{"id":36787,"date":"2026-03-10T15:15:14","date_gmt":"2026-03-10T15:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/36787\/"},"modified":"2026-03-10T15:15:14","modified_gmt":"2026-03-10T15:15:14","slug":"altes-handwerk-unaufgearbeitete-geschichte-samira-fux-doku-pilije-the-gap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/36787\/","title":{"rendered":"Altes Handwerk, unaufgearbeitete Geschichte \u2013 Samira Fux\u2019 Doku \u00bbPilije\u00ab \u2013 The Gap"},"content":{"rendered":"<p>In \u00bbPilije\u00ab kehrt Filmemacherin Samira Fux in ihre Heimat K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka zur\u00fcck und wirft einen Blick auf das traditionelle Handwerk der Waffenschmiede in Ferlach\/Borovlje. <\/p>\n<p>            <img width=\"750\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fux_Pilije_courtesy_sixpackfilm_03-1024x553.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>\n                        \u00a9 Sixpackfilm\n                    <\/p>\n<p>Ist das nicht der Ort mit den Waffen?\u00ab Diese R\u00fcckmeldung bekommt man als Erstes, wenn man im eigenen Umfeld Ferlach erw\u00e4hnt. Die Dokumentation \u00bbPilije\u00ab (\u00fcbersetzt: \u00bbDie B\u00fcchsenmacher\u00ab) nimmt die Stadtgemeinde mit etwa 7.500 Einwohner*innen als Ausgangspunkt f\u00fcr einen Blick auf die Geschichte der deutsch- und slowenischsprachigen Bev\u00f6lkerungsgruppen in K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka. Gleich der Beginn zeigt \u2013 mitunter jugendliche \u2013 Sch\u00fctzen im Ort. Doch Waffen werden in Ferlach\/Borovlje nicht nur abgefeuert, sondern auch produziert. Der Ort hat darin eine lange Tradition inklusive Berufsschule mit Schwerpunkt Waffenmechanik. Aktuell werden vor allem Luxuswaffen hergestellt. Dabei blickt der Film den Handwerker*innen \u00fcber die Schulter.<\/p>\n<p>Samira Fux, die Regisseurin von \u00bbPilije\u00ab, sagt, es sei ihr beim Filmen eine Hilfe gewesen, mit den Gewehren dieses \u00bbganz konkrete Materielle\u00ab zu haben. Davon ausgehend h\u00e4tte sie erforscht, was dahinter liege, was unausgesprochen bleibe. Dabei sei ihr vor allem die Sicht der Menschen vor Ort wichtig gewesen, weshalb im Film auch keine Expert*innen, etwa Historiker*innen, zu Wort kommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"427\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fux_Samira_2025_c_Stefanie_Hintersteiner.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-153571\"  \/>Samira Fux, Regisseurin (Bild: Stefanie Hintersteiner)<\/p>\n<p>Geschichte aufarbeiten<\/p>\n<p>In und um Ferlach\/Borovlje gibt es viel Raum f\u00fcr Unausgesprochenes und Verborgenes. K\u00e4mpfe zwischen Faschist*innen und Partisan*innen, Verschleppungen, das KZ Loibl. Alte Geschichten, die \u2013 wie der Film erz\u00e4hlt \u2013 nach wie vor pr\u00e4sent sind. Lieder, die noch heute von Krieg und Verlust erz\u00e4hlen. B\u00f6ses Blut, das entstanden ist. Eine Szene handelt etwa bildgewaltig vom Versuch, auf einem Landsitz einen Fluch aufzul\u00f6sen. Vielleicht auch eine Art der Aufarbeitung. Diese brauche es jedenfalls, wie Fux erkl\u00e4rt, damit die alten Geschichten m\u00f6glicherweise vergehen k\u00f6nnen. Und auch ein anderer Umgang mit der Zweitsprache im S\u00fcden von K\u00e4rnten und in den slowenischsprachigen Gebieten in der Steiermark sei notwendig. Konkret: \u00bbdass man Zweisprachigkeit als etwas Gutes sieht und nicht als etwas L\u00e4stiges, das nur irgendwelche Minderheitenorganisationen einfordern\u00ab, so die Regisseurin.<\/p>\n<p>Das b\u00f6se Blut, das Ungesagte ist schwer zu greifen. Aber Fux gelingt es, die Atmosph\u00e4re einer Region f\u00fchlbar zu machen, in der klar zu sein scheint, dass man entweder zur Mehrheit oder zur Minderheit geh\u00f6rt. Geschichten im Film, wie die eines Protagonisten, der von der Familie nicht mehr eingeladen wurde, weil die Ehefrau slowenischsprachig war, sind eindr\u00fccklich. \u00bbIn dieser Region und an diesem Ort floss viel Blut, es taten sich Gr\u00e4ben innerhalb von Familien auf, innerhalb der Nachbarschaft. Man misstraute einander, brach den Kontakt aufgrund von sprachlicher Zugeh\u00f6rigkeit ab.