{"id":347596,"date":"2026-08-21T12:14:13","date_gmt":"2026-08-21T12:14:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/347596\/"},"modified":"2026-08-21T12:14:13","modified_gmt":"2026-08-21T12:14:13","slug":"kann-putin-von-der-schlechten-ernte-in-europa-profitieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/347596\/","title":{"rendered":"Kann Putin von der schlechten Ernte in Europa profitieren?"},"content":{"rendered":"<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Die Weizenpreise klettern auf den h\u00f6chsten Stand seit drei Jahren, w\u00e4hrend Angriffe auf H\u00e4fen am Schwarzen Meer die weltweite Versorgung gef\u00e4hrden. Kann Putin dennoch die Schw\u00e4che der europ\u00e4ischen Erzeuger ausnutzen?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat den globalen Getreidemarkt erneut in Aufruhr versetzt. Weizen-Futures sind nahezu auf ein Dreijahreshoch gestiegen, nachdem beide Kriegsparteien ihre Angriffe auf die Hafeninfrastruktur des jeweils anderen stark ausgeweitet haben. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Zugleich schl\u00e4gt der Pr\u00e4sident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, Alarm \u2013 allerdings mit einer ganz anderen Sto\u00dfrichtung: Nicht die Zerst\u00f6rung von Exportkapazit\u00e4ten sei das Hauptproblem f\u00fcr deutsche Landwirte, sondern Moskaus gezielte Preispolitik auf dem Weltmarkt.<\/p>\n<p>Schwarzmeerh\u00e4fen unter Beschuss \u2013 Exporte brechen ein<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Wie die &#8222;<a target=\"_blank\" data-brain-zone=\".42636824.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" data-component-name=\"link.external\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/91f17b0f-9c31-483e-b828-d90dad931a2f?syn-25a6b1a6=1\">Financial Times<\/a>&#8220; berichtet, haben russische Raketenangriffe auf Odessa und weitere ukrainische Schwarzmeerh\u00e4fen den Schiffsverkehr nahezu zum Erliegen gebracht \u2013 und das ausgerechnet zu Beginn der Haupterntezeit. Die ukrainischen Getreideexporte seien im laufenden Monat um rund 75 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Gleichzeitig habe ein ukrainischer Angriff auf den russischen Hafen Noworossijsk alle drei gro\u00dfen Getreideterminals dort lahmgelegt.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">&#8222;Es ist schlimmer f\u00fcr den Weizenmarkt als die Hormus-Krise f\u00fcr den \u00d6lmarkt war&#8220;, sagte Andrej Sizow, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des auf Schwarzmeer-Agrarm\u00e4rkte spezialisierten Analysehauses SovEcon. Russlands Exportkapazit\u00e4t in der Schwarzmeer- und Asow-Region sei von monatlich 3,3 Millionen Tonnen auf etwa 250.000 Tonnen geschrumpft.<\/p>\n<p>Bis zu 86 Millionen Tonnen Getreide betroffen<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Dimension der St\u00f6rung ist enorm: Russland und die Ukraine liefern zusammen rund 30 Prozent des weltweit ben\u00f6tigten Weizens. Laut Berechnungen des Beratungsunternehmens Oxford Economics, auf die sich die &#8222;Financial Times&#8220; bezieht, k\u00f6nnten in diesem Jahr bis zu 86 Millionen Tonnen Getreide \u2013 etwa 17 Prozent der globalen Getreideexporte \u2013 von den Ausf\u00e4llen betroffen sein. Alternative Transportwege f\u00fcr die Ukraine \u00fcber die Donau und die Schiene k\u00f6nnten demnach lediglich rund 17 Millionen Tonnen ersetzen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Erschwerend kommt hinzu, dass die extreme Sommerhitze und geringer Niederschlag den Wasserstand der Donau gesenkt hat, was die Frachtkapazit\u00e4ten zus\u00e4tzlich einschr\u00e4nkt. Zudem griff Russland vergangene Woche auch Izmail an, den wichtigsten ukrainischen Exporthafen f\u00fcr Getreide an der Donau. Oxford Economics prognostiziert einen Anstieg der globalen Lebensmittelpreise um 11,8 Prozent in diesem Jahr.