{"id":376797,"date":"2026-09-05T09:35:16","date_gmt":"2026-09-05T09:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376797\/"},"modified":"2026-09-05T09:35:16","modified_gmt":"2026-09-05T09:35:16","slug":"in-der-ddr-galt-sie-als-staatsfeindin-das-minsk-stellt-annemirl-bauer-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/376797\/","title":{"rendered":"In der DDR galt sie als Staatsfeindin: Das Minsk stellt Annemirl Bauer aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Undenkbar w\u00e4re diese  Ausstellung zu ihren Lebzeiten gewesen. Jetzt dr\u00e4ngt, ruft, nervt und mahnt ihre Bildsprache herunter von Leinw\u00e4nden, Holztafeln, Fensterscheiben, T\u00fcren, Teppichen, Liegest\u00fchlen, sogar von einem Waschbrett.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/in-der-ddr-staatsfeind-heute-antichrist-werk-von-annemirl-bauer-in-humboldt-universitaet-berlin-geschaendet-2251419\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Annemirl Bauer<\/a>, geboren 1939 in Jena als Tochter der \u00f6sterreichischen,  unter den Nazis als \u201eentartet\u201c  stigmatisierten Malerin Tina Bauer-Pezellen, studierte an der Kunsthochschule Wei\u00dfensee. 1989, kurz vor dem Mauerfall, erlag sie dem zu sp\u00e4t diagnostizierten Krebs. In ihrer fr\u00fcheren Ladenwerkstatt in Prenzlauer Berg, dann im kaum bezogenen Friedrichshainer Atelier hat sie alles bemalt, was ihr in die Finger kam.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Nichts, kein ausgedientes und abgestelltes M\u00f6belteil oder als nutzlos weggeworfenes Utensil  war es unwert, per \u00d6lfarben, Acryl, Collage oder Zeichenstift zum Bildtr\u00e4ger zu werden. F\u00fcr Welt-Interpretation, Kritik, als  weibliches Aufbegehren gegen die M\u00e4nnermacht, auch in der <a href=\"https:\/\/xn--boomerdeutsch&quot;,%20sagt%20mein%20kollege-kk8x.%20der%20duden%20gibt%20ihm%20recht\" rel=\"nofollow\">DDR.<\/a> Wir sehen virtuos gemalte, sinnliche, auch w\u00fctende und krasse Motive zu starren Rollenbildern, erstarrter Politik und Umweltzerst\u00f6rung.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/79a1d9cf-1261-429e-b151-bfc4b3073656.jpg\"   alt=\"Annemirl Bauer: \u201eEmma gewidmet\u201c, 1979 (f\u00fcr die feministische Frauenzeitschrift von Alice Schwarzer in K\u00f6ln), Mischtechnik\/Lw\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Annemirl Bauer: \u201eEmma gewidmet\u201c, 1979 (f\u00fcr die feministische Frauenzeitschrift von Alice Schwarzer in K\u00f6ln), Mischtechnik\/Lw\" data-source=\"VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Annemirl Bauer: \u201eEmma gewidmet\u201c, 1979 (f\u00fcr die feministische Frauenzeitschrift von Alice Schwarzer in K\u00f6ln), Mischtechnik\/Lw\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              16.000 Bildwerke hat die Rastlose hinterlassen, die meisten landeten im Keller. Zu DDR-Zeiten hatten das Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder), die Dresdner Kunstsammlungen und das Museum Moritzburg Halle den Mut, Gem\u00e4lde der \u201eUnbotm\u00e4\u00dfigen\u201c anzukaufen. Heute finden sich ihre Arbeiten auch in der Sammlung der Berliner Volksbank, in der Berlinischen Galerie, in der Sammlung des Bundestages, wo man ihr im Mauermahnmal 2019 eine Schau ausrichtete.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Gut 150 Werke  davon hat  die junge Minsk-Kuratorin Marie Gerbaulet auf zwei Etagen  ausgebreitet. Auf erdfarbenen W\u00e4nden  wird ihre tragisch ausgegangene Geschichte von Kunst, Leben, Courage, Widerstand und Desillusion im vormundschaftlichen Staat erz\u00e4hlt. Die meisten Bilder kommen aus dem Nachlass, den  Amrei Bauer, die 1969 geborene Tochter, passioniert betreut.