{"id":378411,"date":"2026-09-06T08:52:08","date_gmt":"2026-09-06T08:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/378411\/"},"modified":"2026-09-06T08:52:08","modified_gmt":"2026-09-06T08:52:08","slug":"dunkle-sterne-aus-der-urzeit-koennten-kosmisches-brummen-erzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/378411\/","title":{"rendered":"Dunkle Sterne aus der Urzeit k\u00f6nnten kosmisches Brummen erzeugen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\tFr\u00fches Universum<\/p>\n<p class=\"timeinfo\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\u00a006. September 2026  10:21<br \/>\n\t\t\t\t\t\u00a0<a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/autor\/Dennis-Lenz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dennis Lenz<\/a>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dunkle-sterne-aus-der-urzeit-koennten-kosmisches-brummen-erzeugen.jpg\"   alt=\"Dunkle Sterne aus der Urzeit k\u00f6nnten kosmisches Brummen erzeugen\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Netzwerke pr\u00e4zise vermessener Pulsare registrieren ein extrem niederfrequentes Zittern der Raumzeit, das als kosmisches Brummen bekannt wurde. Eine Studie der Colgate University zeigt nun, dass ein erheblicher Teil dieses Gravitationswellen-Hintergrunds von den Nachfahren sogenannter Dunkler Sterne stammen k\u00f6nnte. Diese hypothetischen Giganten des fr\u00fchen Universums w\u00e4ren nicht von Kernfusion, sondern von Dunkler Materie befeuert worden und k\u00f6nnten die Saat der ersten supermassereichen Schwarzen L\u00f6cher gelegt haben.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren registrieren Astronomen ein r\u00e4tselhaftes, tieffrequentes Zittern der Raumzeit, das den gesamten Kosmos zu durchziehen scheint und als kosmisches Brummen bekannt wurde. Eine neue Studie liefert nun eine ebenso k\u00fchne wie faszinierende Erkl\u00e4rung: Ein erheblicher Teil des Signals k\u00f6nnte auf Dunkle Sterne zur\u00fcckgehen, hypothetische Giganten aus der Zeit vor mehr als 13 Milliarden Jahren, die nicht von Kernfusion, sondern von Dunkler Materie befeuert wurden.<\/p>\n<p>Gravitationswellen sind winzige Verzerrungen der Raumzeit, die entstehen, wenn gewaltige Massen beschleunigt werden. Der erste direkte Nachweis gelang 2015, als Detektoren das hochfrequente Signal zweier kollidierender stellarer Schwarzer L\u00f6cher auffingen. Das kosmische Brummen ist jedoch von v\u00f6llig anderer Natur, denn seine Wellen schwingen im Nanohertz-Bereich, eine einzelne Schwingung dauert Jahre bis Jahrzehnte. F\u00fcr solche Frequenzen taugt kein irdischer Detektor, weshalb Astronomen die Galaxie selbst zum Messinstrument machen. Sogenannte Pulsar-Timing-Arrays \u00fcberwachen dutzende Pulsare, rasch rotierende Neutronensterne, deren Radiopulse mit der Pr\u00e4zision kosmischer Uhren bei der Erde eintreffen. Winzige, koordinierte Verschiebungen dieser Ankunftszeiten \u00fcber 15 Beobachtungsjahre verrieten schlie\u00dflich das allgegenw\u00e4rtige Wellenmeer, das den Raum unabl\u00e4ssig dehnt und staucht.<\/p>\n<p>Als wahrscheinlichste Quelle des Brummens gelten bislang Paare supermassereicher Schwarzer L\u00f6cher, die in den Zentren verschmelzender Galaxien einander umkreisen und dabei \u00fcber Jahrmillionen Gravitationswellen abstrahlen. Doch genau hier beginnt ein zweites gro\u00dfes R\u00e4tsel der modernen Astronomie, denn Beobachtungen, zuletzt vor allem mit dem James-Webb-Teleskop, zeigen bereits im jungen Universum erstaunlich massereiche Schwarze L\u00f6cher, deren rasantes Wachstum sich mit gew\u00f6hnlichen Stern\u00fcberresten als Ausgangspunkt kaum erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Irgendetwas muss diesen Giganten einen gewaltigen Startvorsprung verschafft haben. Die Physiker Sohan Ghodla und Cosmin Ilie von der Colgate University verkn\u00fcpfen in ihrer Arbeit nun beide R\u00e4tsel zu einer gemeinsamen Antwort.