{"id":354980,"date":"2026-08-25T10:02:11","date_gmt":"2026-08-25T10:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/354980\/"},"modified":"2026-08-25T10:02:11","modified_gmt":"2026-08-25T10:02:11","slug":"deutschlands-exporte-finden-ihren-halt-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/354980\/","title":{"rendered":"Deutschlands Exporte finden ihren Halt in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag verteidigte AfD-Chefin Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview die Position ihrer Partei zu einem deutschen Euro-Ausstieg und k\u00fcndigte f\u00fcr den Fall einer AfD-Regierung notfalls auch einen Austritt aus dem Schengenraum an. Einen Tag sp\u00e4ter beziffert eine neue Prognos-Studie den wirtschaftlichen Wert der europ\u00e4ischen Verflechtung Deutschlands: Rund 7,2 Millionen Arbeitspl\u00e4tze und 550 Milliarden Euro Wertsch\u00f6pfung h\u00e4ngen demnach an der Nachfrage aus den \u00fcbrigen EU-Staaten. Die Zahlen beweisen nicht, dass ein Euro-Ausstieg diese Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Sie zeigen jedoch, welche wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfenordnung ber\u00fchrt wird, wenn Deutschland die Bedingungen seiner europ\u00e4ischen Integration grundlegend ver\u00e4ndern will.<\/p>\n<p>Mehr als jeder sechste Euro Wertsch\u00f6pfung h\u00e4ngt an Europa<\/p>\n<p>Die Dimension ist erheblich. Mehr als die H\u00e4lfte der deutschen Exporte geht in die \u00fcbrigen 26 EU-Staaten. Nach Berechnungen von Prognos entstehen dadurch in Deutschland rund 550 Milliarden Euro Bruttowertsch\u00f6pfung pro Jahr. Das entspricht 16 Prozent der gesamten deutschen Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Rund 7,2 Millionen Arbeitspl\u00e4tze werden der Studie zufolge durch diese Nachfrage gesichert. Besonders stark profitieren Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie \u2013 also ausgerechnet jene Branchen, die zugleich zu den wichtigsten industriellen Arbeitgebern Deutschlands geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dabei stammt die zugrunde liegende detaillierte Input-Output-Analyse aus dem Jahr 2022. Neuere vollst\u00e4ndig vergleichbare Daten liegen noch nicht vor. Auch der Auftraggeber geh\u00f6rt zur Einordnung: Prognos erstellte die Untersuchung im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, also eines Arbeitgeberverbandes. Dessen politische Schlussfolgerung, den europ\u00e4ischen Binnenmarkt weiter zu vertiefen, entspricht naturgem\u00e4\u00df den Interessen exportorientierter Unternehmen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Verflechtung selbst l\u00e4sst sich allerdings auch mit aktuellen amtlichen Zahlen erkennen. Im zweiten Quartal 2026 stiegen Deutschlands preisbereinigte Exporte gegen\u00fcber dem Vorjahresquartal um 3,7 Prozent, die Warenexporte sogar um 5,0 Prozent. Destatis hebt ausdr\u00fccklich hervor, dass insbesondere der Warenhandel mit der Europ\u00e4ischen Union zulegte.<\/p>\n<p>USA schw\u00e4cher, Europa st\u00e4rker<\/p>\n<p>Diese Entwicklung kommt f\u00fcr Deutschland zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Der jahrzehntelang wichtige chinesische Absatzmarkt verliert f\u00fcr viele deutsche Industriekonzerne an Zugkraft. Gleichzeitig belasten amerikanische Z\u00f6lle den Handel mit den USA.<\/p>\n<p>Im Juni exportierte Deutschland Waren im Wert von 79,3 Milliarden Euro in andere EU-Staaten. In s\u00e4mtliche Staaten au\u00dferhalb der EU zusammen gingen Waren f\u00fcr 60,0 Milliarden Euro. Allein gegen\u00fcber dem Vormonat stiegen die EU-Ausfuhren um 1,3 Prozent.<\/p>\n<p>Die EU ist damit nicht blo\u00df ein politischer Zusammenschluss, sondern Deutschlands mit Abstand wichtigster zusammenh\u00e4ngender Wirtschaftsraum.<\/p>\n<p>Und einen Tag bevor die neue Studie ver\u00f6ffentlicht wurde, stellte Alice Weidel einen Teil der institutionellen Grundlagen dieses Wirtschaftsraumes erneut infrage.<\/p>\n<p>Weidel h\u00e4lt am Euro-Ausstieg fest<\/p>\n<p>Im ZDF-Sommerinterview bezeichnete die AfD-Vorsitzende den Euro als instabile beziehungsweise \u00bbweiche\u00ab W\u00e4hrung und erkl\u00e4rte, Deutschland sei es vor seiner Einf\u00fchrung wirtschaftlich besser gegangen.<\/p>\n<p>Auf die direkte Frage, ob Deutschland tats\u00e4chlich aus dem Euro austreten solle, blieb ihre Antwort laut einer anschlie\u00dfenden ZDF-Analyse zwar weniger eindeutig als die Position ihrer eigenen Partei. Das Bundestagswahlprogramm von 2025 l\u00e4sst daran jedoch keinen Zweifel. Dort hei\u00dft es ausdr\u00fccklich:<\/p>\n<p>\u00bbDeutschland muss aus dem Euro-System austreten.