{"id":371987,"date":"2026-09-03T02:22:17","date_gmt":"2026-09-03T02:22:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/371987\/"},"modified":"2026-09-03T02:22:17","modified_gmt":"2026-09-03T02:22:17","slug":"gas-speicherziele-kaum-mehr-erreichbar-preisrisiken-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/371987\/","title":{"rendered":"Gas: Speicherziele kaum mehr erreichbar \u2013 Preisrisiken steigen"},"content":{"rendered":"<p>Am dritten Tag in Folge sind die europ\u00e4ischen Gaspreise gestiegen. Am Mittwochvormittag (2.\u00a0September) notierte der Erdgas-Terminkontrakt zur Lieferung in einem Monat an der B\u00f6rse in Amsterdam bei 74,43 Euro pro Megawattstunde. Das ist der h\u00f6chste Stand seit Beginn des Iran-Kriegs. Am Mittwochnachmittag lag die Notierung immer noch bei \u00fcber 72 Euro. Der Grund f\u00fcr den anhaltenden H\u00f6henflug: Die Angriffe der USA und des Iran d\u00e4mpfen die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Energielieferungen \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus.<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Referenzerwartung hinsichtlich der Dauer des Konflikts hat sich inzwischen deutlich nach hinten verschoben&#8220;, schreibt Florian B\u00f6hnke, Senior Analyst f\u00fcr den Gas- und LNG-Markt beim Preisinformationsdienst ICIS. Dadurch seien sowohl die Risiken f\u00fcr die rechtzeitige Bef\u00fcllung der Gasspeicher als auch die Preisrisiken am europ\u00e4ischen Gasmarkt gestiegen.<\/p>\n<p>Lesen Sie au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.zfk.de\/unternehmen\/beschaffung\/gasversorgung-deutschland-speicher-sueden-uniper-sefe-bmwe-ines\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Gasversorgung im Winter: Der S\u00fcden steht besonders im Fokus<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"2560\" height=\"2560\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Boehnke-Florian-Analyst-ICIS-scaled.jpg\" purple-ref=\"b9b7515a-16d7-488d-af71-ae54048d3410\" alt=\"\" class=\"wp-image-211574\"\/>Florian Boehnke ist Senior Analyst f\u00fcr den Gas- und Energiemarkt beim Preisinformationsdienst ICIS.Bild: \u00a9 ICIS<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitattext\">Wir gehen inzwischen von einem F\u00fcllstand von 64 Prozent in Deutschland bis 1. Dezember aus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitatname\">Florian Boehnke,<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitatposition\">Senior Analyst f\u00fcr den Gas- und LNG-Markt beim Preisinformationsdienst ICIS<\/p>\n<p>Der F\u00fcllstand der deutschen Gasspeicher liegt mittlerweile im Schnitt bei 53,28 Prozent. Der Konflikt am Golf geht in den siebten Monat, die Zeit bis zum Beginn der Heizperiode wird immer k\u00fcrzer: &#8222;Ein Speicherf\u00fcllstand von \u00fcber 70 Prozent vor Beginn des Winters ist inzwischen nicht mehr realistisch&#8220;, so B\u00f6hnke weiter. Um dieses Ziel zu erreichen, h\u00e4tten bereits im August deutlich h\u00f6here Einspeicherungen stattfinden m\u00fcssen. In einer Studie von Anfang August hatte ICIS die Erreichung dieses Zielwertes \u2013 ein schnelleres Einspeichertempo vorausgesetzt \u2013 noch f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n<p>Lesen Sie au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.zfk.de\/unternehmen\/beschaffung\/gasspeicher-vor-dem-winter-abwarten-koennte-teuer-werden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Gasspeicher vor dem Winter: Abwarten k\u00f6nnte teuer werden<\/a><\/p>\n<p>Bei ICIS h\u00e4lt man mittlerweile bis zum 1. Dezember nur noch einen F\u00fcllstand von rund 64 Prozent f\u00fcr m\u00f6glich. Das entspr\u00e4che rund 160 Terawattstunden (TWh). &#8222;Das w\u00e4re der niedrigste Wert innerhalb der vergangenen Dekade zu diesem Stichtag&#8220;, betont B\u00f6hnke.