{"id":343562,"date":"2026-08-19T14:19:20","date_gmt":"2026-08-19T14:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343562\/"},"modified":"2026-08-19T14:19:20","modified_gmt":"2026-08-19T14:19:20","slug":"cannabis-und-herzrhythmus-was-die-ucsf-studie-zeigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/343562\/","title":{"rendered":"Cannabis und Herzrhythmus: Was die UCSF-Studie zeigt"},"content":{"rendered":"<p>\u23f1 6 Min. Lesezeit\u00b71.021 W\u00f6rter<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Untersuchung der University of California in San Francisco hat gemessen, was inhaliertes Cannabis kurzfristig mit dem Herzrhythmus macht. Das Ergebnis fiel anders aus als erwartet. An Konsumtagen registrierten die Messger\u00e4te rund 9 Prozent weniger Extraschl\u00e4ge als an Abstinenztagen. Die Arbeit erschien am 12. August 2026 im Journal of the American College of Cardiology.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nur die Schlagzeilen dazu liest, bekommt allerdings ein verzerrtes Bild. Der Effekt betrifft nur eine bestimmte Art von Extraschl\u00e4gen. Die Forschungsgruppe selbst warnt ausdr\u00fccklich vor der Deutung, Cannabis sei damit gut f\u00fcr das Herz.<\/p>\n<p>Ein Studiendesign, das sich selbst kontrolliert<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-tragbares-ekg-messgeraet-zur-langzeit-uebe-inline_0-82219-1024x572.jpg\" alt=\"Tragbares EKG-Messger\u00e4t zur Langzeit-\u00dcberwachung des Herzrhythmus\" class=\"wp-image-82222\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeitsgruppe um den Erstautor Adi Elias und den Kardiologen Gregory Marcus rekrutierte 108 erwachsene Gewohnheitskonsumenten. Das Durchschnittsalter lag bei 32 Jahren, 59 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen. Keine der Personen hatte eine diagnostizierte Herzrhythmusst\u00f6rung in der Vorgeschichte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ganjafarmer.de?utm_source=hanfm&amp;utm_medium=baner&amp;utm_campaign=code-hanf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener sponsored nofollow\" data-ad-id=\"75262\" data-ad-position=\"in-content\" data-ad-name=\"GanjaFarmer\" class=\"hanf-ad-link\" data-wpel-link=\"external\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hanf-magazine-anim_baner-620x150-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:100%;max-width:1240px;height:auto;display:block;margin:0 auto;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-desktop\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hanf-magazine-anim_baner-600x600-1.gif\" alt=\"GanjaFarmer\" style=\"width:300px;height:250px;object-fit:contain;\" class=\"hanf-ad-img-mobile\" loading=\"lazy\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber 14 Tage erhielt jede Person jeden Morgen eine Textnachricht mit der Zuteilung f\u00fcr diesen Tag. Sie lautete entweder Cannabis inhalieren oder abstinent bleiben. Die Zuteilung erfolgte zuf\u00e4llig. Am Ende standen 713 zugeloste Konsumtage den 616 Abstinenztagen gegen\u00fcber. W\u00e4hrenddessen trugen die Teilnehmenden ein EKG-Aufzeichnungsger\u00e4t, einen Schlaf- und Aktivit\u00e4tstracker sowie einen Glukosesensor.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Crossover-Design ist der eigentliche Wert der Arbeit. Jede Person dient als ihre eigene Kontrollgruppe. Damit fallen viele St\u00f6rfaktoren weg, die Beobachtungsstudien zu Cannabis seit Jahren belasten, etwa Rauchgewohnheiten oder die soziale Lage.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"775\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-anatomisches-herzmodell-im-querschnitt-m-inline_1-82219-1024x775.jpg\" alt=\"Anatomisches Herzmodell im Querschnitt mit Vorh\u00f6fen und Kammern\" class=\"wp-image-82223\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber alle Extraschl\u00e4ge hinweg sank die Rate an Konsumtagen um 9 Prozent. Das Rate Ratio betrug 0,91 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,85 bis 0,98 und einem p-Wert von 0,02. Dieser Gesamtwert entsteht jedoch fast vollst\u00e4ndig durch eine einzige Untergruppe.