{"id":3704,"date":"2026-02-20T21:18:22","date_gmt":"2026-02-20T21:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/3704\/"},"modified":"2026-02-20T21:18:22","modified_gmt":"2026-02-20T21:18:22","slug":"klimaaktivisten-der-letzten-generation-bei-prozess-in-wien-zu-geldstrafen-verurteilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/3704\/","title":{"rendered":"Klimaaktivisten der \u201cLetzten Generation\u201d bei Prozess in Wien zu Geldstrafen verurteilt"},"content":{"rendered":"<p>              20.02.2026 13:16<\/p>\n<p>              (Akt. 20.02.2026 13:43)<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ABD0028-20230502-4-3-4213241185889-1185x889.jpg\"   alt=\"Gericht verh\u00e4ngte Strafen im Fall der &quot;Letzten Generation&quot;.\" title=\"Gericht verh\u00e4ngte Strafen im Fall der &quot;Letzten Generation&quot;.\"\/><\/p>\n<p>                    Gericht verh\u00e4ngte Strafen im Fall der &#8222;Letzten Generation&#8220;.<br \/>\n                     \u00a9APA\/EVA MANHART<\/p>\n<p>\n        Am Wiener Landesgericht hat es am Freitag die ersten beiden nicht rechtskr\u00e4ftigen Schuldspr\u00fcche im Verfahren gegen die fr\u00fchere Klimaschutzbewegung &#8222;Letzte Generation&#8220; wegen Sachbesch\u00e4digung und schwerer Sachbesch\u00e4digung gegeben.\n      <\/p>\n<p>Zwei fr\u00fchere Aktivistinnen wurden zu Geldstrafen verurteilt. Vier Angeklagte bekamen eine Diversion. Basis f\u00fcr die Vorw\u00fcrfe waren Farbproteste am Flughafen Wien-Schwechat, beim Landhaus St. P\u00f6lten und beim Bundeskanzleramt in den Jahren 2023 und 2024.<\/p>\n<p>\n            Staatsanwaltschaft: Motiv rechtlich unerheblich\n          <\/p>\n<p>Bereits zu Beginn der Verhandlung wurden die entscheidenden Fragen des Verfahrens deutlich. Das Versammlungsrecht decke &#8222;keine Eingriffe in das Eigentum Dritter&#8220;, betonte die Staatsanw\u00e4ltin. Aus ihrer Sicht sei das Motiv der Proteste f\u00fcr die rechtliche Beurteilung &#8222;au\u00dfer Acht zu lassen&#8220;, wie die Anklagevertreterin erkl\u00e4rte. Die Verteidiger sahen das am Vormittag erwartungsgem\u00e4\u00df anders. Rechtsanwalt Clemens Lahner verwies auf &#8222;achtenswerte Beweggr\u00fcnde&#8220; f\u00fcr die Taten als Milderungsgr\u00fcnde. &#8222;Der Versuch, den Planeten f\u00fcr uns und unsere Kinder in einem lebenswerten Zustand zu erhalten, ist sehr wohl ein achtenswerter Beweggrund&#8220;, entgegnete Lahner.<\/p>\n<p>Verteidiger Paul Kessler, der f\u00fcnf fr\u00fchere Aktivistinnen und Aktivisten vertrat, betonte, dass seine Mandantinnen und Mandanten Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln \u00fcbernehmen werden, stellte jedoch klar: &#8222;Die Angeklagten haben nicht aus Eigennutz gehandelt, sondern aus Verzweiflung.&#8220; Was seine Mandanten hinterlassen h\u00e4tten, sei jedoch &#8222;abwaschbar. Was die Unt\u00e4tigkeit der Politik hinterl\u00e4sst, ist es nicht&#8220;, so Kessler, der sein Pl\u00e4doyer mit einem Zitat von UNO-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres abschloss: &#8222;Wir spielen mit unserem Planeten russisches Roulette.