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas Dunkle Sterne so besonders macht<\/p>\n<p>Das Konzept der Dunklen Sterne wurde 2007 vorgeschlagen und beschreibt eine exotische Sternklasse der kosmischen Morgend\u00e4mmerung. In den dichten Zentren fr\u00fcher Materiewolken k\u00f6nnte sich neben gew\u00f6hnlichem Wasserstoff auch Dunkle Materie gesammelt haben, jene unsichtbare Substanz, die den Gro\u00dfteil der Masse im Universum stellt. Vernichten sich ihre Teilchen gegenseitig, wird Energie frei, die einen Stern von innen heizt, ganz ohne Kernfusion. Solche Objekte k\u00f6nnten zu wahren Unget\u00fcmen mit Millionen Sonnenmassen herangewachsen sein, k\u00fchl, aufgebl\u00e4ht und dunkelrot glimmend. Kollabiert ein derartiger Gigant am Ende seines Daseins, hinterl\u00e4sst er auf einen Schlag ein extrem massereiches Schwarzes Loch, exakt die Sorte Startkapital, die das r\u00e4tselhaft schnelle Wachstum der fr\u00fchen Giganten erkl\u00e4ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Rechnung verbindet 13 Milliarden Jahre<\/p>\n<p>Ghodla und Ilie verfolgten in ihren Modellen, was aus solchen fr\u00fchen Schwarzen L\u00f6chern \u00fcber die Kosmenzeit hinweg wird, wie das Fachportal <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.space.com\/astronomy\/black-holes\/dark-stars-could-be-the-seeds-of-supermassive-black-holes-scientists-say\" title=\"Bericht des Fachportals space.com zur Studie \u00fcber Dunkle Sterne als Saat supermassereicher Schwarzer L\u00f6cher\">space.com<\/a> in seiner Einordnung der Arbeit beschreibt. Die Forscher simulierten die Entwicklung der Saat-Populationen, ihrer Heimatgalaxien und der sp\u00e4teren Verschmelzungsraten und berechneten daraus das Gravitationswellen-Signal, das deren Nachfahren heute erzeugen m\u00fcssten. Das Ergebnis: Stammen die ersten supermassereichen Schwarzen L\u00f6cher von kollabierten Dunklen Sternen ab, erreicht das vorhergesagte Brummen genau die St\u00e4rke, die Pulsar-Timing-Arrays tats\u00e4chlich messen. Eine Vergleichspopulation aus deutlich selteneren, direkt kollabierten Gaswolken bleibt dagegen weit unter dem beobachteten Signal.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tEin neues Fenster zur Dunklen Materie<\/p>\n<p>Die Tragweite dieses Befunds reicht \u00fcber die Astronomie hinaus, wie das Team in der Fachzeitschrift <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1103\/hvfd-8fkr\" title=\"Studie in Physical Review D zum Gravitationswellen-Hintergrund und fr\u00fchen supermassereichen Schwarzen L\u00f6chern\">Physical Review D<\/a> darlegt. Sollten Dunkle Sterne tats\u00e4chlich einen messbaren Anteil am kosmischen Brummen tragen, w\u00fcrde das heutige Gravitationswellen-Signal Informationen aus einer Epoche konservieren, die mehr als 13 Milliarden Jahre zur\u00fcckliegt und keinem Teleskop direkt zug\u00e4nglich ist. Mehr noch: Da Dunkle Sterne ihre Energie aus der Selbstvernichtung Dunkler Materie beziehen w\u00fcrden, lie\u00dfe sich aus St\u00e4rke und Frequenzverlauf des Hintergrunds ablesen, wie sich diese unsichtbare Substanz in den dichtesten Regionen des jungen Universums verhielt. Das Brummen der Raumzeit w\u00fcrde damit zu einer Art Fossilbericht der kosmischen Fr\u00fchzeit.<\/p>\n<p>Wie sich die k\u00fchne These pr\u00fcfen l\u00e4sst<\/p>\n<p>Noch ist die Existenz Dunkler Sterne nicht belegt, und die Autoren pr\u00e4sentieren ihre Rechnung ausdr\u00fccklich als \u00fcberpr\u00fcfbare Hypothese, nicht als Nachweis. Doch die Pr\u00fcfung hat bereits begonnen. Pulsar-Timing-Arrays auf mehreren Kontinenten sammeln laufend pr\u00e4zisere Daten, mit denen sich das Spektrum des Hintergrunds immer feiner vermessen l\u00e4sst, und unterschiedliche Entstehungsszenarien der Schwarzen L\u00f6cher hinterlassen darin unterschiedliche Fingerabdr\u00fccke. Parallel fahnden Astronomen mit dem James-Webb-Teleskop nach den charakteristisch k\u00fchlen, leuchtkr\u00e4ftigen Signaturen einzelner Dunkler Sterne im fr\u00fchen Universum, f\u00fcr die es erste Kandidaten gibt. Best\u00e4tigt sich das Bild, h\u00e4tte die Menschheit gleich zwei Jahrhundertr\u00e4tsel auf einen Streich gel\u00f6st: die Herkunft der gr\u00f6\u00dften Schwarzen L\u00f6cher und die Natur eines Signals, das seit Anbeginn der Zeit durch den Kosmos rollt.<\/p>\n<p>Physical Review D, Reconstructing PTA measurements via early seeding of supermassive black holes; doi:10.1103\/hvfd-8fkr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fr\u00fches Universum \u00a006. 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