<\/p>\n<p>Rukwied: &#8222;Putin nutzt Weizen als strategische Waffe&#8220;<\/p>\n<p data-speakable=\"\">W\u00e4hrend die internationalen M\u00e4rkte auf die Hafenzerst\u00f6rungen reagieren, richtet Bauernverbandspr\u00e4sident Rukwied den Blick auf eine andere Facette russischer Getreidepolitik. In der &#8222;<a target=\"_blank\" data-brain-zone=\".42636824.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" data-component-name=\"link.external\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/korn-krieg-gegen-deutschland-so-greift-putin-unsere-bauern-an-6a856cced537b08639dccc5e\">Bild<\/a>&#8220; erkl\u00e4rte er: &#8222;Putin nutzt Weizen als strategische Waffe gegen Deutschland, gegen Europa und die USA.&#8220; Russland habe drei Jahre in Folge \u00fcberdurchschnittlich gute Weizenernten eingefahren und entsprechend volle Lager aufgebaut. Diese \u00dcbersch\u00fcsse w\u00fcrden nun zu niedrigen Preisen auf den Weltmarkt geworfen, um die westliche Landwirtschaft gezielt zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">&#8222;Ist der Preis am Weltmarkt niedrig, verdienen unsere Bauern nichts&#8220;, sagte Rukwied der &#8222;Bild&#8220;. Tats\u00e4chlich liege das aktuelle Preisniveau zwar nicht am Boden, aber deutlich unter dem der Vorjahre \u2013 mit fallender Tendenz. Der Widerspruch zur aktuellen Preisentwicklung an den Terminm\u00e4rkten, die durch die Angriffe nach oben getrieben wird, verdeutlicht die Komplexit\u00e4t der Lage: Kurzfristig steigen die Futures, doch die strukturelle Preispolitik Moskaus belastet die Erzeuger seit Jahren.<\/p>\n<p>Deutsche Ernte entt\u00e4uscht \u2013 Kosten explodieren<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die Warnung des Bauernpr\u00e4sidenten f\u00e4llt in eine ohnehin prek\u00e4re Phase f\u00fcr die deutsche Landwirtschaft. Hitze und Trockenheit haben die diesj\u00e4hrige Ernte erheblich geschm\u00e4lert. Der Bauernverband rechnet mit einer Getreideernte von 41,9 Millionen Tonnen \u2013 sieben Prozent weniger als im Vorjahr und 1,4 Prozent unter dem F\u00fcnfjahresdurchschnitt. Der Hektarertrag sank um neun Prozent auf 68,9 Doppelzentner, beim Raps brach er sogar um 20 Prozent ein. Ein zu trockenes Fr\u00fchjahr und die Hitzewelle im Juni hatten vielerorts zur sogenannten Notreife gef\u00fchrt, bei der die K\u00f6rner klein bleiben.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Besonders hart traf es Betriebe in S\u00fcd- und Westdeutschland. Dort h\u00e4tten fehlende Niederschl\u00e4ge teilweise zu regelrechten Missernten gef\u00fchrt, auch bei Kartoffeln und Zuckerr\u00fcben wird mit Ertragsausf\u00e4llen gerechnet. Parallel dazu seien die Kosten f\u00fcr Treibstoff, D\u00fcnger und Pflanzenschutzmittel massiv gestiegen. &#8222;Viele haben finanzielle Engp\u00e4sse&#8220;, sagte Rukwied in der &#8222;Bild&#8220;. Manche Betriebe st\u00fcnden vor der Frage, ob sie die n\u00e4chste Ernte \u00fcberhaupt noch finanzieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Forderungen an die Bundesregierung<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Rukwied forderte ein entschlossenes Eingreifen der Politik. &#8222;Ern\u00e4hrungssicherheit ist so wichtig wie Verteidigungsf\u00e4higkeit&#8220;, mahnte er in der &#8222;Bild&#8220;. Konkret verlangt er unter anderem eine Senkung der Dieselsteuer und eine Aufstockung des EU-D\u00fcngemittelhilfspakets von 60 auf 180 Millionen Euro. Zudem m\u00fcssten die im Koalitionsvertrag vereinbarte Risikoausgleichsr\u00fccklage endlich umgesetzt und die EU-Direktzahlungen zu 80 Prozent bereits im Oktober ausgezahlt werden.