{"id":344234,"date":"2026-08-19T21:20:11","date_gmt":"2026-08-19T21:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/344234\/"},"modified":"2026-08-19T21:20:11","modified_gmt":"2026-08-19T21:20:11","slug":"kunst-verstehen-niemals-aufgeben-subtext-at","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/344234\/","title":{"rendered":"Kunst verstehen? Niemals aufgeben! &#8211; subtext.at"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Jakob Schwerdtfeger macht aus 1000 Jahren Kunstgeschichte einen Plauderton mit Tiefgang. Sein neues Buch nimmt dich an die Hand, ganz ohne erhobenen Zeigefinger, und erkl\u00e4rt Epochen so, dass du sie dir tats\u00e4chlich merkst und beim n\u00e4chsten Museumsbesuch auch wirklich etwas damit anfangen kannst.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du stehst vor einem Werk der Moderne und denkst: \u201eDas k\u00f6nnte ich auch!\u201c Aber du hast es nicht gemacht. Die Idee hattest nicht du, die Intention auch nicht, und wahrscheinlich fehlt dir sowieso das handwerkliche K\u00f6nnen und der Raum zum Arbeiten. Die \u00dcberzeugung bleibt trotzdem: Das ist doch nichts Besonderes.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Marcel Duchamp vor gut 100 Jahren begann, Alltagsgegenst\u00e4nde einfach zur Kunst zu erkl\u00e4ren, wurde diese Haltung erst recht best\u00e4rkt. Die Idee war oft wichtiger als das, was man tats\u00e4chlich sah, manchmal blieb nur mehr eine Anleitung \u00fcbrig. Wer nur betrachtet, langweilt sich schnell dabei. Wer sich einl\u00e4sst, wird zum Mitmacher, und dann wird es interessant. Kunstgeschichte beginnt aber nicht erst bei Duchamp, sondern rund 1000 Jahre fr\u00fcher. Wer sich darauf einl\u00e4sst, findet auch den n\u00e4chsten Museumsbesuch spannender. Genau dabei will Schwerdtfegers neues Buch helfen.<\/p>\n<p>Ein Ritt durch 1000 Jahre<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Buch selbst steckt ein Zeitstrahl, der gleich in den Buchdeckeln beginnt. Er zeigt, wie die Epochen von der Romanik bis zur Konzeptkunst ineinandergreifen. Vor allem ab dem 19. Jahrhundert wird es un\u00fcbersichtlich \u2013 genau das macht der Zeitstrahl sichtbar. Geschrieben ist das Ganze im Plauderton, stellenweise fast flapsig. Das macht das Buch niederschwelliger und lustiger, als man es von einem Sachbuch erwarten w\u00fcrde. Kein Wunder, Schwerdtfeger tritt auch als Comedian auf. Trotzdem merkt man auf jeder Seite, wie viel Recherche dahintersteckt. Hier schreibt jemand mit abgeschlossenem Kunstgeschichte-Studium. Viele Abbildungen machen das Erkl\u00e4rte greifbar. Dazwischen sitzen Fun-Facts, Zitate, Infoboxen und kurze Zusammenfassungen in Stichworten, die den Text auflockern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viel Arbeit tats\u00e4chlich drinsteckt, erz\u00e4hlt Schwerdtfeger selbst auf Instagram. Urspr\u00fcnglich hatte er dem Verlag ein ganz anderes Konzept vorgeschlagen: Kunst nach Themen zu sortieren, etwa Essen in der Kunst oder Tod in der Kunst. Nach einem Kapitel merkte er, dass sich das Prinzip schnell abnutzt. Also warf er alles \u00fcber den Haufen und begann noch einmal von vorn \u2013 diesmal mit dem Epochen-\u00dcberblick, den es jetzt gibt. Recherchiert hat er in der Bibliothek oder manchmal auch Backstage vor seinen eigenen Shows, immer mit der Sorge, ob sich das Pensum \u00fcberhaupt ausgeht. <\/p>\n<p>Wo waren die K\u00fcnstlerinnen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im NDR-Interview erz\u00e4hlt Schwerdtfeger, wie bewusst er das angegangen ist. In jede Epoche wollte er mindestens eine, besser zwei K\u00fcnstlerinnen einbauen \u2013 auch wenn er viele ihrer Namen vor der Recherche selbst nicht kannte. Sein eigenes Studium, sagt er, habe oft den Eindruck vermittelt, Kunstgeschichte bestehe fast nur