{"id":348088,"date":"2026-08-21T16:52:16","date_gmt":"2026-08-21T16:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/348088\/"},"modified":"2026-08-21T16:52:16","modified_gmt":"2026-08-21T16:52:16","slug":"the-lights-they-fall-im-kino-gleich-hinter-berlin-beginnt-die-geisterwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/348088\/","title":{"rendered":"\u201eThe Lights, They Fall\u201c im Kino: Gleich hinter Berlin beginnt die Geisterwelt"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCKpk tspCKpl\">So geisterhaft hat Berlin im Kino seit<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/verbotene-zone-1257232.html?icid=in-text-link_15959629\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Christian Petzolds \u201eGespenster\u201c<\/a> nicht mehr gewirkt. Manchmal scheint sich die Kamera regelrecht von den Figuren zu l\u00f6sen, um auf eigene Faust die menschenleeren R\u00e4ume zu erkunden. An den R\u00e4ndern der Gro\u00dfstadt f\u00e4llt es dem 1989 in M\u00fcnchen geborenen Regisseur Sa\u0161a Vajda auch leicht, auf die \u00fcblichen Berlin-Klischees mit \u00fcbertrieben ins Bild geschobenen Kreuzberg- oder Neuk\u00f6lln-Impressionen zu verzichten. So wenig nach Berlin wollte schon lange kein Berlin-Film mehr aussehen. Das Regiedeb\u00fct \u201eThe Lights, They Fall\u201c ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung im gegenw\u00e4rtigen deutschen Kino.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Etwas magischen Realismus kann der 16-j\u00e4hrige Ilay (Mohammed Yassin Ben Majdouba) allerdings auch gebrauchen. Der Junge leidet unter Schlaflosigkeit, seit seine Mutter (Mahira Hakberdieva) im Sterben liegt. Er bewegt sich trotz seiner wuchtigen Erscheinung fast k\u00f6rperlos durch den Film, ist wortkarg und unnahbar, auch gegen\u00fcber seinen Kumpels, mit denen er nach der Arbeit am See oder vor seiner Wohnanlage herumh\u00e4ngt.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">\u201eIch bin ein Geist\u201c, erkl\u00e4rt er einer Sozialarbeiterin, die er wegen seiner psychischen Probleme aufsucht. Die mexikanische Palliativpflegerin Ana (Flor Prieto Catemaxca), die sich haupts\u00e4chlich um seine Mutter k\u00fcmmert, versucht, ihm zu helfen, besorgt ihm Arzttermine. Aber braucht er wirklich Hilfe? \u201eStimmt nicht!\u201c, antwortet Ilay, auf den langsamen Sterbeprozess seiner Mutter angesprochen. Er schafft sich seine eigene Realit\u00e4t, in der sich zunehmend auch der Film verliert.<\/p>\n<p> Ikay f\u00fchlt sich, als w\u00e4re er nicht mehr in der Zeit <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Vajda und sein Kameramann Tom Otte fangen diese Welt in por\u00f6sen Bildern ein, deren fast schon dokumentarische Beil\u00e4ufigkeit etwas Lyrisches besitzt. Einmal streift er nach einem n\u00e4chtlichen Unwetter durch die Felder am Stadtrand, bis im Hintergrund die Lichter der umliegenden Hochh\u00e4user in der Dunkelheit auftauchen. Weil Ilay den Kontakt zu seiner Umwelt innerlich bereits abgebrochen hat, spielt Zeit in \u201eThe Lights, They Fall\u201c keine tragende Rolle mehr.<\/p>\n<p class=\"tspAJhg\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. Sie k\u00f6nnen sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. <\/p>\n<p> Externen Inhalt anzeigen <\/p>\n<p class=\"tspAJhm\"> Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden.  Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Im Gesch\u00e4ft eines Pfandleihers, den er aufsucht, h\u00e4ngen Uhren, die die Weltzeiten in Tokio und in Dubai anzeigen. Die Uhr unter dem Berlin-Schild fehlt. \u201eEs ist so, als w\u00e4re ich nicht mehr in der Zeit\u201c, erz\u00e4hlt Ilay sp\u00e4ter der Personalchefin im Logistikunternehmen, die ihm ebenfalls zu helfen versucht. So umkreist der Film in ruhigen Bewegungen seinen Protagonisten: bei Konflikten am Arbeitsplatz, in der ermatteten Auseinandersetzung mit seiner einzigen Bezugsperson Ana, in den Gespr\u00e4chen mit seinen Freunden, hinter deren kraftstrotzenden Posen pl\u00f6tzlich eine Sensibilit\u00e4t hervorscheint.