{"id":371570,"date":"2026-09-02T21:26:21","date_gmt":"2026-09-02T21:26:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/371570\/"},"modified":"2026-09-02T21:26:21","modified_gmt":"2026-09-02T21:26:21","slug":"200-400-grad-celsius-thermische-anomalie-unter-dem-mars-suedpol-entdeckt-gezeitentomografie-enthuellt-tiefe-nord-sued-asymmetrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/371570\/","title":{"rendered":"200 &#8211; 400 Grad Celsius: Thermische Anomalie unter dem Mars-S\u00fcdpol entdeckt &#8211; Gezeitentomografie enth\u00fcllt tiefe Nord-S\u00fcd-Asymmetrie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/D\/i\/Die-topografische-Marskarte-zeigt-zusaetzlich-das-aus-saisonalen-Gezeiteneffekten-abgeleitete-Schermodul-des-Mantels.-Demnach-ist-das-Mantelgestein-in-der-Nordhaelfte-fester.webp\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/D\/i\/Die-topografische-Marskarte-zeigt-zusaetzlich-das-aus-saisonalen-Gezeiteneffekten-abgeleitete-Schermodul-des-Mantels.-Demnach-ist-das-Mantelgestein-in-der-Nordhaelfte-fester.webp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-315682\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1788384381_632_Die-topografische-Marskarte-zeigt-zusaetzlich-das-aus-saisonalen-Gezeiteneffekten-abgeleitete-Scherm.webp\" alt=\"Die topografische Marskarte zeigt zus\u00e4tzlich das aus saisonalen Gezeiteneffekten abgeleitete Schermodul des Mantels. Demnach ist das Mantelgestein in der Nordh\u00e4lfte fester \u00a9 Berne et al.\/ Nature, CC-by 4.0\" width=\"300\" height=\"137\"  \/><\/a>Die topografische Marskarte zeigt zus\u00e4tzlich das aus saisonalen Gezeiteneffekten abgeleitete Schermodul des Mantels. Demnach ist das Mantelgestein in der Nordh\u00e4lfte fester \u00a9 Berne et al.\/ Nature, CC-by 4.0<br \/>\nGezeiten machen den Mantel messbar<\/p>\n<p>Die Sonne zieht wegen Mars\u2019 elliptischer Bahn und geneigter Rotationsachse im Laufe des 687 Tage langen Marsjahrs unterschiedlich stark am Planeten, wodurch er sich minimal verformt und sein Schwerefeld ver\u00e4ndert. F\u00fcr eine kugelsymmetrische innere Struktur w\u00e4ren nur bestimmte Muster zu erwarten, w\u00e4hrend seitliche Unterschiede im Mantel zus\u00e4tzliche Signale h\u00f6herer Ordnung erzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Um diese Signale herauszul\u00f6sen, analysierten die Forscher X-Band-Dopplerdaten von Mars Global Surveyor, Mars Odyssey und Mars Reconnaissance Orbiter, die insgesamt 16 Jahre abdecken und kleinste Geschwindigkeits\u00e4nderungen der Raumsonden erfassen. Die sogenannte Gezeitentomografie nutzt solche Bahnst\u00f6rungen, um die r\u00e4umliche Verteilung elastischer Eigenschaften im Planeteninneren zu rekonstruieren.\n<\/p>\n<p>Die Komponenten dritten Grades des zeitlich ver\u00e4nderlichen Schwerefelds wichen teils um rund 300 Prozent von den Erwartungen f\u00fcr ein kugelsymmetrisches Marsmodell ab. Die Inversion der Messdaten l\u00e4sst sich am besten erkl\u00e4ren, wenn sich der effektive Schermodul des Mantels zwischen den Hemisph\u00e4ren um mehr als 20 Prozent ver\u00e4ndert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/D\/e\/Der-Marsmantel-ist-in-der-Suedhaelfte-heisser-und-weicher-als-im-Norden.-Moeglicherweise-steigt-dort-noch-heute-glutfluessiges-Magma-bis-zur-Kruste-auf.webp\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/D\/e\/Der-Marsmantel-ist-in-der-Suedhaelfte-heisser-und-weicher-als-im-Norden.-Moeglicherweise-steigt-dort-noch-heute-glutfluessiges-Magma-bis-zur-Kruste-auf.webp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-315681\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Der-Marsmantel-ist-in-der-Suedhaelfte-heisser-und-weicher-als-im-Norden.