{"id":347348,"date":"2026-08-21T09:56:09","date_gmt":"2026-08-21T09:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/347348\/"},"modified":"2026-08-21T09:56:09","modified_gmt":"2026-08-21T09:56:09","slug":"nervensystem-regulation-was-ein-experte-bei-stress-empfiehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/347348\/","title":{"rendered":"Nervensystem-Regulation: Was ein Experte bei Stress empfiehlt"},"content":{"rendered":"<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Ersch\u00f6pft, gereizt, schlecht geschlafen? Auf Social Media gibt es darauf eine einfache Antwort: Es liegt am Nervensystem! Ein Neurowissenschaftler erkl\u00e4rt, warum der Trend der Nervensystem-Regulation alles andere als neu ist und warum sich so viele Menschen permanent gestresst f\u00fchlen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Wellness, das hie\u00df einst: ein paar Kerzen an, dazu eine Gesichtsmaske, vielleicht ein Lavendelbad am Sonntagabend. F\u00fcr viele Menschen sieht Selbstf\u00fcrsorge mittlerweile anders aus.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Wer auf sich achtet, kennt seinen Cortisolspiegel, f\u00fcttert sein Mikrobiom mit Probiotika und l\u00e4sst sich vom Fitnesstracker am Handgelenk nicht nur sagen, ob er sich genug bewegt hat, sondern auch, ob der Schlaf wirklich erholsam war. Geatmet wird nach Anleitung, geduscht am besten kalt.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Davon profitiert, so hei\u00dft es zumindest auf <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42386406.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/unterhaltung\/thema\/instagram\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Instagram<\/a> und <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42386406.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/wirtschaft\/thema\/tiktok\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">TikTok<\/a>, das Nervensystem. Ist dieses System aus der Balance geraten (oft hei\u00dft es auch: &#8222;dysreguliert&#8220;), soll es verantwortlich f\u00fcr allerlei Beschwerden sein: M\u00fcdigkeit, Gereiztheit, Verdauungsprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Aber was bedeutet es eigentlich, wenn ein Nervensystem &#8222;dysreguliert&#8220; ist? Und ist es wirklich m\u00f6glich, es selbst wieder in Balance zu bringen?<\/p>\n<p>Altes Problem im neuen Gewand<\/p>\n<p data-speakable=\"\">&#8222;Der Begriff der Nervensystem-Regulation existiert auch in der Neurowissenschaft&#8220;, sagt der Neurowissenschaftler Nils Kroemer im Gespr\u00e4ch mit unserer Redaktion. &#8222;Die Frage ist nur, was man sich konkret darunter vorstellt.&#8220; In der Wellness-Branche sei zu beobachten, dass klassische Stressmanagement-Techniken mit wissenschaftlich klingenden Begriffen aufgewertet w\u00fcrden: &#8222;Man sagt nicht, dass man Atem\u00fcbungen macht, sondern dass man lernt, sein Nervensystem zu regulieren. Das klingt einfach ein bisschen fortgeschrittener.&#8220;<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Im Grunde beschreibt Nervensystem-Regulation heute also das, was man fr\u00fcher schlicht als Stressbew\u00e4ltigung bezeichnete: Man nutzt verschiedene Wege und Methoden, um einen aufgeregten K\u00f6rper wieder in Richtung Erholung zu bewegen. Neu sind daran vor allem das Vokabular und der Markt, der sich daraus entwickelt hat.<\/p>\n<p>So funktioniert unser Nervensystem<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Der Kerngedanke hinter Regulations-Hacks ist also weder neu noch falsch. Kroemer best\u00e4tigt, dass wir durch Interventionen, wie beispielsweise Atem\u00fcbungen, unser vegetatives Nervensystem beeinflussen k\u00f6nnen. Es wird auch autonomes Nervensystem genannt, weil es K\u00f6rperfunktionen steuert, die nicht willentlich ablaufen: Herzschlag, Atmung, Verdauung oder Schwitzen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Was im autonomen Nervensystem passiert, steuern zwei Gegenspieler: Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Entspannung). \u00dcber den Vagusnerv ist das autonome Nervensystem eng mit dem zentralen Nervensystem verkn\u00fcpft. &#8222;Diese Systeme agieren nicht unabh\u00e4ngig voneinander, sondern stehen immer in einem Wechselspiel&#8220;, erkl\u00e4rt Kroemer. Wie sie sich beeinflussen, zeigt ein Beispiel aus unserem Alltag: unsere Atmung. Wer langsam atmet, beruhigt sich. Wer hyperventiliert, wird dagegen noch aufgeregter.