fchne, als herrschten fr\u00fchlingshaft laue Temperaturen. S\u00e4nger und Gitarrist Joel O&#8217;Keeffe lie\u00df sich sogar w\u00e4hrend eines St\u00fcckes durch das Publikum tragen, ohne mit dem Spielen aufzuh\u00f6ren. &#8222;Der arbeitet Rock&#8217;n&#8217;Roll&#8220;, staunte im Anschluss einer der Fotografen an der B\u00fchne. Damit war die Energielatte f\u00fcr alle anderen sehr hoch gelegt. Eine Herausforderung, die an den Folgetagen Branchengr\u00f6\u00dfen wie Eisbrecher, Lamb of God, Arch Enemy oder Helloween offenbar gerne annahmen und \u00e4hnlich kompromisslos ans Werk gingen. Besonderen Respekt ernteten dabei Veteranen wie die britischen Metal-Pioniere Saxon oder der 77-j\u00e4hrige Joachim Witt, der einen kurzen Gastauftritt bei der bayerischen Band Eisbrecher hatte. <\/p>\n<p>Branchenmesse des Heavy Metal<\/p>\n<p>Auch auf den etwas kleineren der insgesamt vier B\u00fchnen brannten zahlreiche nicht ganz so ber\u00fchmte Acts musikalische Feuerwerke ab, und das in sehr vielen unterschiedlichen Spielarten des Heavy Metal. Denn was f\u00fcr Au\u00dfenstehende oft wie eine homogene, von lauten Gitarren getragene L\u00e4rmoffensive wirkt, das unterteilt sich bei genauerem Hinsehen in eine kaum \u00fcberschaubare Anzahl von Unter-Genres: vom heiteren, sehr melodischen Mitsing-Rock \u00fcber r\u00fcdes Gekn\u00fcppel bis hin zu sehr sperrigen, kunstvoll konstruierten Gebilden aus immer neuen akustischen Schichten. <\/p>\n<p>Bei gro\u00dfen Festivals wie dem Summer Breeze treffen alle diese Subgenres wie auf einer Branchenmesse aufeinander. F\u00fcr Besucher ist das eine M\u00f6glichkeit, auch neues zu entdecken. So wurde in diesem Jahr mit Spannung der Auftritt von Kim Dracula erwartet, den die meisten bisher aus TikTok-Videos kannten. Auf der Live-B\u00fchne \u00fcberzeugte die beeindruckend homogene Band dann mit aberwitzigen, ansatzlosen Wechseln von jazzigem Bossa-Nova hin zu w\u00fctendem Keifen, unterlegt mit kernigen Gitarrenriffs, an denen die Headbanger ihre Freude hatten.<\/p>\n<p>Besser als Wacken? Das Summer Breeze wird lokal organisiert<\/p>\n<p>Nach Angaben der Organisatoren war es das bisher hei\u00dfeste Festival in der Geschichte des Summer Breeze, das seit 20 Jahren auf einem Flugplatz vor den Toren von Dinkelsb\u00fchl stattfindet. Dort entsteht jedes Jahr eine Art Metal-Stadt mit vier B\u00fchnen und riesigen Campingpl\u00e4tzen. Mit 50.000 Besuchern gilt das Festival als eines der gr\u00f6\u00dften seiner Art und l\u00e4uft derzeit bei vielen in der Metal-Szene dem weitaus gr\u00f6\u00dferen und vor allem bekannteren Wacken Open Air in Norddeutschland den Rang ab. <\/p>\n<p>So steht Wacken bei Fans zunehmend im Verdacht, sich zu sehr von seinen Wurzeln entfernt zu haben. Seit dem Verkauf der Mehrheitsanteile an den US-Investmentriesen KKR vor einigen Jahren wird in Metal-Foren immer wieder kritisiert, dass die neuen Eigent\u00fcmer offenbar versuchen, m\u00f6glichst viel Geld aus den Besuchern herauszupressen, sei es \u00fcber hohe Preise f\u00fcr Eintritt und Verpflegung, sei es \u00fcber teure Spezialangebote f\u00fcr wohlhabende Fans. Die bekommen dadurch zum Beispiel k\u00fcrzere Wege \u00fcber das riesige Wacken-Gel\u00e4nde und einen Direktzugang zu den begehrten Pl\u00e4tzen in B\u00fchnenn\u00e4he, was Stammg\u00e4sten sauer aufst\u00f6\u00dft. Solche Angebote passen vielleicht zu Disneyland, aber nicht zu einem Metal-Festival, so der Tenor in sozialen Medien. Viel Lob gab es dagegen f\u00fcr die Veranstalter des Summer Breeze, einen lokalen Mittelst\u00e4ndler. Das Team um Festivalchef Achim Ostertag gebe sich alle M\u00fche, das Festival jedes Jahr noch ein St\u00fcckchen besser zu machen, so der Tenor vieler Fans. <\/p>\n<p>Hitzeschlacht stellt Publikum, Bands und Veranstalter vor Herausforderungen<\/p>\n<p>Eine sehr sichtbare Verbesserung geht nach Angaben der Organisatoren auf konkrete Anregungen des Publikums zur\u00fcck. So wurden am Rand des riesigen Gel\u00e4ndes mehr Schattenpl\u00e4tze geschaffen, eine klare Erleichterung im Vergleich zu den Vorjahren. Allerdings r\u00e4umen die Veranstalter ein, dass es nat\u00fcrlich auch Grenzen des Machbaren gibt. So sei die diesj\u00e4hrige Hitzewelle und die damit verbundene D\u00fcrre eine echte Herausforderung f\u00fcr alle Beteiligten. Das bekamen auch die Sanit\u00e4tskr\u00e4fte zu sp\u00fcren. Die knapp 350 Helferinnen und Helfer mussten in diesem Jahr eine vierstellige Zahl von Besuchern verarzten, von denen viele unter Kreislaufproblemen litten. Wegen der Trockenheit wurde auch so viel Staub aufgewirbelt, dass das Gel\u00e4nde aus der Vogelperspektive gerade abends wie eine Steppe aussah. Die Folge: Besucher behalfen sich mit T\u00fcchern vor dem Gesicht, die Veranstalter setzten Wassersprenger ein, aber trotzdem meldeten die Malteser zahlreiche F\u00e4lle von akuten Atemwegsbeschwerden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Infernalisch. Brutal. Eine Grenzerfahrung. 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