{"id":375787,"date":"2026-09-04T19:59:13","date_gmt":"2026-09-04T19:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375787\/"},"modified":"2026-09-04T19:59:13","modified_gmt":"2026-09-04T19:59:13","slug":"armut-schafft-keinen-arbeitsplatz-momentum-institut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375787\/","title":{"rendered":"Armut schafft keinen Arbeitsplatz &#8211; Momentum Institut"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6sterreichs Arbeitsmarkt friert ein. Wer arbeitslos wird, findet heute fast so schwer zur\u00fcck in die Besch\u00e4ftigung wie w\u00e4hrend der Corona-Krise. Im Jahresdurchschnitt schafft nur noch gut jede zehnte arbeitslose Person den Sprung in einen Job. Bei jungen Menschen sind die Chancen sogar schlechter als w\u00e4hrend der Pandemie. Das ist der Kontext, in dem derzeit \u00fcber Arbeitslose gesprochen werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Stattdessen klingt die Debatte oft so, als fehle es vor allem an Motivation. Doch wer Arbeitslosigkeit zu einer Frage des pers\u00f6nlichen Wollens erkl\u00e4rt, ignoriert die wirtschaftliche Realit\u00e4t. Wenn auf eine offene Stelle mehrere Arbeitslose kommen, k\u00f6nnen sich noch so viele Menschen anstrengen, am Ende bekommt nur eine Person den Job.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bedeutet Arbeitslosigkeit hierzulande f\u00fcr viele Armut. Mehr als die H\u00e4lfte der Arbeitslosen ist armutsgef\u00e4hrdet, deutlich mehr als im EU-Durchschnitt. Das hat auch mit dem niedrigen Arbeitslosengeld zu tun. Es ersetzt nur 55 Prozent des fr\u00fcheren Nettoeinkommens. Seit Jahresbeginn wurde ihre Lage noch einmal versch\u00e4rft: Geringf\u00fcgiger Zuverdienst zum Arbeitslosengeld ist, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr m\u00f6glich. Die Idee dahinter: Mehr finanzieller Druck soll Menschen schneller in regul\u00e4re Besch\u00e4ftigung bringen. Nur funktioniert diese Rechnung nicht, wenn die Jobs fehlen. Wer keine Stelle findet, weil Unternehmen weniger einstellen, wird durch weniger Einkommen keinen Arbeitsplatz herbeizaubern. Er wird schlicht \u00e4rmer.<\/p>\n<p>Die Politik kann fehlende Arbeitspl\u00e4tze nicht dadurch ersetzen, dass sie Arbeitslose st\u00e4rker unter Druck setzt. Gerade wenn die Konjunktur schwach ist und die Jobsuche l\u00e4nger dauert, muss die Arbeitslosenversicherung tun, wof\u00fcr sie da ist und den Einkommensverlust abfedern. Eine Nettoersatzrate von 70 Prozent w\u00fcrde verhindern, dass der Verlust des Arbeitsplatzes allzu schnell zum sozialen Absturz f\u00fchrt. Wer gerade keinen Job findet, braucht keine zus\u00e4tzliche Strafe f\u00fcr eine Wirtschaftslage, die er nicht verursacht hat.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dieser Text erschien zun\u00e4chst als Gastkommentar in der <a href=\"https:\/\/www.tt.com\/artikel\/30941477\/armut-schafft-keinen-arbeitsplatz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201aTiroler Tageszeitung\u2018.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00d6sterreichs Arbeitsmarkt friert ein. 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