{"id":376691,"date":"2026-09-05T08:25:34","date_gmt":"2026-09-05T08:25:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376691\/"},"modified":"2026-09-05T08:25:34","modified_gmt":"2026-09-05T08:25:34","slug":"neues-nasa-teleskop-sieht-100-mal-mehr-himmel-als-hubble","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376691\/","title":{"rendered":"Neues NASA-Teleskop sieht 100-mal mehr Himmel als Hubble"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tDunkle Energie<\/p>\n<p class=\"timeinfo\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\u00a004. September 2026  17:37<br \/>\n\t\t\t\t\t\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/autor\/Dennis-Lenz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dennis Lenz<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/neues-nasa-teleskop-sieht-100-mal-mehr-himmel-als-hubble.jpg\"   alt=\"Neues NASA-Teleskop sieht 100-mal mehr Himmel als Hubble\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Der Start eines Weltraumteleskops ist der kritischste Abschnitt einer Mission, die anschlie\u00dfend jahrelang ohne jede Wartungsm\u00f6glichkeit arbeiten muss. Nach dem Verlassen der Erdatmosph\u00e4re folgt eine monatelange Reise zu einem Punkt weit au\u00dferhalb der Mondbahn, an dem die Schwerkraft von Sonne und Erde eine stabile Position ergibt. Erst dort k\u00fchlt die Optik weit genug ab, um im Infraroten arbeiten zu k\u00f6nnen. Die eigentliche wissenschaftliche Ausbeute beginnt deshalb erst Monate nach dem Abheben.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Ein neues NASA-Teleskop hat die Erde verlassen und soll in den kommenden Jahren hunderte Millionen Sterne und Milliarden Galaxien vermessen. Sein Hauptspiegel ist exakt so gro\u00df wie der des Hubble-Teleskops, doch pro Aufnahme erfasst es rund hundertmal mehr Himmelsfl\u00e4che. Diese Kombination aus Sch\u00e4rfe und \u00dcbersicht gilt als der eigentliche Fortschritt, denn sie erlaubt Statistik in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung, die bisher nicht m\u00f6glich war. Im Zentrum steht dabei die Frage, was den Kosmos immer schneller auseinandertreibt.<\/p>\n<p>Das Nancy Grace Roman Space Telescope startete am 30. August 2026 um 7:26 Uhr Ortszeit von der Startrampe 39A des Kennedy Space Center in Florida an Bord einer Falcon-Heavy-Rakete. Vor dem Instrument liegt nun eine rund dreimonatige Reise \u00fcber etwa 1,6 Millionen Kilometer bis zu seiner endg\u00fcltigen Umlaufbahn. Ziel ist der zweite Lagrange-Punkt des Systems Sonne und Erde, eine Region, in der sich die Gravitationseinfl\u00fcsse beider K\u00f6rper so erg\u00e4nzen, dass ein Raumfahrzeug mit geringem Treibstoffeinsatz eine stabile Position halten kann. Dort arbeitet bereits das James-Webb-Teleskop. Der Ort hat einen entscheidenden Vorteil: Erde, Mond und Sonne stehen aus Sicht des Instruments stets in derselben Richtung und lassen sich mit einem festen Sonnenschild gemeinsam abschirmen.<\/p>\n<p>Der Name des Observatoriums verweist auf eine Astronomin, die in der Fr\u00fchphase der Weltraumteleskope ma\u00dfgeblich daran beteiligt war, die Idee eines gro\u00dfen optischen Instruments im Orbit \u00fcberhaupt durchzusetzen. Technisch kn\u00fcpft das neue NASA-Teleskop unmittelbar an diese Linie an, geht aber einen anderen Weg als seine Vorg\u00e4nger. Statt m\u00f6glichst tief in einen sehr kleinen Himmelsausschnitt zu blicken, ist es darauf ausgelegt, gro\u00dfe Fl\u00e4chen in kurzer Zeit gleichm\u00e4\u00dfig abzudecken. Beobachtet wird \u00fcberwiegend im nahen Infrarot, also in einem Wellenl\u00e4ngenbereich jenseits des sichtbaren Lichts. Das ist notwendig, weil Licht aus sehr gro\u00dfer Entfernung durch die Ausdehnung des Raums in l\u00e4ngere Wellenl\u00e4ngen verschoben wird und weil Infrarotstrahlung interstellaren Staub deutlich besser durchdringt als sichtbares Licht.