<\/p>\n<p>Dysreguliertes Nervensystem ist messbar<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Problematisch wird es, wenn der Sympathikus im K\u00f6rper dauerhaft die Kontrolle \u00fcbernimmt. Dann sind Herzschlag und Blutdruck dauerhaft erh\u00f6ht, Stresshormone werden ausgesch\u00fcttet, die Atmung wird flacher. Wir befinden uns in einem Zustand von chronischem <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42386406.content.textlink_3\" data-component-path=\"content.textlink_3\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/unterhaltung\/thema\/stress\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stress<\/a>.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Tritt dieser Zustand ein, ist unser Nervensystem tats\u00e4chlich aus der Balance geraten. Messbar ist das beispielsweise \u00fcber Werte wie die Herzrate und Herzratenvariabilit\u00e4t. Sind wir angespannt, steigt die Herzrate normalerweise an, w\u00e4hrend die Herzratenvariabilit\u00e4t sinkt. In Ruhe dagegen gilt eine h\u00f6here Herzratenvariabilit\u00e4t als Hinweis darauf, dass der K\u00f6rper besser in einen Erholungszustand findet. Auch der Hautleitwiderstand, den manche Fitnessuhren messen, kann Hinweise auf die sympathische Erregung im K\u00f6rper geben.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">\u00c4hnliche physiologische Ver\u00e4nderungen zeigen sich auch bei psychischen Erkrankungen, wie Depressionen oder Burnout. &#8222;Das bedeutet aber nicht, dass Betroffene ihr Nervensystem nur &#8218;richtig regulieren&#8216; m\u00fcssen, um wieder gesund zu werden&#8220;, warnt Kroemer. Solche Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten Betroffene zwar unterst\u00fctzen, aber sie ersetzen niemals eine professionelle Behandlung.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Gleichzeitig warnt der Neurowissenschaftler davor, jede Form von Unruhe und Unwohlsein im Alltag gleich als dysreguliertes Nervensystem zu bezeichnen. F\u00fchlt man sich st\u00e4ndig gestresst, gibt es daf\u00fcr zwei Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Entweder: Der K\u00f6rper hat tats\u00e4chlich nicht die Ressourcen, sich angemessen zu erholen. Oder: Das Nervensystem ist eigentlich v\u00f6llig in Ordnung, aber die Umwelt und die Stressoren darin \u00fcberfordern uns. &#8222;Und das sieht erst mal gleich aus&#8220;, so Kroemer. &#8222;Aber nur weil wir uns \u00fcberfordert f\u00fchlen, muss das Problem nicht in unserem Nervensystem liegen.&#8220;<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Testen k\u00f6nne man das, indem man <a data-brain-zone=\".42386406.content.textlink_4\" data-component-path=\"content.textlink_4\" data-component-name=\"link.editorial\" href=\"https:\/\/www.gmx.at\/magazine\/gesundheit\/leisure-sickness-menschen-urlaub-krank-42625478\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umweltstressoren aus dem Alltag entferne, beispielsweise im Urlaub<\/a>. Ist man nach der Auszeit noch genauso unter Strom wie zuvor, k\u00f6nnte auch eine physiologische Ursache vorliegen, die man gegebenenfalls \u00e4rztlich abkl\u00e4ren lassen sollte.<\/p>\n<p>&#8222;Das wird untersch\u00e4tzt&#8220;: Das sind die gr\u00f6\u00dften Hebel <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Befragungen zeigen, dass die subjektive Stressbelastung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. &#8222;Unsere Physiologie hat sich in dieser Zeit aber nicht so stark ver\u00e4ndert wie unsere Umwelt&#8220;, erkl\u00e4rt Kroemer. Wahrscheinlicher sei es also, dass nicht das Nervensystem die Ursache f\u00fcr unsere Stressbelastung ist, sondern die Bedingungen, unter denen es funktionieren muss: soziale Medien, Smartphones, dauernde Erreichbarkeit, eine niemals endende Informationsflut, um nur einige zu nennen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Ein deutlich gr\u00f6\u00dferer Hebel als einzelne Nervensystem-Hacks sind laut Kroemer konkrete Ver\u00e4nderungen im Alltag: echte Ruhephasen ohne Handy und Laptop, ausreichend erholsamer Schlaf, eine ausgewogene Ern\u00e4hrung und regelm\u00e4\u00dfige Bewegung. &#8222;Das klingt vielleicht trivial, aber diese Faktoren sind essenziell f\u00fcr die Funktion unseres Nervensystems und dass wir gut mit Belastungen umgehen k\u00f6nnen&#8220;, sagt Kroemer. &#8222;Einfach mal 10, 15 Minuten wirklich nichts tun und Langeweile haben \u2013 das wird untersch\u00e4tzt.