{"id":375202,"date":"2026-09-04T14:01:11","date_gmt":"2026-09-04T14:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375202\/"},"modified":"2026-09-04T14:01:11","modified_gmt":"2026-09-04T14:01:11","slug":"ki-haelt-den-goldhelm-fuer-einen-rembrandt-berlin-widerspricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375202\/","title":{"rendered":"KI h\u00e4lt den \u201eGoldhelm\u201c f\u00fcr einen Rembrandt \u2013 Berlin widerspricht"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Rappelt es gerade mal wieder in der Kiste der Kunstgeschichte? Der Deutschlandfunk meldet am 2. September  etwas, das aufhorchen l\u00e4sst. Tags darauf titeln Medien, die es gerne knallig m\u00f6gen: \u201eMuss die Kunstgeschichte jetzt umgeschrieben werden?\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Headline lautet \u201eKunstforschung: KI h\u00e4lt den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/historische-kunstwerke-echtheits-praedikat-fuer-70-rembrandt-gemaelde-26088\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201aMann mit dem Goldhelm\u2018<\/a>\u00a0f\u00fcr einen Rembrandt\u201c. Und weiter: \u201eNun sieht eine KI mit 96-prozentiger Wahrscheinlichkeit doch Rembrandts Handschrift in dem Bild.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ein amerikanisches IT-Paar, das offenbar mit K\u00fcnstlicher Intelligenz Kunstexpertisen erstellt, behauptet tats\u00e4chlich, es beweisen zu k\u00f6nnen. Konkrete Angaben machten weder der Radiosender noch die elektrisierten Bl\u00e4tter. Aber: Kann KI wirklich die Kunstgeschichte neu schreiben?\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Jeder, der Rembrandt liebt, wei\u00df es \u2013 und bedauert es zugleich noch immer: \u201eDer Mann mit dem Goldhelm\u201c von 1655, einst Hochkar\u00e4ter im Rembrandt-Konvolut der Berliner <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/nun-doch-ein-rembrandt-in-der-berliner-gemaeldegalerie-219943\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gem\u00e4ldesammlung<\/a>, ist seit 40 Jahren \u201eheruntergestuft\u201c, stammt wohl nur aus \u201eRembrandts Umfeld\u201c. 1986 brachte eine Forschungsinitiative, an der auch ein namhafter Berliner Restaurator und das an Experten reiche Amsterdamer Rembrandt Research Project (RRP) unter dem unbestrittenen  Rembrandt-Papst Ernst van de Wetering\u00a0 (1938\u20132021)  beteiligt waren, die desillusionierende Erkenntnis, dass der geniale Sohn eines Leidener M\u00fcllers in diesem Falle nur das Licht-auf-dunklem-Grund-Vorbild war. Nicht aber der Bildermacher.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/0480bfc7-b16c-464e-bb20-35cd23b93c34.jpg\"   alt=\"Im Rembrandt-Saal der Berliner Gem\u00e4ldegalerie, hier \u201eJakob ringt mit dem Engel\u201c (um 1659)\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Im Rembrandt-Saal der Berliner Gem\u00e4ldegalerie, hier \u201eJakob ringt mit dem Engel\u201c (um 1659)\" data-source=\"Christophe Gateau\/dpa\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Im Rembrandt-Saal der Berliner Gem\u00e4ldegalerie, hier \u201eJakob ringt mit dem Engel\u201c (um 1659)\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 Christophe Gateau\/dpa<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ein hochbegabter Maler jener Zeit, vielleicht aus Rembrandts Werkstatt oder Schule, hatte wohl den Meister \u00fcberfl\u00fcgeln wollen und  fast perfekt in dessen Stilistik eine Art Kriegsgott gemalt: Mars, der Helm auf seinem Kopf eine Augsburger Goldschmiedearbeit, wie die Forschung herausfand. F\u00fcr die Nachwelt war er \u00fcber die Jahrhunderte unbezweifelt ein Rembrandt. 1897 hatte Wilhelm von Bode das Bild aus einer Schweizer Privatsammlung im Namen des Kaiser-Friedrich- Museumsvereins angekauft.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Schon seit den 1960er-Jahren gab es in der Rembrandt-Forschung Zweifel aufgrund der extrem realistischen Darstellung des Helms, welcher der eigentliche Protagonist des Bildes ist und eben nicht das feinsinnige rembrandtsche Menschenbild. Dieser alte, vom Leben gezeichnete Mann unter dem Helm, dazu der fast reliefhafte, pastose Farbauftrag in dieser Partie, wurden als \u00dcbersteigerung des Effekts gesehen, die f\u00fcr den niederl\u00e4ndischen Maler selbst so gar nicht typisch war.