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) reagierte zur\u00fcckhaltend und verwies darauf, dass zun\u00e4chst belastbare Daten n\u00f6tig seien. Die Regierung habe die Folgen der D\u00fcrre aber &#8222;genau im Auge&#8220; und wolle &#8222;passgenaue Hilfen anbieten&#8220;. Die Gr\u00fcnen-Politikerin Julia Verlinden kritisierte hingegen, Rukwieds Forderungen gingen am eigentlichen Problem vorbei. Sie schlug stattdessen ein Programm &#8222;klimafeste B\u00f6den&#8220; vor, um die Wasseraufnahme und Speicherf\u00e4higkeit der B\u00f6den zu verbessern.<\/p>\n<p>Experten warnen vor Untersch\u00e4tzung der Krise<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Auf den internationalen M\u00e4rkten mehren sich unterdessen die Stimmen, die vor einer Verharmlosung der Lage warnen. Die Agrarforschungsgruppe BMI hatte bereits vor dem j\u00fcngsten Angriff auf Noworossijsk kritisiert, der Markt preise &#8222;relativ wenig nachhaltige St\u00f6rungen&#8220; ein \u2013 eine Einsch\u00e4tzung, die BMI als &#8222;fehlgeleitet&#8220; bezeichnete. <\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p data-speakable=\"\">SovEcon-Chef Sizow sieht das \u00e4hnlich: &#8222;Rohstoffh\u00e4ndler glauben nicht mehr an Angebotsschocks&#8220;, sagte er der &#8222;Financial Times&#8220;. Seit 2022 habe sich die \u00dcberzeugung durchgesetzt, dass alle Probleme am Schwarzen Meer vor\u00fcbergehend seien. Doch genau das k\u00f6nnte sich als Irrtum erweisen. &#8222;Je l\u00e4nger das andauert, desto gr\u00f6\u00dfer werden die Konsequenzen&#8220;, warnte Sizov \u2013 zumal es keinerlei Anzeichen f\u00fcr eine Deeskalation gebe.<\/p>\n<p>Empfohlenes Video<\/p>\n<p>Schlangen an Zapfs\u00e4ulen \u2013 Benzinkrise erreicht Moskau<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/schlangen-zapfsaeulen-benzinkrise-erreicht-moskau.jpg\" alt=\"Schlangen an Zapfs\u00e4ulen: Benzinkrise erreicht Moskau\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\u00a9 KameraOne<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Was Rukwieds Bef\u00fcrchtungen angeht, Russland k\u00f6nnte die deutsche und europ\u00e4ische Schw\u00e4che im Getreideanbau nutzen, wird durch die schwierige Lage im Schwarzen Meer ein wenig entkr\u00e4ftet. Sowohl Russland als auch die Ukraine haben Probleme ihre Ernte auf dem Weltmarkt anzubieten. F\u00fcr die Verbraucher wird es wohl egal sein, ob die Preise im Supermarktregal aufgrund der D\u00fcrre oder des Ukrainekrieges steigen \u2013 aber steigen werden sie mit ziemlicher Sicherheit. (red)<\/p>\n<p>Verwendete Quellen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Weizenpreise klettern auf den h\u00f6chsten Stand seit drei Jahren, w\u00e4hrend Angriffe auf H\u00e4fen am Schwarzen Meer die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":347597,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[12],"tags":[25795,4741,88549,40,41,1963,39,33323,66,65,64],"class_list":["post-347596","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-financial-times","tag-getreide","tag-joachim-rukwied","tag-nachrichten","tag-news","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-schwarze-meer","tag-welt","tag-world","tag-world-news"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117133447296931546","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/347596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=347596"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/347596\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/347597"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=347596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=347596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=347596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}