&#8220;<\/p>\n<p>Routine und Selbstwirksamkeit <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Was darf man also realistisch von Atem\u00fcbungen, kalten Duschen oder progressiver Muskelentspannung erwarten? &#8222;Bei einer Person, die prinzipiell gesund ist und gerade eine anstrengende Phase mitmacht, k\u00f6nnen solche Dinge helfen, in der akuten Stresssituation besser mit der Belastung umzugehen&#8220;, erkl\u00e4rt der Forscher.<\/p>\n<p>Empfohlenes Video<\/p>\n<p>Weniger als sieben Stunden: Besonders eine Gruppe Menschen schl\u00e4ft zu kurz<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1787306169_469_korrektur-vierte-betroffen-schlaf-ungesund.jpg\" alt=\"KORREKTUR! Jeder Vierte betroffen \u2013 zu wenig Schlaf ist ungesund\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\u00a9 bitprojects<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Erwarten darf man eher kleine, unterst\u00fctzende Effekte, aber keinen Reset des Nervensystems \u2013 zumal Studien (wie <a target=\"_blank\" data-brain-zone=\".42386406.content.textlink_5\" data-component-path=\"content.textlink_5\" data-component-name=\"link.external\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamainternalmedicine\/fullarticle\/1809754\">diese<\/a>) zeigen, dass die Wirkung solcher Interventionen h\u00e4ufig nicht viel gr\u00f6\u00dfer als die eines Placebos ist. Ein gro\u00dfer Teil der sp\u00fcrbaren Wirkung beruhe schlicht auf der Erwartung, dass eine Methode hilft, so Kroemer: &#8222;Wenn ich zehn Videos gesehen habe und mir wird gesagt, mit dieser Atem\u00fcbung geht es mir besser, dann denke ich nat\u00fcrlich auch, dass mir das hilft.&#8220;<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Dennoch haben Methoden wie die Box-Atmung oder regelm\u00e4\u00dfige Meditation f\u00fcr viele Menschen einen positiven Effekt: Sie sorgen f\u00fcr Struktur und Routine im Alltag und verleihen uns in belastenden Situationen ein Gef\u00fchl von Selbstwirksamkeit. Anstatt einer Situation ausgeliefert zu sein, kann man aktiv etwas tun, um sich besser zu f\u00fchlen. Und genau das ist es vielleicht, was den Trend f\u00fcr viele so anziehend macht.<\/p>\n<p>\u00dcber den Gespr\u00e4chspartnerProf. Dr. rer. nat. Nils Kroemer ist Neurowissenschaftler und Diplom-Psychologe. Seit 2022 leitet er als W2-Professor die Sektion f\u00fcr Medizinische Psychologie an der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie der Universit\u00e4t Bonn. Parallel ist er seit 2017 Arbeitsgruppenleiter am Bereich Translationale Psychiatrie der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den neurobiologischen Grundlagen von Motivation, Verlangen und Verhalten sowie auf der Vagusnervstimulation als m\u00f6glichem Therapieansatz bei Depressionen und Essst\u00f6rungen.Verwendete Quellen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ersch\u00f6pft, gereizt, schlecht geschlafen? Auf Social Media gibt es darauf eine einfache Antwort: Es liegt am Nervensystem! Ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":347349,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,42,124,123,958,17207,87708,44,2117,1650],"class_list":["post-347348","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-austria","tag-gesundheit","tag-health","tag-instagram","tag-nervensystem","tag-nils-kroemer","tag-oesterreich","tag-stress","tag-tiktok"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117132904743942399","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/347348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=347348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/347348\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/347349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=347348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=347348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=347348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}