{"id":374390,"date":"2026-09-04T05:33:11","date_gmt":"2026-09-04T05:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/374390\/"},"modified":"2026-09-04T05:33:11","modified_gmt":"2026-09-04T05:33:11","slug":"ki-erkennt-migraene-als-mehr-als-nur-kopfschmerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/374390\/","title":{"rendered":"KI erkennt Migr\u00e4ne als mehr als nur Kopfschmerz"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahrzehnten stellen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte die Diagnose Migr\u00e4ne vor allem nach klassischem Muster: Sie fragen ihre Patientinnen und Patienten, wie sich deren Kopfschmerzen anf\u00fchlen.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Es gibt keinen Bluttest, keine Bildgebung und keinen etablierten Biomarker, der die Erkrankung eindeutig nachweisen k\u00f6nnte. Stattdessen st\u00fctzen sich Klinikerinnen und Kliniker auf ein vertrautes B\u00fcndel von Symptomen: heftige Kopfschmerzen, oft begleitet von \u00dcbelkeit und Licht- oder L\u00e4rmempfindlichkeit.<\/p>\n<p>Doch neue Forschung deutet darauf hin, dass Migr\u00e4ne einen deutlich breiteren biologischen Fu\u00dfabdruck hinterl\u00e4sst, als diese Symptome vermuten lassen.<\/p>\n<p>Forschende in Norwegen haben mit Hilfe von Machine Learning Menschen mit Migr\u00e4ne identifiziert \u2013 anhand von Informationen, in denen die Kopfschmerzsymptome gar nicht vorkamen. Anschlie\u00dfend nutzten sie k\u00fcnstliche Intelligenz, um innerhalb der Migr\u00e4nepatienten unterschiedliche Gruppen herauszuarbeiten.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse, ver\u00f6ffentlicht im Fachblatt <a href=\"https:\/\/www.neurology.org\/doi\/10.1212\/WNL.0000000000218076\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Neurology (Quelle auf Englisch)<\/a>, legen nahe, dass Migr\u00e4ne wom\u00f6glich gar keine einheitliche Erkrankung ist, sondern \u201eeine Spektrumst\u00f6rung, die sich anhand umfassender klinischer und biologischer Daten erkennen und unterteilen l\u00e4sst \u2013 nicht allein \u00fcber kopfschmerzbezogene Symptome\u201c, schreiben die Forschenden.<\/p>\n<p>\u201eBei der Migr\u00e4ne-Diagnose gibt es viele Unstimmigkeiten. Offenbar kann uns KI helfen, die richtige Diagnose zu stellen\u201c, <a href=\"https:\/\/www.eurekalert.org\/news-releases\/1142262\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">sagte (Quelle auf Englisch)<\/a>Anker Stubberud, Arzt und Kopfschmerzforscher an der Norwegischen Universit\u00e4t f\u00fcr Wissenschaft und Technologie (NTNU).<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte langfristig auch die Behandlung ver\u00e4ndern. Wenn verschiedene Migr\u00e4neformen unterschiedliche biologische Signaturen haben, k\u00f6nnten \u00c4rztinnen und \u00c4rzte eines Tages vorhersagen, welche Patientinnen und Patienten auf welche Therapien ansprechen, \u201edamit die Betroffenen die bestm\u00f6gliche Behandlung erhalten\u201c, so Stubberud. Bislang bleibt oft nur das Prinzip Versuch und Irrtum.<\/p>\n<p>Das Team wertete Daten der Tr\u00f8ndelag Health Study aus, einer gro\u00dfen norwegischen Bev\u00f6lkerungsstudie mit klinischen Angaben aus den 1990er- und 2000er-Jahren. In die diagnostische Analyse flossen Informationen von 43.197 Menschen ein, darunter knapp 9.000 mit eingestufter Migr\u00e4ne.<\/p>\n<p>Die Forschenden speisten das KI-Modell mit Dutzenden Angaben zu Gesundheit und Lebensstil der Teilnehmenden. Dazu geh\u00f6rten unter anderem soziodemografische Merkmale, psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-Erkrankungen, Schlaf, Bewegung, Medikamentengebrauch und weitere Faktoren sowie genetische Daten.<\/p>\n<p>Entscheidend: Das Modell erhielt keine Angaben zu den typischen Merkmalen der Kopfschmerzen selbst.<\/p>\n<p>Trotzdem erreichte das beste Modell im zur\u00fcckgehaltenen Testdatensatz eine Fl\u00e4che unter der Kurve von 0,80. Dieser Wert zeigt eine recht gute Trennsch\u00e4rfe zwischen Menschen mit Migr\u00e4ne und kopfschmerzfreien Kontrollpersonen. Zus\u00e4tzliche genetische Informationen verbesserten die Leistung nur geringf\u00fcgig gegen\u00fcber den rein klinischen Daten.