\u00ab<\/p>\n<p>Die AfD argumentiert, die Gemeinschaftsw\u00e4hrung sei f\u00fcr Volkswirtschaften mit stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen ungeeignet. Nationale W\u00e4hrungen w\u00fcrden L\u00e4ndern wieder erm\u00f6glichen, ihre Geldpolitik selbst zu bestimmen und \u00fcber Wechselkursver\u00e4nderungen auf Unterschiede bei der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu reagieren.<\/p>\n<p>Die neue Prognos-Studie widerlegt sie nicht direkt. Denn EU, Euro und Binnenmarkt sind nicht dasselbe.<\/p>\n<p>7,2 Millionen Arbeitspl\u00e4tze h\u00e4ngen nicht am Euro<\/p>\n<p>Diese Unterscheidung ist zentral.<\/p>\n<p>Auch EU-L\u00e4nder au\u00dferhalb der Eurozone handeln im europ\u00e4ischen Binnenmarkt. Ein deutscher Austritt aus der Gemeinschaftsw\u00e4hrung w\u00e4re deshalb nicht automatisch ein Austritt aus der Europ\u00e4ischen Union und w\u00fcrde auch nicht automatisch bedeuten, dass deutsche Waren nicht mehr zollfrei nach Frankreich, Italien oder in die Niederlande verkauft werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re daher falsch, aus der Prognos-Zahl zu folgern:<\/p>\n<p>Euro-Austritt gleich 7,2 Millionen gef\u00e4hrdete Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Was sich \u00e4ndern w\u00fcrde, w\u00e4ren jedoch wichtige Rahmenbedingungen dieses Handels.<\/p>\n<p>Die gemeinsame W\u00e4hrung beseitigt Wechselkursrisiken zwischen den Mitgliedern der Eurozone. Ein deutscher Maschinenbauer, der nach Frankreich verkauft, muss heute nicht kalkulieren, wie eine neue D-Mark in sechs Monaten gegen\u00fcber einem franz\u00f6sischen Euro steht. Unternehmen m\u00fcssen f\u00fcr solche Gesch\u00e4fte keine Wechselkurse absichern und keine W\u00e4hrungen tauschen.<\/p>\n<p>Mit einer neuen nationalen W\u00e4hrung k\u00e4men diese Faktoren zur\u00fcck. Und Deutschland h\u00e4tte ein weiteres Problem.<\/p>\n<p>Eine starke neue D-Mark w\u00e4re f\u00fcr Exporteure nicht unbedingt ein Geschenk<\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter einer nationalen W\u00e4hrung verweisen auf einen m\u00f6glichen Kaufkraftgewinn. W\u00fcrde eine neue D-Mark gegen\u00fcber anderen W\u00e4hrungen aufwerten, w\u00fcrden Importe g\u00fcnstiger. Energie, Rohstoffe oder ausl\u00e4ndische Konsumg\u00fcter k\u00f6nnten f\u00fcr deutsche K\u00e4ufer preiswerter werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine exportorientierte Industrie wirkt derselbe Mechanismus in die andere Richtung. Deutsche Produkte w\u00fcrden f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kunden teurer, sofern Unternehmen ihre Preise nicht senken und einen Teil ihrer Marge opfern.<\/p>\n<p>Dass Wechselkurse f\u00fcr die deutsche Exportwirtschaft eine relevante Gr\u00f6\u00dfe sind, hat die Bundesbank erst im Juli erneut untersucht. Nach ihrer Analyse f\u00fchrt eine reale Aufwertung um ein Prozent langfristig im Durchschnitt zu einem um 0,2 bis 0,4 Prozent geringeren Exportwachstum. Die Bundesbank betont zugleich, dass die aktuelle deutsche Exportschw\u00e4che nur teilweise durch die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit erkl\u00e4rt werden kann.<\/p>\n<p>Wie stark eine neue deutsche W\u00e4hrung tats\u00e4chlich aufwerten w\u00fcrde, l\u00e4sst sich nicht seri\u00f6s vorhersagen.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere wissenschaftliche Modellrechnungen zu einer R\u00fcckkehr zur D-Mark kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass positive Effekte durch g\u00fcnstigere Importe und h\u00f6here reale Kaufkraft von Verlusten an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00fcbertroffen werden k\u00f6nnten.\u00a0<\/p>\n<p>Beim Schengenraum wird die Verbindung unmittelbarer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Sonntag verteidigte AfD-Chefin Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview die Position ihrer Partei zu einem deutschen Euro-Ausstieg und k\u00fcndigte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":354981,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[5120,12984,416,1232,65217,50341,257,76,347,90090,75,74,71009,90091,86162],"class_list":["post-354980","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-afd","tag-alice-weidel","tag-arbeitsplaetze","tag-aussenhandel","tag-binnenmarkt","tag-deutsche-wirtschaft","tag-deutschland","tag-eu","tag-euro","tag-euro-ausstieg","tag-europa","tag-europe","tag-exporte","tag-prognos","tag-schengen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117155577772967682","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=354980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354980\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/354981"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=354980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=354980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=354980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}