{"id":343178,"date":"2026-08-19T10:33:13","date_gmt":"2026-08-19T10:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343178\/"},"modified":"2026-08-19T10:33:13","modified_gmt":"2026-08-19T10:33:13","slug":"wie-ki-zur-kulturellen-evolution-beitragen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343178\/","title":{"rendered":"Wie KI zur kulturellen Evolution beitragen kann"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcnstliche Intelligenz entwickelt zunehmend L\u00f6sungsstrategien, die au\u00dferhalb menschlicher Denk- und Suchmuster liegen. Eine internationale Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung zeigt erstmals, unter welchen Bedingungen solche maschinellen Entdeckungen nicht nur \u00fcbernommen, sondern langfristig Teil menschlichen Wissens und kultureller Evolution werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz kann L\u00f6sungen entwickeln, auf die Menschen allein kaum kommen w\u00fcrden. Doch was passiert, wenn Maschinen mehr tun, als nur einzelne Probleme zu l\u00f6sen und v\u00f6llig neue L\u00f6sungsstrategien entdecken? Und k\u00f6nnen solche Entdeckungen Teil menschlichen Wissens werden?<br \/>Ein Team des Forschungsbereichs Mensch und Maschine am Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung hat gemeinsam mit Forschenden der Toulouse School of Economics und der Humboldt Universit\u00e4t zu Berlin diese Frage erstmals experimentell untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Unter bestimmten Bedingungen k\u00f6nnen Menschen von Maschinen entdeckte Strategien nicht nur \u00fcbernehmen, sondern auch \u00fcber mehrere Generationen hinweg weitergeben und bewahren.<br \/>Ausgangspunkt der Studie war die Beobachtung, dass moderne KI-Systeme zunehmend Strategien entwickeln, die menschliche Expertinnen und Experten \u00fcberraschen. Bekannt geworden ist dieses Ph\u00e4nomen etwa durch KI-Systeme im Brettspiel Go oder Schach, die ungew\u00f6hnliche, aber besonders erfolgreiche Spielweisen fanden. Bisher war jedoch unklar, unter welchen Voraussetzungen solche maschinellen Entdeckungen dauerhaft Einfluss auf menschliches Denken und Handeln nehmen k\u00f6nnen.<br \/>Die Forschenden argumentieren, dass daf\u00fcr drei Bedingungen erf\u00fcllt sein m\u00fcssen: Die Strategie muss f\u00fcr Menschen zun\u00e4chst schwer zu entdecken sein, sie muss erlernbar bleiben und ihr Vorteil muss deutlich erkennbar sein. Nur dann kann sie sich in einer Gemeinschaft verbreiten und erhalten werden.<br \/>\u201eDie kulturelle Evolution des Menschen beruht darauf, dass Wissen \u00fcber viele Individuen und Generationen hinweg weitergegeben wird\u201c, sagt Erstautor Levin Brinkmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Mensch und Maschine des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung. \u201eWenn Maschinen nun neue Strategien entdecken, stellt sich die Frage, ob diese auch Teil des Wissens werden k\u00f6nnen, das Menschen weitergeben.\u201d<\/p>\n<p>Kulturelle Weitergabe im Experiment<br \/>Um ihre Hypothese zu testen, f\u00fchrten die Forschenden ein Verhaltensexperiment mit 1.155 Teilnehmenden durch. Diese sollten in speziell entwickelten Belohnungsnetzwerken m\u00f6glichst viele Punkte erzielen. Die Aufgabe war so gestaltet, dass die beste Strategie zun\u00e4chst kleine Verluste erforderte, um sp\u00e4ter deutlich h\u00f6here Gewinne zu erreichen. Damit widersprach sie einer typischen menschlichen Tendenz: kurzfristige Verluste m\u00f6glichst zu vermeiden.<br \/>Die Teilnehmenden waren in Gruppen organisiert, die \u00fcber mehrere Generationen hinweg voneinander lernten. Ein Teil der Gruppen bestand ausschlie\u00dflich aus Menschen. In anderen Gruppen waren zu Beginn zus\u00e4tzlich KI-Agenten vertreten. Diese hatten die Aufgabe zuvor mithilfe eines Lernalgorithmus bearbeitet und dabei die optimale Strategie entdeckt.<br \/>Die Teilnehmenden konnten erfolgreiche L\u00f6sungen aus der vorherigen Generation beobachten und f\u00fcr ihre eigene Entscheidung nutzen. So lie\u00df sich untersuchen, ob eine von Maschinen entdeckte Strategie von Menschen \u00fcbernommen, weitergegeben und langfristig erhalten wird.<\/p>\n<p>Menschen lernen von erfolgreichen Vorbildern<br \/>Das Ergebnis war eindeutig: In den Gruppen ohne KI wurde die optimale Strategie nahezu nie entdeckt. Von 600 Teilnehmenden fand nur eine Person eigenst\u00e4ndig den besten L\u00f6sungsweg. In den Gruppen mit KI dagegen breitete sich die von der Maschine entdeckte Strategie h\u00e4ufig aus und wurde \u00fcber mehrere Generationen hinweg erhalten. In neun von f\u00fcnfzehn Mensch-Maschine-Gruppen blieb die Strategie dauerhaft bestehen.