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorzeitigen Vorhofkontraktionen, im Fachjargon PAC genannt, gingen um 10 Prozent zur\u00fcck. Bei den vorzeitigen Kammerkontraktionen, den PVC, fand sich dagegen kein statistisch bedeutsamer Unterschied. Genau diese Unterscheidung geht in vielen Sekund\u00e4rberichten verloren. Mehrere Meldungen sprechen pauschal von weniger Kammerextrasystolen, obwohl die Studie dazu nichts belegt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied ist medizinisch nicht belanglos. H\u00e4ufige Vorhofextrasystolen gelten als Vorbote von Vorhofflimmern. Kammerextrasystolen werden anders bewertet und in bestimmter H\u00e4ufung mit einer Schw\u00e4chung der Pumpleistung in Verbindung gebracht. Wer beide Kategorien vermischt, macht aus einem eng begrenzten Messbefund eine Aussage \u00fcber die Herzgesundheit insgesamt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den weiteren erfassten Gr\u00f6\u00dfen zeigte sich nichts. Schrittzahl, Schlafdauer und Glukosewerte unterschieden sich zwischen Konsum- und Abstinenztagen nicht bedeutsam.<\/p>\n<p>Die Forschenden widersprechen ihrer eigenen Hypothese<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gregory Marcus, der an der UCSF eine Stiftungsprofessur zur Vorhofflimmern-Forschung innehat, ordnete das Ergebnis ungew\u00f6hnlich offen ein. Die Gruppe sei \u00fcberrascht gewesen, weil die Daten der urspr\u00fcnglichen Annahme widersprachen. Erwartet worden war eine Zunahme der Extraschl\u00e4ge.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig zog Marcus eine klare Grenze. Die Gesamtwirkung von inhaliertem Cannabis auf die Gesundheit k\u00f6nne unter dem Strich weiterhin negativ ausfallen. Der Befund lege lediglich nahe, dass sich an der Substanz etwas \u00fcber biologische Mechanismen lernen lasse.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zur\u00fcckhaltung ist angebracht. Die Studie erfasst nur akute Effekte \u00fcber 14 Tage. Eingeschlossen waren dabei ausschlie\u00dflich Menschen, die ohnehin regelm\u00e4\u00dfig konsumieren. \u00dcber Langzeitfolgen und \u00fcber Menschen mit einer bestehenden Herzerkrankung sagt sie nichts. Wie schwer sich aus einzelnen Messwerten belastbare Schl\u00fcsse ziehen lassen, zeigt sich auch bei der Frage, <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/recht\/rechtslage-oesterreich\/24-drogenlenker-nach-dem-szene-openair-was-vortests-wirklich-beweisen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">was Drogenvortests im Stra\u00dfenverkehr tats\u00e4chlich beweisen<\/a>.<\/p>\n<p>Wie sich der Befund in die bisherige Forschung einf\u00fcgt<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"572\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/hm-forschungsarbeiten-zu-cannabis-und-herz-inline_2-82219-1024x572.jpg\" alt=\"Forschungsarbeiten zu Cannabis und Herz-Kreislauf-System auf Labortisch\" class=\"wp-image-82224\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studienlage zu Cannabis und Herz-Kreislauf-System ist widerspr\u00fcchlich. Beobachtungsdaten verbanden den t\u00e4glichen Konsum wiederholt mit einem <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/erhoehtes-risiko-fuer-koronare-herzkrankheiten-bei-taeglichem-cannabiskonsum\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr koronare Herzkrankheiten<\/a>. Eine \u00e4ltere Auswertung beschrieb bei Konsumierenden dagegen eine <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/cannabiskonsum-fuehrt-zu-niedriger-ruheherzfrequenz\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">niedrigere Ruheherzfrequenz<\/a>. Im therapeutischen Bereich l\u00e4uft zudem die Pr\u00fcfung von Cannabidiol bei <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/medizin\/cannabinoide\/cbd-in-der-medizin\/cbd-perikarditis-phase-2-studie-einordnung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wiederkehrender Herzbeutelentz\u00fcndung<\/a>.<\/p>\n<p>\ud83c\udf3f Fragen zu diesem Thema? Schreib einfach los \u2014 ich helfe dir!