aus M\u00e4nnern. Der Grund daf\u00fcr ist strukturell. Frauen hatten keinen Zugang zu Akademien und mussten sich teuren Privatunterricht leisten. \u00d6ffentliche, gut bezahlte Auftr\u00e4ge bekamen sie kaum. Ihnen wurde, so Schwerdtfeger, das gro\u00dfe Genie grunds\u00e4tzlich abgesprochen. Viele beschr\u00e4nkten sich deshalb auf kleinere Formate wie Stillleben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant findet er aber auch die Kehrseite: Weil der Markt K\u00fcnstlerinnen keine feste Marke zugestand, waren sie oft experimentierfreudiger als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Ein Beispiel, das er selbst gern erz\u00e4hlt: Die Malerin Rosa Bonheur verkleidete sich Mitte des 19. Jahrhunderts als Mann, um auf Viehm\u00e4rkten Tiere studieren zu k\u00f6nnen. F\u00fcr die Hose, die sie dabei trug, brauchte sie eine offizielle Erlaubnis der Polizei.<\/p>\n<p>Wer ist Jakob Schwerdtfeger?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jakob Schwerdtfeger, geboren 1988, kommt aus der Kunstwelt. Mehrere Jahre hat der Kunsthistoriker im Frankfurter St\u00e4del-Museum gearbeitet. Ein Digitorial \u00fcber Monet, an dem er mitgewirkt hat, wurde sp\u00e4ter mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Seit 2012 steht er auch auf der B\u00fchne, aktuell mit seinem Programm \u203aMeisterwerk\u2039. F\u00fcr den Kunstpalast D\u00fcsseldorf moderiert er die Videoreihe \u203aKunstklick\u2039, f\u00fcr die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe den Podcast \u203aKunstsnack\u2039. Seine kurzen Kunstvideos werden auf Social Media millionenfach angeschaut. Schwerdtfeger lebt in Frankfurt am Main. Sein erstes Buch, \u203aIch sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst\u2039, haben wir <a href=\"https:\/\/www.subtext.at\/2023\/11\/kunst-entdecken-aber-anders\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">2023 hier rezensiert<\/a>.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwerdtfeger schafft, woran viele \u00dcberblickswerke scheitern: Er macht 1000 Jahre Kunstgeschichte lesbar, ohne sie zu verflachen. Wer sich auf den Plauderton einl\u00e4sst, merkt schnell, dass dahinter ein fundiertes Studium steckt. Man geht mit einem Museumsbesuch im Kopf aus dem Buch. Genau das war die Ausgangsfrage: Wie wird aus einem Betrachter ein Mitmacher? Bei diesem Buch klappt es.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Buchcover Jakob Schwerdtfeger\" class=\"wp-image-104802 size-full\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/9783423285360-664x1024.webp\"\/><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/9783423285360-664x1024.webp\" alt=\"Buchcover Jakob Schwerdtfeger\" class=\"wp-image-104802 size-full\"  \/><br \/>\nPunkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Jakob Schwerdtfeger<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">dtv Verlag<br \/>272 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u20ac 25,70 \u2013 <a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/punkt-punkt-komma-strich-fertig-ist-die-kunstgeschicht-28536\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">jetzt bestellen<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/cdn.dtv.de\/media\/b5\/a7\/77\/1761295028\/9783423285360.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Zur Leseprobe<\/a><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Disclaimer:\u00a0Wir bekommen f\u00fcr die Artikel keine Bezahlung und verdienen auch nichts an Affiliate-Links. Aber wir unterst\u00fctzen gerne den lokalen Buchhandel und empfehlen, nicht bei Amazon zu kaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jakob Schwerdtfeger macht aus 1000 Jahren Kunstgeschichte einen Plauderton mit Tiefgang. 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