{"id":343082,"date":"2026-08-19T09:34:12","date_gmt":"2026-08-19T09:34:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343082\/"},"modified":"2026-08-19T09:34:12","modified_gmt":"2026-08-19T09:34:12","slug":"ozempic-daempft-offenbar-auch-das-verlangen-nach-alkohol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343082\/","title":{"rendered":"Ozempic d\u00e4mpft offenbar auch das Verlangen nach Alkohol"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ozempic-daempft-offenbar-auch-das-verlangen-nach-alkohol.jpg\"   alt=\"Ozempic d\u00e4mpft offenbar auch das Verlangen nach Alkohol\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Als Wirkstoff hinter Ozempic hat Semaglutid vor allem beim Abnehmen f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die sogenannte Abnehmspritze offenbar auch das Verlangen nach Alkohol und anderen Suchtmitteln senken kann. Im Fokus steht dabei eine kleine Hirnregion namens Lateralseptum, die zwischen Gedanke und Handlung vermittelt. Ob sich daraus neue Therapien gegen Suchterkrankungen ergeben, pr\u00fcfen Forscher derzeit in mehreren Studien.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Ozempic ist als Mittel zum Abnehmen bekannt, doch das Pr\u00e4parat k\u00f6nnte weit mehr beeinflussen als nur das K\u00f6rpergewicht. Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Wirkstoff Semaglutid auch das Verlangen nach Alkohol und anderen Suchtmitteln d\u00e4mpfen kann. Im Mittelpunkt steht dabei eine kleine, wenig beachtete Hirnregion. Erste klinische Studien liefern nun konkrete Zahlen dazu, wie stark der Effekt tats\u00e4chlich ausf\u00e4llt. F\u00fcr die Behandlung von Suchterkrankungen k\u00f6nnte sich daraus ein v\u00f6llig neuer Ansatz ergeben.<\/p>\n<p>Hinter dem Handelsnamen Ozempic steckt der Wirkstoff Semaglutid, ein sogenannter GLP-1-Rezeptoragonist. Urspr\u00fcnglich wurde diese Substanzklasse zur Behandlung von Diabetes entwickelt und sp\u00e4ter wegen ihrer stark appetithemmenden Wirkung auch zum Abnehmen eingesetzt. Als Abnehmspritze hat das Pr\u00e4parat in den vergangenen Jahren eine enorme Verbreitung gefunden. Auff\u00e4llig war fr\u00fch, dass viele Anwender nicht nur weniger a\u00dfen, sondern nebenbei auch weniger zu Alkohol, Zigaretten oder anderen Genussmitteln griffen. Was zun\u00e4chst wie eine zuf\u00e4llige Randbeobachtung wirkte, hat die Forschung inzwischen zu einer ernst genommenen Fragestellung gemacht. Denn wenn ein Medikament gegen \u00dcbergewicht zugleich das Suchtverlangen senkt, ber\u00fchrt das eine der gr\u00f6\u00dften ungel\u00f6sten Herausforderungen der Medizin. Weltweit gehen jedes Jahr Millionen Todesf\u00e4lle auf Alkohol zur\u00fcck, und wirksame, breit einsetzbare Therapien gegen Abh\u00e4ngigkeit sind rar.<\/p>\n<p>Fachleute beschreiben das Ph\u00e4nomen gern mit einem Begriff, der aus der Ern\u00e4hrungsforschung stammt. Viele Betroffene berichten von einem st\u00e4ndigen inneren Rauschen rund ums Essen, dem sogenannten Food Noise, das unter der Behandlung leiser wird. Offenbar l\u00e4sst sich derselbe Effekt auf andere Belohnungen \u00fcbertragen, etwa auf das Verlangen nach einem Drink am Abend. Der GLP-1-Botenstoff wirkt n\u00e4mlich nicht nur im Darm auf S\u00e4ttigung und Insulin, sondern ist auch Teil eines Netzwerks zwischen Darm und Gehirn, das Belohnung, Motivation und Gewohnheiten steuert. Genau dieses Belohnungssystem gilt als Schl\u00fcssel, um zu verstehen, warum ein Stoffwechselmedikament das Suchtverlangen beeinflussen kann. Wo genau im Gehirn der entscheidende Schalter sitzt, ist Gegenstand intensiver Forschung, bei der eine bestimmte Struktur zuletzt in den Fokus ger\u00fcckt ist.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWarum Ozempic offenbar mehr als den Hunger bremst<\/p>\n<p>Als aussichtsreichster Kandidat f\u00fcr diesen Schalter gilt das Lateralseptum, eine vergleichsweise kleine Region tief im Gehirn. Sie ist dicht mit GLP-1-Rezeptoren besetzt und verbindet Erinnerungen und \u00e4u\u00dfere Reize mit belohnungsgetriebenem Verhalten. Vereinfacht gesagt vermittelt sie zwischen dem blo\u00dfen Gedanken an eine Belohnung und dem Drang, ihr auch tats\u00e4chlich nachzugeben. In Tierversuchen konnte ein Forschungsteam der Universit\u00e4t G\u00f6teborg zeigen, dass die gezielte Aktivierung der GLP-1-Rezeptoren im Lateralseptum die belohnende Wirkung von Alkohol abschw\u00e4cht und den Konsum senkt, wie in einer <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.ebiom.2025.105684\" title=\"Studie in EBioMedicine zum GLP-1-Schaltkreis im Lateralseptum und Alkoholkonsum\">Untersuchung zu diesem hemmenden Schaltkreis<\/a> dargelegt wird. Wurde die Region dagegen blockiert, stieg die Trinkmenge der Tiere an. Damit liefert die Grundlagenforschung erstmals eine plausible neuronale Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, wie die Abnehmspritze in die Steuerung von Verlangen eingreift.