{"id":376177,"date":"2026-09-05T01:08:09","date_gmt":"2026-09-05T01:08:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376177\/"},"modified":"2026-09-05T01:08:09","modified_gmt":"2026-09-05T01:08:09","slug":"volkshilfe-zukunftsdepot-verschaerft-soziale-ungerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376177\/","title":{"rendered":"Volkshilfe: Zukunftsdepot versch\u00e4rft soziale Ungerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesregierung diskutiert aktuell \u00fcber das von Bundeskanzler Stocker vorgeschlagene Zukunftsdepot f\u00fcr Kinder, eine Ma\u00dfnahme, die die soziale Ungleichheit in \u00d6sterreich weiter zu versch\u00e4rfen droht. Was zun\u00e4chst nach einem positiven Instrument f\u00fcr die finanzielle Absicherung von Kindern klingt, entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als ein Steuergeschenk an Familien mit hohem Einkommen, w\u00e4hrend Familien mit niedrigem Einkommen wenig oder gar nicht von der Ma\u00dfnahme profitieren w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Bis zu 5.000 Euro pro Kind und Jahr sollen dabei bis zum Erreichen der Vollj\u00e4hrigkeit spesen- und steuerbefreit angespart werden k\u00f6nnen. Nur: Wer kann in \u00d6sterreich \u00fcberhaupt Ersparnisse bilden? Wie die Konsumerhebung der Statistik Austria zeigt, ist es einem Drittel der Haushalte nicht m\u00f6glich, nennenswerte Ersparnisse zu erzielen. Ihre Einkommen flie\u00dfen nahezu vollst\u00e4ndig in den Konsum zur Deckung von Grundbed\u00fcrfnissen. Wenn m\u00fchsam \u00fcber Jahre doch etwas zusammengespart werden kann, dient dies in der Regel als kleines Sicherheitspolster f\u00fcr Notsituationen, etwa f\u00fcr die Reparatur oder Neuanschaffung von dringend ben\u00f6tigten Haushaltsger\u00e4ten. \u00dcber ein F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung, das sind rund 1,9 Mio Menschen, k\u00f6nnen sich unerwartete Ausgaben in H\u00f6he von 1.570 Euro nicht leisten. Bei diesen Haushalten gibt es also keinen Spielraum, um zus\u00e4tzlich in ein Zukunftsdepot f\u00fcr die Kinder zu investieren. Wie eine Analyse des Momentum-Instituts zeigt, profitieren lediglich die oberen 50 Prozent der Haushalte in der Einkommensverteilung in vollem Umfang von der Ma\u00dfnahme. <\/p>\n<p>\u201eDas Zukunftsdepot ist eine Ma\u00dfnahme die soziale Ungleichheit in \u00d6sterreich zus\u00e4tzlich versch\u00e4rfen wird, weil von diesem Instrument vor allem jene profitieren, die ohnehin finanziell auf sicheren Beinen stehen. Gleichzeitig bringt die Ma\u00dfnahme keine Verbesserungen f\u00fcr Familien mit geringen finanzielle Ressourcen. Mit dem Familienbonus existiert in \u00d6sterreich bereits eine sozial ungerechte Familienleistung, die den Staat j\u00e4hrlich Milliarden kostet\u201d, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe \u00d6sterreich. Zahlreiche Expert*innen haben dies kritisiert und fordern dessen Umgestaltung. Stattdessen wird nun offensichtlich laut \u00fcber weitere Steuervorteile f\u00fcr einkommensstarke Familien nachgedacht. <\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahme w\u00fcrde die Einnahmen des Staates wesentlich verringern und somit den Gestaltungsspielraum reduzieren. Das Momentum-Institut geht in einer Sch\u00e4tzung bei Wirksamwerden der Ma\u00dfnahme nach 18 Jahren von einem Steuerausfall von rund 800 Mio. Euro pro Jahr aus. Damit werden dem Staat wichtige Mittel entzogen, die aus Sicht der Volkshilfe wesentlich zielgerichteter eingesetzt werden k\u00f6nnen \u2013 etwa f\u00fcr eine Kindergrundsicherung, die dort ankommt, wo Unterst\u00fctzung tats\u00e4chlich gebraucht wird, und Kinderarmut nachhaltig bek\u00e4mpft. Zudem besteht das Drohszenario, dass die Finanzierung dieser Ma\u00dfnahme durch K\u00fcrzungen bei wichtigen Familien- und Sozialleistungen finanziert wird und damit zus\u00e4tzlich sozial negative Auswirkungen h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Auch das Startguthaben von 500 Euro pro Kind bedeutet die Auszahlung eines hohen Geldbetrags an viele Familien, die gar keine Notwendigkeit daf\u00fcr haben. Es entsteht der Eindruck, dass damit das Zukunftsdepot allen Familien schmackhaft gemacht werden soll, obwohl Familien mit niedrigem Einkommen \u00fcber die 500 Euro hinausgehend nicht profitieren werden, w\u00e4hrend Familien mit hohem Einkommen langfristig ein gro\u00dfes Steuergeschenk erhalten. <\/p>\n<p>Die Volkshilfe fordert anstelle des sozial ungerechten Zukunftsdepots eine Kindergrundsicherung, damit familienpolitische Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden, die Kinderarmut fr\u00fchzeitig verhindern und allen Kindern ein gelingendes Aufwachsen erm\u00f6glichen. Nur so kann das erkl\u00e4rte Ziel der Regierung, Kinderarmut bis 2030 zu halbieren, erreicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Bundesregierung diskutiert aktuell \u00fcber das von Bundeskanzler Stocker vorgeschlagene Zukunftsdepot f\u00fcr Kinder, eine Ma\u00dfnahme, die die soziale&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":376178,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[1614,13216,26393,26395,20075,46,42,1251,94078,630,1250,94077,94076,44,26394,43,45,93377],"class_list":["post-376177","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-oesterreich","tag-budget","tag-soziales","tag-apa","tag-apa-ots","tag-armut","tag-at","tag-austria","tag-familie","tag-familienpolitik","tag-jugend","tag-kinder","tag-kinderarmut","tag-kindergrundsicherung","tag-oesterreich","tag-ots","tag-republic-of-austria","tag-republik-oesterreich","tag-zukunftsdepot"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117215763283403473","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=376177"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376177\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/376178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=376177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=376177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=376177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}