{"id":350321,"date":"2026-08-22T20:50:15","date_gmt":"2026-08-22T20:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/350321\/"},"modified":"2026-08-22T20:50:15","modified_gmt":"2026-08-22T20:50:15","slug":"china-faehrt-vor-suedkorea-folgt-das-rennen-um-die-arktisroute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/350321\/","title":{"rendered":"China f\u00e4hrt vor, S\u00fcdkorea folgt: Das Rennen um die Arktisroute"},"content":{"rendered":"<p>Erst China, jetzt S\u00fcdkorea: Zwei asiatische Staaten testen Containerverkehr durch die Arktis. Doch Kosten, Eis und Russland bleiben Risiken.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/581441177-scaled-e1786953873233-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Containerschiff f\u00e4hrt durch dichtes Treibeis\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Symbolbild: Ein Containerschiff f\u00e4hrt durch dichtes Treibeis. F\u00fcr die neue saisonale Route zwischen China und Europa setzt Sea Legend eisverst\u00e4rkte Frachter ein, die \u00fcber die Northern Sea Route entlang der russischen Arktisk\u00fcste fahren. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: picture alliance \/ imageBROKER | Philippe Henry<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/dc8dce96850d4032811a086962917867.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Eine Woche nach dem Start der chinesischen \u201eDubai Tower\u201c ist nun auch S\u00fcdkorea Richtung Arktis unterwegs. Am Samstagabend, 22. August, verlie\u00df die \u201ePanstar Acro\u201c den Hafen Busan. Ihr Ziel: Europa \u00fcber die Nordostpassage entlang der russischen Arktisk\u00fcste.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend China bereits einen saisonalen Fahrplan mit mindestens acht Fahrten aufgestellt hat, beginnt S\u00fcdkorea vorsichtiger. Die aktuelle Reise ist ein staatlich unterst\u00fctzter Praxistest. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Schiff sicher durch das Eis kommt. Seoul will wissen, ob sich daraus ein Gesch\u00e4ft machen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Bis 2030 soll eine regelm\u00e4\u00dfige Verbindung zwischen S\u00fcdkorea und Europa entstehen. Damit wird aus einzelnen Arktisfahrten zunehmend ein Wettbewerb um eine neue Handelsroute.<\/p>\n<p>837 TEU an Bord \u2013 bei Platz f\u00fcr 2758 TEU<\/p>\n<p>Die von PanStar betriebene \u201ePanstar Acro\u201c besitzt eine nominale Kapazit\u00e4t von 2758 TEU. An Bord befinden sich auf der ersten Reise 737 TEU mit Fracht sowie 100 TEU Leercontainer.<\/p>\n<p>Transportiert werden unter anderem Chemieprodukte, Gebrauchtwagen und Autoteile. Gemessen an der nominalen Stellplatzkapazit\u00e4t sind damit rund 30 % belegt; mit Exportfracht sind es knapp 27 %.<\/p>\n<p>Das klingt zun\u00e4chst wenig. Allerdings w\u00e4re es zu einfach, daraus eine schwache Nachfrage nach der Route abzuleiten. Bei einer fr\u00fcheren Bedarfsabfrage waren bis zu 1300 TEU im Gespr\u00e4ch. Nach Angaben des s\u00fcdkoreanischen Meeresministeriums verz\u00f6gerte sich jedoch die Vorbereitung des Schiffes, sodass weniger Zeit f\u00fcr die Vermarktung der ersten Reise blieb.<\/p>\n<p>Gerade diese Diskrepanz macht den Test interessant: K\u00f6nnen Reedereien langfristig genug Fracht b\u00fcndeln, um einen regelm\u00e4\u00dfigen Containerdienst wirtschaftlich auszulasten?