{"id":384933,"date":"2026-09-09T14:25:19","date_gmt":"2026-09-09T14:25:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/384933\/"},"modified":"2026-09-09T14:25:19","modified_gmt":"2026-09-09T14:25:19","slug":"nicephore-niepce-frankreich-feiert-den-vater-der-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/384933\/","title":{"rendered":"Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce: Frankreich feiert den Vater der Fotografie"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr lang, von 1. September 2026 bis 30. September 2027, feiert Frankreich den Bicentenaire de la photographie. Im Zentrum steht ein Mann, der in <a href=\"https:\/\/meinfrankreich.com\/chalon-sur-saone\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chalon-sur-Sa\u00f4ne<\/a> zur Welt kam und nie von seiner bahnbrechenden Erfindung profitieren konnte: Joseph Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem sonnigen Tag im Fr\u00fchherbst 1826 wagt der damals 61-j\u00e4hrige Joseph Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce das gro\u00dfe Experiment. Acht Stunden lang l\u00e4sst er in Saint-Loup-de-Varennes das Licht aus seinem schmalen Innenhof in sein Arbeitszimmer auf eine Zinnplatte fallen, 16,7 x 20,3 Zentimeter gro\u00df. Pr\u00e4pariert war sie mit Judenpech, wie der syrische Asphalt damals auch genannt wurde. Dieses pulverisierte tiefschwarze Naturharz hatte Ni\u00e9pce in Lavendel\u00f6l aufgel\u00f6st, hauchd\u00fcnn auf eine polierte Platte gestrichen und trocknen lassen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die so pr\u00e4parierte Platte legt Ni\u00e9pce in eine Camera obscura und richtet sie aus seinem Fenster auf den Innenhof. Und wartet. Eine Stunde, zwei Stunden, acht Stunden. Und manche sagen, sogar noch l\u00e4nger. Ni\u00e9pce wei\u00df: Judenpech ist lichtempfindlich. Wenn UV-Licht der Sonne auf den Asphalt trifft, ver\u00e4ndert sich dessen Molek\u00fclstruktur. Im Sonnenlicht h\u00e4rtet das Judenpech komplett aus, im Schattenbereich bleibt es weich und l\u00f6slich.<\/p>\n<p>Das welterste Foto<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das so fixierte Bild sichtbar zu machen, mischt Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce Lavendel\u00f6l und Petroleum, w\u00e4scht die Platte damit ab, l\u00f6st den weichen, unbelichteten Asphalt aus den schattigen Bereichen und holt den dunklen Zinnuntergrund hervor. Der harte Asphalt hingegen widersteht dem L\u00f6sungsmittel und bleibt als hellgraue Schicht auf der Platte haften. Point de vue du Gras nennt Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce sein Werk. Das Direktpositiv gilt heute als \u00e4ltestes Foto der Welt. Wiederentdeckt wurde es samt seiner Technik erst 1952. Heliografie hatte Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce sein Verfahren genannt, zusammengesetzt aus den griechischen W\u00f6rtern f\u00fcr Sonne (helios) und zeichnen (graphein).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit ihrer Entdeckung revolutionierten Helmut und Alison Gernsheim die Geschichte der Fotografie und stie\u00dfen die zw\u00f6lf Jahre j\u00fcngere Daguerreotypie vom Thron. Ni\u00e9pce erhielt ein Denkmal, ein Museum \u2013 und den ihm geb\u00fchrenden Platz in der Geschichte der Fotografie.<\/p>\n<p>Der t\u00fcftelnde Gutsbesitzer<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joseph Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce wird am 7. M\u00e4rz 1765 geboren, mitten in einer Epoche des \u00dcbergangs. Ludwig XV. regiert als uneingeschr\u00e4nkter K\u00f6nig des Absolutismus. Frankreich hat im Siebenj\u00e4hrigen Krieg 1763 gerade seine wichtigsten Kolonien in Nordamerika an Gro\u00dfbritannien verloren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die Kriegskosten ist der Staat massiv verschuldet. Die Landbev\u00f6lkerung nagt am Hungertuch, Adel