{"id":35921,"date":"2026-03-10T05:55:08","date_gmt":"2026-03-10T05:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/35921\/"},"modified":"2026-03-10T05:55:08","modified_gmt":"2026-03-10T05:55:08","slug":"russlands-arktische-gasexporte-keine-alternativen-zu-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/35921\/","title":{"rendered":"Russlands arktische Gasexporte: Keine Alternativen zu Europa"},"content":{"rendered":"<p>10.02.2026 \u2013 Russland ist f\u00fcr seine arktischen Gasexporte vollst\u00e4ndig von europ\u00e4ischer Infrastruktur abh\u00e4ngig, zeigt eine urgewald-Analyse der Verschiffungsdaten von Kpler und Equasis. Trotz der geopolitischen Spannungen und des Krieges gegen die Ukraine landeten im Februar alle 21 Ladungen aus dem Projekt Yamal LNG in H\u00e4fen der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngigkeit mal umgekehrt<\/p>\n<p>Wladimir Putin hatte erst k\u00fcrzlich wieder mit einem Lieferstopp und der Umleitung von Gasstr\u00f6men gedroht. Die Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Im Februar 2026 wurden insgesamt 1.543.347 Tonnen LNG von Yamal exportiert \u2013 und jede einzelne Tonne erreichte die EU. Dies entspricht einer leichten Steigerung von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.<\/p>\n<p>\u201eDie Zahlen f\u00fcr Februar sprechen eine deutliche Sprache. Jede einzelne Yamal-Ladung ging nach Europa. Russland hatte keinen alternativen Abnehmer und blieb vollst\u00e4ndig vom Zugang zu EU-H\u00e4fen abh\u00e4ngig\u201c, sagt Sebastian R\u00f6tters, Sanktionsexperte bei Urgewald. \u201eWenn Moskau davon spricht, Gas dorthin umzuleiten, woandershin, zeichnen die Daten ein anderes Bild. F\u00fcr arktisches LNG bleibt Europa der einzige Markt, der diese Mengen aufnehmen kann.\u201c<\/p>\n<p>Im Februar 2025 gingen noch vier Ladungen nach Asien oder China, in diesem Jahr belieferte Russland ausschlie\u00dflich Europa mit arktischem Erdgas. Es ist der erste Februar seit Betriebsbeginn von Yamal, in dem das Projekt ausschlie\u00dflich den europ\u00e4ischen Markt bediente. F\u00fcr das russische Arktis-Gas gibt es derzeit also keine nennenswerten Ausweichm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Europa als Transitraum<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/drehkreuz-europa-fuer-russisches-lng\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Europa fungiert als zentrales Drehkreuz f\u00fcr das russische LNG<\/a>, da das Umladen in EU-H\u00e4fen f\u00fcr Russland weitaus effizienter und kosteng\u00fcnstiger ist als alternative Routen. Eine Fahrt von Yamal nach Zeebrugge dauert etwa sechs bis sieben Tage, w\u00e4hrend die Reise zu n\u00e4chstgelegenen H\u00e4fen in der T\u00fcrkei mindestens zwei Wochen in Anspruch n\u00e4hme.<\/p>\n<p>Da Russland plant, seine LNG-Produktion bis 2030 mehr als zu verdreifachen, bleibt die Nutzung europ\u00e4ischer Infrastruktur und die Kooperation mit westlichen Miteigent\u00fcmern wie TotalEnergies ein entscheidender Faktor f\u00fcr diese Expansionspl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Russland ist abh\u00e4ngig von europ\u00e4ischer Infrastruktur<\/p>\n<p>Der Bericht identifiziert zwei kritische Faktoren, die den Betrieb von Yamal LNG im Winter sicherstellen. Zum einen ist der Hafenzugang kritisch, denn ohne die Entladung in EU-H\u00e4fen g\u00e4be es f\u00fcr die gro\u00dfen Gasmengen derzeit keine Abnehmer. Zum anderen ist der Transport durch das Eis des Ob-Busens im Winter nur mit speziellen Arc7-Eisklasse-Tankern m\u00f6glich. Von den 14 eingesetzten Schiffen werden 11 von westlichen Unternehmen betrieben \u2013 sechs von der britischen Firma Seapeak und f\u00fcnf von der griechischen Dynagas. Alle im Februar eingesetzten Schiffe waren zudem in Europa versichert.<\/p>\n<p>Obwohl Russland Ende 2025 mit der Aleksey Kosygin ein eigenes Schiff dieser Klasse vorstellte, bleibt die technologische Abh\u00e4ngigkeit hoch. Da Schl\u00fcsselkomponenten aus dem Westen aufgrund von Sanktionen fehlen und das Schiff selbst sanktioniert ist, kommt es nicht f\u00fcr Yamal, sondern f\u00fcr Arctic LNG 2 (ALNG2), einem der gr\u00f6\u00dften und strategisch wichtigsten LNG-Projekte Russlands auf der Gydan-Halbinsel in Westsibirien zum Einsatz.