\n            <\/p>\n<p>            Annemirl Bauer war mit B\u00e4rbel Bohley befreundet<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Alles, was diese viel zu fr\u00fch gestorbene, rastlose, Latzhose tragende Annemirl, die Freundin der 1988 inhaftierten und nach England ausgewiesenen B\u00fcrgerrechtlerin und Malerin B\u00e4rbel Bohley, gemalt hat, m\u00fcndete  in intensiv-farbigen Spiralen, Zickzack-, Wellen- und netzartigen Linien. Ist Ausdruck f\u00fcr den unvorhersehbaren, nie geradlinigen Verlauf des Lebens: Frauenbilder, Selbstbilder, als Mutter und als K\u00fcnstlerin.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Es sind Werke, die uns sagen, was f\u00fcr sie \u201eMenschsein\u201c bedeutete.  Das spiegelt sich besonders in den Portr\u00e4ts, den Mutter-Kind-Motiven, in den Bildnissen \u00fcber ihre Beziehungen zu anderen und zu sich selbst.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Sie fand Motive f\u00fcr existenzielle  und zugleich poetische Gef\u00fchle wie Verbundenheit. Und ebenso Abh\u00e4ngigkeit, Verletzlichkeit, N\u00e4he, Verlust. Und f\u00fcr Abgrenzung, die keine f\u00fcr sie falsche Verbindlichkeit, gar Konzessionen mit der Staatsmacht, zulie\u00df. \u201eFrauen, wenn wir heute nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern\u201c, war ein Kernsatz, den die immer auch textende Malerin  niederschrieb.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/427c915d-16e7-490e-8ccc-30dc544a486f.jpg\"   alt=\"Annemirl Bauer: \u201eBildnis einer Hergezogenen\u201c, Cranach-Paraphrase,\u00a01982, Mischtechnik auf Hartfaser (Ausschnitt)\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Annemirl Bauer: \u201eBildnis einer Hergezogenen\u201c, Cranach-Paraphrase,\u00a01982, Mischtechnik auf Hartfaser (Ausschnitt)\" data-source=\"VG Bild-Kunst, Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv Jens Ziehe\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Annemirl Bauer: \u201eBildnis einer Hergezogenen\u201c, Cranach-Paraphrase,\u00a01982, Mischtechnik auf Hartfaser (Ausschnitt)\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 VG Bild-Kunst, Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Mit der \u201eHergezogenen aus Th\u00fcringen\u201c machte sie sich 1982 selbst Mut: en face, die H\u00e4nde \u00fcbereinandergelegt, wie bei Cranachs \u201eEva\u201c, in einem Renaissance-Gewand. Als Kopfschmuck ein Lebensbaum, unten eine Katze. So sah sich eine in Ungnade gefallene Malerin.\n            <\/p>\n<p>            Annemirl Bauer wagte Kritik am System<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Sie passte nicht ins Bild der DDR-Kunst mit ihrem unb\u00e4ndig weiblichen, hintersinnigen Realismus. Und sie wagte Kritik am System: an der Macht der alten M\u00e4nner, die Kunst nur ideologisch benutzten und ihre Freiheit in Worth\u00fclsen und Dogmen sperrten.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ihr Stil zeugt von Leidenschaft und K\u00f6nnen: faszinierend expressiv, naiv und derb-erdverbunden, zugleich voller Liebe zu Kindern und Pflanzen. Ihre Bildsprache erinnert an Paula Modersohn-Becker.  Und immer wieder sind da Katzen, Pferde. Und Paradiesv\u00f6gelchen, von denen es hei\u00dft, man d\u00fcrfe sie nie einsperren. \u201eNicht schweigen werde ich\u201c, so schrieb sie dazu.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/bb20da78-13be-4284-9eab-95f382cc70c4.jpg\"   alt=\"Annemirl Bauer: \u201eLiebespaar unter Giftwolke \u00fcberm Taunus\u201c, 1987, Wasserfarbe auf Papier\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Annemirl Bauer: \u201eLiebespaar unter Giftwolke \u00fcberm Taunus\u201c, 1987, Wasserfarbe auf Papier\" data-source=\"VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Annemirl Bauer: \u201eLiebespaar unter Giftwolke \u00fcberm Taunus\u201c, 1987, Wasserfarbe auf Papier\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Manchmal sind die K\u00f6pfe ihrer Gestalten Masken, so wie  der verfr\u00fchte Expressionist James Ensor sie seinerzeit gesellschaftskritisch malte.  