und Klerus feiern ihr Privilegien Noch ist das Volk ruhig, aber das Fundament f\u00fcr die Franz\u00f6sische Revolution (1789) wird genau in diesen Jahren gelegt. <\/p>\n<p>Die industrielle Revolution<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter der Oberfl\u00e4che brodelt es massiv. Die Aufkl\u00e4rung hat ihren H\u00f6hepunkt. Denker wie Voltaire und Rousseau kritisieren die absolute Macht des K\u00f6nigs und der Kirche. Diderot und d\u2019Alembert ver\u00f6ffentlichen das gesamte Wissen der Menschheit in ihrer Enzyklop\u00e4die. Ihr Ziel: durch Vernunft den Fortschritt zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1765 repariert der Schotte James Watt ein Modell einer Newcomen-Dampfmaschine und erfindet dabei den separaten Kondensator, welcher die Dampfmaschine effizient macht und das Industriezeitalter einl\u00e4utet. Gleichzeitig beginnt der Siegeszug der modernen Chemie. Wie elektrisiert ist die Welt damals vom Glauben an den technischen Fortschritt \u2013 und auch Ni\u00e9pce.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sohn eines k\u00f6niglichen \u00a0Steuereintreibers w\u00e4chst in einem gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Umfeld auf, genie\u00dft eine humanistische Bildung und h\u00f6rt fasziniert von Antoine Lavoisier, der mit seinen Versuchen zeigt, wie \u00a0Gase und chemische Reaktionen funktionieren.<\/p>\n<p>Der erste Verbrennungsmotor der Welt<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">24 Jahre jung erlebt Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce die Franz\u00f6sische Revolution. Als gesundheitliche Probleme ihn zwingen, die Revolutionsarmee gegen die Verwaltung des Familiengutes zu tauschen, beginnt er gemeinsam mit seinem Bruder Claude zu forschen \u2013 und erfindet mit dem Pyr\u00e9olophore einen der ersten Verbrennungsmotoren der Welt. Der Motor nutzte die explosionsartige Verbrennung von feinem Lycopodium-Pulver aus B\u00e4rlappsporen, sp\u00e4ter auch eine g\u00fcnstigere Mischung aus Harz und Kohlenstaub, um Luft zu erhitzen und auszudehnen. 1807 treibt der Vorl\u00e4ufer des Dieselmotors erstmals erfolgreich ein Motorboot an. Am 20. Juli 1807 erhalten die Br\u00fcder per Dekret von Napoleon Bonaparte ein offizielles Patent.<\/p>\n<p>Fr\u00fche fotografische Experimente<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Camera obscura, die Maler damals nutzen, um Bilder von drau\u00dfen drinnen auf ihre Leinwand zu werfen, weckt Ni\u00e9pces Neugier. Und die seiner Zeitgenossen. Der Engl\u00e4nder Thomas Wedgewood ist einer der ersten, der um 1800 versucht, mit Silbernitrat auf Papier und Leder auf Glas gemalte Bilder zu fixieren. Doch sobald die belichtete Platte ans Tageslicht kommt, ist das Motiv verschwunden. Da Wedgewood noch kein chemisches Fixiermittel nutzt, bleibt das Papier lichtempfindlich \u2013 und die zuvor gesch\u00fctzten, hellen Stellen schw\u00e4rzen sich in der Sonne. Wedgewood kann seine Bilder daher nur f\u00fcr kurze Zeit bei Kerzenlicht betrachten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ni\u00e9pces Asphalt-Belichtung indes h\u00e4lt dem Tageslicht stand. 1827 reist er daher nach London, um seine Erfindung der Royal Society zu pr\u00e4sentieren. Anders als erhofft, reagiert die Londoner Gesellschaft desinteressiert. Francis Bauer jedoch hinterl\u00e4sst auf der Platte eine Nachricht, die sp\u00e4ter bedeutend werden w\u00fcrde: \u201eHerrn Ni\u00e9pces erster gelungener Versuch, ein lichtbest\u00e4ndiges Bild nach der Natur herzustellen.\u201c Dieser Satz sollte sp\u00e4ter diese Aufnahme retten. Ni\u00e9pce ist jedoch tief entt\u00e4uscht und sucht nun im eigenen Land einen Partner f\u00fcr seine Erfindung. Er findet ihn im Pariser Theatermaler Louis Jacques Mand\u00e9 Daguerre. Gemeinsam wollen sie Ni\u00e9pces Asphaltbelichtung \u201ezur Fixierung von Abbildern der Natur ohne Mitwirkung eines K\u00fcnstlers\u201c weiterentwickeln und massentauglich machen.