<\/p>\n<p>  Senden<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr den Chat! \ud83d\ude0a Abonniere unseren Newsletter f\u00fcr mehr:<\/p>\n<p> <a href=\"#hanf-newsletter-cta\" class=\"hanf-buddy-btn\" onclick=\"document.getElementById('hanf-newsletter-cta')?.scrollIntoView({behavior:'smooth'})\">Zum Newsletter<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der neue Befund passt in dieses uneinheitliche Bild. Er widerlegt keine der bisherigen Risikoannahmen, weil er einen anderen Endpunkt misst. \u00c4hnlich vorsichtig war zuletzt eine Auswertung zu <a href=\"https:\/\/www.hanf-magazin.com\/wissenschaft\/studien\/cannabis-und-klinikeinweisungen-studie-sieht-moderaten-anstieg-bei-erwachsenen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cannabis und Klinikeinweisungen<\/a> einzuordnen. Er zeigt vor allem, dass die akute Wirkung auf die elektrische Aktivit\u00e4t des Herzens komplexer ist als unterstellt.<\/p>\n<p>Was Patientinnen und Patienten daraus ableiten k\u00f6nnen<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis in Deutschland folgt daraus zun\u00e4chst wenig. Die Arbeit ist keine Therapiestudie, und sie liefert keine Grundlage f\u00fcr eine Anwendung bei Herzrhythmusst\u00f6rungen. Wer eine Herzerkrankung hat und Cannabis medizinisch nutzt oder nutzen m\u00f6chte, kl\u00e4rt das weiterhin mit der behandelnden \u00c4rztin oder dem behandelnden Arzt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Punkt betrifft die Konsumform. Die Studie fasst das Rauchen und das Verdampfen unter dem Begriff des Inhalierens zusammen und trennt die beiden Wege nicht. F\u00fcr eine Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos ist das relevant, weil die Verbrennungsprodukte eigenst\u00e4ndige Risiken tragen. Diese Frage bleibt offen.<\/p>\n<p>\u2713<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr deine Stimme!<\/p>\n<p>H\u00e4ufige FragenBedeutet die Studie, dass Cannabis gut f\u00fcr das Herz ist?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Die Untersuchung misst einen eng begrenzten akuten Effekt auf die Zahl der Extraschl\u00e4ge \u00fcber 14 Tage. Der Studienleiter betont ausdr\u00fccklich, dass die Gesamtwirkung auf die Gesundheit weiterhin negativ ausfallen kann. Eine Aussage \u00fcber einen langfristigen Nutzen f\u00fcr das Herz l\u00e4sst sich daraus nicht ableiten.<\/p>\n<p>Was ist der Unterschied zwischen Vorhof- und Kammerextrasystolen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorhofextrasystolen entstehen in den Vorh\u00f6fen des Herzens. In gro\u00dfer H\u00e4ufigkeit gelten sie als Hinweis auf ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Vorhofflimmern. Kammerextrasystolen entstehen in den Herzkammern und werden medizinisch anders bewertet. Die Studie fand nur bei den Vorhofextrasystolen einen bedeutsamen R\u00fcckgang.<\/p>\n<p>Wie zuverl\u00e4ssig ist ein Ergebnis mit 108 Teilnehmenden?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Teilnehmerzahl ist \u00fcberschaubar, das Design gleicht das jedoch teilweise aus. Weil jede Person an manchen Tagen konsumierte und an anderen abstinent blieb, dient sie als ihre eigene Vergleichsgruppe. F\u00fcr Langzeitaussagen reicht der Zeitraum von 14 Tagen dennoch nicht.<\/p>\n<p>Gilt der Befund auch f\u00fcr Gelegenheitskonsumenten?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist offen. Eingeschlossen wurden ausschlie\u00dflich Menschen, die regelm\u00e4\u00dfig rauchen oder verdampfen. Bei einem Gelegenheitskonsum kann die akute Wirkung auf den Herzrhythmus anders ausfallen. Die Studie liefert dazu keine Daten.<\/p>\n<p>\u00c4ndert sich dadurch etwas an der \u00e4rztlichen Verordnung in Deutschland?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Medizinalcannabis wird in Deutschland nicht bei Herzrhythmusst\u00f6rungen verordnet, und die Studie \u00e4ndert daran nichts. Sie ist als Grundlagenforschung zu verstehen und richtet sich an die kardiologische Fachdiskussion, nicht an die Verordnungspraxis.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: Elias A. und andere, \u201eAcute Effects of Cannabis Inhalation on Cardiac Ectopy, Physical Activity, Sleep, and Glucose\u201c, Journal of the American College of Cardiology, August 2026, DOI 10.1016\/j.jacc.2026.07.014; University of California San Francisco, Division of Cardiology.<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 5px;font-size:18px;font-weight:700;color:#1a4b22;\">Branchen-Update<\/p>\n<p style=\"margin:0 0 12px;font-size:13px;color:#666;\">News, Analysen und Reportagen \u2014 mehrmals im Monat direkt in dein Postfach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u23f1 6 Min. 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