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Kesslers Mandanten sich am Vormittag schuldig bekannten, bat Ralf Niederhammer um einen Freispruch f\u00fcr seinen Mandanten, einen 67-j\u00e4hrigen Pensionisten. Der \u00d6sterreicher hatte am 25. Oktober 2023 w\u00e4hrend eines Farbprotests beim Landhaus St. P\u00f6lten Uranin &#8211; einen gr\u00fcnen und vollst\u00e4ndig abbaubaren Farbstoff &#8211; in das Becken des Landhausschiffes eingebracht. Auch Lahner pl\u00e4dierte auf Freispruch f\u00fcr die 47-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>\n            Farbprotest am Bundeskanzleramt im Fokus\n          <\/p>\n<p>Eine fr\u00fchere R\u00e4delsf\u00fchrerin musste sich verantworten, im April 2023 das Bundeskanzleramt mit Farbe aus einem Feuerl\u00f6scher bespr\u00fcht zu haben. Zwei Polizeibeamte entrissen ihr danach den L\u00f6scher und seien ebenfalls mit Farbe bespr\u00fcht worden. &#8222;Ich spr\u00fche keine Leute an&#8220;, entgegnete sie der Richterin. Die an der damaligen Amtshandlung beteiligte Beamtin gab im Zeugenstand an, die Angeklagte habe &#8222;bewusst auf sie gezielt&#8220;. Ihr Kollege war sich dazu jedoch unsicher. Die Uniformen seien jedenfalls in der Waschmaschine zu reinigen gewesen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde der Richterin von Seiten der Verteidigung ein Video der Amtshandlung pr\u00e4sentiert, das die 34-J\u00e4hrige jedoch entlastet.<\/p>\n<p>Die Angeklagte gab an, dass sie mit der Aktion die Gesellschaft wachr\u00fctteln wollte. Allerdings habe sie heute keinerlei Hoffnung mehr. &#8222;Ich habe eingesehen, dass die Welt, so wie wir sie kennen, den Bach runter geht.&#8220;<\/p>\n<p>Die f\u00fcr das Bundeskanzleramt zust\u00e4ndige Burghauptmannschaft hatte damals keinen Schadenersatz gefordert. Kessler erkl\u00e4rte im Prozess, er \u00fcbernehme den Schaden selbst: &#8222;Das kann ich der Republik gerne zahlen.&#8220;<\/p>\n<p>\n            Unterschiedliche Angaben zum Protest in St. P\u00f6lten\n          <\/p>\n<p>Im Falle des Farbprotests beim St. P\u00f6ltener Landhaus im Oktober 2023 stand die Frage im Raum, ob die zwei Beschuldigten sich zuvor abgesprochen hatten und ob die Aktionen &#8211; das Bespr\u00fchen der Glasfassade und die F\u00e4rbung des Wasserbeckens &#8211; gleichzeitig stattfanden. In den Akten fanden sich dazu unterschiedliche Angaben der Polizei. Die 47-J\u00e4hrige und der 67-J\u00e4hrige bestritten, von den konkreten Aktionen des jeweils anderen gewusst zu haben.<\/p>\n<p>Der Verteidiger des 67-J\u00e4hrigen f\u00fchrte ins Treffen, dass die Spr\u00fchaktion bereits abgeschlossen gewesen sei und er daher keine best\u00e4rkende Tathandlung gesetzt habe. Weil noch weitere Zeugen im Fall des Pensionisten befragt werden m\u00fcssen, wurde sein Verfahren abgeschieden. Ein neuer Termin soll in den kommenden Wochen stattfinden.