Annemirl Bauer persiflierte und kritisierte so die sich hinter Masken versteckende Masse der Heuchler, der Mitl\u00e4ufer und der l\u00fcgenden Machthaber im realen Sozialismus. In Selbstportr\u00e4ts steckt Subtext, davon, wie sie von der Stasi verfolgt und erpresst wurde, weil sie sich weigerte, K\u00fcnstlerkollegen zu bespitzeln.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Und dann kam 1984 das brutale staatliche Verdikt, wegen ihres Offenen Briefes ans Kulturministerium und ans ZK der SED, der Ausschluss aus dem K\u00fcnstlerverband  und damit aus dem Existenz-System.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Sie hatte Reiserecht f\u00fcr alle DDR-B\u00fcrger gefordert und den M\u00e4chtigen geschrieben: \u201eDie Eingrenzung eines ganzen Volkes auf Dauer ist Gewaltanwendung und f\u00fchrt zu Isolierung und Entm\u00fcndigung desselben.\u201c  Sie verurteilte die Selbstschussanlagen an der Grenze, die \u201eFreikaufgesch\u00e4fte und gewaltsame Ausb\u00fcrgerung\u201c der sch\u00f6pferischen Intelligenz, und protestierte gegen die MfS-Haft f\u00fcr B\u00e4rbel Bohley. Das war zu viel!\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/c3c2688c-dc37-4fa5-a492-5fee58bdf575.jpg\"   alt=\"Annemirl Bauer: \u201eParagraph 99. Eingeschlossen (B\u00e4rbel Bohley)\u201c, 1984, Mischtechnik auf Holz (Tischplatte)\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Annemirl Bauer: \u201eParagraph 99. Eingeschlossen (B\u00e4rbel Bohley)\u201c, 1984, Mischtechnik auf Holz (Tischplatte)\" data-source=\"VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Annemirl Bauer: \u201eParagraph 99. Eingeschlossen (B\u00e4rbel Bohley)\u201c, 1984, Mischtechnik auf Holz (Tischplatte)\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ihre br\u00fcske Art, ihre M\u00e4nnerkritik minderten die Solidarit\u00e4t unter K\u00fcnstlern, die zudem oft ihre eigene Existenz nicht gef\u00e4hrden wollten.  Nur mit Hilfe von ganz wenigen brachte sie  sich und ihr Kind irgendwie durch.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Man lie\u00df sie sogar in den Westen reisen, hoffend, sie bliebe und man w\u00e4re sie los. Aber sie kam zur\u00fcck; der Osten war ihre Heimat. Sie war Utopistin, wollte eine andere DDR,  einen Sozialismus mit  freien, aufrechten, mutigen Menschen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Immer wieder malte  sie das steinerne Berlin: Menschengewimmel, das eins wird mit dem preu\u00dfisch blauen Himmel, Stra\u00dfen, Autos, die Spree und die  Seen mit den Ausflugsdampfern. Alles scheinbarer, sozialistischer Wohlstand. Doch etwas stimmt nicht: zu bunt, zu aufgesetzt. Das Idyll bedroht. Die Malerin hat Zweifel eingestreut in ihre Motive vom Leben im Arbeiter-und-Bauern-Staat.\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/403cf2d9-6c63-432c-942a-4763c00d8c81.jpg\"   alt=\"Annemirl Bauer: \u201eTriptychon (&lt;em&gt;Der Himmel \u00fcber Berlin ist unteilbar)\u201c, &lt;\/em&gt;1980, Mischtechnik auf Leinwand\/Holz, Klapp-Altar, gemalt f\u00fcr die Marienkirche am Berliner Alexanderplatz. Doch nie kam er dorthin.\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Annemirl Bauer: \u201eTriptychon (&lt;em&gt;Der Himmel \u00fcber Berlin ist unteilbar)\u201c, &lt;\/em&gt;1980, Mischtechnik auf Leinwand\/Holz, Klapp-Altar, gemalt f\u00fcr die Marienkirche am Berliner Alexanderplatz. Doch nie kam er dorthin.\" data-source=\"VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jf.Mueller\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Annemirl Bauer: \u201eTriptychon (Der Himmel \u00fcber Berlin ist unteilbar)\u201c, 1980, Mischtechnik auf Leinwand\/Holz, Klapp-Altar, gemalt f\u00fcr die Marienkirche am Berliner Alexanderplatz. Doch nie kam er dorthin.