<\/p>\n<p>\u201eDass die KI Migr\u00e4ne so zuverl\u00e4ssig erkennen konnte, ohne irgendetwas \u00fcber den Kopfschmerz selbst zu wissen, deutet darauf hin, dass die Erkrankung Spuren hinterl\u00e4sst, die weit \u00fcber die einzelnen Anf\u00e4lle hinausreichen\u201c, sagte Stubberud.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Biologie der Migr\u00e4ne ist dieses Ergebnis bedeutsam.<\/p>\n<p>Alter war der wichtigste Pr\u00e4diktor. Dahinter folgten Faktoren wie Nackenschmerzen, Menstruation und \u00dcbelkeit, wie die Analyse der Merkmale zeigte, die die Modellvorhersagen bestimmten.<\/p>\n<p>Vier Migr\u00e4ne-Typen<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Schritt stellte das Team dem Algorithmus eine andere Aufgabe: Er sollte nicht mehr zwischen Migr\u00e4ne und anderen Kopfschmerzen unterscheiden, sondern in den Daten nach nat\u00fcrlich entstehenden Gruppen suchen.<\/p>\n<p>Unter 12.185 Personen mit ausreichend vollst\u00e4ndigen Kopfschmerzangaben identifizierte der Algorithmus einen Cluster mit 1.425 Menschen, von denen 94 Prozent die Kriterien der Forschenden f\u00fcr Migr\u00e4ne erf\u00fcllten. Ein deutlich gr\u00f6\u00dferer Cluster umfasste Menschen, deren Kopfschmerzen h\u00e4ufiger als Nicht-Migr\u00e4ne eingestuft wurden.<\/p>\n<p>Die migr\u00e4ne\u00e4hnliche Gruppe lie\u00df sich wiederum in vier Untergruppen aufteilen.<\/p>\n<p>Eine bestand ausschlie\u00dflich aus M\u00e4nnern. Eine andere zeichnete sich durch ausgepr\u00e4gte Nackenschmerzen aus. In einer dritten Gruppe traten mehr muskul\u00e4re und skelettale Schmerzen auf, kombiniert mit Angstst\u00f6rungen und Depressionen. Die vierte Gruppe entsprach eher dem, was \u00c4rztinnen und \u00c4rzte als \u201eklassische\u201c Migr\u00e4ne kennen: Die Betroffenen erlebten eine Migr\u00e4neaura. Dabei handelt es sich um vor\u00fcbergehende neurologische Symptome, die vor oder w\u00e4hrend einer Attacke auftreten k\u00f6nnen, etwa Lichtblitze, Zickzackmuster, Ausf\u00e4lle im Gesichtsfeld oder flimmernde Bereiche. Auch Kribbeln oder Taubheitsgef\u00fchle und Sprachst\u00f6rungen sind m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Auch in den genetischen Signalen unterschieden sich die Gruppen. Die Forschenden fanden heraus, dass genetische Risikoscores aus Machine-Learning-Verfahren die Gruppen besser trennten als herk\u00f6mmliche polygenetische Risikoscores.<\/p>\n<p>\u201eDas st\u00fctzt die Hypothese, dass Migr\u00e4ne keine einzelne Erkrankung ist, sondern eine heterogene Gruppe verschiedener biologischer Zust\u00e4nde\u201c, sagte Stubberud.<\/p>\n<p>Die m\u00f6glichen Folgen reichen damit \u00fcber einen verbesserten Diagnosetest hinaus.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse k\u00f6nnten eine alte Frustration von Patientinnen, Patienten und \u00c4rztinnen, \u00c4rzten erkl\u00e4ren: weshalb ein Medikament bei einer Person mit Migr\u00e4ne hervorragend wirkt, bei einer anderen aber kaum Besserung bringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Jahrzehnten stellen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte die Diagnose Migr\u00e4ne vor allem nach klassischem Muster: Sie fragen ihre Patientinnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":374391,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,42,124,937,123,301,44,20784],"class_list":["post-374390","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-austria","tag-gesundheit","tag-gesundheitswesen","tag-health","tag-norwegen","tag-oesterreich","tag-public-health"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117211143309753898","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=374390"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374390\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/374391"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=374390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=374390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=374390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}