-Moeglicherweise-steigt-dort.webp\" alt=\"Der Marsmantel ist in der S\u00fcdh\u00e4lfte hei\u00dfer und weicher als im Norden. M\u00f6glicherweise steigt dort noch heute glutfl\u00fcssiges Magma bis zur Kruste auf \u00a9 Berne et al.\/ Nature, CC-by 4.0\" width=\"300\" height=\"205\"  \/><\/a>Der Marsmantel ist in der S\u00fcdh\u00e4lfte hei\u00dfer und weicher als im Norden. M\u00f6glicherweise steigt dort noch heute glutfl\u00fcssiges Magma bis zur Kruste auf \u00a9 Berne et al.\/ Nature, CC-by 4.0\n<\/p>\n<p>S\u00fcdlicher Mantel ist deutlich w\u00e4rmer<\/p>\n<p>Der Schermodul beschreibt, wie stark sich Gestein gegen eine Scherverformung wehrt. Auf der langen saisonalen Zeitskala reagiert Olivin, ein wichtiges Mantelmineral, besonders empfindlich auf Temperatur, sodass die beobachtete Weichheit im S\u00fcden im Modell \u00fcberwiegend einem Temperatur\u00fcberschuss von etwa 200 bis 400 Grad Celsius gegen\u00fcber dem Norden entspricht.\n<\/p>\n<p>Zusammensetzungsunterschiede k\u00f6nnen einen Teil des Signals beitragen, reichen allein aber nicht aus, wobei die Modelle im s\u00fcdlichen Mantel eine Eisenanreicherung von bis zu f\u00fcnf Prozent erlauben. Teilweise Schmelze w\u00e4re bei den h\u00f6heren Temperaturen denkbar und k\u00f6nnte das erforderliche Temperaturgef\u00e4lle verringern, ist f\u00fcr die gemessenen Schwerefeldsignale aber nicht zwingend n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Mehrere Ursachen k\u00f6nnen zusammenwirken<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entstehung des Musters diskutiert die Studie drei Hauptszenarien. Ein fr\u00fcher gigantischer Einschlag k\u00f6nnte die Marsdichotomie gepr\u00e4gt haben, doch seine W\u00e4rme allein sollte nicht \u00fcber Milliarden Jahre erhalten bleiben, w\u00e4hrend gro\u00dfr\u00e4umige Mantelaufstr\u00f6mungen den S\u00fcden bis heute w\u00e4rmer halten k\u00f6nnten. Auch die dickere Kruste der s\u00fcdlichen Hochl\u00e4nder k\u00f6nnte wie eine Isolierschicht wirken und W\u00e4rme, einschlie\u00dflich W\u00e4rme aus radioaktivem Zerfall, st\u00e4rker im Mantel festhalten.\n<\/p>\n<p>Keine dieser M\u00f6glichkeiten erkl\u00e4rt bislang alle Beobachtungen eindeutig. Ein kombiniertes Szenario ist deshalb denkbar, bei dem ein fr\u00fcher Einschlag zun\u00e4chst Zusammensetzung und Krustendicke der Hemisph\u00e4ren ver\u00e4nderte und sp\u00e4tere Isolierung oder gro\u00dfr\u00e4umige Aufstr\u00f6mung den s\u00fcdlichen Mantel \u00fcber lange Zeit w\u00e4rmer hielt.\n<\/p>\n<p>Neue Methode f\u00fcr k\u00fcnftige Missionen<\/p>\n<p>Die r\u00e4umliche \u00dcbereinstimmung zwischen der Mantelanomalie und der Oberfl\u00e4chengrenze liefert damit eine neue Randbedingung f\u00fcr Modelle zur Marsgeschichte und passt zu fr\u00fcheren Hinweisen, dass seismische Wellen im s\u00fcdlichen Hochland st\u00e4rker ged\u00e4mpft werden. Direkte Temperaturmessungen aus verschiedenen Regionen fehlen aber weiterhin.\n<\/p>\n<p>Die Forscher sehen in der Gezeitentomografie deshalb auch ein Werkzeug f\u00fcr weitere Erkundungen, denn speziell auf Gravitation ausgelegte Missionen k\u00f6nnten feinere Strukturen im Marsmantel aufl\u00f6sen. Nach demselben Prinzip lie\u00dfe sich k\u00fcnftig auch das Innere anderer Himmelsk\u00f6rper aus der Umlaufbahn untersuchen, etwa von Merkur, Ganymed, Io oder Enceladus.\n<\/p>\n<p>Quellen:\n<\/p>\n<p>1. September 2026\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Robert Klatt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die topografische Marskarte zeigt zus\u00e4tzlich das aus saisonalen Gezeiteneffekten abgeleitete Schermodul des Mantels. 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