{"id":340648,"date":"2026-08-18T05:00:07","date_gmt":"2026-08-18T05:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/340648\/"},"modified":"2026-08-18T05:00:07","modified_gmt":"2026-08-18T05:00:07","slug":"arbeitslosigkeit-in-europa-warum-so-viele-junge-deutsche-keinen-job-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/340648\/","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit in Europa: Warum so viele junge Deutsche keinen Job finden"},"content":{"rendered":"<p>Der Anteil an jungen Erwachsenen in Deutschland ohne Job und ohne Ausbildung steigt. Inzwischen geh\u00f6ren 10 % der 20- bis 24-J\u00e4hrigen zu der Kategorie, so das Statistische Bundesamt am Montag. Im Jahr 2022 lag der Anteil noch bei 8,8 %.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Im Europa-Vergleich ist der Trend gegenl\u00e4ufig: Waren 2022 noch 13,4 % der jungen Europ\u00e4er ausbildungs- und arbeitslos, sind es inzwischen nur noch 12,9 %. Am h\u00f6chsten ist der Anteil in Rum\u00e4nien (22,8 %), Bulgarien (17,3 %) und Frankreich (16,2 %). Am besten schnitten die Niederlande (5,6 %), Schweden (7,3 %) und Tschechien (7,6 %) ab. In der Wissenschaft werden sie als &#8222;NEETs&#8220; bezeichnet, kurz f\u00fcr &#8222;Not in Education, Employment or Training&#8220;, auf Deutsch: nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung.<\/p>\n<p>Magdalena Polloczek leitet bei der gewerkschaftsnahen Hans-B\u00f6ckler-Stiftung das Referat &#8222;Aus- und Weiterbildung f\u00fcr eine transformierte Arbeitswelt&#8220;. Im Interview mit Euronews erkl\u00e4rt sie: &#8222;Die Personengruppe, die als NEETs gilt, ist sehr durchmischt. Unter ihnen finden sich auch viele junge Menschen, die nach Ausbildungsstellen suchen. Die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt, darunter die hohe Anzahl unversorgter Bewerber*innen bestehen bereits seit l\u00e4ngerem und haben sich zuletzt nochmal versch\u00e4rft.&#8220; Mit Blick auf den zuk\u00fcnftigen Arbeitsmarkt sei das eine &#8222;gro\u00dfe Problemlage, weil dadurch langfristig Fachkr\u00e4fte fehlen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Junge Frauen h\u00e4ufiger betroffen als M\u00e4nner<\/p>\n<p>Ausbildungsinteressierte h\u00e4tten h\u00e4ufig einen &#8222;begrenzteren Radius\u201c zur Suche nach Ausbildungsstellen, da sie h\u00e4ufig noch zu Hause bei ihren Eltern leben \u2013 auch weil die in manchen F\u00e4llen niedrige Bezahlung Umz\u00fcge in weiter entfernte Orte oder in eine eigene Wohnung nicht erlaube. Sie k\u00f6nnten lediglich regionale Ausbildungspl\u00e4tze annehmen und keine weiter entfernten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00fcrden viele Jugendliche sich f\u00fcr besonders nachgefragte Berufe interessieren, bei denen die Konkurrenz entsprechend hoch sei. Bestimmte Berufe, die teils vom Fachkr\u00e4ftemangel betroffen sind, seien hingegen h\u00e4ufig weniger interessant.<\/p>\n<p>Durchschnittlich sind in Deutschland junge Frauen (10,5 %) eher NEETs als junge M\u00e4nner (9,6 %). Der Effekt spiegelt sich auch EU-weit wider, so das Statistische Bundesamt.<\/p>\n<p>66 % der jungen Menschen ohne Job und Ausbildung gelten als sogenannte &#8222;Nichterwerbspersonen&#8220;, so der nationale Bildungsbericht f\u00fcr das Jahr 2024. Sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verf\u00fcgung. Als Gr\u00fcnde f\u00fchrten 20 % Betreuungspflichten an, gefolgt von gesundheitlichen Problemen (18 %). An dritter Stelle stehen bildungsbezogene Gr\u00fcnde mit 17 %, dazu geh\u00f6ren etwa Personen, die auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz warten.<\/p>\n<p>&#8222;Man k\u00f6nnte noch st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen, dass auch Jugendliche und junge Erwachsene Betreuungsverpflichtungen haben und sollte \u00fcberlegen, wie Vereinbarkeit von (Aus)Bildung und Care-Arbeit besser miteinander vereinbart werden k\u00f6nnten \u2013 etwa durch mehr Teilzeitausbildungen oder ein st\u00e4rkeres Angebot an Kinderbetreuung&#8220;, erkl\u00e4rt Polloczek. &#8222;Ein weiterer wichtiger Punkt ist die engmaschige Begleitung von Jugendlichen, die noch nicht sicher sind, welchen beruflichen oder Bildungsweg sie einschlagen wollen. Gerade hier gibt es politisch noch Raum f\u00fcr Nachbesserungen.&#8220;<\/p>\n<p>Experte: Deutschland steckt in &#8222;Erneuerungskrise&#8220;<\/p>\n<p>Sichtbar ist auch ein Stadt-Land-Gef\u00e4lle. Junge Menschen in Deutschlands St\u00e4dten (10,6 %) sind h\u00e4ufiger betroffen als junge Erwachsene, die auf dem Land leben (7,9 %). Im EU-Schnitt ist der Effekt andersherum. 15,4 % der jungen Landbewohner sind ohne Job und Ausbildung.<\/p>\n<p>Enzo Weber, Wirtschaftswissenschaftler am Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, spricht im Interview mit Euronews von einer &#8222;Erneuerungskrise&#8220; Deutschlands. &#8222;Es werden so wenige neue Jobs geschaffen wie noch nie. Das trifft besonders junge Leute, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen.&#8220; Weber fordert, dass die Politik gegensteuert. &#8222;Denn ein schlechter Arbeitsmarkteinstieg in einer schwierigen Phase f\u00fchrt zu dauerhaften Nachteilen, die sich \u00fcber das Erwerbsleben fortsetzen.&#8220;<\/p>\n<p>Fehlende Orientierung und Bildungsdefizite w\u00fcrden den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschweren, so Weber. Auch stark gestiegene L\u00f6hne f\u00fcr Helferjobs f\u00fchrt der Wissenschaftler als m\u00f6gliche Ursache an.<\/p>\n<p>Im Europa-Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit hingegen schneidet Deutschland vergleichsweise gut ab. Im Juni 2026 hatte Deutschland EU-weit die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit mit 7,1 %. Zwischen 15 und 74 Jahren hingegen lag die Erwerbslosenquote in Deutschland bei 3,9 %. Der EU-Durchschnitt der Jugendarbeitslosigkeit lag bei 15,5 %, so das Statistische Bundesamt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Anteil an jungen Erwachsenen in Deutschland ohne Job und ohne Ausbildung steigt. 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