<\/p>\n<p>EU-Sanktionen gegen russisches Gas<\/p>\n<p>Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich Ende 2025 auf ein umfassendes <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/eu-staaten-einigen-sich-auf-einfuhrverbot-fuer-russisches-erdgas\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Einfuhrverbot f\u00fcr russisches Erdgas<\/a> geeinigt, um die Finanzierung des russischen Krieges zu bremsen. Die Regelungen sehen vor, dass bestehende Kurzzeitvertr\u00e4ge f\u00fcr Pipeline-Gas und LNG bis Mitte Juni 2026 auslaufen m\u00fcssen. Ein vollst\u00e4ndiges Verbot, das auch langfristige Vertr\u00e4ge umfasst, soll 2028 in Kraft treten. Das Gesetz enth\u00e4lt allerdings eine Notfallklausel, die es L\u00e4ndern im Falle akuter Versorgungsengp\u00e4sse erlaubt, das Verbot kurzfristig auszusetzen. Deutschland hat seine direkte Abh\u00e4ngigkeit bereits beendet.<\/p>\n<p>Trotz neuer britischer Sanktionen gegen russisches LNG bleibt die spezifische Arc7-Flotte bislang weitgehend unangetastet. In der EU blockiert derzeit Ungarn weitere Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den bekannten wirtschaftlichen Aspekten weist urgewald im Bericht auf Sicherheitsrisiken hin. Es liegen glaubw\u00fcrdige Berichte vor, dass russisches Personal des Geheimdienstes FSB auf den Transportschiffen pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p>Importsteigerungen trotz Sanktionen<\/p>\n<p>Trotz der politischen Absichtserkl\u00e4rungen verzeichneten die Importe von russischem Fl\u00fcssigerdgas in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Im Zeitraum nach Beginn des Angriffskrieges bis Anfang 2025 <a href=\"https:\/\/www.energiezukunft.eu\/wirtschaft\/19-prozent-mehr-lng-aus-russland\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">stiegen die EU-weiten LNG-Einfuhren aus Russland<\/a> um etwa 19 Prozent auf ein neues Rekordniveau. Mehr als die H\u00e4lfte des gesamten russischen LNG-Exports wurde von EU-L\u00e4ndern abgenommen, wobei Spanien und Belgien zu den weltweit gr\u00f6\u00dften Abnehmern geh\u00f6ren. Kritiker werfen den Staats- und Regierungschefs vor diesem Hintergrund Heuchelei vor, da die Zahlungen weiterhin den Kreml unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Forderungen nach sch\u00e4rferen Sanktionen<\/p>\n<p>Urgewald fordert die britische Regierung und die EU auf, ihre Sanktionen gegen russisches LNG explizit auf Yamal und die Arc7-Tankerflotte auszuweiten, einschlie\u00dflich der Schiffe, die von der in Glasgow ans\u00e4ssigen Firma Seapeak betrieben werden.<\/p>\n<p>\u201eDie EU und Gro\u00dfbritannien stehen weiterhin an der Seitenlinie und schauen dem Treiben einfach zu\u201c, kritisiert R\u00f6tters. \u201eYamal und die Arc7-Flotte ins Visier zu nehmen, ist der direkteste Hebel, der zur Verf\u00fcgung steht. Die Regierungen wissen das. Sie m\u00fcssen nur handeln.\u201c jb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"10.02.2026 \u2013 Russland ist f\u00fcr seine arktischen Gasexporte vollst\u00e4ndig von europ\u00e4ischer Infrastruktur abh\u00e4ngig, zeigt eine urgewald-Analyse der Verschiffungsdaten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35922,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,75,2386,74,11838,1963],"class_list":{"0":"post-35921","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-europa","10":"tag-europaeische-union","11":"tag-europe","12":"tag-lng","13":"tag-russland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116203338173013132","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35921","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35921"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35921\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35921"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35921"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35921"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}