{"id":378641,"date":"2026-09-06T11:27:11","date_gmt":"2026-09-06T11:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/378641\/"},"modified":"2026-09-06T11:27:11","modified_gmt":"2026-09-06T11:27:11","slug":"zollstreit-wir-wurden-angegriffen-der-schritt-gegen-donald-trump-den-sich-europa-nicht-traut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/378641\/","title":{"rendered":"Zollstreit: \u201eWir wurden angegriffen\u201c \u2013 Der Schritt gegen Donald Trump, den sich Europa nicht traut"},"content":{"rendered":"<p>Aus Angst vor einer Eskalation sind westliche Partner bisher immer Donald Trump entgegengekommen. Allen voran Ursula von der Leyen in Br\u00fcssel. Jetzt zeigt Kanada, dass auch eine Gegenattacke eine Option ist.<\/p>\n<p class=\"c-inline-alert__description\">Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer k\u00fcrzlich in den USA auf Google Maps den Lake Ontario suchte, bekam ihn nicht angezeigt. Der gro\u00dfe See zwischen dem Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario wird nun als \u201eLake America\u201c ausgewiesen. Es ist die direkte Folge eines Pr\u00e4sidentendekrets von Donald Trump aus der vergangenen Woche, dem die Suchmaschine vorsorglich Folge leistet. <\/p>\n<p>Vor laufenden Kameras hatte Trump ein Dokument unterschrieben, in dem er US-Beh\u00f6rden anwies, die Namens\u00e4nderung durchzuf\u00fchren. \u201eJetzt haben wir einen Golf und einen See\u201c, erkl\u00e4rte Trump stolz und bezog sich auf die Umbenennung des <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/golf-von-mexiko\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/golf-von-mexiko\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Golfs von Mexiko<\/a> in \u201eGolf von Amerika\u201c infolge des Handelsstreits mit dem s\u00fcdlichen Nachbarn im vergangenen Jahr.<\/p>\n<p>Nun ist es Kanada im Norden, das Trump bestrafen will. Am Sonntag legte er verbal nach: \u201eSie denken, sie seien ein Staat, aber das sind sie nicht\u201c, sagte Trump bei Fox News. Neben symbolischen und rhetorischen Volten verh\u00e4ngte er massive Z\u00f6lle gegen Ottawa. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/gp-kanada\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/gp-kanada\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Kanada<\/a> hat diesen immensen \u00c4rger durch einen bemerkenswerten Schritt ausgel\u00f6st: Es hatte die Verhandlungen \u00fcber einen Handelsdeal abgebrochen. Etwas, was sich andere westliche Handelspartner der USA nie trauten.<\/p>\n<p>Als etwa Ursula von der Leyen Trump Ende Juli in seinem Golfresort im schottischen Turnberry die Hand gab, war ein Handelsvertrag besiegelt, den viele Kritiker in Europa als Kapitulation verstanden. Die EU stimmte einem US-Zoll auf europ\u00e4ische Produkte von bis zu 15 Prozent zu, w\u00e4hrend US-G\u00fcter zollfrei nach Europa eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfen. Au\u00dferdem versprach die Kommissionspr\u00e4sidentin europ\u00e4ische Milliardeninvestitionen in den USA.<\/p>\n<p>Von der Leyen hatte eine klare Absicht: In Anbetracht der gewaltigen Abh\u00e4ngigkeit Europas von den USA wollte sie keine weitere Handelseskalation mit Trump riskieren; das Land ist f\u00fcr die EU schlie\u00dflich der gr\u00f6\u00dfte Absatzmarkt. Und sicherheitspolitisch stand zu jener Zeit die weitere Unterst\u00fctzung der USA f\u00fcr die Ukraine infrage, ein f\u00fcr Europa \u00fcberlebenswichtiger Punkt.<\/p>\n<p>Zwar sieht sich Kanada aufgrund seiner geografischen Lage weniger Bedrohungen ausgesetzt, ist also weniger abh\u00e4ngig von amerikanischem Schutz. Daf\u00fcr ist die wirtschaftliche Verflechtung um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer. Mehr als 70 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die USA, in der Autoindustrie sind es sogar 90 Prozent. 60 Prozent aller Importe nach Kanada kommen aus dem Nachbarland.<\/p>\n<p>\u201eWir wurden angegriffen\u201c, sagte Kanadas Premier<\/p>\n<p>Kanadas Premierminister Mark Carney hat sich dennoch anders entschieden als Ursula von der Leyen. Nach wochenlangen Verhandlungen zog er seine Verhandler aus Washington ab und kehrte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/donald-trump\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/donald-trump\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Trump<\/a> den R\u00fccken. \u201eMan ist im Krieg, wenn man angegriffen wurde. Wir wurden angegriffen\u201c, begr\u00fcndete er seinen Schritt. <\/p>\n<p>Trump tat daraufhin das, was die Europ\u00e4er f\u00fcr sich verhindern wollten: Er eskalierte. Der US-Pr\u00e4sident verh\u00e4ngte Strafz\u00f6lle in H\u00f6he von 50 Prozent auf kanadische Importe. Die Umbenennung des Lake <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/ontario\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/ontario\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Ontario<\/a> und verbale Beschimpfungen folgten in den Tagen darauf.