<\/p>\n<p>Von Busan in rund 18 Tagen nach Gro\u00dfbritannien<\/p>\n<p>Die \u201ePanstar Acro\u201c soll um den 30. August die arktischen Gew\u00e4sser erreichen und sie etwa am 7. September wieder verlassen. F\u00fcr den rund 6.400 km langen Abschnitt durch die Arktis rechnet das s\u00fcdkoreanische Meeresministerium mit ungef\u00e4hr acht Tagen.<\/p>\n<p>Am 9. September soll Felixstowe erreicht werden, am 11. September Rotterdam und am 15. September Gdansk. Anschlie\u00dfend f\u00e4hrt das Schiff erneut durch die Arktis nach Asien. F\u00fcr den 5. Oktober ist die R\u00fcckkehr nach Busan vorgesehen. Die komplette Rundreise soll damit etwa 45 Tage dauern.<\/p>\n<p>Zwischen Busan und Rotterdam veranschlagt S\u00fcdkoreas Regierung \u00fcber die Nordroute etwa 13.000 km. \u00dcber die klassische s\u00fcdliche Verbindung sind es ungef\u00e4hr 20.000 km. Im g\u00fcnstigsten Fall schrumpft die Entfernung damit um rund 35 %.<\/p>\n<p>Warum solche Abk\u00fcrzungen f\u00fcr die Schifffahrt so interessant sind, zeigt auch der klassische Gegenentwurf: Der <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/bau\/bau-des-suezkanals-eine-geschichte-grosser-ingenieurskunst\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Suezkanal geh\u00f6rt bis heute zu den wichtigsten Verkehrsadern des Welthandels<\/a>. Politische Krisen im Roten Meer haben jedoch gezeigt, wie verwundbar diese Route sein kann.<\/p>\n<p>China ist bereits einen Schritt weiter<\/p>\n<p>S\u00fcdkorea beginnt mit einem einzelnen Versuchsschiff. China versucht bereits, daraus einen Fahrplan zu machen. Am 15. August war die \u201eDubai Tower\u201c aus Ningbo-Zhoushan ausgelaufen. Betreiber Sea Legend hat f\u00fcr die Navigationssaison 2026 acht w\u00f6chentliche Abfahrten zwischen Mitte August und Anfang Oktober angesetzt. Sieben eisverst\u00e4rkte Containerfrachter sollen daf\u00fcr eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Der chinesische Test geht damit einen Schritt weiter. 2025 hatte Sea Legend mit der \u201eIstanbul Bridge\u201c bereits gezeigt, dass eine Fahrt von China nach Gro\u00dfbritannien in rund 20 Tagen m\u00f6glich ist. Nun muss sich zeigen, ob solche Transitzeiten auch mit mehreren Schiffen und festen Abfahrtsterminen wiederholbar sind.<\/p>\n<p>S\u00fcdkorea will 2030 regelm\u00e4\u00dfig fahren<\/p>\n<p>F\u00fcr Seoul ist die aktuelle Fahrt Teil einer langfristigen Strategie. Das Meeresministerium hat das Ziel ausgegeben, bis 2030 eine regul\u00e4re Verbindung zwischen S\u00fcdkorea und Europa \u00fcber die Arktis aufzubauen. Busan soll dabei zu einem wichtigen asiatischen Ausgangspunkt werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr will S\u00fcdkorea nicht nur Erfahrungen mit der Navigation sammeln. Geplant sind au\u00dferdem die Ausbildung von Seeleuten f\u00fcr Polarregionen, zus\u00e4tzliche Hafeninfrastruktur und eigene Technik f\u00fcr eisg\u00e4ngige Containerschiffe. Bis 2030 sollen unter anderem Technologien f\u00fcr eisbrechende Containerfrachter entwickelt werden.<\/p>\n<p>Die \u201ePanstar Acro\u201c liefert daf\u00fcr reale Betriebsdaten. Ausgewertet werden sollen unter anderem Fahrzeit, Distanz, Treibstoffverbrauch und Betriebskosten. Hinzu kommt die Frage, welche G\u00fcter sich f\u00fcr eine solche Verbindung \u00fcberhaupt eignen.<\/p>\n<p>Kleine Schiffe erschweren die Rechnung<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil der Nordostpassage liegt auf der Karte: Sie verk\u00fcrzt den Seeweg zwischen Nordostasien und Nordeuropa erheblich. Betriebswirtschaftlich ist die Rechnung komplizierter. Die \u201ePanstar Acro\u201c fasst 2758 TEU. Die chinesische \u201eDubai Tower\u201c kommt auf rund 1740 TEU. Die etablierten Asien-Europa-Routen werden dagegen auch von Schiffen mit mehr als 20.000 TEU bedient.