<br \/>Die Teilnehmenden orientierten sich dabei stark an den erfolgreichsten Vorbildern. Die meisten w\u00e4hlten die Person oder den Agenten mit den besten Ergebnissen als Modell f\u00fcr ihr eigenes Verhalten. Auf diese Weise konnte sich die maschinell entdeckte Strategie kulturell verbreiten und erhalten.<\/p>\n<p>Neue Perspektive auf die Rolle von KI<br \/>Die Ergebnisse legen nahe, dass intelligente Maschinen k\u00fcnftig mehr sein k\u00f6nnten als reine Werkzeuge zur Automatisierung oder Berechnung. Wenn Maschinen L\u00f6sungsstrategien entdecken, die Menschen verstehen und weitergeben k\u00f6nnen, k\u00f6nnten sie langfristig zur Erweiterung menschlicher F\u00e4higkeiten beitragen. \u201eOft wird diskutiert, ob Menschen durch KI abh\u00e4ngiger werden. Unsere Ergebnisse zeigen eine andere M\u00f6glichkeit: Wenn maschinelle Entdeckungen nachvollziehbar sind, k\u00f6nnen sie Menschen bef\u00e4higen, neue F\u00e4higkeiten zu entwickeln, diese langfristig zu bewahren und unser kulturelles Repertoire zu erweitern\u201c, sagt Thomas Eisenmann, Co-Erstautor der Studie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Mensch und Maschine des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung.<br \/>Diese Studie liefert empirische Belege f\u00fcr das Konzept der Maschinenkultur. Viele der fortschrittlichsten F\u00e4higkeiten moderner KI-Systeme beruhen darauf, dass Maschinen menschliches Wissen und kulturelle Inhalte erlernen. Gro\u00dfe Sprachmodelle etwa, die auf gewaltigen Mengen von Texten trainiert werden, die Menschen verfasst haben, k\u00f6nnen zu nahezu jedem Thema fl\u00fcssige Texte erzeugen und neue Ideen entwickeln. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass dieser Wissensfluss keine Einbahnstra\u00dfe ist: Auch Menschen k\u00f6nnen ihre F\u00e4higkeiten erweitern, indem sie auf Entdeckungen und Erkenntnisse von Maschinen aufbauen. Dies weist auf den Beginn eines Zeitalters der Maschinenkultur hin, in dem Menschen und Maschinen in einem gemeinsamen kulturellen Evolutionsprozess miteinander verbunden sind \u2013 beide liefern Impulse f\u00fcr Innovationen und beide k\u00f6nnen auf den Entdeckungen des jeweils anderen aufbauen.<\/p>\n<p>Auf einen Blick:<\/p>\n<p>Maschinen als Entdecker: KI-Systeme k\u00f6nnen L\u00f6sungsstrategien finden, die au\u00dferhalb typischer menschlicher Denk- und Suchmuster liegen.Mehr als ein Werkzeug: Ob eine maschinelle Entdeckung dauerhaft Wirkung entfaltet, h\u00e4ngt davon ab, ob Menschen ihren Nutzen erkennen und die Strategie erlernen k\u00f6nnen.Experiment mit Lernketten: In einem Verhaltensexperiment lernten Menschen entweder voneinander oder indirekt von KI-Systemen, die zuvor eine besonders erfolgreiche Strategie entdeckt hatten.Dauerhafte Weitergabe: In den meisten Gruppen mit KI-Beteiligung wurde die maschinell entdeckte Strategie \u00fcber mehrere Generationen von Teilnehmenden hinweg erhalten.Bedeutung f\u00fcr die Zukunft: Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie intelligente Maschinen menschliches Wissen und kulturelle Entwicklungen langfristig beeinflussen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news876042\" title=\"Open external link in new window\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/idw-online.de\/de\/news876042<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz entwickelt zunehmend L\u00f6sungsstrategien, die au\u00dferhalb menschlicher Denk- und Suchmuster liegen. Eine internationale Studie unter Leitung des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":343179,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[16],"tags":[24820,46,42,24821,24822,16958,24823,24824,24825,44,24826,632,24827,3431,24693,97,96,24828,24829,8419,101,98,24830,24831,100,99],"class_list":["post-343178","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-arbeitspsychologie","tag-at","tag-austria","tag-betriebspsychologie","tag-forensik","tag-lebenshilfe","tag-medienpsychologie","tag-medizinische-psychologie","tag-organisationspsychologie","tag-oesterreich","tag-psychoanalyse","tag-psychologie","tag-psychosomatik","tag-psychotherapie","tag-rehabilitation","tag-science","tag-science-technology","tag-sozialpsychologie","tag-sozialwissenschaften","tag-sucht","tag-technik","tag-technology","tag-verhaltenstherapie","tag-wirtschaftspsychologie","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117121725467964039","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=343178"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343178\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/343179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=343178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=343178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=343178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}