<\/p>\n<p>Die Vorgaben f\u00fcr die Gas-Speicherf\u00fcllst\u00e4nde<\/p>\n<p>Die Gasspeicher in Deutschland m\u00fcssen zum 1. November des jeweiligen Jahres zu mindestens 80 Prozent gef\u00fcllt sein. So sieht es die noch relativ junge Gasspeicherf\u00fcllstandsverordnung vor. Ausnahmen gibt es f\u00fcr einige gr\u00f6\u00dfere Speicher, wie Uelsen, Frankenthal oder Bad Lauchst\u00e4dt, mit einer F\u00fcllstandsvorgabe von rund 45 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch die Vorgabe eines durchschnittlichen Speicherf\u00fcllstands von 70 Prozent bis Anfang November. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass 60 bis 70 Prozent bis Anfang November ausreichen m\u00fcssten, um die durchschnittliche Nachfrage eines Winters zu decken, hei\u00dft es auf dem Onlineportal der Tagesschau. <\/p>\n<p>Die EU-Vorgabe ist noch ambitionierter und sieht vor, dass die Gasspeicher der Mitgliedstaaten zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember zu 90 Prozent gef\u00fcllt sein sollen. Unter bestimmten Marktbedingungen k\u00f6nnen die Zielwerte um bis zu 10 Prozentpunkte unterschritten werden. Dies entspricht einem Zielwert von 80 Prozent.<\/p>\n<p>Einspeichertempo reicht nicht aus<\/p>\n<p>Zwar seien im vergangenen Monat rund 15 Terawattstunden (TWh) an Gas eingespeichert worden. F\u00fcr das Erreichen der 72-Prozent-Marke w\u00e4re jedoch \u00fcber die kommenden Monate ein Einspeichertempo erforderlich, das bisher historisch kaum beobachtet wurde. Insbesondere der November sei kein Monat, in dem nennenswerte Mengen an Gas eingespeichert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aktuell bef\u00e4nden sich rund 131 TWh Gas in deutschen Speichern. Das nationale Ziel von 72 Prozent entspreche etwa 173 TWh. Damit fehlten derzeit noch rund 42 TWh, um dieses Ziel zu erreichen. F\u00fcr ein realistischeres Ziel von 64 Prozent fehlten noch 29 TWh auf insgesamt 160 TWh.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"1747\" height=\"1771\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Schroeder-Andreas-Analyst-ICISMarch_2026_1747x1771.jpg\" purple-ref=\"bb343e89-e74a-4c5e-beec-1a0ba950c0df\" alt=\"\" class=\"wp-image-211576\"\/>Bild: \u00a9 ICIS<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitattext\">&#8222;Aus unserer Sicht handelt es sich mehr um ein Preisrisiko und weniger um ein unmittelbares Versorgungsrisiko.&#8220;<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitatname\">Andreas Schr\u00f6der,<\/p>\n<p class=\"wp-block-purple-zitatposition\">Head of Energy Analytics (Gas, LNG) bei ICIS<\/p>\n<p>Die Versorgungssicherheit sch\u00e4tzt ICIS auch f\u00fcr den kommenden Winter weiterhin als grunds\u00e4tzlich gew\u00e4hrleistet ein, erg\u00e4nzt Andreas Schr\u00f6der, Head of Energy Analytics (Gas, LNG) bei ICIS. Deutschland beziehe nach wie vor gro\u00dfe Mengen Gas aus Norwegen, und auch wenn LNG-Lieferungen aus Katar derzeit nicht verf\u00fcgbar seien, liefen die \u00fcbrigen Bezugsquellen auf hohem Niveau.<\/p>\n<p>Zudem sei die globale LNG-Infrastruktur vergleichsweise breit diversifiziert, sodass einzelne Ausf\u00e4lle in der Regel kompensiert werden k\u00f6nnten. &#8222;Aus unserer Sicht handelt es sich deshalb derzeit prim\u00e4r um ein Preisrisiko und weniger um ein unmittelbares Versorgungsrisiko&#8220;, so Schr\u00f6der.<\/p>\n<p>Lesen Sie au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.zfk.de\/energie\/gas\/gashandel-stellt-sich-auf-eine-laengere-energiekrise-ein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Der Gashandel stellt sich auf eine l\u00e4ngere Energiekrise ein<\/a><\/p>\n<p>Wie sich der F\u00fcllstand bis Ende der Heizperiode entwickeln k\u00f6nnte<\/p>\n<p>Die Modellergebnisse von ICIS zeigten zudem, dass der F\u00fcllstand in den Monaten Dezember bis M\u00e4rz n\u00e4chsten Jahres auf etwa 54 TWh beziehungsweise rund 20 Prozent sinken k\u00f6nnte.<br \/>Im vergangenen Winter 2025\/26 wurden in Deutschland von Oktober 2025 bis einschlie\u00dflich M\u00e4rz 2026 rund 600 TWh Gas verbraucht. <\/p>\n<p>Bilanziell wurden davon etwas mehr als 140 TWh aus Speichern gedeckt. Vor dem Winter lagen die Speicherbest\u00e4nde in Deutschland bei 191 TWh, Ende Februar 2026 hingegen nur noch bei 51 TWh. Dies geschah bei voller Verf\u00fcgbarkeit der internationalen LNG-Mengen, so der ICIS-Analyst.