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die Sprache der Jungen ist ungeformt und authentisch. Vor allem Srdjan (Safet Bajraj) entspricht so gar nicht dem Klischee von roher M\u00e4nnlichkeit, wenn er \u00fcber ein M\u00e4dchen spricht, f\u00fcr das er sich interessiert. Ilay wiederum klaut den Hund seines Chefs vom Bau, weil der das Tier misshandelt. Jede Aktion in \u201eThe Lights, They Fall\u201c hat eine konkrete und eine metaphorische Bedeutung.<\/p>\n<p>Der Film<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">The Lights, They Fall Deutschland 2026 Regie und Buch: Sa\u0161a Vajda. Mit: Mohammed Yassin Ben Majdouba, Flor Prieto Catemaxca, Mahira Hakberdieva, Safet Bajraj, Solomon Guye, Mahir \u00d6zel. 87 Minuten. Jetzt im Kino<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Vajda erz\u00e4hlt nicht mit gro\u00dfen Worten, sondern in feinen Nuancen von Stimmungen. Dass der Regisseur mit nicht-professionellen Darstellerinnen und Darstellern arbeitet, verleiht dem Film einen unaufgeregten Naturalismus. Er n\u00e4hert sich Ilay in kleinen Alltagsepisoden, ohne eine psychologische Beziehung zu den Orten herzustellen, die sein Protagonist auf seinen Wegen streift.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Sie sind einfach da, markiert als fl\u00fcchtige Orte am Rande der Gesellschaft, wo die prek\u00e4re Existenz, die \u201eThe Lights, They Fall\u201c beschreibt, immer wieder zum Antrieb f\u00fcr eine \u00e4u\u00dfere Handlung wird: etwa die kleinen, offensichtlich krummen Gesch\u00e4fte beim Pfandleiher. Ilay braucht Geld f\u00fcr die Behandlung seiner Mutter; seine Reflektiertheit und Empathie sind auch eine Folge dieser beschleunigten Adoleszenz. Ilay lebt au\u00dferhalb der Zeit, weil seine Jugend vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat.<\/p>\n<p>Mehr Kino im Tagesspiegel:<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/teenage-sex-and-death-at-camp-miasma-im-kino-die-lust-am-blutbad-15950682.html?icid=topic-list_15959629___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" data-hydrate-props=\"{&amp;escapedquot;element&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;type&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;relatedContent&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;fieldMap&amp;escapedquot;:{},&amp;escapedquot;relation&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;fields&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;isPaid&amp;escapedquot;:true},&amp;escapedquot;href&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;\/kultur\/teenage-sex-and-death-at-camp-miasma-im-kino-die-lust-am-blutbad-15950682.html&amp;escapedquot;,&amp;escapedquot;teaserTitle&amp;escapedquot;:{&amp;escapedquot;kicker&amp;escapedquot;:&amp;escapedquot;\u201eTeenage 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Und ein Eingest\u00e4ndnis des Tributs, das dieser Prozess von allen Betroffenen einfordert. Auch Ana hat private Probleme. In einer Suchtgruppe erz\u00e4hlt sie von ihrer eigenen Medikamentenabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Der Job geht an die Substanz, k\u00f6rperlich, mental. Einmal erz\u00e4hlt sie von einem verstorbenen Patienten, der pl\u00f6tzlich wieder die Augen \u00f6ffnete. Der schwebende Realismus von \u201eThe Lights, They Fall\u201c findet in solchen Momenten des Trosts Zuflucht in der Spiritualit\u00e4t, allerdings ganz ohne esoterische Anwandlungen. Er sucht sich einfach eine weniger schmerzhafte Wirklichkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"So geisterhaft hat Berlin im Kino seit Christian Petzolds \u201eGespenster\u201c nicht mehr gewirkt. 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