<\/p>\n<p>\n            Geldstrafen und Diversionen verh\u00e4ngt\n          <\/p>\n<p>Im Juli 2024 sollen eine 20-J\u00e4hrige und drei 26-j\u00e4hrige Angeklagte an Farb- und Klebeaktionen am Flughafen Wien beteiligt gewesen sein. Alle vier bekannten sich zu den Vorw\u00fcrfen schuldig und bedauerten etwaige Folgen f\u00fcr betroffene Urlauber. Allerdings sei es zu keinen Versp\u00e4tungen gekommen, betonte eine Angeklagte. Zudem wurden die angefallenen Kosten in H\u00f6he von mehreren tausend Euro f\u00fcr die Entfernung der Farb- und Klebereste bereits durch die ehemaligen Aktivistinnen und Aktivisten beglichen. &#8222;Ich habe hohe Schulden, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn das \u00fcbernommen wird und wenn irgendwer spendet&#8220;, sagte die arbeitslose 26-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Die Richterin bot der 20-J\u00e4hrigen, der 47-J\u00e4hrigen sowie zwei 26-J\u00e4hrigen eine Diversion in Form einer Geldbu\u00dfe an, die von allen angenommen wurde. Die vier gelten damit weiterhin als unbescholten. F\u00fcr die 34-J\u00e4hrige setzte es eine unbedingte Geldstrafe wegen Sachbesch\u00e4digung in H\u00f6he von 320 Euro (80 Tagess\u00e4tze zu je vier Euro). Die 26-J\u00e4hrige fasste eine unbedingte Geldstrafe in H\u00f6he von 360 Euro (90 Tagess\u00e4tzen zu je vier Euro) wegen schwerer Sachbesch\u00e4digung aus, wobei die Richterin in beiden F\u00e4llen das Motiv, die Schadensgutmachung sowie die Unbescholtenheit der beiden Frauen als mildernd wertete. Die 34-J\u00e4hrige nahm das Urteil an, die 26-J\u00e4hrige, die noch im Fr\u00fchjahr eine Ausbildung beginnen will, erbat sich Bedenkzeit. Die Staatsanwaltschaft gab am Freitag keine Erkl\u00e4rung ab.<\/p>\n<p>\n            Kundgebung f\u00fcr Angeklagte vor Wiener Landesgericht\n          <\/p>\n<p>Der Auftakt des Prozesses hatte am Freitag unter erh\u00f6hten Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. Zahlreiche Polizistinnen und Polizisten der Bereitschaftseinheit waren im Saal. Zuvor hatten sich mehrere Dutzend Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer bei einer Kundgebung f\u00fcr die Angeklagten vor dem Landesgericht versammelt.<\/p>\n<p>Insgesamt sind 47 ehemalige Mitglieder der mittlerweile aufgel\u00f6sten Klimaschutzbewegung in dem auf mehrere Bl\u00f6cke aufgeteilten Verfahren angeklagt. Die n\u00e4chsten Verhandlungstermine finden im M\u00e4rz statt. Die &#8222;Letzte Generation&#8220; hatte bis zu ihrer Aufl\u00f6sung im Sommer 2024 immer wieder mit Blockaden auf Stra\u00dfen, Autobahnen oder an anderen Verkehrsknotenpunkten oder Farbsch\u00fcttaktionen gegen die Klimapolitik der damaligen t\u00fcrkis-gr\u00fcnen Bundesregierung protestiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20.02.2026 13:16 (Akt. 20.02.2026 13:43) Gericht verh\u00e4ngte Strafen im Fall der &#8222;Letzten Generation&#8220;. \u00a9APA\/EVA MANHART Am Wiener Landesgericht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3705,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[46,42,2826,2827,2828,2829,2830,44,198,2831,1433,181,182,423],"class_list":{"0":"post-3704","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wien","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-diversion","11":"tag-geldstrafen","12":"tag-klimaaktivisten","13":"tag-klimakleber","14":"tag-letzte-generation","15":"tag-oesterreich","16":"tag-prozess","17":"tag-schuldsprueche","18":"tag-urteil","19":"tag-vienna","20":"tag-wien","21":"tag-wien-aktuell"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3704\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}