{"id":342684,"date":"2026-08-19T05:31:10","date_gmt":"2026-08-19T05:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/342684\/"},"modified":"2026-08-19T05:31:10","modified_gmt":"2026-08-19T05:31:10","slug":"temu-shein-aliexpress-kosten-oesterreich-212-millionen-e-wirtschaftsleistung-und-1-600-jobs-eu-pauschalzoll-zeigt-wirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/342684\/","title":{"rendered":"Temu, Shein &#038; AliExpress kosten \u00d6sterreich 212 Millionen \u20ac Wirtschaftsleistung und 1.600 Jobs. EU-Pauschalzoll zeigt Wirkung."},"content":{"rendered":"<p>Billig einkaufen, teuer bezahlen: Die rasant wachsenden Ums\u00e4tze der asiatischen Onlineplattformen Temu, AliExpress und Shein verursachen in \u00d6sterreich massive volkswirtschaftliche Sch\u00e4den. Eine neue Analyse der Gesellschaft f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) im Auftrag des Handelsverbands zeigt: Durch die Verlagerung von Konsumausgaben ins Ausland entgehen dem \u00f6sterreichischen Handel j\u00e4hrlich knapp 570 Millionen Euro Bruttoumsatz und 171 Millionen Euro an Bruttowertsch\u00f6pfung. Daraus resultiert ein R\u00fcckgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 212 Millionen Euro.<\/p>\n<p>\u201eUnsere neue Studie legt erstmals die volkswirtschaftliche Rechnung f\u00fcr den vermeintlichen Billigkonsum auf Fernost-Plattformen vor. Temu, Shein und AliExpress kosten \u00d6sterreich 212 Millionen Euro Wirtschaftsleistung, mehr als 1.600 Arbeitspl\u00e4tze und fast 100 Millionen Euro an Steuern und Abgaben\u201c, erkl\u00e4rt Rainer Will, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des freien, \u00fcberparteilichen Handelsverbands. \u201eJeder Klick auf diese Plattformen hat seinen Preis. Aus dem Paket um wenige Euro wird ein millionenschwerer Bumerang f\u00fcr den Wirtschaftsstandort. Bezahlt wird er von heimischen Betrieben, ihren 711.000 Besch\u00e4ftigten und letztlich von allen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.\u201c<\/p>\n<p>\u00d6sterreichs Mittelstand zahlt einen besonders hohen Preis<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften direkten Wertsch\u00f6pfungsverlust tr\u00e4gt der \u00f6sterreichische Handel mit 58 Millionen Euro. Wirtschaftliche Verflechtungen f\u00fchren jedoch dazu, dass auch andere Branchen wie etwa die Produktion (22 Mio. Euro), Bauwirtschaft (11 Mio. Euro), Gastronomie (6 Mio. Euro) und viele weitere betroffen sind. Auch Arbeitsplatzverluste verteilen sich auf weite Teile der Wirtschaft.<\/p>\n<p>Die GAW-Analyse zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Belastung durch die Fernost-Plattformen keineswegs nur gro\u00dfe Unternehmen betrifft. Auf EPU (Einpersonen-Unternehmen) entfallen 19 Millionen Euro Bruttowertsch\u00f6pfungsverlust. Kleinstbetriebe (unter 10 Besch\u00e4ftigten) verlieren 35 Millionen Euro, Kleinbetriebe (10 bis 49 Besch\u00e4ftigte) 38 Millionen Euro, Mittelbetriebe (50 bis 249 Besch\u00e4ftigte) 32 Millionen Euro und Gro\u00dfbetriebe 47 Millionen Euro an Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>\u201eEurop\u00e4ische H\u00e4ndler spielen nach europ\u00e4ischen Regeln, bezahlen faire L\u00f6hne und Steuern, finanzieren Qualit\u00e4t, Lehrstellen und Produktsicherheit. Zugleich konkurrieren sie mit asiatischen Plattformen, bei denen geltendes EU-Recht vielfach nur auf dem Papier existiert. Das ist ein systematischer Standortnachteil f\u00fcr heimische Unternehmen. Wertsch\u00f6pfungsverluste von mindestens 171 Millionen Euro sprechen eine klare Sprache\u201c, sagt Harald Gutschi, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von OTTO Austria, HV-Vizepr\u00e4sident und Leiter des HV-Fachforums &#8222;eCommerce &amp; Marktpl\u00e4tze&#8220;.<\/p>\n<p>Fast 100 Millionen Euro fehlen bei Staat und Sozialversicherung<\/p>\n<p>Besonders alarmierend sind die Auswirkungen auf die \u00f6ffentlichen Haushalte. Die Umsatzverlagerungen f\u00fchren laut GAW zu einem Verlust von knapp 100 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Hinzu kommen Einkommensverluste der Besch\u00e4ftigten. Allein im Handel sinkt das Arbeitnehmerentgelt um 35 Millionen Euro, \u00fcber alle untersuchten Branchen hinweg um rund 90 Millionen Euro.<\/p>\n<p>Bei all diesen fiskalischen Auswirkungen handelt es sich um eine konservative Sch\u00e4tzung. Die Berechnung unterstellt, dass die Umsatzsteuer bei grenz\u00fcberschreitenden Bestellungen vollst\u00e4ndig und korrekt abgef\u00fchrt wird. M\u00f6gliche zus\u00e4tzliche Ausf\u00e4lle durch falsch oder zu niedrig deklarierte Warenwerte sind nicht ber\u00fccksichtigt. Dabei ist l\u00e4ngst erwiesen, dass es in der Praxis immer wieder zu Falschdeklarationen kommt.