<\/p>\n<p>Vertrag mit Daguerre<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 14. Dezember 1829 unterzeichnen beide Partner dazu einen Gesellschafsvertrag, in dem Daguerre ausdr\u00fccklich Ni\u00e9pce als Erfinder der Heliografie anerkennt. Doch am 5. Juli 1833, nur vier Jahre sp\u00e4ter, stirbt Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce v\u00f6llig verarmt an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Sohn Isidore erbt Ni\u00e9pces Gesellschaftsanteile. Louis Daguerre forscht weiter, nennt die Firma um in \u201eDaguerre und Isidore Ni\u00e9pce\u201c \u2013 und sorgt mit einer weiteren Vertrags\u00e4nderung daf\u00fcr, dass Ni\u00e9pce vergessen und Daguerre als alleiniger Erfinder der Daguerreotypie eingetragen wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a0Auf silberbeschichteten Kupferplatten, vorher mit Jod lichtempfindlich gemacht, ist es ihm gelungen, mit Quecksilberd\u00e4mpfen das Bild zum Vorschein zu bringen und mit hei\u00dfer Kochsalzl\u00f6sung dauerhaft zu fixieren. Alles, was sich nicht bewegt, ist auf seinen Daguerreotypien zu sehen, Landschaften und Geb\u00e4ude, aber keine Menschen. 15 Minuten Belichtungszeit sind daf\u00fcr zu lang. Einzig bei der Aufnahme einer Pariser Stra\u00dfenszene von 1838 ist ein Schuhputzer am Ende der Allee zu sehen, der dort unbeweglich gehockt hatte \u2013 der erste Mensch auf einem Foto!<\/p>\n<p>Talbots Fotogramme<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wie die Heliografien von Ni\u00e9pce sind auch Daguerres Bilder allesamt Unikate \u2013 und nicht reproduzierbar. Daran arbeitet William Henry Fox Talbot. \u00a0Direkt nach seinen Flitterwochen beginnt er 1834, mit photogenic drawings zu experimentieren, Fotogramme mit Federn, Spitzen oder Bl\u00e4ttern. Das Papier hatte er zuvor mit Kochsalz und Silbernitrat lichtempfindlich gemacht. Auf seinem Landsitz Lacock Abbey stellt er allerorten winzige Ger\u00e4te auf, die seine Frau mouse traps tauft \u2013 h\u00f6lzerne Kameras, in denen er stundenlang das Licht einf\u00e4ngt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 7. Januar 1839 stellt Fran\u00e7ois Arago der Akademie in Paris \u00a0Daguerres Erfindung vor. Die franz\u00f6sische Regierung kauft alle Rechte und zahlt Daguerre eine lebenslange Rente. Talbot ger\u00e4t in Panik. Er wollte als erster seine bis dato geheim gehaltene Erfindung pr\u00e4sentieren, die Kalotypie \u2013 vom griechischen Wort f\u00fcr sch\u00f6n, kalos. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Immer rasanter entwickelt sich die Fotografie.<\/p>\n<p>Die Negativ-Positiv-Revolution<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Jahre sp\u00e4ter l\u00f6sen Glasplatten die Daguerreotypie und Kalotypie ab. Bedeckt mit einer lichtempfindlichen Emulsion, wurde die Platte vor der Aufnahme in eine Silbernitratl\u00f6sung getaucht und nass in die Kamera gesetzt. Nach der Belichtung entwickelt eine \u00a0Eisensulfatl\u00f6sung das Bild, Natriumthiosulfat fixiert es dauerhaft. Von dieser Platte, dem Negativ, lassen sich nun unbegrenzt Abz\u00fcge herstellen \u2013 die Negativ-Positiv-Belichtung war erfunden. Fotostudios er\u00f6ffnen, und wer es sich leisten kann, l\u00e4sst sich f\u00fcr die Nachwelt ablichten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar wurden Tr\u00e4germedien und Entwicklungsl\u00f6sungen im Laufe der Zeit modifiziert, wich die Platte dem Rollfilm, doch das Prinzip ist stets das Gleiche geblieben. Wie im 19. Jahrhundert wird bis heute bei der analogen Fotografie das Bild mit lichtempfindlichen Silbersalzen erstellt. Erst 100 Jahre nach Ni\u00e9pces erster Heliografie erinnert die franz\u00f6sische Tageszeitung Le Matin an ihren Erfinder Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce und druckt den Originalvertrag ab. Seitdem gilt Ni\u00e9pce als Erfinder, Daguerre als Vollender.