\u00ab Dieses Misstrauen, diese Vorsicht, wen man vor sich hat und wie diese Person \u00fcber die slowenische Volksgruppe denkt, empfindet auch die Regisseurin, wenn sie in K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka ist. In Wien und in Deutschland, wo sie Film studierte, habe sie fast so was wie eine Pause von der Thematik gehabt. Jetzt, so wirkt es in ihrer Doku, ist Fux mit einem teils staunenden Blick von au\u00dfen zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"554\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fux_Pilije_courtesy_sixpackfilm_01-1024x554.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-153572\"  \/>(Bild: Sixpackfilm)<\/p>\n<p>Entschleunigter Schnitt<\/p>\n<p>\u00bbPilije\u00ab zeigt zwar eine subjektive Perspektive, diese ist aber nicht einseitig. Die Einstellungen sind lang, die Kameraf\u00fchrung ruhig. Ort und Umgebung sprechen f\u00fcr sich, Musik ist keine unterlegt. Das verleiht dem von Maria Lisa Pichler geschnittenen Film eine gewisse Langsamkeit, besonders im Kontrast zu den omnipr\u00e4senten Tiktok-Videos, die oft nur wenige Sekunden dauern. Vielleicht steht das auch sinnbildlich f\u00fcr eine Gegend, die aus einer anderen Zeit zu kommen und in der die Gegenwart mehr von der Vergangenheit dominiert zu sein scheint als von der Zukunft. Einiges h\u00e4tte sich in den letzten Jahren f\u00fcr die K\u00e4rntner Slowen*innen zwar verbessert, meint Samira Fux, und doch w\u00fcrden ihr die Ereignisse des letzten Jahres zu denken geben. Beispielsweise erneute Beschmierungen von zweisprachigen Ortstafeln oder die Razzia am Per\u0161manhof, einer Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr den Widerstand der Partisan*innen gegen den Nationalsozialismus.<\/p>\n<p>M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen besseren Umgang mit der Zweisprachigkeit sieht die Filmemacherin etwa in Volksschulen oder bei Ausschilderungen in Museen. Die Ausstellung \u00bbHinschaun! Poglejmo.\u00ab im Landesmuseum K\u00e4rnten, die sich intensiv mit der Geschichte der K\u00e4rntner Slowen*innen auseinandergesetzt habe, hebt sie hierbei positiv hervor. Jungen Menschen, die sich f\u00fcr dieses Thema interessieren, empfiehlt die Filmemacherin, die Klubs slowenischer Student*innen in Wien, Graz oder Klagenfurt aufzusuchen. \u00bbPilije\u00ab hat jedenfalls durchaus das Potenzial, einen Beitrag zur Aufarbeitung der verborgenen, verdr\u00e4ngten, aber noch immer sehr pr\u00e4senten Geschichte von K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka zu leisten.<\/p>\n<p>Im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.diagonale.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Diagonale<\/a> l\u00e4uft \u00bbPilije\u00ab von Samira Fux am 21. M\u00e4rz um 17 Uhr im <a href=\"https:\/\/kizroyalkino.at\/#\/daily\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Kiz Royal Kino 1<\/a> sowie am 22. M\u00e4rz um 13:30 Uhr im<a href=\"https:\/\/cineplexx.at\/cinemas\/Annenhof-Kino?date=2026-03-22\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\"> Annenhof Kino 5<\/a>.<\/p>\n<p>\n            Newsletter abonnieren\n        <\/p>\n<p>\n            Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ank\u00fcndigungen, Gewinnspiele und vieles mehr &#8230;\n        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In \u00bbPilije\u00ab kehrt Filmemacherin Samira Fux in ihre Heimat K\u00e4rnten\/Koro\u0161ka zur\u00fcck und wirft einen Blick auf das traditionelle&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36788,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,3833,147,5861,13110,44,16529,16530,148,294],"class_list":{"0":"post-36787","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-dokumentarfilm","11":"tag-entertainment","12":"tag-geschichte","13":"tag-handwerk","14":"tag-oesterreich","15":"tag-pilije","16":"tag-samira-fux","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-waffen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116205540186802698","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36787"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36787\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}