{"id":370083,"date":"2026-09-02T06:22:16","date_gmt":"2026-09-02T06:22:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/370083\/"},"modified":"2026-09-02T06:22:16","modified_gmt":"2026-09-02T06:22:16","slug":"ueber-die-haelfte-der-erwachsenen-mit-adhs-hat-noch-eine-stoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/370083\/","title":{"rendered":"\u00dcber die H\u00e4lfte der Erwachsenen mit ADHS hat noch eine St\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>ADHS ist eine neurologische Entwicklungsst\u00f6rung, die durch Unaufmerksamkeit, Impulsivit\u00e4t und teils motorische Unruhe gekennzeichnet ist. Lange galt sie als typische Erkrankung des Kindesalters, doch bei etwa der H\u00e4lfte der Betroffenen bestehen die Symptome bis ins Erwachsenenalter fort. Bei Erwachsenen zeigt sich ADHS oft weniger durch sichtbare Hyperaktivit\u00e4t als durch innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit und Schwierigkeiten, den Alltag zu organisieren. Ein zentrales Merkmal der Erkrankung ist, dass sie selten isoliert auftritt, sondern h\u00e4ufig von weiteren psychischen Belastungen begleitet wird. Besonders relevant sind dabei Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen, also tief verwurzelte, \u00fcberdauernde Muster im Erleben und Verhalten, die deutlich von den Erwartungen des sozialen Umfelds abweichen und zu erheblichem Leiden f\u00fchren. Wie eng ADHS und solche Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen tats\u00e4chlich zusammenh\u00e4ngen, war bislang jedoch unklar, weil fr\u00fchere Studien vor allem allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsunterschiede beschrieben, ohne klar definierte Diagnosen zu erfassen.<\/p>\n<p>Um diese L\u00fccke zu schlie\u00dfen, f\u00fchrte ein Team um den Psychiater Dimitrios Adamis eine Metaanalyse durch, ein statistisches Verfahren, das die Daten mehrerer unabh\u00e4ngiger Studien zusammenf\u00fchrt. Die Forscher werteten elf Studien mit insgesamt 2.120 Teilnehmern aus klinischen und nichtklinischen Zusammenh\u00e4ngen aus. Ihr Ziel war es, systematisch zu beziffern, wie h\u00e4ufig bei Erwachsenen mit ADHS zugleich eine kategorial definierte Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung vorliegt, und zu kl\u00e4ren, welche Faktoren diese H\u00e4ufigkeit beeinflussen. Der Ansatz war bewusst darauf ausgelegt, nicht nur vage Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale zu erfassen, sondern tats\u00e4chlich diagnostizierte St\u00f6rungen. Damit r\u00fcckt die Frage in den Mittelpunkt, wie stark sich neurologische Entwicklungsdefizite und Pers\u00f6nlichkeitspathologie im Erwachsenenalter \u00fcberschneiden und was das f\u00fcr Diagnose und Behandlung bedeutet.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWie h\u00e4ufig ADHS und Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen zusammentreffen<\/p>\n<p>Das zentrale Ergebnis der im Fachjournal <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0165178126001460\" title=\"Metaanalyse zur H\u00e4ufigkeit von Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen bei Erwachsenen mit ADHS\">Psychiatry Research ver\u00f6ffentlichten Metaanalyse ist eine hohe Gesamtpr\u00e4valenz<\/a>. \u00dcber alle Studien hinweg lag der gepoolte Anteil der Erwachsenen mit ADHS, die zugleich mindestens eine Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung aufwiesen, bei 57 Prozent. Unter den einzelnen Diagnosen traten die passiv-aggressive mit 25,3 Prozent, die vermeidende mit 23,1 Prozent und die Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung mit 21,9 Prozent am h\u00e4ufigsten auf. Wichtig ist die Einordnung, dass dieser hohe Gesamtwert stark von spezialisierten Ambulanzen getrieben war und die Zahlen zwischen den Studien erheblich schwankten. Die statistische Heterogenit\u00e4t war au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch, weshalb die Pr\u00e4valenz stark vom jeweiligen Kontext abh\u00e4ngt. Zudem beeinflusste die Diagnosemethode die Ergebnisse deutlich, denn strukturierte klinische Interviews und Selbstausk\u00fcnfte lieferten unterschiedliche Werte.<\/p>\n<p>Warum die Zahlen mit Vorsicht zu deuten sind<\/p>\n<p>Die hohe \u00dcberschneidung wirft eine grundlegende Frage auf, n\u00e4mlich ob es sich tats\u00e4chlich um zwei getrennte Erkrankungen handelt oder um eine \u00dcberlappung, die bereits in den diagnostischen Kriterien angelegt ist. Merkmale wie Impulsivit\u00e4t und emotionale Instabilit\u00e4t finden sich sowohl bei ADHS als auch bei mehreren Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen, weshalb die hohen Werte teils eine methodische Empfindlichkeit gegen\u00fcber gemeinsamem Leidensdruck widerspiegeln k\u00f6nnten, statt zwei klar getrennte, stabile St\u00f6rungen abzubilden. F\u00fcr die Praxis bleibt der Befund dennoch bedeutsam, denn er zeigt, dass Erwachsene mit ADHS selten nur mit Konzentrationsproblemen zu k\u00e4mpfen haben, sondern h\u00e4ufig mit tieferer emotionaler und zwischenmenschlicher Instabilit\u00e4t. Eine sorgf\u00e4ltige Diagnostik ist deshalb entscheidend, zumal unbehandeltes ADHS die Behandlung begleitender St\u00f6rungen erschwert. Wie vielschichtig einzelne Pers\u00f6nlichkeitsmuster sein k\u00f6nnen, zeigt auch die Forschung dazu, <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/psychologie\/wie-zeigt-sich-narzissmus-bei-frauen-133710902\" title=\"Wie zeigt sich Narzissmus bei Frauen?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wie unterschiedlich sich Pers\u00f6nlichkeitsz\u00fcge im Alltag \u00e4u\u00dfern<\/a>. F\u00fcr Betroffene bedeutet das differenzierte Bild vor allem die Chance auf eine passgenauere Behandlung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"ADHS ist eine neurologische Entwicklungsst\u00f6rung, die durch Unaufmerksamkeit, Impulsivit\u00e4t und teils motorische Unruhe gekennzeichnet ist. 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