{"id":354727,"date":"2026-08-25T07:28:03","date_gmt":"2026-08-25T07:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/354727\/"},"modified":"2026-08-25T07:28:03","modified_gmt":"2026-08-25T07:28:03","slug":"pilze-koennten-auf-dem-mond-ueberleben-trotz-strahlung-kaelte-und-ohne-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/354727\/","title":{"rendered":"Pilze k\u00f6nnten auf dem Mond \u00fcberleben &#8211; Trotz Strahlung, K\u00e4lte und ohne Luft"},"content":{"rendered":"<p>Bislang galt die Oberfl\u00e4che des Mondes als vollkommen lebensfeindlich. Eine neue NASA-Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Das wirft Fragen f\u00fcr die nun geplanten Mondmissionen auf.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Mond ist eine unwirtliche Landschaft von Kratern und Schluchten, bedeckt von einer Staubschicht so hoch wie Wohnungsblocks in Neubaugebieten. Leben, so glaubte man bisher, kann dort nicht \u00fcberleben. In den dauerhaft verschatteten Kratern herrschen eisige Temperaturen, nur wenige Dutzend Grad \u00fcber dem absoluten Nullpunkt. In den sonnigen Ebenen dagegen heizt ungefiltertes Sonnenlicht das Gestein auf 130 Grad Celsius auf. Eine Atmosph\u00e4re im irdischen Sinne gibt es nicht. Und organische Lebensformen w\u00e4ren ungesch\u00fctzt der t\u00f6dlichen kosmischen Strahlung ausgesetzt.<\/p>\n<p>Doch diese Gewissheit br\u00f6ckelt. Eine neue Studie im Fachjournal \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.aec0811?utm_source=sfmc&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=ScienceAdviser&amp;utm_content=distillation&amp;et_rid=1170610014&amp;et_cid=6045989\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.aec0811?utm_source=sfmc&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=ScienceAdviser&amp;utm_content=distillation&amp;et_rid=1170610014&amp;et_cid=6045989&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Science Advances<\/a>\u201c zeigt: F\u00fcr hartn\u00e4ckige Mitreisende von der Erde k\u00f6nnte der Mond-S\u00fcdpol weit weniger t\u00f6dlich sein als gedacht.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel liegt in der Landschaft. Am S\u00fcdpol steht die Sonne fast immer knapp \u00fcber dem Horizont. Berge, Kraterr\u00e4nder, selbst kleine Erhebungen werfen dadurch lange, dauerhafte Schatten. Und im Schatten fehlt die ultraviolette Strahlung \u2013 jener Teil des Sonnenlichts, der f\u00fcr Mikroben am gef\u00e4hrlichsten ist. So entstehen Nischen, in denen irdische Keime nicht im Nu sterilisiert werden. Fr\u00fchere Modelle hatten diesen Gel\u00e4ndeeffekt schlicht ausgeblendet.<\/p>\n<p>Die NASA-Forscher aus mehreren Universit\u00e4ten in den USA und Italien nahmen f\u00fcnf Mikroorganismen unter die Lupe, die als blinde Passagiere mitfliegen k\u00f6nnten: drei Bakterien und zwei Pilze, allesamt vertraute Bewohner von Raumfahrt-Reinr\u00e4umen und menschlicher Haut. Der z\u00e4heste ist der Schimmelpilz Aspergillus, dessen Sporen selbst enorme Strahlendosen wegstecken. In Teilen des S\u00fcdpols k\u00f6nnte er mehr als eine Woche \u00fcberdauern.<\/p>\n<p>Entscheidend ist dabei eine feine Unterscheidung: \u00dcberleben hei\u00dft nicht Wachsen. Die Keime w\u00fcrden nicht gedeihen und sich nicht vermehren, sondern in eine Art K\u00e4lteschlaf verfallen \u2013 lebendig, aber reglos, bereit, unter besseren Bedingungen wieder zu erwachen. F\u00fcr echtes Wachstum br\u00e4uchte es fl\u00fcssiges Wasser, und daf\u00fcr fehlt dem Mond die Atmosph\u00e4re. Die Mikroben blieben Schl\u00e4fer, keine Kolonisten.<\/p>\n<p>Warum ist das brisant? Weil bald Menschen kommen. Mit dem Artemis-Programm der NASA sollen erstmals Astronauten am Mond-S\u00fcdpol landen. Und Menschen sind wandelnde Keimschleudern \u2013 allein auf der Haut tragen wir Millionen Einzeller. Luftschleusen lassen Gas ab, Raumanz\u00fcge geben organisches Material frei, an Ausr\u00fcstung haftet es ohnehin. All das verteilt Leben in der Umgebung. Verbindliche Grenzwerte f\u00fcr die Keimbelastung von Mondsonden gibt es bislang nicht.<\/p>\n<p>Und der S\u00fcdpol ist kein beliebiges Ziel. In seinen ewig verschatteten Kratern lagert Wassereis, \u00fcber Jahrmilliarden konserviert. Es ist einer der Hauptgr\u00fcnde, warum ausgerechnet der Pol so begehrt ist: Das Eis k\u00f6nnte k\u00fcnftige Basen mit Trinkwasser versorgen und, in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten, sogar Raketentreibstoff liefern \u2013 hergestellt direkt vor Ort, ohne teuren Nachschub von der Erde.<\/p>\n<p>Ausgerechnet jene verschatteten Krater, die das kostbare Eis bergen, sind laut der Studie auch die sichersten Zufluchtsorte f\u00fcr eingeschleppte Mikroben. Ohne direktes Sonnenlicht sind sie, anders als bislang gedacht, nicht die t\u00f6dlichsten, sondern die freundlichsten Orte des Mondes.<\/p>\n<p>Das hat Folgen f\u00fcr die Forschung. Die S\u00fcdpol-Krater sind ein unber\u00fchrtes Archiv: In ihnen k\u00f6nnten Molek\u00fcle stecken, die von der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems erz\u00e4hlen, von der Herkunft des Wassers, vielleicht von den Bausteinen des Lebens. Wer hier Bodenproben nimmt und dabei irdische Keime \u2013 oder auch nur ihre \u00dcberreste \u2013 eintr\u00e4gt, riskiert, die eigene Entdeckung zu verf\u00e4lschen: organische Spuren, die man am Ende selbst mitgebracht hat.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler ziehen daraus einen n\u00fcchternen Schluss: Eine \u00fcberlebensfreundliche Nische ist nicht blo\u00df ein Ort, den man meiden sollte, sondern wom\u00f6glich einer, an dem man gezielt Proben nimmt \u2013 um zu verstehen, was der Mensch dorthin tr\u00e4gt. Denn was am Mond gelingt, wird zur Generalprobe f\u00fcr den Mars, wo die Bedingungen f\u00fcr Leben ungleich freundlicher sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bislang galt die Oberfl\u00e4che des Mondes als vollkommen lebensfeindlich. Eine neue NASA-Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Das wirft&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":354728,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[16],"tags":[699,46,42,3358,90033,9615,13734,44,63378,7094,11396,97,96,101,98,210,100,99],"class_list":["post-354727","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-astronomie","tag-at","tag-austria","tag-bakterien","tag-einzeller","tag-mond","tag-nasa-national-aeronautics-and-space-administration-ks","tag-oesterreich","tag-pilze","tag-planeten","tag-raumfahrt","tag-science","tag-science-technology","tag-technik","tag-technology","tag-texttospeech","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117154972058739216","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=354727"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354727\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/354728"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=354727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=354727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=354727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}