<\/p>\n<p>Lage ist deutlich angespannter als im Vorjahr<\/p>\n<p>Europaweit stellte sich die Speichersituation im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich entspannter dar. Zum H\u00f6chststand waren die Speicher zu 83 Prozent gef\u00fcllt, aktuell sind es 65,4 Prozent.<\/p>\n<p>&#8222;Dementsprechend sind Deutschland und seine Nachbarn in diesem Winter deutlich st\u00e4rker auf LNG-Importe angewiesen. Und das in einer deutlich angespannteren Lage&#8220;, sagt Schr\u00f6der.<\/p>\n<p>Lesen Sie au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.zfk.de\/unternehmen\/gasmarkt-volatilitaet-stadtwerke-gasspeicher-lng-iran-konflikt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Au\u00dfergew\u00f6hnliche Lage am Energiemarkt: Was Stadtwerke jetzt wissen m\u00fcssen<\/a><\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Gaspreise mit deutlichem Aufw\u00e4rtspotenzial<\/p>\n<p>Deutschland beziehungsweise Europa werden verst\u00e4rkt um LNG-Importe konkurrieren m\u00fcssen beziehungsweise mittelfristig h\u00f6here Preise bieten m\u00fcssen, damit LNG-Schiffe mit flexiblem Zielort wieder verst\u00e4rkt europ\u00e4ische H\u00e4fen anlaufen. &#8222;Obwohl die Gro\u00dfhandelspreise f\u00fcr den europ\u00e4ischen Leitpreis TTF zuletzt deutlich gestiegen sind und sich der Spread zu den asiatischen Preisen entsprechend verringert hat, zeigen unsere Modellergebnisse weiterhin erhebliches Aufw\u00e4rtspotenzial&#8220;, betont Schr\u00f6der. Dieses h\u00e4nge jedoch ma\u00dfgeblich von der angenommenen Dauer des Konflikts ab. Aktuell liegt der Preis f\u00fcr die durchschnittlichen Monatskontrakte im Winter bei 72,30 Euro pro Megawattstunde (MWh) f\u00fcr den THE.<\/p>\n<p>Unterstellt man eine kurzfristige Friedensl\u00f6sung und die Wiederaufnahme der LNG-Fl\u00fcsse aus Katar noch vor Beginn des Winters (Mitte Oktober), w\u00fcrden die durchschnittlichen Monatspreise auf rund 64 Euro pro MWh sinken. Ein Gro\u00dfteil dieses Preisr\u00fcckgangs entfiele dabei auf die Kontrakte zum Ende des ersten Quartals 2027.<\/p>\n<p>So stark k\u00f6nnten die Terminpreise  steigen<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Referenzerwartung hinsichtlich der Konfliktdauer hat sich zuletzt jedoch deutlich nach hinten verschoben. H\u00e4lt der Konflikt bis M\u00e4rz 2027 an, modellieren wir ein noch h\u00f6heres Preisniveau als ohnehin bereits erwartet&#8220;, sagt Schr\u00f6der. In der Spitze w\u00fcrden sich dann f\u00fcr einzelne Monatskontrakte Modellergebnisse von 86 bis 88 Euro pro MWh ergeben.<\/p>\n<p>Lesen Sie au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.zfk.de\/energie\/versorgungssicherheit-erdgas-lng-gasspeicher-bmwe-rheden-fuellstaende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Die Versorgungssicherheit steht auf dem Spiel<\/a><\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit eines staatlichen Eingriffs h\u00e4lt Schr\u00f6der weiterhin f\u00fcr gering. Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnte der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) zus\u00e4tzliche marktbasierte Anreize f\u00fcr Einspeicherungen schaffen. &#8222;Aktuell sehen wir jedoch keine konkreten Hinweise darauf, dass entsprechende Ma\u00dfnahmen vorbereitet werden&#8220;, erkl\u00e4rt Schr\u00f6der. Konkrete Konzepte k\u00f6nnten eine Pr\u00e4mie f\u00fcr eingespeichertes Gas zu einem gewissen Stichtag nach italienischem Vorbild sein. Dadurch w\u00fcrden sich f\u00fcr die Akteure andere Sommer-Winter-Spreads ergeben. Direkte Beschaffungen respektive Ausschreibungen seien ebenfalls m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am dritten Tag in Folge sind die europ\u00e4ischen Gaspreise gestiegen. 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