{"id":363120,"date":"2026-08-29T13:28:06","date_gmt":"2026-08-29T13:28:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/363120\/"},"modified":"2026-08-29T13:28:06","modified_gmt":"2026-08-29T13:28:06","slug":"pvoe-gerstorfer-hoeheres-pensionsalter-schafft-keine-arbeitsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/363120\/","title":{"rendered":"PV\u00d6-Gerstorfer: \u201eH\u00f6heres Pensionsalter schafft keine Arbeitspl\u00e4tze\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Mit scharfer Kritik reagiert Birgit Gerstorfer, Pr\u00e4sidentin des Pensionistenverbandes \u00d6sterreichs (PV\u00d6), auf die Forderungen von Industriellenvereinigung und NEOS nach einem h\u00f6heren gesetzlichen Pensionsantrittsalter. \u201eWer st\u00e4ndig behauptet, \u00d6sterreichs Pensionen seien unsicher oder nicht mehr finanzierbar, sch\u00fcrt verantwortungslos Zukunfts\u00e4ngste. Unser umlagefinanziertes Pensionssystem ist sicher und anpassungsf\u00e4hig. Junge und \u00e4ltere Menschen brauchen Verl\u00e4sslichkeit statt st\u00e4ndiger Untergangsszenarien\u201c, erkl\u00e4rt Gerstorfer. ****<\/p>\n<p>H\u00f6heres Pensionsalter verlagert nur Kosten<\/p>\n<p>\u201eEin h\u00f6heres gesetzliches Pensionsalter schafft keinen einzigen Arbeitsplatz\u201c, stellt die PV\u00d6-Pr\u00e4sidentin klar. Wer kurz vor der Pension den Job verliert, werde durch eine h\u00f6heres gesetzliches Pensionsantrittsalter nicht pl\u00f6tzlich wieder eingestellt. \u201eDie Betroffenen m\u00fcssen lediglich l\u00e4nger auf ihre Pension warten. Die Kosten verschwinden nicht, sondern werden von der Pensionsversicherung in die Arbeitslosenversicherung, das Krankengeld oder andere soziale Sicherungssysteme verschoben.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichweiten AMS-Zahlen seit Beginn der Anhebung des Frauenpensionsalters zeigen, dass der Arbeitsmarkt keineswegs bereit f\u00fcr weitere Anhebungen ist: Im Jahresdurchschnitt stieg die Zahl der besch\u00e4ftigten 60-j\u00e4hrigen Frauen zwar \u00f6sterreichweit um 11.634. Gleichzeitig erh\u00f6hte sich aber die Zahl der arbeitslosen 60-j\u00e4hrigen Frauen von 775 auf 2.864 \u2013 um 2.089 Personen. Mehr als jede siebente zus\u00e4tzliche 60-j\u00e4hrige Frau am Arbeitsmarkt war laut AMS arbeitslos.<\/p>\n<p>\u201eWir begr\u00fc\u00dfen jeden zus\u00e4tzlichen Arbeitsplatz. Besch\u00e4ftigtenzahlen allein beweisen aber nicht, dass der Arbeitsmarkt ein immer h\u00f6heres Pensionsalter problemlos verkraftet\u201c, so Gerstorfer. Auch die \u00dcbergangszahlen der IV seien kein Gegenbeweis: Frauen, deren Pensionsanspruch nach hinten verschoben wurde und die deshalb l\u00e4nger arbeitslos bleiben, scheinen in der Statistik der Pensionsneuzug\u00e4nge noch gar nicht auf.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich befindet sich mitten in einer Reform<\/p>\n<p>Seit 2024 wird das gesetzliche Frauenpensionsalter schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben. Seit 2026 steigen au\u00dferdem die Voraussetzungen f\u00fcr die Korridorpension von 62 auf 63 Jahre und von 40 auf 42 Versicherungsjahre. Hinzu kommen die Teilpension und \u00c4nderungen bei der Altersteilzeit. Dar\u00fcber hinaus ist ein gesetzlicher Nachhaltigkeitsmechanismus in Kraft. Bis 2030 wird j\u00e4hrlich \u00fcberpr\u00fcft, ob der festgelegte Ausgabenpfad der Pensionsversicherung eingehalten wird. Bei einer kumulierten \u00dcberschreitung um mehr als 0,5 Prozent sind weitere Ma\u00dfnahmen vorgesehen. \u201eWir befinden uns mitten in einer umfassenden Pensionsreform. Diese Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen jetzt umgesetzt und ausgewertet werden. Bereits die n\u00e4chste Versch\u00e4rfung zu verlangen, bevor die Auswirkungen der laufenden Reform bekannt sind, ist unseri\u00f6s\u201c, betont Gerstorfer.<\/p>\n<p>Keine Kostenexplosion<\/p>\n<p>Im Bundesbudget  werden f\u00fcr Pensionen rund 34,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Diese Summe setzt sich jedoch aus rund 20,3 Milliarden Euro f\u00fcr die gesetzliche Pensionsversicherung und rund 13,9 Milliarden Euro f\u00fcr Pensionen der Beamtinnen und Beamten zusammen. In den Mitteln f\u00fcr die gesetzliche Pensionsversicherung sind zudem Beitr\u00e4ge f\u00fcr Kindererziehungs- und Arbeitslosigkeitszeiten, die Partnerleistung f\u00fcr Selbst\u00e4ndige und rund 1,33 Milliarden Euro f\u00fcr Ausgleichszulagen gegen Altersarmut enthalten. \u201eWer all das pauschal als Pensionszuschuss bezeichnet, vermischt unterschiedliche Systeme und sozialpolitische Leistungen. Bundesmittel sind kein pl\u00f6tzlich entstandenes Loch, sondern ein gesetzlich vorgesehener Bestandteil unseres Pensionssystems\u201c, erkl\u00e4rt Gerstorfer.