<\/p>\n<p>\u201eDie fast 100 Millionen Euro an Steuerentgang sind nur die nachweisbare Unterkante des Schadens. Die tats\u00e4chlichen Kosten liegen weit h\u00f6her. Dieses Geld, das dem Staat, den Gemeinden und der Sozialversicherung fehlt, muss am Ende von jenen aufgebracht werden, die sich an die Regeln halten\u201c, warnt Rainer Will.<\/p>\n<p>Der Wind dreht sich (langsam): Millionenstrafen gegen Fernost-Plattformen<\/p>\n<p>Immerhin dreht sich der Wind \u2013 langsam aber doch \u2013 auch in Europa: Am 20. Juli hat die EU-Kommission eine Geldbu\u00dfe in Rekordh\u00f6he von 550 Millionen Euro gegen AliExpress wegen eines Versto\u00dfes gegen das Gesetz \u00fcber digitale Dienste (Digital Services Act) verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Anfang Juni ist der Ultra-Fast-Fashion-Anbieter Shein in Frankreich wegen Problemen bei Retouren und Bestellungen mit einer Strafe von 22 Millionen Euro belegt worden. Davor hatte die franz\u00f6sische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbeh\u00f6rde bereits eine Strafe von 40 Millionen Euro gegen Shein wegen irref\u00fchrender Rabattangebote verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Gegen den chinesischen Onlinemarktplatz Temu wiederum hatte die EU-Kommission zuletzt Ende Mai wegen illegaler Produkte eine Strafe in H\u00f6he von 200 Millionen Euro ausgesprochen. Das Unternehmen habe die Risiken und Sch\u00e4den f\u00fcr Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ordnungsgem\u00e4\u00df bewertet und damit gegen den Digital Services Act versto\u00dfen.<\/p>\n<p>EU-Pauschalzoll zeigt Wirkung: Fernost-Paketvolumen schrumpft um -26%<\/p>\n<p>Positiv ist, dass der seit 1. Juli 2026 geltende EU-Pauschalzoll von drei Euro auf Kleinsendungen aus Drittstaaten bereits Wirkung zeigt: Seit 1. Juli ist das Paketvolumen aus Fernost laut Angaben der \u00d6sterreichischen Post um durchschnittlich 26% eingebrochen. Der EU-Pauschalzoll war ein wichtiger Etappensieg und erf\u00fcllt eine langj\u00e4hrige Forderung des Handelsverbands. Er sorgt f\u00fcr mehr Fairness im Onlinehandel und bremst die Paketflut aus Fernost zumindest kurzfristig. Allerdings kann er konsequentere Kontrollen und eine umfassende Plattformverantwortung nicht ersetzen.<\/p>\n<p>\u201eWir d\u00fcrfen uns keinen Illusionen hingeben. Die asiatischen Plattformen passen ihre Gesch\u00e4ftsmodelle bereits an, etwa durch neue Lager in der EU. Der R\u00fcckgang der Paketmengen ist daher nur eine Momentaufnahme\u201c, ist Harald Gutschi \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>\u201eDer Einsatz f\u00fcr ein Level Playing Field im E-Commerce ist ein Marathon, kein Sprint. Entscheidend bleiben konsequente Kontrollen, mehr Ressourcen f\u00fcr die Zollbeh\u00f6rden, die rasche Umsetzung des EU-Zolldatenzentrums und die l\u00fcckenlose Durchsetzung europ\u00e4ischer Regeln. Absolut kontraproduktiv ist hingegen die Einf\u00fchrung der nationalen Paketsteuer, die heimische Unternehmen garantiert belastet, w\u00e4hrend sich Anbieter aus Drittstaaten entziehen k\u00f6nnen\u201c, so Handelssprecher Rainer Will abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Den vollst\u00e4ndigen GAW-Report finden Sie <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.handelsverband.at\/presse\/presseaussendungen\/eu-pauschalzoll-zeigt-wirkung\/\">HIER<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Billig einkaufen, teuer bezahlen: Die rasant wachsenden Ums\u00e4tze der asiatischen Onlineplattformen Temu, AliExpress und Shein verursachen in \u00d6sterreich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":342685,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[26393,26395,1870,46,42,13614,2494,2764,44,26394,4114,269,43,45,1676,2330,1230,877],"class_list":["post-342684","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-oesterreich","tag-apa","tag-apa-ots","tag-arbeitsmarkt","tag-at","tag-austria","tag-e-commerce","tag-handel","tag-int-beziehungen","tag-oesterreich","tag-ots","tag-plattformen","tag-politik","tag-republic-of-austria","tag-republik-oesterreich","tag-retail","tag-steuern","tag-volkswirtschaft","tag-wirtschaft-und-finanzen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117120538245155860","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/342684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=342684"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/342684\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/342685"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=342684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=342684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=342684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}