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWarum der Blickwinkel und nicht der Spiegel den Unterschied macht<\/p>\n<p>Der Hauptspiegel misst 2,4 Meter im Durchmesser und entspricht damit exakt dem des Hubble-Teleskops. Die weit gr\u00f6\u00dfere Himmelsfl\u00e4che pro Aufnahme entsteht deshalb nicht durch mehr Sammelfl\u00e4che, sondern durch den optischen Aufbau dahinter. Der Hauptspiegel ist st\u00e4rker gekr\u00fcmmt, der Sekund\u00e4rspiegel sitzt n\u00e4her an ihm, und die Hauptkamera besitzt eine erheblich gr\u00f6\u00dfere lichtempfindliche Fl\u00e4che. Zusammen ergibt das ein Gesichtsfeld, das pro Einzelaufnahme rund hundertmal mehr Himmel abbildet, bei vergleichbarer Detailsch\u00e4rfe. Praktisch bedeutet das: Eine Durchmusterung, f\u00fcr die ein klassisches Teleskop Jahrzehnte br\u00e4uchte, ist in Monaten m\u00f6glich. Genau darin liegt der Sprung, denn viele der offenen Fragen der Kosmologie lassen sich nicht an einzelnen Objekten kl\u00e4ren, sondern nur an sehr gro\u00dfen Stichproben.<\/p>\n<p>Die Suche nach der Dunklen Energie steht im Mittelpunkt<\/p>\n<p>Rund 95 Prozent des Energieinhalts des Universums entfallen nach heutigem Verst\u00e4ndnis auf zwei Anteile, die sich der direkten Beobachtung entziehen. Dunkle Materie macht sich allein durch ihre Schwerkraftwirkung bemerkbar, Dunkle Energie durch die beschleunigte Ausdehnung des Raums. Ob es sich dabei um eine konstante Eigenschaft des Vakuums handelt oder um eine Gr\u00f6\u00dfe, die sich im Lauf der kosmischen Geschichte ver\u00e4ndert hat, ist ungekl\u00e4rt. Um das zu entscheiden, braucht es Entfernungs- und Bewegungsmessungen an sehr vielen Galaxien \u00fcber weite Zeitr\u00e4ume hinweg. Dazu kommt die Suche nach Supernovae eines bestimmten Typs, deren Leuchtkraft bekannt ist und die deshalb als Entfernungsma\u00dfstab dienen. Je mehr solcher Ereignisse erfasst werden, desto sch\u00e4rfer l\u00e4sst sich der Verlauf der Ausdehnung rekonstruieren. Erg\u00e4nzend werden die Verteilung gro\u00dfr\u00e4umiger Strukturen und die schwache Verzerrung von Galaxienbildern durch dazwischenliegende Massen vermessen. Wie ertragreich schon einzelne kosmische Signale sein k\u00f6nnen, zeigte zuletzt der Nachweis, dass sich mit <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/radioblitze-spueren-die-verschollene-materie-des-universums-auf-133712604\" title=\"Radioblitze sp\u00fcren die verschollene Materie des Universums auf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Radioblitzen die lange vermisste gew\u00f6hnliche Materie aufsp\u00fcren l\u00e4sst<\/a>.<\/p>\n<p>Planeten, die kein anderes Verfahren findet<\/p>\n<p>Neben der Kosmologie steht ein zweiter Schwerpunkt auf dem Programm, bei dem der gro\u00dfe Bildausschnitt besonders zur Geltung kommt. Beim sogenannten Mikrolinseneffekt wandert ein Stern samt seiner Planeten zuf\u00e4llig genau vor einem weit entfernten Hintergrundstern vorbei. Seine Schwerkraft b\u00fcndelt dabei kurzzeitig das Licht des Hintergrundsterns, und aus dem genauen Verlauf dieser Helligkeitsspitze l\u00e4sst sich auf Masse und Abstand begleitender Planeten schlie\u00dfen. Solche Ereignisse sind extrem selten, unvorhersehbar und einmalig, weshalb nur die Dauer\u00fcberwachung sehr vieler Sterne gleichzeitig Aussicht auf Erfolg hat. Der entscheidende Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass es auch Planeten mit