\n            <\/p>\n<p>            Berlins Gem\u00e4ldegalerie erfuhr 1986 eine Desillusionierung<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Berlins Gem\u00e4ldegalerie, im Jahr 1986 bei der \u201eZur\u00fcckstufung\u201c der Zuschreibung noch im Westteil der Mauerstadt in Dahlem im Nachkriegsasyl, hat damals an dem Expertenbefund schwer geschluckt, galt das Werk\u00a0doch als Rembrandt-Inkunabel. Nach der Wiedervereinigung der Berliner Gem\u00e4ldesammlungen und deren Etablierung am Kulturforum 1998 indes war der Goldhelm-Mann im Rembrandt-Saal immerzu ein Publikumsmagnet und kein Objekt f\u00fcr abwertende Blicke.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Wie reagieren nun die unmittelbar von dieser KI-Expertise betroffenen Berliner Museumsleute und Kunsthistoriker der Staatlichen Museen \u2013 Preu\u00dfischer Kulturbesitz in der Gem\u00e4ldegalerie am Kulturforum? Ist es ein Anlass, die Korken knallen zu lassen, w\u00fcrde die Rehabilitierung als Rembrandt-Original doch enorme Image- und Wertsteigerung bedeuten?\n            <\/p>\n<p>            Private Untersuchungen ohne Kontakt zum Museum<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Wir fragten Katja Kleinert, die stellvertretende Direktorin und Kustodin f\u00fcr niederl\u00e4ndische und fl\u00e4mische Kunst des 17. Jahrhunderts. Sie teilte der Berliner Zeitung dazu Folgendes mit:\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eDer \u201aMann mit Goldhelm\u2018 wurde nun erneut mithilfe von KI untersucht, diesmal von einem amerikanischen Paar. Bereits vor einiger Zeit war eine entsprechende Untersuchung von deutscher Seite durchgef\u00fchrt worden. Beide Untersuchungen erfolgten, ohne die Gem\u00e4ldegalerie einzubeziehen oder uns vorab dar\u00fcber zu informieren. Auch eine Kontaktaufnahme oder ein fachlicher Austausch im Vorfeld hat nicht stattgefunden. Soweit ich nachvollziehen kann, wurde f\u00fcr die aktuelle Auswertung nicht einmal eine hochaufl\u00f6sende Aufnahme des Gem\u00e4ldes bei uns angefragt. Das Gem\u00e4lde wurde von uns im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojekts zu den Rembrandt-Gem\u00e4lden (23011-2016) erneut eingehend untersucht. Dabei konnten wir die bereits vorgenommene Abschreibung best\u00e4tigen.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Aus Sicht der Gem\u00e4ldegalerie, f\u00fchrt Kleinert aus, handelt es sich eindeutig nicht um ein eigenh\u00e4ndiges Werk Rembrandts. Die Faszination f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten von KI bei der Zuschreibung von Kunstwerken sei zwar gro\u00df und nachvollziehbar. Dabei gerate aber leider schnell aus dem Blick, dass f\u00fcr eine wissenschaftliche Beurteilung eines Gem\u00e4ldes eine kleinteilige und differenzierte Auseinandersetzung mit dem dreidimensionalen Original, seiner Materialit\u00e4t, seiner Entstehungsgeschichte usw. erforderlich sei. Gerade diese Aspekte lassen sich durch eine externe KI-Auswertung auf Grundlage einer digitalen Aufnahme nur sehr eingeschr\u00e4nkt oder gar nicht erfassen.\n            <\/p>\n<p>            Bewertung ohne Anschauung und Kenntnis des Originals<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              F\u00fcr problematisch halten die Kunsthistoriker es insbesondere, wenn solche Untersuchungen ohne Kenntnis des Originals und ohne Einbeziehung der bereits geleisteten wissenschaftlichen Arbeit durchgef\u00fchrt und anschlie\u00dfend \u00f6ffentlich kommuniziert werden. Kleinert: \u201eDadurch entsteht schnell der Eindruck, dass sich die Gem\u00e4ldegalerie selbst an entsprechenden KI-basierten Zuschreibungsverfahren beteiligt oder ihre bisherige Einsch\u00e4tzung revidiert hat. Dies ist ausdr\u00fccklich nicht der Fall.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Es bleibt also spannend. Und vorerst bleiben Berlins H\u00fcter der Gem\u00e4lde Rembrandts und aus dessen Umkreis so skeptisch wie gelassen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rappelt es gerade mal wieder in der Kiste der Kunstgeschichte? Der Deutschlandfunk meldet am 2. 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