\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 VG Bildkunst Bonn 2026\/Nachlass Annemirl Bauer Archiv\/Jf.Mueller<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin ist nicht teilbar.\u201c Den Satz notierte sie zu ihrem Altarbild, dessen beide Fl\u00fcgel sich einklappen lassen, sodass ihr Selbstportr\u00e4t mit Kind zu sehen ist. Auf dem linken Fl\u00fcgel sucht ein Liebespaar im Kornfeld Schutz. Dann sieht man die Mauer, h\u00f6her als der Himmel. Gegen\u00fcber paradieren Kinder mit dem DDR-Emblem, eine \u00fcppige Frau tr\u00e4gt Spruchb\u00e4nder vom Sieg des Sozialismus.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Aber die Losungen schn\u00fcren ein, pressen die Luft ab.  Ihr \u201eTriptychon\u201c, hatte sich Annemirl Bauer gew\u00fcnscht, solle in der Marienkirche am Alex h\u00e4ngen. Der Altar kam nie dorthin. Jetzt f\u00fcllt er im Minsk eine Wand.\n            <\/p>\n<p>            Verbannt aus dem Kunstsystem<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ihre Kompromisslosigkeit machte die feministische Malerin zur Staatsfeindin, zur Psychopathin, zur Ausgesetzten. Verbannt aus dem Kunstsystem. Sie verarmte, f\u00fchrte ein Schattendasein. Als Kolleginnen 1986 die Wiederaufnahme in den VBK betrieben, \u00e4nderte sich nichts: Die Stasi hatte erreicht, dass sie beleumdet blieb.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Der Krebs raubte ihr die letzte Kraft. Sie starb im August 1989, als die halbe Jugend der DDR via Ungarn das Land verlie\u00df. Mit traurigem Trotz schrieb sie ins Tagebuch: \u201eUnd weil ihr uns mit Rausschmiss droht, habe ich beschlossen, Isolierung mehr zu f\u00fcrchten als den Tod.\u201c\n            <\/p>\n<p>                  <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7061375b-12c9-4e47-af19-3fab9cc55890.jpg\"   alt=\"Mutter und Kind in der Ladenwerkstatt: Annemirl Bauer mit Tochter Amrei, 1975, Originalabzug auf Fotopapier, 1975. Aus dem Bestand des Zentrums f\u00fcr Kunstausstellungen der DDR (ZfK), ifa-Kunstsammlung\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Mutter und Kind in der Ladenwerkstatt: Annemirl Bauer mit Tochter Amrei, 1975, Originalabzug auf Fotopapier, 1975. Aus dem Bestand des Zentrums f\u00fcr Kunstausstellungen der DDR (ZfK), ifa-Kunstsammlung\" data-source=\"(ZfK), ifa-Kunstsammlung\/Christian Borchert\" data-link-href=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Mutter und Kind in der Ladenwerkstatt: Annemirl Bauer mit Tochter Amrei, 1975, Originalabzug auf Fotopapier, 1975. Aus dem Bestand des Zentrums f\u00fcr Kunstausstellungen der DDR (ZfK), ifa-Kunstsammlung\n                  <\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\n                    \u00a9 (ZfK), ifa-Kunstsammlung\/Christian Borchert<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Annemirl Bauer schuf trotz allem ein unerschrockenes, eigensinniges Lebenswerk. In ihm stecken all die widersinnigen Zust\u00e4nde der DDR-Zeit, ihre eigene Zerrissenheit und ihre r\u00fcckhaltlose Selbstbestimmung. Wohl genau das macht ihren Nachlass heute so spannend als Referenz zu den Br\u00fcchen, den Widerspr\u00fcchen und der Ratlosigkeit unserer zerrissenen Gegenwart.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Annemirl Bauer: Bruch ist in der Welt. DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam, Max-Planck-Str. 17. Vom 5. September bis 7. Februar 2027, Mi\u2013Mo 10\u201319\u00a0Uhr, Katalog  (Distanz-Verlag)<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Undenkbar w\u00e4re diese Ausstellung zu ihren Lebzeiten gewesen. 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