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df moderne Containerschiffe inzwischen geworden sind, zeigt der <a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/rekorde\/die-groessten-containerschiffe-der-welt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vergleich der gr\u00f6\u00dften Containerschiffe der Welt<\/a>. Diese Gr\u00f6\u00dfenunterschiede sind wirtschaftlich relevant. Personal, Maschinenanlage, Versicherung und zahlreiche weitere Kosten verteilen sich bei Gro\u00dfcontainerschiffen auf wesentlich mehr Ladeeinheiten.<\/p>\n<p>Der Arktisverkehr kann zwar Fahrstrecke und Zeit sparen. Daf\u00fcr kommen zus\u00e4tzliche Anforderungen hinzu: Eisklasse, Spezialausr\u00fcstung, ausgebildete Besatzungen, Versicherungen, Wetter- und Eisberatung sowie gegebenenfalls Unterst\u00fctzung durch Eisbrecher.<\/p>\n<p>Nicht jedes Containerschiff kann einfach nach Norden abbiegen<\/p>\n<p>Auch technisch l\u00e4sst sich die Route nicht beliebig skalieren. F\u00fcr den Einsatz in Polarregionen gelten besondere Regeln der International Maritime Organization. Der Polar Code umfasst Anforderungen an Konstruktion, Ausr\u00fcstung, Betrieb, Navigation, Ausbildung und Notfallvorsorge. Je nach Einsatzbedingungen ben\u00f6tigen Schiffe unter anderem ein Polar Ship Certificate und ein Polar Water Operational Manual.<\/p>\n<p>Ein eisverst\u00e4rkter Rumpf ist zudem nicht mit einem Eisbrecher gleichzusetzen. Abh\u00e4ngig von Dicke, Alter und Drift des Eises besitzt jedes Schiff klare Einsatzgrenzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr konventionelle Containerverkehre bleibt die Route deshalb vor allem w\u00e4hrend der g\u00fcnstigen Monate interessant. Au\u00dferhalb dieses Fensters steigen die Anforderungen an Eisklasse und Eisbrecherunterst\u00fctzung erheblich. Genau deshalb ist die Zuverl\u00e4ssigkeit mindestens so wichtig wie die Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>Containerlinien funktionieren \u00fcber fest gebuchte Terminals, Anschlussz\u00fcge, Feederverbindungen und Lieferketten. Zehn eingesparte Tage helfen wenig, wenn sich die Ankunft wegen Eis oder Wetter um mehrere Tage verschiebt.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Reedereien bleiben drau\u00dfen<\/p>\n<p>Von einem branchenweiten Wettlauf um die Arktis kann deshalb noch keine Rede sein. MSC, die gr\u00f6\u00dfte Containerreederei der Welt, bekr\u00e4ftigte im September 2025 ausdr\u00fccklich, die Northern Sea Route weiterhin nicht nutzen zu wollen. Als Gr\u00fcnde nennt das Unternehmen unter anderem die noch unzureichenden Voraussetzungen f\u00fcr einen sicheren und verl\u00e4sslichen kommerziellen Betrieb sowie die Folgen f\u00fcr das empfindliche \u00d6kosystem.<\/p>\n<p>Auch CMA CGM hat sich gegen die Nutzung der Nordostpassage entschieden. Hapag-Lloyd hat den Arctic Corporate Shipping Pledge unterzeichnet und sich damit verpflichtet, auf Arktisrouten zu verzichten. Das relativiert das Bild vom neuen Wettlauf.<\/p>\n<p>China versucht derzeit, als erster Anbieter einen saisonalen Fahrplan zu etablieren. S\u00fcdkorea will Erfahrungen sammeln und bis 2030 nachziehen. Die gro\u00dfen europ\u00e4ischen Linienreedereien setzen dagegen weiterhin auf andere Routen.