<\/p>\n<p>Le Point de vue du Gras in Texas<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1963 \u00a0schenkten die Sammler Alison und Helmut Gernsheim das Original von Le Point de vue du Gras der University of Texas, als Harry Ransom ihre gesamte Sammlung ankaufte. Seitdem\u00a0ruht die Zinnplatte im Harry Ransom Center der Hochschule \u00a0in einer speziell angefertigten, mit Helium gef\u00fcllten Vitrine, die jeglichen Sauerstoff ausschlie\u00dft. Aus Angst, das Kulturgut zu zerst\u00f6ren, verlie\u00df das erste Foto der Welt nie Austin. 2012 machte die Universit\u00e4t jedoch eine erste Ausnahme und lie\u00df das Original f\u00fcr die Ausstellung \u201eDie Geburtsstunde der Fotografie\u201c in den Reiss-Engelhorn-Museen als Leihgabe nach Mannheim reisen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Von April bis Juni 2027 kehrt das Meisterwerk zum 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Fotografie f\u00fcr kurze Zeit in seine Heimat zur\u00fcck, wo es im Mus\u00e9e Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce in der Ausstellung L\u2019empreinte d\u2019H\u00e9lios. 1826\u20131827, Ni\u00e9pce invente la photographie! zu sehen sein wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--pointerdown=\"actions.preloadImage\" data-wp-on--pointerenter=\"actions.preloadImageWithDelay\" data-wp-on--pointerleave=\"actions.cancelPreload\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/f-chalon-sur-saone-klassenfoto-1-credits-hilke-maunder-1-1100x619.jpg\" alt=\"Am Sa\u00f4ne-Ufer zeigt das &lt;em&gt;Mus\u00e9e Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce&lt;\/em&gt; open-air historische Aufnahmen wie diese Klassenfotos. Foto: Hilke Maunder\" class=\"wp-image-200742\"  \/><\/p>\n<p>\t\tAm Sa\u00f4ne-Ufer zeigt das Mus\u00e9e Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce open-air historische Aufnahmen wie diese Klassenfotos. Foto: Hilke Maunder<\/p>\n<p>Vier Millionen Augenblicke<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Museum residiert im H\u00f4tel des Messageries royales, einer alten Postkutschenstation, in der einst die Maut f\u00fcr Flussschiffe und Postkutschen zu zahlen war. Seit 1972 l\u00e4dt es dort das ganze Jahr zu einer Zeitreise auf den Spuren der Fotografie ein. Bereits in den 1860er-Jahren hatte der lokale Historiker Jules Chevrier begonnen, Ger\u00e4te, Unterlagen und andere Materialein f\u00fcr ein k\u00fcnftiges Ni\u00e9pce-Museum zu sammeln,<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute wird dort alles gezeigt, was im weitesten Sinne mit der Fotografie zu tun hat. Mehr als drei\u00a0 Millionen Originalbilder und Negative, 10.000 Fotoapparate von der Camera obscura bis zur Wegwerfkamera der 1990er-Jahre umfasst die Sammlung. Ebenfalls dort zu sehen: Ni\u00e9pces chambre de la d\u00e9couverte, der allererste Fotoapparat der Welt.<\/p>\n<p>Europas gr\u00f6\u00dftes Kodak-Werk<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gut mehr als 100 Jahre nach Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce schreibt Chalon-sur-Sa\u00f4ne erneut Fotogeschichte, diesmal deutlich industrieller. Bereits 1954 war die Entscheidung gefallen, die Produktion des US-amerikanischen Konzerns Eastman Kodak aus Vincennes bei Paris in die Provinz zu verlagern. 1962 er\u00f6ffnet im Norden von Chalon das gr\u00f6\u00dfte Kodak-Werk Europas auf 80 Hektar. Es wird zum Herzst\u00fcck der europ\u00e4ischen Filmproduktion des Konzerns. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu 3.800 Mitarbeiter stellen hier Fotochemikalien, Verbraucherfilme wie das Format 135 sowie medizinische R\u00f6ntgen- und Kinofilme her. Der Vormarsch der digitalen Bilder bedeutet das Ende. 2005 wird die Schlie\u00dfung besiegelt, das Personal sukzessive abgebaut, die Produktion heruntergefahren. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2007 wird das Hauptgeb\u00e4ude, 2008 die riesige Beschichtungshalle gesprengt. \u00a0Um die Erinnerung an ein Jahrhundert analoger Bildindustrie zu bewahren, gr\u00fcnden ehemalige Mitarbeiter den Cercle des Conservateurs de l\u2019Image Latente (CECIL) und richten im ehemaligen Forschungsgeb\u00e4ude ein kleines Kodak-Museum ein.<\/p>\n<p>Geschichte der Resilienz<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kodaks Betriebsgel\u00e4nde wird f\u00fcr gut eine Milliarde Euro als Sa\u00f4neOr revitalisiert, heute der gr\u00f6\u00dfte Gewerbe- und Industriepark zwischen Paris und Lyon. Rund 360 Unternehmen mit insgesamt 6.600 Arbeitspl\u00e4tzen haben sich hier angesiedelt. Logistiker sind darunter, Metallverarbeiter und digitale Dienstleister. Chalon nennt das Ende von Kodak und den Neustart eine Geschichte der Resilienz. Bewusst schl\u00e4gt die Stadt dabei den \u00a0Bogen zur\u00fcck zu Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2004 gr\u00fcndete der Gemeindeverband Grand Chalon die Nic\u00e9phore Cit\u00e9. Das neue Cluster f\u00fcr digitale Bildtechnologien zieht in die Sucrerie Rouge, eine alte Zuckerraffinerie aus rotem Backstein am Quai Saint-Cosme. Zu Beginn liegt der Schwerpunkt ganz auf Bild, Ton und Kreativwirtschaft. Das Ziel: Nic\u00e9phore Ni\u00e9pces Erbe ins digitale Zeitalter zu \u00fcberf\u00fchren. Chalon f\u00f6rderte Start-ups, bietet Studios f\u00fcr 3D-Animation, Postproduktion und digitale Bildbearbeitung an. 2016 kommen die FabLabs hinzu, um die lokale Industrie beim Prototypenbau und kleinen Serienfertigungen mit 3D-Druck digital zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>L\u2019Usinerie : Cluster der Digitalwirtschaft<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch bald zeigt sich: Das gr\u00f6\u00dfte Industriezentrum Burgunds braucht im gesamten Produktionssektor Unterst\u00fctzung bei der digitalen Transformation \u2013\u00a0mit k\u00fcnstlicher Intelligenz, Robotik und Virtual Reality. Die Antwort darauf hei\u00dft: L\u2019Usinerie. F\u00fcr das Gro\u00dfprojekt wird die historische Dampfm\u00fchle Sucrerie Blanche saniert und mit einem Glas- und Stahlbau mit der Nic\u00e9phore Cit\u00e9 verbunden. 11,5 Millionen Euro l\u00e4sst sich die Stadt den 4.000 Quadratmeter gro\u00dfen Innovations- und Campus-Hub kosten, der im September 2022 er\u00f6ffnet. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Elite-Ingenieurschule Institut Image forscht hier zu Virtual Reality, Augmented Reality und digitalem Design. Das Conservatoire national des Arts et M\u00e9tiers (CNAM) bietet Weiterbildung an. Der Arbeitgeberverband Union des Industries et M\u00e9tiers de la M\u00e9tallurgie 71 (UIMM) vertritt Metall- und Industriebetriebe. Und L\u2019Usinerie Partners, Nachfolgerin der Nic\u00e9phore Cit\u00e9, unterst\u00fctzt Unternehmen und Start-ups direkt bei der Digitalisierung ihrer Produktion.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2004 wollte die Nic\u00e9phore Cit\u00e9 eine Br\u00fccke vom analogen Film-Erbe Kodaks zur digitalen Bildtechnik schlagen. \u00a0L\u2019Usinerie ist die Antwort auf die vierte industrielle Revolution und dient der Wirtschaft als digitaler Werkzeugkasten. Im Jubil\u00e4umsprogramm zum Bicentenaire de la photographie erz\u00e4hlt Chalon-sur-Sa\u00f4ne so gleich zwei Kapitel seiner Bildgeschichte: als Geburtsort der analogen Fotografie und als Schauplatz ihres digitalen Erbes.