{"id":375959,"date":"2026-09-04T22:05:17","date_gmt":"2026-09-04T22:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375959\/"},"modified":"2026-09-04T22:05:17","modified_gmt":"2026-09-04T22:05:17","slug":"toxicity-soad-das-werk-das-aus-dem-kinderzimmer-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/375959\/","title":{"rendered":"TOXICITY (SOAD): Das Werk, das aus dem Kinderzimmer kam"},"content":{"rendered":"<p>Als TOXICITY von <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/themen\/soad\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">System Of A Down<\/a> im September 2001 erschien, wirkte es wie ein musikalischer Urknall. Dabei begann alles erstaunlich unspektakul\u00e4r: <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/themen\/daron-malakian\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Daron Malakian<\/a> schrieb den Gro\u00dfteil der Lieder in seinem alten Kinderzimmer, w\u00e4hrend seine Eltern im Nebenzimmer fernschauten. Als die Platte ver\u00f6ffentlicht wurde und \u2018Aerials\u2019\u00a0oder \u2018Chop Suey!\u2019\u00a0pl\u00f6tzlich auf MTV liefen, erkannten seine Eltern die Melodien wieder, die sie zuvor durch die Wand geh\u00f6rt hatten.<\/p>\n<p>Malakian war in dieser Phase so produktiv, dass die Band \u00fcber 30 Lieder zur Auswahl hatte. Gemeinsam mit Rick Rubin und Manager David Benveniste entschied man demokratisch, welche St\u00fccke auf das Album kommen sollten. Die \u00fcbrigen Songs wurden sp\u00e4ter neu eingespielt und als STEAL THIS ALBUM! (2002) ver\u00f6ffentlicht \u2013 ein Beleg daf\u00fcr, wie hoch die kreative Schlagzahl in dieser Zeit war.<\/p>\n<p>Die Kunst, Chaos und Harmonie zu vereinen<\/p>\n<p>TOXICITY ist ein Album, das sich jeder eindeutigen Genre-Zuordnung entzieht. Es wird als Alternative Metal und Nu Metal beschrieben, aber auch als Thrash, Art Metal, Hard Rock, Progressive Metal und Heavy Metal. Dazu kommen Folk\u2011Fragmente, Jazz\u2011Ausbr\u00fcche, Middle Eastern\u2011Skalen, griechische Melodien und Instrumente wie Sitar, Banjo, Piano oder Keyboard.<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>Malakian formulierte die Herausforderung im <a href=\"https:\/\/loudwire.com\/system-of-a-down-toxicity-anniversary\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Interview mit Loudwire<\/a> so: \u201eIch wollte mehr Harmonie hinzuf\u00fcgen, aber nicht die H\u00e4rte verlieren.\u201c Dieser Spagat gelingt, weil die Band die extreme Vielfalt immer wieder auf treibende Rhythmen und melodische Hooks zur\u00fcckf\u00fchrt.<a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/themen\/serj-tankian\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Serj Tankians<\/a> Stimme ist dabei der Fixpunkt: Sie springt zwischen gesungenem Rap, hysterischen Ausbr\u00fcchen und baritonalen Growls, ohne jemals den Faden zu verlieren. Was auf dem Deb\u00fct bereits angedeutet war, wird hier zur radikalen Handschrift: System Of A Down mischen Genres wie am Buffet, aber mit dem Feingef\u00fchl eines Sternekochs. Das Ergebnis ist ein brutal melodisches Potpourri, das die Musikwelt noch nicht geh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>Im falschen Moment erschienen<\/p>\n<p>TOXICITY erschien am 4. September 2001 \u2013 und wurde eine Woche sp\u00e4ter von den Ereignissen des 11. September \u00fcberschattet. Die Band hatte unbeabsichtigt einen Soundtrack zu einer globalen Katastrophe geliefert. Serj Tankian beschrieb die Situation r\u00fcckblickend als \u201eunglaublich surreal\u201c.<\/p>\n<p>Besonders heftig wirkte \u2018Chop Suey!\u2019 in diesem Kontext. Der Refrain \u201eTrust in my self-righteous suicide \/ I cry when angels deserve to die\u201c wurde pl\u00f6tzlich mit Bildern des Einsturzes der Twin Towers assoziiert. Zweitweise wurde das Lied nicht mehr im Radio gespielt, weil die Zeilen als unpassend empfunden wurden. Viele erinnern sich daran, wie sie die T\u00fcrme einst\u00fcrzen sahen und gleichzeitig die Textzeilen aus \u2018Toxicity\u2019 h\u00f6rten: \u201eYou, what do you own the world? \/ How do you own disorder? Disorder\u2026\u201c Ein Zufall, der sich f\u00fcr die Band wie ein Schlag ins Gesicht anf\u00fchlte.<\/p>\n<p>Die Welt h\u00f6rt zu<\/p>\n<p>Schon ohne diesen Kontext w\u00e4re TOXICITY ein Ereignis gewesen. Das Album stieg direkt auf Platz 1 der Billboard 200 ein und verkaufte 220.000 Exemplare in der ersten Woche. Alle Singles erreichten die Billboard Hot 100; \u2018Aerials\u2019 wurde ein Nummer eins\u2011Hit der Rock\u2011Charts. Erst vor zwei Jahren, in der gro\u00dfen METAL HAMMER-Liste der <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/die-500-besten-metal-alben-5-system-of-a-down-toxicity-2001-2395255\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">500 besten Metal-Alben aller Zeiten<\/a>, landete TOXICITY auf Platz 10. Ein Ritterschlag, der zeigt, wie zeitlos und einflussreich dieses Werk ist.<\/p>\n<p>TOXICITY weigert sich, zu zerfallen<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste ein Album mit dieser F\u00fclle von Einfl\u00fcssen zerfasert wirken. Doch System Of A Down schafften es, durch die st\u00e4ndige R\u00fcckbesinnung auf Rhythmus und Melodie eine Klarheit zu erzeugen, die den Wahnsinn strukturiert. Schon der Opener \u2018Prison Song\u2019 dringt direkt ins Langzeitged\u00e4chtnis. Jedes St\u00fcck hat eine eigene Identit\u00e4t, aber alle geh\u00f6ren zu einem organischen Ganzen.<\/p>\n<p>\u00dcber allem thront \u2018Chop Suey!\u2019 als gr\u00f6\u00dfter Hit der Band. Ein Song, der gleichzeitig absurd, emotional und perfekt komponiert ist. Dass dieses Werk erst das zweite Album der Band ist, wirkt r\u00fcckblickend fast grotesk. Die Reife, die Konsequenz, die Vision \u2013 all das deutet auf eine Band hin, die bereits mitten in ihrer Hochphase steckt. Seine zeitlose Konstanz, sein Einfluss und seine kompromisslose Eigenst\u00e4ndigkeit machen TOXICITY zu einem der wichtigsten Metal\u2011Alben des 21. Jahrhunderts. Und zu einem Werk, das auch heute noch jede Ecke erreicht und jeden einf\u00e4ngt, der versucht, sich ihm zu entziehen.<\/p>\n<p>\u2014<br \/>Bestens informiert \u00fcber dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr au\u00dferdem mit unserem Newsletter. 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