<\/p>\n<p>Russland bleibt unverzichtbar<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein politisches Problem. Die Northern Sea Route f\u00fchrt \u00fcber weite Strecken entlang der russischen Arktisk\u00fcste. Moskau kontrolliert wesentliche Teile der Infrastruktur und stellt Dienstleistungen f\u00fcr Navigation und Eisbrecherunterst\u00fctzung bereit.<\/p>\n<p>S\u00fcdkorea hat vor der Fahrt deshalb auch mit russischen Stellen zusammengearbeitet. Nach Angaben von Reuters ging es dabei unter anderem um Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Fall schwieriger Eisbedingungen.<\/p>\n<p>Damit besitzt die Route zwar einen strategischen Vorteil: Sie umgeht die Stra\u00dfe von Malakka, das Rote Meer und den Suezkanal. Unabh\u00e4ngig von geopolitischen Risiken wird sie dadurch aber nicht. Eine Abh\u00e4ngigkeit von s\u00fcdlichen Nadel\u00f6hren wird teilweise durch eine Abh\u00e4ngigkeit von Russland ersetzt.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen gegen Moskau ist das besonders f\u00fcr s\u00fcdkoreanische Unternehmen ein schwieriger Balanceakt.<\/p>\n<p>Noch f\u00e4hrt kaum jemand durch die Arktis<\/p>\n<p>Auch die Verkehrszahlen zeigen, wie fr\u00fch die Entwicklung noch steht. Nach Daten des Centre for High North Logistics wurden 2025 insgesamt 103 vollst\u00e4ndige Transits \u00fcber die Northern Sea Route registriert. 2024 waren es 97, 2022 erst 43.<\/p>\n<p>Der Verkehr nimmt zu, bleibt gemessen an den etablierten Welthandelsrouten aber eine Nische. Die Saison 2026 k\u00f6nnte dennoch zum Wendepunkt werden. Erstmals laufen zwei unterschiedliche Containerexperimente nahezu gleichzeitig. China testet, ob mehrere Schiffe hintereinander nach Fahrplan durch die Arktis fahren k\u00f6nnen. S\u00fcdkorea untersucht, ob sich daraus \u00fcberhaupt ein wirtschaftlich tragf\u00e4higes Angebot entwickeln l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der k\u00fcrzere Weg hat eine \u00f6kologische Kehrseite<\/p>\n<p>Dass sich solche Pl\u00e4ne heute \u00fcberhaupt umsetzen lassen, h\u00e4ngt auch mit dem langfristigen R\u00fcckgang des arktischen Meereises zusammen. Mehr Schiffsverkehr schafft allerdings neue Umweltprobleme. Besonders kritisch sind Ru\u00dfpartikel, sogenannter Black Carbon. Gelangen sie auf Schnee und Eis, verdunkeln sie die Oberfl\u00e4che. Dadurch wird mehr Sonnenenergie absorbiert.<\/p>\n<p>Die IMO besch\u00e4ftigt sich deshalb weiterhin mit zus\u00e4tzlichen Ma\u00dfnahmen, um Black-Carbon-Emissionen von Schiffen in der Arktis zu verringern. Im Februar 2026 diskutierte ihr zust\u00e4ndiger Ausschuss erneut \u00fcber das Konzept spezieller \u201ePolar Fuels\u201c. Hinzu kommen die Folgen m\u00f6glicher Havarien. Abgelegene Einsatzgebiete, extreme Temperaturen und gro\u00dfe Entfernungen zu H\u00e4fen und Rettungskr\u00e4ften erschweren Bergungs- und Reinigungsarbeiten erheblich.<\/p>\n<p>Wer schafft zuerst einen verl\u00e4sslichen Arktisdienst?<\/p>\n<p>Das eigentliche Rennen hat damit gerade erst begonnen. China besitzt derzeit den Vorsprung. Sea Legend versucht bereits, die Arktis w\u00e4hrend der kurzen Navigationssaison nach einem festen Fahrplan zu bedienen.<\/p>\n<p>S\u00fcdkorea f\u00e4hrt noch keine Linie. Mit der \u201ePanstar Acro\u201c sammelt das Land zun\u00e4chst die Daten, die n\u00f6tig w\u00e4ren, um bis 2030 einen regelm\u00e4\u00dfigen Verkehr aufzubauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erst China, jetzt S\u00fcdkorea: Zwei asiatische Staaten testen Containerverkehr durch die Arktis. 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