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1100\" height=\"619\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--pointerdown=\"actions.preloadImage\" data-wp-on--pointerenter=\"actions.preloadImageWithDelay\" data-wp-on--pointerleave=\"actions.cancelPreload\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/f-chalon-sur-saone-uferpromenade-niepce-credits-hilke-maunder-1100x619.jpg\" alt=\"Nic\u00e9phone Ni\u00e9cpe blickt \u00fcber die Sa\u00f4ne. Foto: Hilke Maunder\" class=\"wp-image-200732\"  \/><\/p>\n<p>\t\tNic\u00e9phone Ni\u00e9cpe blickt \u00fcber die Sa\u00f4ne. Foto: Hilke Maunder<\/p>\n<p>Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce und die Fotografie: meine Tipps<\/p>\n<p>Mus\u00e9e Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">28, quai des Messageries, 71100 Chalon-sur-Sa\u00f4ne, Tel. 03 85 48 41 98, <a href=\"https:\/\/www.museeniepce.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.museeniepce.com<\/a>; Di. geschl.<\/p>\n<p>Maison Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2, rue Nic\u00e9phore Ni\u00e9pce, 71240 Saint-Loup-de-Varennes, Tel. 03 85 94 84 60; nur Juli\/August<\/p>\n<p>Die Heimat von Louis Daguerre: Bry-sur-Marne <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Louis Daguerre kam am 18. November 1787 in Cormeilles-en-Parisis (Val-d\u2019Oise) zur Welt. Ab 1840 lebte und arbeitete er in Bry-sur-Marne (Val-de-Marne), wo die \u00c9glise Saint-Gervais seit 1842 das einzig erhaltene Diorama von Daguerre birgt. Sein Trompe-l\u2019\u0153il verwandelt den Chor in eine gotische Kathedrale. Daguerre, zeitweise auch Gemeinderat vor Ort, starb am 10. Juli 1851 und ruht auf dem Friedhof der Gemeinde. Einige seiner Kameras und mehrere Daguerreotypien zeigt das kleine Mus\u00e9e Adrien Mentienne. <br \/>\u2022\u00a06B, Grand Rue Charles de Gaulle, 94360 Bry-sur-Marne, Tel. 01 45 16 68 33<\/p>\n<p>Das Mus\u00e9e fran\u00e7ais de la Photographie<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreichs gr\u00f6\u00dfte Fotosammlung ist wegen Geb\u00e4udesch\u00e4den und strukturellen M\u00e4ngeln bis auf Weiteres geschlossen. Das D\u00e9partement Essonne sucht Finanzierungsm\u00f6glichkeiten, Sponsoren und einen neuen Standort f\u00fcr die Best\u00e4nde. Das Museum besitzt rund eine Million Fotografien und mehr als \u00a025.000 historische Apparate und Ger\u00e4te.<br \/>\u2022\u00a078, rue de Paris, 91570 Bi\u00e8vres, Tel. 01 69 35 16 50, <a href=\"https:\/\/museedelaphoto.essonne.fr\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">https:\/\/museedelaphoto.essonne.fr<\/a><\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-theme-palette-1-color has-theme-palette-7-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\">Gef\u00e4llt Dir der Beitrag? Dann sag merci mit einem virtuellen Trinkgeld.<br \/>Denn nervige Banner oder sonstige Werbung sind f\u00fcr mich tabu.<br \/>Ich setze auf Follower Power. So, wie Wikipedia das freie Wissen finanziert.<br \/>Unterst\u00fctze den Blog! <a href=\"https:\/\/meinfrankreich.com\/foerdern-sagt-danke-mit-einer-spende\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Per Bank\u00fcberweisung<\/a>. 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September 2027, feiert Frankreich den Bicentenaire de la photographie.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":384934,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26],"tags":[158,157,46,42,159,147,161,160,44,148],"class_list":["post-384933","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-art","tag-art-and-design","tag-at","tag-austria","tag-design","tag-entertainment","tag-kunst","tag-kunst-und-design","tag-oesterreich","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117241546897564706","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384933","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=384933"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/384933\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/384934"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=384933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=384933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=384933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}