<\/p>\n<p>Was klinische Studien zum Suchtverlangen zeigen<\/p>\n<p>Ob sich diese Befunde auf den Menschen \u00fcbertragen lassen, pr\u00fcfen inzwischen mehrere kontrollierte Studien. In einer im Mai 2026 ver\u00f6ffentlichten Untersuchung erhielten 108 Erwachsene mit einer Alkoholabh\u00e4ngigkeit und zugleich starkem \u00dcbergewicht \u00fcber 26 Wochen entweder w\u00f6chentlich Semaglutid oder ein Scheinpr\u00e4parat, erg\u00e4nzt durch eine begleitende Verhaltenstherapie. Die Zahl der Tage mit starkem Alkoholkonsum sank in beiden Gruppen, unter Semaglutid jedoch deutlich st\u00e4rker, wie das <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/S0140-6736(26)00305-3\" title=\"Randomisierte Studie im Lancet zu Semaglutid bei Alkoholabh\u00e4ngigkeit und Adipositas\">im Fachjournal The Lancet dokumentierte Ergebnis<\/a> zeigt. Eine weitere Studie mit oral verabreichtem Semaglutid berichtete von einem geringeren allt\u00e4glichen Verlangen nach Alkohol, dem Gegenst\u00fcck zum bekannten Food Noise. Auch Hinweise auf einen selteneren Griff zu Nikotin oder Cannabis tauchten auf. Die Effekte waren messbar, aber moderat, und noch l\u00e4ngst nicht bei jedem gleich stark ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWo die Grenzen der Forschung liegen<\/p>\n<p>Bei aller Aufbruchstimmung mahnen Fachleute zur Vorsicht. Ein gro\u00dfer Teil der Belege stammt bislang aus Tierversuchen, und die klinischen Studien am Menschen sind meist klein, kurz und auf bestimmte Gruppen wie \u00dcbergewichtige zugeschnitten. Zusammenfassende Auswertungen mehrerer Studien fanden zudem nicht immer statistisch eindeutige Effekte auf Konsum und Verlangen, was f\u00fcr die Belastbarkeit der Ergebnisse wichtig ist. Semaglutid ist bislang nicht als Mittel gegen Suchterkrankungen zugelassen, entsprechende Zulassungsstudien der sp\u00e4ten Phase laufen erst. Klar ist damit vor allem, dass ein biologischer Ansatzpunkt existiert und sich gezielt beeinflussen l\u00e4sst, nicht aber, dass daraus schon eine fertige Therapie geworden w\u00e4re. \u00c4hnlich wie bei der Forschung zu Risikofaktoren, die zeigt, dass sich <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/fast-die-haelfte-aller-demenz-geht-auf-vermeidbare-risiken-zurueck-133712305\" title=\"Vermeidbare Risikofaktoren und ihr Einfluss auf das Gehirn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein erheblicher Teil von Demenzf\u00e4llen auf beeinflussbare Faktoren<\/a> zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, geht es auch hier um Wahrscheinlichkeiten und nicht um Garantien.<\/p>\n<p>Interessant ist der Ansatz auch deshalb, weil er zwei gro\u00dfe Volkskrankheiten zusammendenkt. \u00dcbergewicht und Suchterkrankungen treten h\u00e4ufig gemeinsam auf und verst\u00e4rken sich gegenseitig, etwa \u00fcber den Stoffwechsel und \u00fcber gemeinsame Schaltkreise im Belohnungssystem. Ein Wirkstoff, der an beiden Enden ansetzt, k\u00f6nnte deshalb doppelten Nutzen bringen, sofern sich die Wirkung in gro\u00dfen Studien best\u00e4tigt. Zugleich verschiebt die Debatte den Blick darauf, wie eng k\u00f6rperliche und seelische Prozesse verzahnt sind, ein Zusammenhang, der sich auch bei anderen Themen zeigt, etwa wenn ein <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/vitamin-d-mangel-verstaerkt-stille-entzuendungen-im-koerper-133712356\" title=\"Vitamin-D-Mangel, Stoffwechsel und stille Entz\u00fcndungen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mangel an Vitamin D mit stillen Entz\u00fcndungen im K\u00f6rper<\/a> in Verbindung gebracht wird. Bis die Abnehmspritze tats\u00e4chlich gegen Sucht verschrieben werden k\u00f6nnte, ist es allerdings noch ein weiter Weg.<\/p>\n<p>The Lancet, Once-weekly semaglutide versus placebo in patients with alcohol use disorder and comorbid obesity; doi:10.1016\/S0140-6736(26)00305-3<br \/>EBioMedicine, An inhibitory GLP-1 circuit in the lateral septum modulates reward processing and alcohol intake in rodents; doi:10.1016\/j.ebiom.2025.105684<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Als Wirkstoff hinter Ozempic hat Semaglutid vor allem beim Abnehmen f\u00fcr Aufsehen gesorgt. 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