<\/p>\n<p>Auch langfristig zeigt sich keine Kostenexplosion: Der EU-Ageing-Report projiziert nach einem vor\u00fcbergehenden Anstieg der \u00f6ffentlichen Pensionsausgaben auf rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 wieder einen R\u00fcckgang. F\u00fcr 2070 werden rund 14 Prozent erwartet \u2013 lediglich 0,4 Prozentpunkte mehr als 2022.<\/p>\n<p>Wirtschaft mit Bonus-Malus-System in die Pflicht nehmen<\/p>\n<p>Wer l\u00e4ngeres Arbeiten fordere, m\u00fcsse auch daf\u00fcr sorgen, dass \u00e4ltere Menschen tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt werden. \u201eEs reicht nicht, \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel zu klagen und gleichzeitig erfahrene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Jahre vor der Pension aus den Betrieben zu dr\u00e4ngen. Die Wirtschaft muss ihren Beitrag leisten und \u00e4ltere Menschen einstellen und im Unternehmen halten\u201c, fordert Gerstorfer. Der PV\u00d6 verlangt deshalb ein \u00f6sterreichweites Bonus-Malus-System. Betriebe, die \u00e4ltere Arbeitnehmer*innen \u00fcber das 60. Lebensjahr hinaus besch\u00e4ftigen, neu einstellen und bis zur Pension im Unternehmen halten, sollen finanziell belohnt werden. Unternehmen, deren Anteil \u00e4lterer Besch\u00e4ftigter deutlich unter einer branchenspezifischen Zielquote liegt, sollen einen h\u00f6heren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten. Vorgesehen sind Ausnahmen f\u00fcr k\u00f6rperlich besonders belastende Branchen, Kleinbetriebe mit weniger als 20 Besch\u00e4ftigten und Start-ups. Die Einnahmen aus dem Malus sollen zweckgebunden in die St\u00e4rkung des Pensionssystems flie\u00dfen. <\/p>\n<p>\u201eDas ist kein Strafsystem, sondern ein Anreizsystem. Es belohnt Unternehmen, die Verantwortung \u00fcbernehmen. Betriebe, die \u00e4ltere Menschen systematisch ausgrenzen, m\u00fcssen sich hingegen an den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Kosten beteiligen\u201c, so Gerstorfer.<\/p>\n<p>Staatsfonds nur als Erg\u00e4nzung<\/p>\n<p>\u00dcber einen professionell und unabh\u00e4ngig verwalteten Staatsfonds wie ihn Bundeskanzler Stocker ins Gespr\u00e4ch gebracht hat, k\u00f6nne diskutiert werden. Dieser d\u00fcrfe das umlagefinanzierte Pensionssystem aber weder ersetzen noch als Vorwand f\u00fcr K\u00fcrzungen oder ein h\u00f6heres Antrittsalter dienen. \u201eWenn neue Finanzierungsquellen gesucht werden, m\u00fcssen aber auch Milliardenerben, sehr gro\u00dfe Verm\u00f6gen und Erbschaften, Banken, Energiekonzerne, Online-Riesen sowie Unternehmen mit Krisen- und \u00dcbergewinnen endlich einen fairen Beitrag leisten\u201c, fordert Gerstorfer.<\/p>\n<p>\u201eDie Jungen von heute sind die Pensionistinnen und Pensionisten von morgen. Unser gemeinsames Ziel muss sein, das Vertrauen aller Generationen in die gesetzliche Pension zu st\u00e4rken. Wer von den Menschen l\u00e4ngeres Arbeiten verlangt, muss zuerst daf\u00fcr sorgen, dass sie tats\u00e4chlich einen gesunden, sicheren und altersgerechten Arbeitsplatz haben.\u201c (Schluss)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit scharfer Kritik reagiert Birgit Gerstorfer, Pr\u00e4sidentin des Pensionistenverbandes \u00d6sterreichs (PV\u00d6), auf die Forderungen von Industriellenvereinigung und NEOS&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":363121,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[38117,26393,26395,7214,1870,46,42,6865,66618,85469,412,44,26394,413,91607,43,45,6854,1121],"class_list":["post-363120","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-oesterreich","tag-pensionen","tag-apa","tag-apa-ots","tag-arbeit","tag-arbeitsmarkt","tag-at","tag-austria","tag-bundesregierung","tag-iv","tag-junge-industrie","tag-neos","tag-oesterreich","tag-ots","tag-oevp","tag-pensionsfonds","tag-republic-of-austria","tag-republik-oesterreich","tag-senioren","tag-spoe"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117179036914198918","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=363120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363120\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/363121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=363120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=363120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=363120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}