<\/p>\n<p>Nichts davon schreckte Kanada bislang ab \u2013 im Gegenteil. Carney k\u00fcndigte an, die US-Z\u00f6lle <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6a8a95e5f70d60f7f8f84cb6\/trump-verdoppelt-zoelle-auf-autos-kanada-will-neue-us-zoelle-dollar-fuer-dollar-erwidern.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article6a8a95e5f70d60f7f8f84cb6\/trump-verdoppelt-zoelle-auf-autos-kanada-will-neue-us-zoelle-dollar-fuer-dollar-erwidern.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">spiegelbildlich zu vergelten<\/a>. Am 8. September sollen sie in Kraft treten, inklusive Einfuhrabgaben auf bestimmte Produkte, die die Wirtschaft in republikanischen Hochburgen treffen. Beispielsweise befinden sich Haushaltsger\u00e4te auf der Liste, die traditionell in Ohio hergestellt werden.<\/p>\n<p>Es ist ein Moment, auf den Carney vorbereitet war. Schon beim Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres sprach er von einem Bruch zwischen den USA und ihren Verb\u00fcndeten. W\u00e4hrend seines Wahlkampfes im Fr\u00fchjahr 2025 warb er daf\u00fcr, die Abh\u00e4ngigkeit seines Landes von den USA zu reduzieren.<\/p>\n<p>Colin Robertson hat die Genese der Entfremdung zwischen den Nachbarn aufmerksam verfolgt. Er ist Senior Fellow am Canadian Global Affairs Institute, war lange als kanadischer Diplomat in Washington stationiert und geh\u00f6rt heute einem Beratergremium der Regierung in Ottawa f\u00fcr Handelsfragen an. F\u00fcr ihn kommt Carneys Reaktion nicht \u00fcberraschend. \u201eDie Kanadier haben in ihrer Geschichte mehrere Gelegenheiten, sich den USA anzuschlie\u00dfen, ausgelassen. Die Unabh\u00e4ngigkeit ist tief in der DNA verankert\u201c, sagt er im Gespr\u00e4ch mit WELT.<\/p>\n<p>Trump hatte nicht nur mit seiner provozierenden Bezeichnung Kanadas als 51. Bundesstaat versucht, die Unabh\u00e4ngigkeit des Landes in Zweifel zu ziehen. Auch w\u00e4hrend der Verhandlungen hat sein Team laut \u00fcbereinstimmenden Berichten mehrerer Medien gefordert, dass <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/ottawa\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/ottawa\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Ottawa<\/a> zentrale Hoheitsrechte abtritt. <\/p>\n<p>So wollte Washington ein Zugest\u00e4ndnis, dass Kanada den USA in Handelsentscheidungen gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern folgt, und forderte die Abschaffung eines Gesetzes, das Streaminganbietern vorschreibt, franz\u00f6sischsprachige Inhalte prominent zu platzieren.<\/p>\n<p>Daraufhin vom Verhandlungstisch aufzustehen, sei zwar nicht rational, so Robertson. Aber die kanadische Geschichte lasse eine solche Unterwerfung nicht zu. \u201eDie US-amerikanische Verfassung steht f\u00fcr Leben, Freiheit und das Streben nach Gl\u00fcck. Unsere Verfassung steht f\u00fcr Frieden, Ordnung und eine gute Regierungsf\u00fchrung\u201c, so Robertson.<\/p>\n<p>Dieser gewachsene Widerstandsgeist gegen die USA sei aber nur einer der Faktoren, die das unterschiedliche Verhalten im Vergleich zur EU erkl\u00e4ren. \u201eIn der EU gab es keine Einigkeit f\u00fcr ein h\u00e4rteres Vorgehen gegen Trump\u201c, sagte Robertson. <\/p>\n<p>Carney hingegen kann sich des R\u00fcckhalts seiner Landsleute sicher sein. 76 Prozent der Kanadier unterst\u00fctzten laut einer Umfrage des Instituts Angus Reid seine Entscheidung, die Verhandlungen zu beenden.<\/p>\n<p>Die offene Frage ist allerdings, wie lange solche Werte Bestand haben werden. \u201eEs gibt eine nationale Erkenntnis, dass das eine harte Zeit wird\u201c, sagte Robertson. Die wirtschaftliche Lage in Kanada ist ohnehin angespannt. \u00d6konomen rechnen laut Robertson damit, dass die j\u00fcngste Eskalation das Bruttoinlandsprodukt um drei bis vier Prozent schrumpfen lassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Kanada ist aber nicht v\u00f6llig mittellos \u2013 was ein weiterer Unterschied zur EU ist und Carney ermutigt hat, sich nicht alles gefallen zu lassen. \u201eDie USA sind abh\u00e4ngig von Kanada, wenn es um den Import von \u00d6l, Gas, Strom oder D\u00fcngemitteln geht\u201c, so Robertson. <\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nne Washington langfristig etwa \u00d6l aus Venezuela importieren, doch Raffinerien sind auf kanadisches \u00d6l eingestellt. Und beim D\u00fcngemittel ist die Abh\u00e4ngigkeit noch st\u00e4rker. \u201eOhne unseren D\u00fcnger k\u00f6nnen sie keinen Mais anbauen\u201c, sagte Robertson. Exportbeschr\u00e4nkungen oder Steuern sind ein Ass, das Ottawa noch ziehen k\u00f6nnte. Carney geht dabei jedoch eine Wette ein: Die wirtschaftlichen Folgen f\u00fcr die USA m\u00fcssen sich schneller in politischen Druck verwandeln als in Kanada.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/gregor-schwung\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/gregor-schwung\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Gregor Schwung<\/a> berichtet f\u00fcr WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er au\u00dfenpolitischer Korrespondent in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus Angst vor einer Eskalation sind westliche Partner bisher immer Donald Trump entgegengekommen. 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