gro\u00dfem Abstand zu ihrem Stern erfasst, ebenso wie frei durch die Galaxis treibende Objekte ohne Zentralgestirn. Beide Gruppen bleiben den etablierten Suchmethoden weitgehend verborgen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas das Teleskop nicht leisten wird<\/p>\n<p>So gro\u00df der Zugewinn an Fl\u00e4che ausf\u00e4llt, so klar sind die Grenzen. Das Instrument ersetzt keines der bestehenden Observatorien, sondern erg\u00e4nzt sie. F\u00fcr die Analyse einzelner Atmosph\u00e4ren ferner Planeten oder f\u00fcr Blicke bis in die fr\u00fchesten Phasen der Galaxienbildung bleiben Instrumente mit gr\u00f6\u00dferem Spiegel und feinerer Spektralaufl\u00f6sung im Vorteil. Auch der Zeitplan ist n\u00fcchtern zu betrachten: Nach dem Erreichen der Zielbahn folgen Abk\u00fchlung, Ausrichtung, Kalibrierung und ausgiebige Testbeobachtungen, bevor wissenschaftliche Daten in gro\u00dfem Umfang entstehen. Erste ver\u00f6ffentlichte Aufnahmen sind daher nicht kurzfristig zu erwarten. Die offizielle Darstellung des Starts und der geplanten Missionsabl\u00e4ufe findet sich in <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.nasa.gov\/news-release\/nasas-dark-universe-seeking-nancy-grace-roman-space-telescope-launches\/\" title=\"NASA-Mitteilung zum Start des Nancy Grace Roman Space Telescope\">der Startmitteilung der NASA<\/a>, die auch den weiteren Zeitplan skizziert.<\/p>\n<p>Zugleich verschiebt der Ansatz die Arbeitsweise der Beobachtungsastronomie insgesamt. Wo bislang einzelne Objekte aufwendig einzeln untersucht wurden, entstehen k\u00fcnftig Datenbest\u00e4nde, in denen sich seltene Ph\u00e4nomene erst nachtr\u00e4glich durch Auswertung finden lassen. Wie ergiebig das sein kann, zeigt der Umstand, dass viele der spektakul\u00e4rsten Ergebnisse der vergangenen Jahre nicht aus gezielten Beobachtungen stammen, sondern aus dem systematischen Durchk\u00e4mmen bestehender Archive. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Nachweis, dass <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/james-webb-findet-wasser-direkt-neben-dem-schwarzen-loch-der-milchstrasse-133712571\" title=\"James Webb findet Wasser direkt neben dem Schwarzen Loch der Milchstra\u00dfe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">selbst in unmittelbarer N\u00e4he des zentralen Schwarzen Lochs unserer Galaxie Wasser existiert<\/a>. Mit hunderten Millionen zus\u00e4tzlich erfassten Sternen d\u00fcrfte die Zahl solcher unerwarteten Funde deutlich steigen.<\/p>\n<p>Weitere technische Angaben zum Aufbau des Instruments und zur Gr\u00f6\u00dfe seines Gesichtsfelds hat die Raumfahrtbeh\u00f6rde in <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/image-article\/apod-2026-august-31-launch-of-the-roman-space-telescope\/\" title=\"NASA Science zum Aufbau und Start des Roman Space Telescope\">einer begleitenden Darstellung ihres Wissenschaftsportals<\/a> zusammengefasst. Aus ihr geht auch hervor, dass die erwartete Zahl neu entdeckter Supernovae und Exoplaneten die bisherigen Best\u00e4nde deutlich \u00fcbersteigen d\u00fcrfte. Ob sich daraus tats\u00e4chlich eine Entscheidung \u00fcber die Natur der Dunklen Energie ableiten l\u00e4sst, ist damit allerdings noch nicht gesagt. Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben mehrfach gezeigt, dass zus\u00e4tzliche Pr\u00e4zision zun\u00e4chst neue Widerspr\u00fcche sichtbar macht, bevor sie alte aufl\u00f6st. Genau das gilt in der Kosmologie inzwischen als der eigentlich produktive Zustand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dunkle Energie \u00a004. 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